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Mögen Sie das Wort neu?

Tipps und Tricks für den Neuanfang.

Home » Leben » Mögen Sie das Wort neu? - 12.2016

Auf Neustart drücken. Kurz warten. Und schon funktioniert alles wieder einwandfrei. Wieso geht das beim Menschen nicht genauso? Die Wirkung wäre jedenfalls dieselbe.

 

Neu. Was für ein positives Wort. Das Neue ist das Interessante im Leben. Das Spannende. Das, was wiederum uns interessant macht. Bei anderen finden wir das Neue ja immer unwiderstehlich. Neu. Welch große Momente sind damit verbunden. Eine neue Liebe. Ein neuer Job. Ein neues Jahr. Ein neuer Lebensabschnitt. Neu orientieren. Neu durchstarten. Neue Möglichkeiten. Neue Herausforderungen. Neues entdecken. Neues ausprobieren. Wie leicht schreibt es sich hin. Wie schön ist es, wenn man nachher davon erzählt. Und wie schwierig, sich darauf einzulassen.

Das Neue lockt. Aber es lugt immer nur kurz um die Ecke und zeigt sich nie ganz. Das Altbewährte schmiegt sich in seiner Angst, verlassen zu werden, erst recht an uns. Es ist so vertraut und tut, als hätte es keine kratzigen Stellen, die uns überhaupt erst vom Neuen haben träumen lassen. Auf einmal fällt uns ein, dass oft nichts Besseres nachkommt und das Neue vielleicht eh gar nicht so gut ist. Wir machen es schlecht, damit wir uns nicht als Feigling fühlen müssen. Das Neue an sich ist aber weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht.

Befreiende Gedankenreise

Viele schlaue Menschen haben sich mit dem Neuen befasst und viele schlaue Worte dazu gesagt und geschrieben. Hugo von Hofmannsthal zum Beispiel meinte: „Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen.“ Oder der französische Schriftsteller André Gide: „Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.“ Oder Theodor Fontane: „Alles Alte, soweit es den Anspruch darauf verdient hat, sollen wir lieben; aber für das Neue sollen wir eigentlich leben.“ Und da ist er wieder, dieser kleine Haken. Dieses winzige „eigentlich“. Eigentlich klingt das alles gut. Eigentlich ist es so logisch. Du bist unzufrieden? Frag dich, was dir nicht passt. Ändere es. Und zack, die Sache hat sich. Mit den Erfahrungen aus der Vergangenheit und dem Blick in die Zukunft. Mal dir das Leben aus, wie es wäre, wenn du ändern würdest, was dich stört. Schließ ab damit. Und schmeiß dich aufs Neue. So eine Gedankenreise ist befreiend. Da werfen wir unnötigen Ballast ab und schwupps, schon haben wir unser Ziel erreicht. Fehlt nur noch eine Kleinigkeit: Es tatsächlich zu tun.

Verschiedene Zugänge

Ob das Neue gut oder schlecht ist, hängt von unserer Einstellung ab. Manche Menschen sind sehr aufgeschlossen, reisen durch die Welt, leben-coach-5-ab_2016-10wollen vielleicht sogar auswandern, haben Spaß daran, sich zu verändern, dazuzulernen und ständig Neues zu entdecken. Sie beschäftigen sich mit den neuen Technologien und Entwicklungen und schauen positiv in die Zukunft. Erwartungsvoll. Sie lernen aus der Vergangenheit, aus ihren Erfahrungen, klammern sich aber nicht daran fest. Andere sehnen sich nach den guten alten Zeiten. Früher war alles besser. Damals war alles gut. Logisch, ist ja schon vorbei. Kann im Rückspiegel betrachtet werden. Was neu ist, was sie nicht kennen, ist mit Risiko verbunden und potenziell gefährlich. Vorsichtige Naturen wollen, dass alles so bleibt, wie es war, weil es ihnen ganz gut geht. Eigentlich. Lieber leben sie mit den bekannten Gewohnheiten, Sorgen und Problemen, statt zu riskieren, dass neue und unbekannte dazukommen. Sie sind zufrieden, wenn auch nicht unbedingt glücklich. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es aber Grautöne. Das Neue ist nicht immer brandneu, manchmal ist es einfach nur etwas, das sich wiederholt. Oft ist es einfach eine Frage des Geschmacks und der Interessen. Aber wenn es um einen selbst und das eigene Leben geht, träumt fast jeder davon, irgendetwas zu ändern. Eine schlechte Gewohnheit loszuwerden. Eine Eigenschaft abzulegen. Einen neuen Job zu finden. Einen neuen Partner kennenzulernen. Oder gleich ein neues Leben zu beginnen.

Mühsamer Start

leben-coach-4-ab_2016-10„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ So steht es im Gedicht „Stufen“ von Herman Hesse. „Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“ Schöne Worte. Und so wahr. Aber einen Neustart macht man nicht nebenbei. Man muss ihn wagen. Er ist mit einem Risiko verbunden. Und muss deshalb gut überlegt sein. Das Wichtigste: Motivation. Die ist bei Zwanzigjährigen groß, ab da nimmt sie ab. Partner fürs Leben, Familie, Verantwortung, Zuverlässigkeit. Alles kein roter Teppich, auf dem das Neue winkend ins Leben stolziert. Sich neu zu orientieren ist allein leichter.

