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Der Genuss des Weitwanderns

Ich gehe, also bin ich.

Home » Genuss » Der Genuss des Weitwanderns - 10.2016

Gedanken ordnen, zur Ruhe kommen, fürs Leben lernen. Um in sich zu gehen, muss man weitwandern.

Am Anfang ist alles ungewiss. Ein Rucksack, gepackt mit dem Nötigsten. Ausrüstung, ordentlich gefaltete T-Shirts, Vorfreude. Man hätte natürlich auch einen Urlaub am Strand buchen können. Einmal so richtig ausspannen. Aber da war dieses Gefühl. Diese innere Stimme. Dieser Gedanke, der einem nicht mehr aus dem Kopf ging. Man könnte doch einfach einmal drauflosgehen. Und da war diese Sehnsucht, sich treiben zu lassen und für eine kurze Zeit auszusteigen aus dem Rad des Lebens, das wir Alltag nennen. Der erste Schritt. Und man ist mittendrin. In einer Welt, in der die Uhren anders ticken. In der Welt des Weitwanderns. Ein Schritt folgt dem anderen. Schon ist eine Stunde vergangen. Dann zwei. Und drei. Der erste Tag, die erste Nacht. Die ersten Blasen an den Füßen, der Rucksack wird immer schwerer. Trotzdem ist es noch da, dieses Gefühl der Unbeschwertheit, der Freiheit. Den ganzen Tag draußen in der Natur sein. Kein Telefon, das klingelt. Und keine Aufgabe, die gelöst und abgehakt werden will. Man geht einfach nur. Folgt einem Weg, einem Pfeil, einem Schild. Trampelt über Feldpfade, marschiert knirschenden Schritts über Schotterpisten oder kämpft sich auf sandigem Boden eine Küste entlang. 

BUCH TIPP Die Jause fürs Wandern

Neben Wetter, Bergschuhen und den Mitwanderern ist die richtige Wahl der Jause entscheidend, ob ein Wandertag ein Erfolg wird. Denn beim Wandern ist unser Körper ganz schön gefordert und braucht vor allem Kohlenhydrate, Magnesium und natürlich ausreichend Flüssigkeit. Diese Snacks und Drinks sind ideal für Wanderer und Bergsteiger.

Weite Wege

So wie im Südwesten Portugals, auf der Rota Vicentina. Die ehemalige Fischerroute entlang der wildromantischen Atlantikküste ist Teil des Europäischen Fernwanderweges E9. Weite Teile der Strecke liegen hoch oben auf windumtosten Felsklippen. Ein kühler Luftzug pfeift um die Ohren, gleichzeitig brennt die Sonne ins Gesicht. Die karge Landschaft hat sich an die rauen Bedingungen angepasst, die winzigen Blüten sind niedrig und haben robuste Blätter. Das Wetter kann von einem Tag auf den anderen wechseln und alles in ein Meer aus Nebelschwaden tauchen. Was dann bleibt, ist das Rauschen des Wassers. Wenn es Abend wird, freut man sich über eine heiße Dusche, ein frisch überzogenes Bett in einer kleinen Pension – große Hotels gibt es nicht. Oder in einem weißen Landhaus mit blau umrandeten Fenstern, so typisch für die abgeschiedene Region Alentejo. Das Abendessen: frischer Fisch, serviert in einer einfachen Taberna.

Geduld.Fernwandern braucht Zeit. Wochen, Monate. Oder länger.

Geduld. Fernwandern braucht Zeit. Wochen, Monate. Oder länger.

