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Die Kunst der Diplomatie

Wie man diplomatisch handelt. Und was man davon hat.

Home » Leben » Die Kunstder Diplomatie - 03.2016

Brücken bauen statt Gräben ziehen. Dem Verschlossenen gegenüber offen sein. Gemeinsam zum Ziel finden. Der Mensch scheint sich auf eine menschenfreundlichere Gangart zu besinnen. Und erinnert sich an die Diplomatie.

Der Diplomat. Clever wie der Fuchs. Klug wie die Eule. Geschickt wie die Katze. Vorausdenkend wie das Eichhörnchen. Gesellig wie der Affe. Ein Mensch, der mit Feingefühl seine Ziele erreicht. Ohne dabei groß aufzufallen. Er weiß, wie man mit anderen Menschen umgeht. Er hat überall Kontakte. Einen offenen Umgang mit seinen Kollegen. Wenn es hart auf hart kommt, bleibt er ruhig und überlegt. Beeindruckt mit kreativen Lösungen. Der Diplomat. Er ist der Mensch von morgen. Und er steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur mit ihm bekanntmachen.

Gestatten: Wir.

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Realistisch.Diplomatie heißt nicht, blauäugig zu sein.

Die Menschen fangen an, umzudenken. Das Prinzip „alle gegen einen, einer gegen alle“ bricht langsam auf. Die kurzfristig Denkenden, die nur auf schnellen Erfolg aus sind, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen, sterben aus. Es geht um ein dauerhaftes Miteinander, in dem jeder seinen Platz finden kann. Der Weg führt weg von Konkurrenzdenken, Verdrängungswettbewerb und Gewinnmaximierung.

Wenn man sich gegenseitig nichts gönnt, kann nichts entstehen.

In der Geschäftswelt gibt es den Trend vom passiven zum aktiven Mitarbeiter. Es geht nicht mehr um ein teilnahmsloses Abarbeiten von Aufgaben. Das erledigt die Technik. Dafür braucht man kein menschliches Hirn. Es geht darum, dass jeder Einzelne zum Teil des Unternehmens wird und auch danach handelt. Man nennt es das „unternehmerische Selbst“. Erfolg wird generiert, wenn wir mit Freude an die Arbeit herangehen. Wenn wir einen Sinn in unserem Tun sehen. Unter diesen Umständen laufen Menschen zu Höchstleistungen auf. Was dann zu einer Win-win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen führt. Ohne diplomatisches Handeln wird das allerdings nichts werden.

Liebe zum Menschen

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Wohlwollend. Diplomatie heißt nicht, rotzusehen.

Schon die Diplomatin Gerlinde Manz-Christ schreibt in ihrem Buch „Die Kunst des sanften Siegens“, wie wichtig der richtige Umgang mit den Menschen ist. Mit jeder einzelnen Person. „Der Schlüssel zu Erfolgen auf vielen Ebenen ist für mich eine Liebe zum Menschen“, sagt sie, „eine Grundhaltung des Wohlwollens dem anderen gegenüber.“ Bill Clinton sei so ein Mensch für sie. Er lebe diesen Gedanken zu hundert Prozent. Bei einem Treffen mit dem ehemaligen Präsidenten der USA war sie beeindruckt von seinem Auftreten und seinem Umgang mit den vielen Leuten, denen er die Hand schüttelte. Jeder einzelnen Person schenkte er für einen kurzen Moment seine ganze Aufmerksamkeit. Spürbar. Beim Händedruck fühlte man sich, als sei man gerade der wichtigste Mensch im Raum. Damit zollte er jeder Person die Anerkennung, die so wichtig ist beim Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen. Es ist die Säule, auf der alles ruht: sich auf eine Person einzulassen und offen auf sie zuzugehen. Im nächsten Schritt geht es darum, einen Menschen hinter seiner Rolle zu erkennen. Ihn nicht mehr nur als Arbeitskollegen oder Nachbarn zu sehen.

Diplomatie heißt, sich selbst zu erkennen, zwei Seiten zu verstehen und eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sein können.

Hinter jeder Person steckt eine Geschichte. Stecken Gefühle, Einstellungen und Interessen. Sie zu erkennen, macht das Zusammenleben leichter. Man kann besser auf den Menschen eingehen, verstehen, was hinter seinem Denken und seinem Tun steht. Das ist weniger eine Frage der Zeit, als eine der Grundhaltung. Es geht um eine prinzipielle Offenheit seinen Mitmenschen gegenüber. Keine vorschnellen Bewertungen fällen. Wertschätzung ist das Zauberwort. Das beugt Konflikten vor. Lässt schneller Lösungen finden, die für alle Seiten passen. Damit baut man lang anhaltende und stabile Beziehungen auf.

