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Erfahrungs-Schatz

Tipps für entschleunigtes und achtsames Reisen.

Home » Inspiration » Erfahrungs-Schatz - 12.2016

Reisen macht reich. Besonders, wenn wir es langsam angehen. Unsere Welt ist schnelllebig. Autos, Smartphones, Fernsehen, unzählige Unterhaltungsmöglichkeiten. Wir haben uns daran gewöhnt, dem Hier und Jetzt stets einen Schritt nachzuhinken.

Da ist dieses Gefühl, dass vieles auf der Strecke bleibt. Weil wir alles gleichzeitig wollen. Das wirkt sich auch darauf aus, wie wir reisen. Beim Unterwegssein wollen wir oft möglichst viel in möglichst kurzer Zeit sehen. Dabei hätten wir die Gelegenheit, uns für wenige Wochen im Jahr völlig freizumachen. Frei vom Zwang, Dinge erledigen, sehen oder abhaken zu müssen. Aber wie befreit man sich eigentlich?
genuss-reise-6-ab_2016-10Eine Möglichkeit ist, das Reisen in Zeitlupe anzugehen. Statt ins Flugzeug einmal an Bord eines Segelschiffs zu klettern. Statt des Städtetrips einmal stundenlang durch die eigene Umgebung zu spazieren. Oder sich in den Zug zu setzen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Das tun, wonach einem instinktiv ist. Nichts im Urlaubs­-Terminplaner stehen haben, sondern auf Entdeckungstour gehen. Sich treiben lassen, die Welt mit anderen Augen wahrnehmen, achtsam unterwegs sein. Sein eigenes Tempo finden, fühlen, spüren und sich auf neue Begegnungen einlassen. Einfach mal vom Weg abkommen, in eine Seitenstraße einbiegen und sich verführen lassen. Von den Geräuschen, Düften, Szenen, Eindrücken. „Eine Straße ist ein Tunnel, der einen an lineare Orte, lineare Begriffe und die lineare Zeit fesselt“, schreibt der britische Reiseschriftsteller Dan Kieran in seinem Buch „Slow Travel“.

Vom Weg abzukommen kann neue Horizonte eröffnen. Länger an ein und demselben Ort zu bleiben kann das Reise-Erlebnis ebenfalls nachhaltig beeinflussen. Eine Woche, zwei oder drei. Einen Monat. Oder vier. Je länger man bleibt, desto verwurzelter fühlt man sich. Man baut eine Verbindung zum lokalen Alltag auf, kommt mit Menschen ins Gespräch. Auch wenn man alleine reist, ist man nicht allein. Man macht unzählige schöne Erfahrungen und vielleicht auch ein paar schlechte. Auch das gehört dazu. Kein Platz der Welt ist ein fehlerfreies Paradies. Jede Stadt, jedes Land hat Ecken und Kanten. Wenn man sich ihnen nähert, wird der Blick realer. Und der Eindruck, der bleibt, ist viel mehr als nur eine Fassade aus dem Urlaubskatalog.

Thomas Mann, Schriftsteller

»Reisen ist das einzig Taugliche gegen die Beschleunigung der Zeit.« 

Neue Blickwinkel

Lange bleiben heißt auch, Zeit zu haben, auszuschlafen, in den Tag zu leben. Oder bald aufzustehen und barfuß den Strand entlangzuspazieren. Und nicht gestresst von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu hetzen. Der müßige Reisende meidet ausgetretene Pfade. Nicht weil er sich damit brüsten will, sondern weil ihm danach ist. „Während diejenigen, die die Welt in Eile konsumieren, sich auf das Bekannte und Zweckmäßige beschränken müssen“, fasst es Dan Kieran in die richtigen Worte. Lange bleiben heißt auch, weniger pompöse Eindrücke zu sammeln. Dafür mehr kleine, die nachhaltig in Erinnerung bleiben. Sich verlaufen und Einheimische nach dem Weg fragen, ein paar Brocken der lokalen Sprache lernen. Oder das machen, was man daheim auch tun würde. Frisches Obst am Markt kaufen, ins Kino oder ins Konzert gehen. Dann fühlt sich Reisen wie Ankommen an.genuss-reise-3-ab_2016-10

Entschleunigtes Unterwegssein macht dem Reisenden viele wertvolle Geschenke. Eines davon ist die Begegnung mit anderen Menschen. Und zwar abseits von Taxifahrern und Hotelrezeptionisten. Denn man beginnt, sich da aufzuhalten, wo auch die lokale Bevölkerung ist. Es kann zum Beispiel passieren, dass man im Zug von Nordspanien nach Madrid mit einer Pensionistin ins Gespräch kommt. Und am nächsten Tag gemeinsam durch den Park spaziert. Oder dass man in Kambodscha in eine Neujahrsfeier gerät. Und tags darauf im Nachbardorf von einer freundlichen Familie bekocht wird. Es sind kleine Erfahrungen, die das Puzzle des Reisens zu einem prächtigen Gemälde zusammenfügen. Und in der Erinnerung plötzlich ganz groß werden. Erlebnisse, die man für kein Geld der Welt kaufen kann.