Erste Schritte. Wenn jemand von vorn beginnen will, hat er einen Grund. Meistens einen guten. Und fast immer liegt er auf der Hand. Sehen will man ihn nicht. Noch nicht. Also überlegt man lieber einmal. Das ist die heikle Phase. Auf den Moment haben sie nämlich gelauert, die negativen Gedanken. Sie schleichen sich ein und drängen sich zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Familie und Freunde können davor bewahren, in das tiefe Loch zu fallen, das die Gedanken graben. Wenn wir uns ihnen anvertrauen, stehen sie uns mit Rat und Tat zur Seite. Kann aber sein, dass wir das gar nicht wollen. Zumindest nicht sofort. Manchmal ist es besser, wenn wir uns selber um uns kümmern und uns nicht von den Meinungen anderer beeinflussen lassen. Dazu nimmt man vielleicht eine Auszeit. Abschalten. Alleine wegfahren. Unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Das ist gut und gesund. Denn erst, wenn einem die Gefühle nicht mehr im Weg stehen, kann man auf seinen Bauch vertrauen. Man kommt drauf, was einen wirklich stört, und kann sich mit einem klaren Kopf die nächsten Schritte überlegen.
Jetzt kennt man sie also, die Wurzel des persönlichen Übels. Das Was ist geklärt. Jetzt geht es ums Warum. Warum gefällt mir der Job nicht mehr? Warum bin ich in der Beziehung nicht mehr glücklich? Warum ist etwas schiefgelaufen? Damit, seine Fehler zu bereuen, braucht man sich nicht aufzuhalten. Einen Fehler macht man, um denselben kein zweites Mal zu machen. Und dann sucht man die Lösung. Herz, Bauch und Verstand wollen dabei mitreden. Mitentscheiden. Ein Kompromiss muss her. Durchdacht. Realistisch. Mit dem sich alle wohlfühlen. Also spielt man die Szenarien durch. Man kann sich auch vorstellen, jemand anderer wäre in der Situation. Was würde man ihm raten? Die meisten Menschen haben keinen Plan B unterm Kopfkissen. Wir brauchen Zeit, um uns Lösungen zu überlegen, Positives und Negatives abzuwägen, Pläne zu schmieden und uns mit einer Strategie anzufreunden. Sind wir dann davon überzeugt, dass der bisher nur gedachte Weg auch in der Realität der richtige ist, können wir ihn gehen. Wir müssen uns nur trauen.

Neues Leben

Der schwierigste Schritt ist immer der erste. Dann kann der Weg noch so lang und beschwerlich sein, wir gehen ihn. Am besten in Etappen. Und mit Zwischenzielen. Erreicht man sie, ist das ein gutes Gefühl. Man hat etwas geschafft. Belohnt wird man mit Erleichterung und leben-coach-3-ab_2016-10Zuversicht. Und die spornen einen wieder für die nächsten Schritte an. Ins geistige Museum für moderne Kunst hängt man sich ein Bild, das man sich vom angestrebten Neuen gemacht hat. Und jedesmal, wenn man zaudert, geht man dorthin wie zu einer Vernissage und schaut sich an, was man sich gewünscht hat. Das Ziel. Nervös ist man natürlich trotzdem. Ein Neubeginn ist ja keine Garantie für ein Happy End. So gut er auch geplant sein mag, irgendetwas kann immer schiefgehen. Eigentlich. Davon darf man sich aber nicht aufhalten lassen. Wer Angst hat, muss nur einmal zurückschauen. In der Vergangenheit haben wir schon so viel geschafft, haben so viele Erfahrungen gemacht, haben so viel gelernt. Auf manches sind wir stolz, anderes hat uns nicht geschadet. Und deshalb können wir selbstbewusst nach vorne schauen. Jetzt machen wir neue Erfahrungen, entwickeln uns weiter. Hin zu dem Menschen, der wir sein wollen. Und plötzlich ist es passiert. Wir haben uns im neuen Leben eingelebt. Neu. Das Wort hat jetzt die positive Bedeutung, für die es steht. Nicht zuletzt, weil es jetzt gar nicht mehr neu ist. Eigentlich.

10 Tracks zum Durchstarten

Playlist

 

5 Tipps für den Neuanfang

Auf einen Blick

1. Mit der Vergangenheit abschließen. Aus den Erfahrungen können wir lernen, sie sollten uns aber nicht im Weg stehen.
2. Eine Auszeit nehmen. Ruhe und zu sich finden. Die Probleme vergessen, die Gedanken ordnen.
3. Strategie festlegen. Sich überlegen, warum man einen Neuanfang wagen möchte. Wieso man etwas ändern will. Und vor allem, wie man das tun möchte. Wir setzen uns ein realistisches Ziel und machen einen Plan, mit dem wir es erreichen können. Familie und Freunde können uns dabei unterstützen.
4. An vergangene Erfolge denken. Sie zeigen uns, was wir schon geschafft haben. Und geben uns Selbstvertrauen.
5. Positiv bleiben. Vielleicht wird es Rückschläge geben, vielleicht läuft aber auch alles genau so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wer optimistisch ist und an sich glaubt, der lässt sich nicht aufhalten, lernt aus Fehlern, steht wieder auf und geht seinen Weg weiter.

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