Geordnete Gedanken

Einmal an nichts denken zu müssen, das hat viele Vorteile. Man löscht quasi die eigene Festplatte, stellt sie auf null. Um empfänglicher zu sein für das Hier und Jetzt. Für den knorrigen Olivenbaum am Wegesrand. Für die meterhohen Bambusstauden, die durch einen lichten Wald führen. Für den Geruch der Pinien, die spitze, lange Nadeln haben. Für die Korkeichen mit ihren dicken Rinden. Aber vor allem für die bewusste Wahrnehmung seiner selbst. Schritt für Schritt kommt man seinem Inneren näher. Irgendwann, nach unzähligen Stunden, Tagen, sind alle Gedanken geordnet. Ein Knoten löst sich, neue Sphären tun sich auf. Und man kommt zur Ruhe, obwohl man ständig in Bewegung ist. Man geht sich in Trance. Die schmerzenden Beine, der schwere Rucksack, alles wird zu einem Teil des eigenen Ichs. Und den möchte man nicht mehr hergeben, auch wenn es anstrengend ist. Denn es zeigt, was man alles schaffen kann. Dass kein Weg zu weit, kein Ziel zu hoch gesteckt ist. Dass nach Regen die Sonne kommt. Und dass das ganze Leben ein endloser Pfad ist. Oft macht man Umwege, aber sie können einem neue Perspektiven eröffnen. Manchmal geht es steil bergauf, aber oben angekommen ist die Rast umso schöner.

Prägende Erfahrungen

Wer alleine auf einsamen Pfaden wandert, trifft manchmal stundenlang keine Menschenseele. Und hat im nächsten Moment viele neue Wegbegleiter. Die gemeinsamen Erlebnisse schweißen zusammen. Was man sich erzählt, hat Bedeutung. Egal, wer es ist, auf dem Weg sind alle gleich. Aber auch wer sich von Anfang an bewusst gemeinsam auf den Weg macht, kann aus einer solchen Wanderung eine prägende Erfahrung machen. Man stellt sich auf den Rhythmus des anderen ein. Man reicht die Hand, wenn der Gefährte Hilfe braucht. Und entdeckt ganz neue Seiten aneinander. Stundenlange Gespräche. Oder Stille. Denn auch gemeinsames Schweigen verbindet.

Einmalige Erlebnisse

Ruhig ist es auch, wenn man im Abel-Tasman-Nationalpark durch den Dschungel Neuseelands wandert. Der Pfad führt die Küste entlang, türkisblaues Wasser blitzt durch das Dickicht. Immer wieder bleibt man stehen. Und nimmt nur die Geräusche des Waldes wahr. Man starrt gedankenverloren auf das Grün der Farnpalmen. Auf die Weite des Ozeans. Abends schlägt man das Zelt auf und lauscht dem knisternden Lagerfeuer. Von der Sonne geweckt freut man sich auf das, was noch kommt. Nähert sich dem nächsten Abenteuer Schritt für Schritt. Tag für Tag. Und am Ende, ob man es nun alleine oder gemeinsam erreicht, hat man etwas Großartiges geschafft.

