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Charisma kann man lernen

Jeder von uns hat es, das gewisse Etwas.

Home » Leben » Charisma kann man lernen - 03.2017

Manche Menschen haben Glück, denn bei ihnen ist das Charisma sofort zu erkennen. Doch diese Gabe kein Geschenk, das nach dem Zufallsprinzip verteilt wird. Das gewisse Etwas kann man auch bei sich selbst finden – mit Geduld, Reflektion und Selbsterkenntnis.

Jeder hat es. Aber kaum jemand weiß das auch. Wir bewundern andere, die es haben. Die es zur Schau stellen. Ganz natürlich. Scheinbar unbewusst. Einfach spielerisch. Die alle Blicke auf sich ziehen. Die jedem sympathisch sind. Denen man aufmerksam zuhört. Die mit einem strahlenden und ansteckenden Lächeln durchs Leben gehen. Die nichts und niemand aus der Ruhe bringen kann. Die immer souverän wirken. Die einen verzaubern. Die sind, wie sie sind. Die wissen, dass sie es haben. Aber sie sind nicht anders als wir. Denn jeder hat es. Wir müssen nur herausfinden, was es ist. Es gezielt einsetzen. Und schon strahlen auch wir es aus, das gewisse Etwas.

Das gewisse Etwas ist bei manchen Menschen sofort erkenn- und spürbar. Wenn wir einmal überlegen, wer es hat, fallen uns Schauspieler, Musiker, Künstler und Politiker ein. Vielleicht hat es auch die Chefin, ein Kollege, eine Freundin oder jemand aus der Familie.

Eines haben sie alle gemeinsam: unsere Bewunderung. Sie berühren und inspirieren uns. Aber wenn wir versuchen, das gewisse Etwas zu beschreiben, tun wir uns schwer. Auf Anhieb können wir es nicht definieren. Es ist ungreifbar. Eine Art Aura, die diese Menschen umgibt. Eine besondere Form der Anziehung, die uns nicht loslässt.

Die Zutaten von Charisma

Der Psychologe Richard Wiseman findet klare Worte und meint, dass man drei Eigenschaften haben muss, um charismatisch zu sein.

  • Man muss Emotionen sehr stark empfinden können.
  • Man muss es schaffen, auch andere Menschen so starke Emotionen erleben zu lassen.
  • Man muss resistent gegenüber dem Einfluss durch andere sein, selbst wenn die noch so charismatisch sind.

Eine andere Erklärung: Menschen haben für uns dann das gewisse Etwas, wenn sie anders sind als wir, nämlich so, wie wir gerne wären.

Ronald Riggio, ebenfalls Psychologe, geht das nicht weit genug. Er meint, Charisma besteht aus sechs Zutaten. Die soziale Expressivität ist die Fähigkeit, öffentlich sicher und eloquent aufzutreten und andere in Gespräche zu verwickeln. Die emotionale Expressivität ist die Gabe, Gefühle authentisch auszudrücken und weiterzugeben. Die soziale Kontrolle ist das Talent, sich schnell auf verschiedene Menschen und Situationen einstellen zu können und sich anzupassen. Die emotionale Kontrolle ist die Begabung, die eigenen Gefühle zu kontrollieren.

Und dann gibt es noch die soziale Sensitivität, die es einem ermöglicht, die Stimmung in einer Gruppe schnell zu erfassen und sich darauf einzustellen. Und die emotionale Sensitivität, mit der man einfühlsam auf andere zugehen und ihnen das Gefühl vermitteln kann, dass sie in dem Moment das Einzige sind, was wichtig ist. Diese sechs Zutaten kommen – ganz wichtig – zu gleichen Mengen in einen Topf, einmal kräftig umrühren und fertig ist das gewisse Etwas.

Der lange Weg zum Charisma

So einfach ist das natürlich auch wieder nicht. Wir schlafen nicht nachts ein und wachen tags darauf als eloquenter, emotional ausgewogener, sensibler, offener, selbstbewusster und anpassungsfähiger neuer Mensch auf. Wenn wir das gewisse Etwas nicht haben, ist es schwer, es sich anzueignen. Es ist harte Arbeit. Ein langer Weg, auf dem wir uns ständig beobachten, analysieren und Schritt für Schritt weiterentwickeln müssen. Bis wir ans Ziel kommen, das manchen, die etwa schüchtern oder mit sich selbst nicht zufrieden sind, besonders weit entfernt scheint. Aber die Schritte, die wir machen können, sind groß. Mit jedem davon ändert sich, wie wir uns selbst wahrnehmen. Jeder gibt uns ein gutes Gefühl, macht uns glücklicher, selbstbewusster und charismatischer. Jeder verkürzt den Weg erheblich. Also, los geht’s.

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9 Übungen für mehr Selbstvertrauen

Für ein charismatisches Auftreten gibt es einen entscheidenden Faktor: Authentizität. Wir neigen dazu, die Menschen, die wir bewundern, zu kopieren. Etwas von ihnen abzuschauen. Und uns anzueignen. Ihre Ausdrucksweise. Ihren Kleidungsstil. Ihre Frisur.

