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Selbstlose Nächstenliebe

Was gerecht zu sein scheint. Und wie man den Altruismus aus der Reserve lockt.

Home » Leben » Ratgeber » SelbstloseNächstenliebe - 11.2015

Teil 3: Der Altruismus in uns

Wie egoistisch sind wir Menschen tatsächlich und lässt sich Nächstenliebe antrainieren?

Soziale Gerechtigkeit

Wie altruistisch oder egoistisch Menschen sind, zeigt das Ultimatumspiel. Einer bekommt einen hohen Geldbetrag, den er nur behalten darf, wenn er einem Fremden, den er nie sieht, etwas abgibt und der den Betrag auch akzeptiert. Man könnte meinen, der Erste gibt möglichst wenig ab, der Zweite akzeptiert alles. Aber so ist es nicht. Die meisten zweiten Spieler, die weniger als ein Viertel bekommen, lehnen ab. Weil sie, anstatt ein bisschen Geld einzustecken, lieber für Fairness sorgen. Doch so schlechte Angebote machen nur die wenigsten ersten Spieler.

Unterstützung. Helfen bringt jeden eine Stufe weiter im Leben.

Unterstützung. Helfen bringt jeden eine Stufe weiter im Leben.

Ultimatives Angebot

Die meisten wissen, dass es falsch wäre. Ihr Gerechtigkeitsempfinden gewinnt gegen die Habgier. Nicht ganz unwichtig ist wohl auch, dass ihnen klar ist: Wenn der andere das Angebot ausschlägt, stehen sie selbst mit leeren Händen da. So oder so, durchschnittlich bekommt jeder die Hälfte. Es sei denn, man bestrahlt die Probanden mit starken Magnetfeldern und setzt damit gezielt einen Teil des rechten Stirnhirns lahm. Das haben Forscher rund um den Ökonomen Ernst Fehr einmal ausprobiert. Das Gerechtigkeitsempfinden war damit weg, der Egoismus dafür grenzenlos.

Verstärkende Faktoren

Viele Umstände entscheiden darüber, ob jemand altruistisch oder egoistisch ist. Forschungsergebnisse zeigen, dass auch die Gene, die Kultur und die Lebensumstände dazu beitragen. Altruismus lässt sich aber auf jeden Fall verstärken. „Wir sind oft mit dem Elend anderer konfrontiert und es fasziniert uns, wenn einzelne selbstlos handeln“, sagt Simone Schnall von der Universität Cambridge, deren Studienobjekt der Altruismus ist. Sie untersucht das Gefühl, das sich einstellen kann, wenn man moralisch selbstlose Taten beobachtet. „Man ist etwa sehr bewegt und beeindruckt, manchmal wird einem sogar buchstäblich warm ums Herz“, so Schnall.

Wegbegleiter. Helfen bringt jeden eine Stufe weiter im Leben.

Wegbegleiter. Helfen bringt jeden eine Stufe weiter im Leben.

Simone Schnall, Universität Cambridge

„Selbst wenn man nur kurze Zeit das prosoziale Verhalten anderer Menschen beobachtet, kann das eigene altruistische Handlungen auslösen.“

Hilfsbereitschaft ist ansteckend. Und Mitgefühl kann man sich aneignen – durch Meditation. Ernst Fehr hat das genauer an Matthieu Ricard erforscht, einem französischen Molekularbiologen, der schon viele Jahre in einem buddhistischen Kloster in Asien lebt. Er sagt: „Mit nur wenigen Monaten Training kann man Mitgefühl in sich entstehen lassen.“ Und das geht so: Man stellt sich eine Person vor, von der man bedingungslose Liebe erfahren hat. Die Mutter zum Beispiel. Und dieses Gefühl dehnt man langsam auf alle Menschen aus. „Das ist, als stelle man sich vor, dass die Sonne nicht nur auf einen selbst scheint, sondern auf alle Lebewesen.“ Bevor jetzt wer seine eigenen Bedürfnisse im Garten vergräbt: Wer immer nur auf andere schaut, scheitert. Wer nur auf sich schaut, auch.

BUCH TIPP „Der Sinn des Gebens“ von Stefan Klein

Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und wir mit Egoismus nicht weiterkommen. Stefan Klein. Fischer Taschenbuch Verlag

Lesen Sie mehr zum Thema:

Teil 1: Ein Virus namens Altruismus
Teil 2: Selbstlosigkeit in der Tierwelt
Teil 3: Der Altruismus in uns

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