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Andere Babys, andere Sitten

Wie das Baby in verschiedenen Kulturen willkommen geheißen wird.

Home » Family » Andere Babys, andere Sitten - 03.2016

Die Ankunft von Babys wird auf der ganzen Welt gefeiert. Nur nicht auf dieselbe Art. Von der Baby-Party bis zum Birn-Baum-Pflanzen.

Zehn Monate

So lange hat die Plazenta das Ungeborene genährt, gestärkt und vor schädlichen Einflüssen geschützt. Kein Wunder, dass sie in manchen Kulturen bis heute geehrt wird. In Bali etwa wird der Mutterkuchen nach der Entbindung mit nach Hause genommen, gewaschen und getrocknet. Danach wird er einer hinduistischen Tradition folgend unter dem Türstock vergraben. Aber auch in westlichen Gemeinschaften spielt der Mutterkuchen von jeher eine wichtige Rolle. In Europa beerdigte man ihn früher in einer zeremoniellen Feierlichkeit im Garten. Und pflanzte an der Stelle ein Lebensbäumchen für das Baby. Dieser Brauch erfreut sich derzeit wieder steigender Beliebtheit. Ebenso wie einer, dem die Wissenschaft skeptisch gegenübersteht: dem Verzehr der Plazenta, um die Milchbildung anzukurbeln. Traditionen rund um Schwangerschaft und Geburt gab es immer schon viele, aber nicht immer ist ihr Nutzen wissenschaftlich belegt.

Aberglaube.Der tibetische Volksmund rät Frauen in guter Hoffnung, den Schatten von Pferden zu meiden, weil ihre Schwangerschaft sonst so lange dauern könnte wie die des Huftieres: zwölf Monate.

Aberglaube.Der tibetische Volksmund rät Frauen in guter Hoffnung, den Schatten von Pferden zu meiden, weil ihre Schwangerschaft sonst so lange dauern könnte wie die des Huftieres: zwölf Monate.

Im russischen Brauchtum sollen Frauen den Bauch einer werdenden Mutter berühren, wenn sie sich selbst ein Baby wünschen. Wenn eine haitianische Frau erfährt, dass sie schwanger ist, sucht sie eine der älteren Frauen ihrer Familie auf, die ihr Kräuter für magische Schutzbäder gibt. In Spanien und Italien kleiden Mütter ihre Babys gern in Rot. Die Farbe soll den bösen Blick abhalten. In Indien und Malaysia halten manche Eltern eine Mundan-Zeremonie ab, bei der der Kopf des Babys rasiert wird. So soll das Kind von der negativen Energie seines vorherigen Lebens befreit werden. Und in Tansania bereitet die Schwiegermutter während der Entbindung Almosen vor. Nachdem die schwangere Frau sie berührt hat, werden sie an Bettler verschenkt. Deren Dankbarkeit soll die Geburt erleichtern.

Der Mensch braucht Rituale. Deshalb gibt es sie von Geburt an. Auf der ganzen Welt. Und in jeder Kultur.

Von der Massage zum Suppenhuhn

In vielen Kulturen werden Schwangere traditionsgemäß mit wohltuenden Massagen verwöhnt.Wie in Jamaika, wo die Hebammen dafür während der Geburt Too-na-Blätter und Öle verwenden. Oder in Japan, wo die sogenannte Hara-Massage das ungeborene Kind dazu bringen soll, die geburtstypische Lage mit dem Kopf nach unten einzunehmen. In manchen Teilen Indiens kehrt eine junge Mutter nach der Geburt für 45 Tage in ihr Elternhaus zurück und wird von Verwandten umsorgt. Mehr noch: Sie darf nicht einmal die Küche betreten, da man glaubt, das Gas des Ofens könnte die Muttermilch versiegen lassen.

Glücksbringer. Rund um den Babybauch drehen sich viele Traditionen.

Auch in China bleiben frischgebackene Mütter einen Monat lang zu Hause. Das Schöne daran: Sie werden in dieser Zeit von der gesamten Familie mit proteinreichen Suppen und anderen speziellen Mahlzeiten verwöhnt. Natürlich gibt es auch in unseren Breiten alte und neue Bräuche rund um das Baby. Eine alte Tradition ist das „Weisen“, das heute noch in einigen ländlichen Umgebungen gebräuchlich ist. Die Patin besucht dabei die frisch Entbundene und bringt ihr stärkende Speisen mit. Zum Beispiel eine alte Henne für eine kräftige Suppe, Eier, Brot, Kaffee oder Zucker.

Den Babys selbst sind die Bräuche rund um ihre Geburt ganz egal. Die Geschenke, die sie am meisten brauchen, sind Liebe, Geborgenheit und etwas zu trinken.

In manchen Regionen machen auch Verwandte und Nachbarn solche Besuche, allerdings nur nach der Erstgeburt. Im tirolerischen Imst sind dazu nur die verpflichtet, die bereits zur Hochzeit geladen waren. Das „Weisat“ wird dann als Dank für das einstige Hochzeitsmahl betrachtet. Darüber hinaus wird die Ankunft eines Babys vielerorts gefeiert, etwa bei einem Umtrunk, der im Nachbarland Deutschland auch Babypinkeln oder Pischbier genannt wird. Der Genuss der Getränke soll dem neuen Erdenbürger symbolisch beim Wasserlassen helfen. Früher feierte meist nur der Vater mit Freunden und Nachbarn. Heute findet das Fest öfter etwas später statt, damit auch die Mutter daran teilhaben kann.

