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Active beauty des Monats: Georg Kölbl

Chilibauer in Wien.

Home » Inspiration » Active beauty des Monats: Georg Kölbl - 05.2018

„Wussten Sie, dass Chilis eigentlich Beerenfrüchte sind? Sie sind kleine, bunte Paprikasorten und schmecken von süßlich-mild über anregend-würzig bis unerträglich scharf.“ Georg Kölbl jun. ist Großstadtbauer in vierter Generation. Schon seit über 100 Jahren wird der Standort in Breitenlee von der Familie bewirtschaftet − heute aber nicht mehr mit Blumen oder Gurken, sondern mit Chilis.

„Die machen munter und gute Laune“, sagt Georg Kölbl. „Dafür sorgt das Capsaicin, das die Schärfe der Chilis bestimmt und die Ausschüttung von Adrenalin und Endorphinen fördert.“ Heute ist natürlich viel mehr Technik im Spiel, wenn Bauer Kölbl anbaut. So wurde die 4.400 Quadratmeter große Fläche auf computerunterstützte Klimaführung und Bewässerung umgestellt. Für die Schädlinge gibt es sozusagen auch eine Neuerung, sie werden nicht mehr mit chemischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft, sondern von Nützlingen gefressen.

An die 20 verschiedene Sorten werden auf diese Weise vor unbefugten Genießern beschützt. Chilis findet man hier in verschiedenen Schärfegraden, gemessen werden diese in Scoville. Die Skala gibt darüber Auskunft, wie viele Tropfen Wasser man zum Verdünnen braucht, bis man die Schärfe nicht mehr spürt.

Die schärfste Chili, die Georg anbaut, ist auch die schärfste der Welt, die Carolina Reaper mit 2,2 Millionen Scoville. Da kann man ganz schön ins Schwitzen kommen. Am Hof kann man außerdem die selbst hergestellten Chiliprodukte seiner Mutter kaufen, wie zum Beispiel Marmeladen oder Chilibrand. Und vielleicht sogar schon bald Chilieis. Das kühlt dann auch gleich.

5 Fragen an Georg Kölbl

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?
Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich mich in der Natur frei bewegen kann, die Arbeit mit Pflanzen bzw. Nahrungsmitteln und natürlich, dass ich mein eigener Chef bin und mir meinen Arbeitsalltag frei einteilen kann. Es ist schon ein tolles Lebensgefühl mit Kunden über meine selbst erzeugten Produkte zu sprechen und ihnen diese zu vermitteln.

War es immer schon Ihr Wunsch den Betrieb Ihrer Eltern zu übernehmen?
Eigentlich schon. Als Erstgeborener lag das auch ein bisschen an der Familientradition und meine Brüder zeigten nicht wirklich Interesse an der Gärtnerei. Schon als Kind habe ich gerne im elterlichen Betrieb mitgeholfen und bin mit diesem positiven Berufsbild groß geworden. Ich habe deshalb auch die Ausbildung zum Gärtner in der Gartenbaufachschule Langenlois absolviert und nach bestandener Meisterprüfung in Schönbrunn war dann sowieso klar, dass ich den elterlichen Betrieb übernehmen werde.

Würden Sie den Hof auch gerne mal an Ihre Kinder oder Kind weitergeben?
Grundsätzlich schon, aber der ständige Preisdruck durch den Handel in der Landwirtschaft macht es schwer unseren Kleinbetrieb bis zur Übergabe an die Kinder aufrecht zu erhalten. Man wird sehen, ob die nächste Generation noch davon leben kann. Meine Kinder sollen sich aber nicht genötigt fühlen den Betrieb zu übernehmen. Das Wichtigste ist noch immer der Spaß an der Arbeit.

Was sind die größten täglichen Herausforderungen in Ihrem Beruf?
Das sind einerseits die körperlichen, zum Beispiel, dass man im Glashaus ständig einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist. Und andererseits die finanziellen Herausforderungen. Mann produziert und schießt finanziell vor und weiß erst am Ende des Jahres, ob es ein gutes Jahr war. Man produziert ohne zu wissen, ob einem der Handel wirklich so viel Ware abnimmt wie beim Verkaufsgespräch im Vorjahr ursprünglich vereinbart und ob der Preis hält. Im Sommer wird der Preis dann durch die importierte Ware aus dem Ausland stark gedrückt. Hier würde ich mir schon wünschen, dass Österreicher österreichische Produkte mehr schätzen, auch wenn sie vielleicht um ein paar Cent teurer sind als die Ausländischen.

Was muss man unbedingt bei der Arbeit mit den schärfsten Chilis der Welt beachten?
Solange die Frucht nicht verletzt ist, gibt es keine Gefahr, da die Frucht eine natürliche Schutzschicht aus Wachs besitzt. Wir empfehlen aber grundsätzlich, dass man im Umgang mit Chilis immer Plastikhandschuhe trägt und beim Gebrauch ein eigenes Messer und Brett verwendet. Die verwendeten Utensilien sollten nicht mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommen, da die Schärfe sich sofort auf diese überträgt. Sollte man die Früchte trocknen wollen, immer darauf achten, dass der Raum in dem sie getrocknet werden gut durchlüftet wird. Sollte es doch einmal zu scharf geworden sein oder die Schleimhäute mit Chili in Berührung kommen, dann gut mit Wasser die Schleimheute ausspülen. Eiweißhaltige Produkte wie Milch und Käse können die Schärfe ein wenig lindern. Auch Brot mit ein wenig Olivenöl hilft. Aber bloß kein Wasser nachtrinken, das verteilt höchstens die Schärfe im Mund.

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