Weil sie authentisch sind, unvorhergesehen, zwischenmenschlich. Goldene Tempel und weiße Sandstrände sind etwas fürs Auge. Sie gefallen, aber sie berühren nicht. Begegnungen mit anderen Menschen tun das. Man erhält einen klitzekleinen Einblick in fremde Lebenswelten. Sieht, wie unterschiedlich Kulturen und Alltagswelten sind. Und wie sehr wir Menschen uns trotzdem ähneln. Man lässt sich auf etwas ein, gibt ein Stück von sich selber preis. Man ist nicht mehr nur Konsument, sondern wird Teil von etwas. Das schafft das Gefühl, auch wahrhaftig vor Ort gewesen zu sein – und nicht nur als Zaungast. Langsames Reisen verändert von innen. Man hat das Gefühl, reicher zu sein. Und nimmt viel mehr mit nach Hause als nur schöne Urlaubsfotos

 

Bewegen

genuss-reise-2-ab_2016-10Gehen: Schon Goethe wusste: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ Das Beste daran: Wandern kann man überall – vor der eigenen Haustür oder im Himalaya. Geschlafen wird im Zelt oder in einfachen Herbergen.

Gleiten: Ob eine Reise durch Österreich, Interrail durch Europa oder ein Dauer-Zugticket für Japan: Wer mit dem Zug unterwegs ist,  hat stets gute Aussichten und spart sich Staus und Warteschlangen. Besonders  preiswert sind Länderpässe, die mehrere Wochen oder Monate gültig sind.

Treten: Langsam reisen und gleichzeitig viele Eindrücke sammeln: Wer auf dem Drahtesel die Welt erkundet, tut der Umwelt und sich selber etwas Gutes.

Cruisen: Mit dem Frachtschiff ein Land, einen Kontinent oder gleich die ganze Welt bereisen. Was man dafür bracht: viel Zeit. Und wahrscheinlich einen guten Magen. Ganz billig ist es nicht, aber dafür hat man wenig zusätzliche Ausgaben. Auf Frachtschiff-Reisen Ideen holen.

Laotse, Chinesischer Philosoph

»Der wahre Reisende hat keinen festgelegten Weg, noch will er an ein Ziel.« 

Bleiben

genuss-reise-5-ab_2016-10Anpacken: Einen Einblick in andere Welten bekommen, Kontakt zu Einheimischen knüpfen und dabei jemandem unter die Arme greifen. Das Konzept: vier bis fünf Stunden Arbeit am Tag gegen freie Unterkunft und Verpflegung. Inspirationen gibt’s hier.

Surfen: Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: Man kann fast überall auf der Welt kostenlos bei Einheimischen übernachten. Sinn ist aber nicht, Geld zu sparen, sondern kulturelle Brücken zu bauen.

Reden: Einheimische kennenzulernen ist oft gar nicht so leicht. Warum sich also nicht gleich bei ihnen einquartieren? Im Gegenzug dafür muss man nichts tun, außer sich in seiner Muttersprache mit ihnen zu unterhalten. Sprachkenntnisse gegen Kost und Logis als

Aufpassen: Meerschweinchen, Hunde, Katzen. Tierliebe Reisefans passen ohne Bezahlung auf Haustiere auf, während ihre Besitzer auf Urlaub sind. Der Lohn: gratis Unterkunft. Geringe monatliche Mitgliedsgebühr.

Weiterlesen: Tipps zum Entschleunigen

10 Tipps: Entschleunigt und achtsam reisen


1. 
Entscheide dich für ein langsames Verkehrsmittel. Oder gehe zu Fuß.
2. Besuche einen lokalen Markt und kaufe Obst, das nur hier wächst.
3. Lerne ein paar Worte der einheimischen Sprache. Und traue dich, sie anzuwenden.
4. Mach‘ ein Picknick im Park. Gerade in asiatischen Ländern wird man oft angesprochen, weil die Menschen ihr Englisch üben wollen.
5. Besuche eine lokale Veranstaltung, zum Beispiel eine Vernissage.
6. Mach das, was du zu Hause auch tun würdest: Gehe ins Kino, auf ein Konzert, schau dir ein Fußballspiel an.
7.  Nimm über Plattformen wie Cuchsurfing oder Eatwith Kontakt zu Einheimischen auf.
8. Meide Cafés und Restaurants, die im Reiseführer stehen. Frage lieber einen Einheimischen nach seinem Lieblingslokal.
9. Fahr ein paar Stationen mit der U-Bahn stadtauswärts, steige aus und erkunde die Gegend. Das schafft einen Eindruck vom Leben abseits des touristischen Zentrums.
10. Nimm dir viel Zeit. Bleib an einem Ort. Habe kein schlechtes Gewissen, wenn du längere Pausen einlegst oder dir nur wenige Sehenswürdigkeiten anschaust.

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