Nelson Mandela, Friedensnobelpreisträger

„Wenn du deinen größten Triumph feierst, lass die größte Güte walten. Demütige deinen Gegner unter keinen Umständen. Erlaube ihm, sein Gesicht zu wahren. Erst dann hast du deinen Feind zu deinem Freund gemacht.

Selbstreflexion

Bevor man andere erkennen kann, muss man sich selber erkennen. Sich selbst zu hinterfragen, herauszufinden, warum man etwas tut oder denkt, ist der erste Schritt zu einem friedlichen Miteinander. Oft legt man seine eigenen Denkmuster auf andere um. Man verschleiert eine Person mit den eigenen Einstellungen. Das kann nicht gutgehen. Die anderen fühlen sich nicht verstanden. „Menschen, die Feindbilder kultivieren, sind überzeugt, die Welt sei blau oder grün, und merken nicht, dass sie es selbst sind, die eine blau beziehungsweise grün getönte Brille aufhaben.“ Wer das erkennt, reißt eine hohe Mauer zwischen sich und seinen Mitmenschen ein. Der Weg ist frei. Für Verständnis und Empathie, um seine Umgebung zu erfassen. Sie zu erkennen. „Selbstreflexion ist dabei der Schlüssel, Bewusstheit ein wesentliches Ziel“, sagt Gerlinde Manz-Christ.

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Schritt für Schritt kristallisieren sich die eigenen Ziele und Bedürfnisse heraus. Man kommt dahinter, was man selber will und was die anderen wollen. Wenn wir dafür offen sind, liegt es offen vor uns. Das Prinzip gilt für den Streit mit dem Nachbarn. Den Zwist mit dem Kollegen. Den Zank in der Familie. Die Methode ist simpel. Man schaut sich die Sache einfach einmal mit anderen Augen an. Nicht nur mit den eigenen. Man hinterfragt. Nicht nur mit jenen Fragen, auf die man die Antwort schon zu wissen meint. Man benennt beide Seiten. Und redet darüber. Legt die Tatsachen auf den Tisch. „Verständnis für einen Konflikt bedeutet immer Verständnis für beide Seiten.“ Und dann: diplomatisch sein – mit sich und den anderen. Das Gegenüber das Gesicht wahren lassen. Der Ton macht die Musik.

Das große Ganze

Im Wandel der Zeit wurde die Welt zum globalen Dorf. Alles hängt zusammen, alles ist vernetzt. Durch die Globalisierung sind Verknüpfungen besser sichtbar. Sachverhalte sind nicht mehr länger isolierter zu betrachten. Man muss sich fragen, worum es geht. Was der große Zusammenhang ist. Und was dahintersteckt.

Gerlinde Manz-Christ, Diplomatin

„Unsere eigentliche Natur ist nicht die Gegensätzlichkeit, nicht der Streit, nicht der Kampf, sondern die Verbundenheit untereinander und mit allem.“

Der Trick des Diplomaten liegt in der Betrachtung der Dinge. Er lässt den Blick „auf gleicher Höhe aus unterschiedlichen Blickwinkeln und dann noch einmal aus unterschiedlichen Höhen“ schweifen. Um so ein Gesamtbild zu kreieren. Es gilt, uns als Teil des Großen zu erkennen. Das Ziel ist ein friedlicher und konstruktiver Umgang mit sich, seinen Mitmenschen und der Natur. Das ist das Geheimnis hinter der Kunst der Diplomatie.

BUCH TIPP „Die Kunst des sanften Siegens. Erfolgreich mit Diplomatie“ von Gerlinde Manz-Christ.

Das Buch zeigt auf, wie man Konflikte auf sanfte Weise löst. Es braucht nicht immer den Kampf. Es braucht keinen Sieger, keine Besiegten. Meinungsverschiedenheiten können auch anders gelöst werden. Die Technik stellt die Diplomatin, Juristin, Wirtschaftsexpertin und Keynote-Sprecherin Gerlinde Manz-Christ vor. Und sie blickt dabei auch hinter die Kulissen der Weltpolitik.

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