Von Baby-Partys bis Erinnerungskisten

Aus Amerika zu uns herübergeschwappt ist der Baby Shower, bei uns auch als Baby-Party bekannt. Freundinnen der werdenden Mami laden alle weiblichen Freunde ein, die mit der Mutter die Schwangerschaft feiern. Dabei werden Geschenke mitgebracht. Strampler, Spielzeug, Windeln, Babyschuhe oder Pflegeprodukte. Und es gibt ordentlich zu essen und zu trinken. Natürlich muss auch hier die Geschlechtertrennung nicht eingehalten werden.

Kindsköpfe. Babyparties und Co. sind heutzutage nicht mehr nur Frauensache.

Moderne Paare feiern auch dieses Fest gemeinsam und laden weibliche wie männliche Freunde ein. Die Baby-Party ist nicht die einzige Tradition, die man sich ausleihen kann. Auch der in den Beneluxländern verbreitete Brauch, an Gäste und Gratulanten zum Dank für die schönen Geschenke Geburtszucker (geboortesuiker) zu verteilen, käme bei uns sicher gut an. Immerhin besteht diese schmackhafte Nascherei aus Mandeln oder Schokobohnen, die mit einer farbigen Zuckerglasur überzogen sind. Und ein anderer Klassiker aus Nordeuropa erlebt seit einiger Zeit auch hier einen wahren Boom: die Storchenfigur vor dem Haus, mit der die Ankunft eines neuen Erdenbürgers verkündet wird. Aufgestellt wird sie von Verwandten, Freundin, Kollegen oder Nachbarn. Sobald sich das Elternpaar vom Geburtsstress erholt hat, wird der Storch wieder abgeholt.

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Bei der Gelegenheit sollten die Eltern die Spender bewirten. Statt des Storchs wird auch oft eine Wäscheleine mit gebrauchten Babysachen vorm Haus gespannt. In vielen Ländern verschickt man Glückwunschkarten zur Geburt, die von den Eltern gern an einer Kordel befestigt werden. Auch Babybuch und Erinnerungskiste haben eine lange Tradition. Beginnend mit dem ersten Ultraschallbild dokumentieren Fotos die Entwicklung des Kindes. Später kann man nachsehen, wann es seine ersten Schritte gemacht hat oder was seine ersten Wörter waren. In die Kiste kommen eine Locke, Glückwunschkarten, Babyschuhe, Taufkleid. Im Erwachsenenalter wird diese Sammlung dem Sohn oder der Tochter übergeben.

Wurzeln schlagen

Die meisten Rituale sind Symbol des Gedeihens und des Wachstums. Paradebeispiel ist das Bäumchen, das man für den neuen Erdenbürger pflanzt. Früher war das ein Birnbaum für ein Mädchen, ein Apfelbaum für einen Jungen. Heute kann es auch umgekehrt sein. Ein netter Brauch, an dem Kinder lang eine Freude haben, ist das Lebensbäumchen allemal.

Geschenke aus aller Welt

USA. In den USA werden zu Baby-Partys gern Windeltorten mitgebracht. Sie werden – wie der Name schon sagt – aus Windeln und vielen Baby-Pflegeprodukten zu einer schönen Torte zusammengebastelt und hübsch verpackt.
Griechenland. Die Griechen lieben ihre Tradition des Baby-Vergoldens. Für geldreiches Glück im späteren Leben legen Freunde und Verwandte bei ihrem ersten Besuch Geld in das Bettchen. Früher waren es Goldmünzen, daher der Name.
Frankreich. Kleine Franzosen bekommen seit rund 50 Jahren ein Quietschtier zur Geburt. Giraffe Sophie gilt dort als eines der beliebtesten Baby-Geschenke.
Türkei. Auch die Türken schenken kleine Goldmünzen. Diese haben oft eine Öse mit einem Schleifchen; damit kann man sie beispielsweise an der Wiege befestigen.
Vietnam. Vietnamesen im Babyalter bekommen nach ihrer Geburt ein geflochtenes Armband um das Handgelenk gelegt. Es soll die Bindung zwischen Körper und Geist festigen.
Ägypten. Im Land am Nil gibt es für Kinder zum ersten Geburtstag oft Amulette mit blauen Steinen, die Glück bringen sollen.
China. Im Reich der Mitte schenkt man zur Geburt einfach Geld. Vorzugsweise in einem roten Umschlag. Verpönt als Geschenk für Kinder sind übrigens Uhren.
Indien. Indiens Mädchen werden schon bald nach der Geburt Ohrlöcher gestochen. Sie sind für die goldenen Ohrringe vorgesehen, die sie geschenkt bekommen.
Polen. Bei den Polen ist der silberne Löffel ein beliebtes Taufgeschenk. Er symbolisiert, dass das Kind nie Hunger leiden wird. Silbernes Besteck ist aber auch in England und anderen europäischen Ländern ein traditionelles Präsent für Neugeborene.
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