Aber wenn man das gewisse Etwas ausstrahlen möchte, akzeptiert man sich so, wie man ist. Man ist selbstsicher. Vergleicht sich nicht mit anderen. Und verstellt sich nicht. Denn das würde man schnell durchschauen. Außerdem fühlen wir uns in unserer Haut nicht wohl, wenn wir sie in ein Kostüm stecken, eine Maske aufsetzen und nicht so sein können, wie wir sind.

Um zu erfahren, wer wir sind, müssen wir herausfinden, was wir mögen und was nicht. Welche Eigenschaften wir haben. Womit wir zufrieden sind und wie wir noch glücklicher werden können. Wir können uns ganz bewusst selbst beobachten. Darauf achten, wie wir in welchen Situationen reagieren. Und überlegen, wie wir was besser machen könnten.

Wir können auch Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen fragen, was sie an uns schätzen und was wir anders machen sollten. Wir nehmen uns aber nicht jede Kritik zu Herzen. Schließlich wollen wir uns nicht zu sehr von anderen Meinungen beeinflussen, lenken und verändern lassen. Aber sich selbst aus anderen Perspektiven zu sehen kann durchaus nicht schaden.

Lerne deine Schwächen kennen – und mache sie zu Stärken

Sich selbst kennenzulernen, das bedeutet auch, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Viele Menschen überschätzen sich. Noch mehr unterschätzen sich aber. Wenn wir einmal ehrlich darüber nachdenken, fallen uns bestimmt einige Talente ein. Wenn wir überlegen, was wir an uns mögen. Und was uns Spaß macht. Schließlich tun wir vorwiegend das mit Freude, was wir auch gut können. Na ja, fast.

Manch einer singt vielleicht leidenschaftlich, aber falsch unter der Dusche. Auch recht, dann zählt das eben nicht zu den Stärken. Wir suchen weiter. Haben wir sie dann gefunden, können wir sie stärken, die Stärken, indem wir sie immer wieder bewusst einsetzen. Das gibt uns Selbstsicherheit, ein sicheres Auftreten und Charisma.

Die eigenen Schwächen aufzuzählen fällt den meisten Menschen leichter. Aber was eine Schwäche ist, ist eine Frage der Perspektive. Wir haben im Laufe des Lebens vielleicht gehört, wir wären zu schüchtern, hätten zu große Nasen oder wären zu klein. Aber nun können wir selbst entscheiden, ob das wirklich eine Schwäche ist oder ob sich dahinter nicht vielleicht doch eine Stärke versteckt.

Ist man schüchtern und kommt mit anderen nicht so leicht ins Gespräch, kann man genau deshalb charismatisch sein. Weil man geheimnisvoll wirkt. Weil man besonnen ist. Weil man Ruhe ausstrahlt. Weil andere Menschen das Gefühl haben, dass man nicht gleich jedes Geheimnis ausplappert. Eine große Nase kann ein Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert sein.

Und ist man klein und hat das Gefühl, immer übersehen zu werden, übersieht man vielleicht selbst, dass man gerade deshalb auf andere vertrauenerweckend wirkt. Auch wenn wir unsere Schwächen akzeptieren müssen und nicht jede so einfach ins Positive umdeuten können, haben wir also vermutlich mehr Stärken, als wir wissen. Wenn wir das erkennen, werden wir selbstbewusster, offener, optimistischer, emotional ausgeglichener und glücklicher. Und das strahlen wir dann auch aus.

Die Körpersprache macht Ausstrahlung

Wissenschaftler haben Führungspersönlichkeiten studiert und herausgefunden, dass die Körpersprache einen großen Einfluss auf die Ausstrahlung hat. Schauspieler, Musiker, Künstler oder Politiker, die uns inspirieren, lächeln oft, haben eine lebendige und positive Körpersprache, viele emotionale Gesichtsausdrücke und eine so freundliche wie leidenschaftliche Stimme. Außerdem spiegeln sie ihr Gegenüber fast automatisch. Das heißt, sie passen ihre Mimik und Gestik dem Gegenüber an. Damit sind sie uns sofort sympathisch.

Wer das gut kann, wirkt charismatischer, sagt der US-Psychologe Frank Bernieri. Und Ronald Riggio hat herausgefunden, dass charismatische Politiker, Franklin D. Roosevelt oder Barack Obama zum Beispiel, doppelt so viele Metaphern wie andere Redner verwenden. So ziehen sie ihre Hörer auf eine emotionale Ebene.

Nicht unwichtig ist auch das Äußere. Wir müssen nicht jeden Firlefanz mitmachen. Wir müssen nicht das sein, was die Mehrheit der Menschen als schön empfindet. Wir müssen uns wohlfühlen. Also so sein, wie wir sind. Das gewisse Etwas, es kommt schlussendlich eben doch von innen. Und strahlt nach außen.

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