Fernwanderwege im Ausland

USA. Einer der weltweit längsten Fernwanderwege der Welt ist der Appalachiantrail in den USA. Auf 3.500 Kilometern führt er vom Südosten des Landes durch 14 Bundesstaaten bis in den Nordosten. Wanderer durchqueren unberührte Natur, Wälder und Hochebenen.
Korsika.Grande Randonnée 20 (GR 20): zwei Wochen, 180 Kilometer. Der Wanderweg durch die Bergwelt der Mittelmeerinsel gehört zu den anspruchsvollsten Touren in Europa. www.korsika.com
Bulgarien Europäischer Fernwanderweg E3: Die lange Strecke startet in Spanien und endet in Bulgarien. In Osteuropa führt sie unter anderem durch Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien. Bulgarien quert der Weg auf dem Balkan Gebirge bis ans Schwarze Meer.
Kroatien. Premužićeva staza: Neun-Tages-Wanderung durch das kroatische Velebit-Gebirge. Berge, Wälder, Wiesen und der Ausblick aufs Meer. Velebit Hiking-Trail
Neuseeland. Wer wandern liebt, der ist in Neuseeland goldrichtig. Es gibt Dutzende längere und kürzere Weitwanderwege, die durch atemberaubende Naturlandschaften führen. Seit einigen Jahren lässt sich das Land auch auf einem Fernwanderweg durchqueren. Der „Te Araroa“-Weg durchstreift die Nord- und Südinsel auf 3.000 Kilometern. Angeblich eine der abwechslulngsreichsten Weitwanderrouten der Welt. www.teararoa.org.nz
Norwegen. Trollheimen-Rundweg: Eine knappe Woche benötigen Wanderer für die rund 74 Kilometer lange Strecke im Naturreservat Heim der Trolle.www.visitnorway.de
Kanada. West Coast Trail:75 Kilometer durch Kanadas Küstenregenwälder, die Strände entlang und zu einsamen Wasserfällen. Start ist bei Vancouver.
Portugal. Rota Vicentina: portugiesischer Wanderweg mit mehreren Routen. Spektakulär ist der alte Fischerpfad mit seinen steilen Klippen und wildromantischen Stränden. Er ist je nach Auswahl der Wege bis zu 120 Kilometer lang.
Neuseeland. Trollheimen-körút: Egy szűk hétre van szükségük a túrázóknak, hogy abszolválják ezt a 74 km-es útvonalat a Trollok földje nevű rezervátumban.www.doc.govt.nz/abeltasmantrack
Fernwanderwege in Österreich

Rund zehn Fernwanderwege gibt es alleine in Österreich. Hier sind drei davon:

  • Nordalpenweg: Auf 1.134 Kilometern vom Neusiedler See in den Bregenzer Wald.
  • Südalpenweg: Auf 500 Kilometern von Bad Radkersburg nach Sillian in Osttirol, meistens im Grenzgebiet zwischen Slowenien und Italien. Fortführung auf 160 Kilometern weiter bis nach Bozen.
  • Ostösterreichischer Grenzlandweg: Auf 700 Kilometern vom Waldviertel bis in die Südoststeiermark.
BUCH TIPP Buchtipp: Die Heimat erwandern

Der Oberösterreicher Martin Moser lebt in Wien. Das hält ihn aber nicht davon ab, bei jeder Gelegenheit die Wanderschuhe zu schnüren und draufloszugehen. Zum Beispiel bis nach Melk. Oder nach Bratislava. Mit der Zeit hat ihn das zum professionellen Wanderschreiber gemacht. Mehrere Bücher hat Martin Moser bereits herausgebracht, darunter „Wien wandert“ oder „Wien geht weit“ (Verlag: Rittberger & Knapp). Weitere Wanderführer, eine Übersicht über Weitwanderwege in Österreich und Europa sowie Reiseberichte findet man in seinem Blog: “ www.gehlebt.at

Fernwanderwege in Europa

genuss-reise-3-ab_2016-08Mehr als ein Dutzend Fernwanderwege, die jeweils mehrere Tausend Kilometer lang sind, ziehen sich durch Europas. Drei davon werden hier vorgestellt:

  • Europäischer Fernwanderweg E1: vom Nordkap (Norwegen) nach Sizilien (Italien)
  • Europäischer Fernwanderweg E8: von Irland bis an die türkische Grenze
  • Europäischer Fernwanderweg E9: Küstenweg vom Atlantik (Portugal) bis zur Ostsee

Weitere berühmte Fernwanderwege in Europa

  • Camino de Santiago: Der Jakobsweg ist der bekannteste Pilgerweg in Europa. Es gibt mehrere Routen, die meisten Wanderer gehen von Spanien bis ans Ziel Santiago de Compostela. Wer die portugiesische Route wählt, bewegt sich abseits der großen Massen.
  • Wales Coast Path: Der 1.400 Kilometer lange Wanderweg zieht sich entlang der gesamten walisischen Küste.
  • Alpe-Adria-Trail: Verbindet in 43 Etappen auf knapp 700 Kilometern die Regionen Kärnten, Slowenien und Friaul Julisch Venetien.
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