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Wie Düfte unsere Gefühle lenken

Kannst du mich riechen?

Home » Leben » Wie Düfte unsere Gefühle lenken - 09.2017

Düfte und Gerüche prägen unsere Wahrnehmung und unsere Gefühle. Mit diesen Tipps und Tricks kann man von diesem Wissen profitieren.

Sie duftet sanft und rein. Sie duftet so, wie sich die angenehme Kühle anfühlt, die sie auf der Haut verbreitet, sobald ich mich damit eincreme: die Nivea Creme. Sobald ich den runden blauen Deckel abhebe und kurz daran schnuppere, steigt schon ein wohliges Gefühl in mir hoch. Kindheitserinnerungen. Wie mit dem Geruch der traditionsbehafteten Nivea Creme, mit dem viele von uns bestimmte Erlebnisse oder Emotionen verbinden, verhält es sich auch mit anderen Düften, die wir tagtäglich erschnuppern.

Geruch und Gefühl in Symbiose

Düfte fangen unsere Erinnerungen unter all unseren Sinneswahrnehmungen am besten ein und speichern diese auf lange Zeit. Das funktioniert deshalb so gut, weil die Eindrücke nahezu ungefiltert ins Gehirn dringen. Wenn wir etwas sehen, schmecken oder fühlen, werden die Informationen im Thalamus geprüft und gefiltert. Beim Riechen bleibt dieser Schritt aus, die Eindrücke werden direkt mit Gefühlen und Instinkten gekoppelt und bleiben daher meist länger im Gedächtnis.

Das verläuft zuallererst unbewusst und emo­tional. Gerüche üben also eine besondere Macht auf uns aus, wie schon der griechische Philosoph Aristoteles erkannt hat: „Der Mensch riecht Riechbares nicht, ohne ein Gefühl des Unangenehmen oder Lustvollen zu empfinden.“ Somit ist es nicht verwunderlich, dass uns bei frisch geröstetem Kaffee warm ums Herz wird, wenn wir zuletzt wohltuende Gespräche im Kaffeehaus ums Eck hatten. Oder dass uns der Duft von Sonnencreme oder jener von Omis Gartenlaube ein Kinderlächeln entlockt.

 

Julia von Chic Choolee, Bloggerin

»Kaum ein Produkt erinnert mich mehr an die liebevolle Pflegeroutine meiner Mama und meiner Oma. Schon als Baby wurde ich mit Nivea Lotion eingecremt. Meine liebsten Produkte von Nivea sind auch heute noch die klassische Creme und die Nivea In-Dusch Body Milk.«

Wohnraum richtig beduften

Da uns Gerüche prägen und emotional stimmen, sollten wir den vielen Millionen Düften, die wir angeblich wahrnehmen können, ausreichend Aufmerksamkeit widmen. Viele Läden werden bereits künstlich beduftet, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Reisebüros versuchen, ihre Kunden durch den Duft von Sonnencreme in Urlaubsstimmung und Buchungslaune zu versetzen.

Wer weiß, wie bestimmte Gerüche auf ihn wirken, wird auch seinen privaten Lebensraum entsprechend gestalten. „Hier hat jeder andere Vorlieben: frisch, blumig oder eher schwer“, erklärt der Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum. Die Wohnung behaglich zu beduften trage auf jeden Fall stark zum Wohlfühlen bei. „Wichtig ist nur, es nicht zu über­treiben, sondern eher dezent zu dosieren. Ich würde zum Beispiel eher ein Lavendelsäckchen unters Kissen legen, das die ‚Schlafrezeptoren‘ beeinflusst und beruhigend wirkt, als den ganzen Raum einzunebeln.“

Er selbst sprüht sich immer wieder mal einen Duft aufs Sakko, der konzentrationsfördernd wirkt. „Daran kann ich ab und zu riechen und werde stimuliert. Mit der Zeit prägt es sich ins Gehirn ein, dass auf diesen Geruch eine Aufgabe folgt, die meiner Konzentration bedarf, und ich richte mich automatisch darauf ein.“ Dieses Konditionieren funktioniere übrigens mit vielen verschiedenen Düften: Minze gilt als erfrischend und soll die Stimmung erhellen, Zitrone und Bergamotte beleben und aktivieren, Gardenie und Lavendel beruhigen, Orange und Rose harmonisieren.

Die Nase lügt nicht

In der Pflanzenwelt wurde bereits bestätigt, dass Gerüche auch verführen. Blumen senden exakt jene Düfte aus, die ihre Lieblingsbestäuber anlocken. Würde man die Duftströme verändern, kämen womöglich andere Bestäuber und die Pflanzenvielfalt wäre in Gefahr. Bei uns Menschen ist das zwar ein wenig anders, aber die Grundlagen sind dieselben: Jeder hat einen Individualgeruch, der einzigartig ist und mehr über das eigene Immunsystem und die Gene verrät. Über diesen inhärenten Duft spüren wir geeignete Partner zur Fortpflanzung auf – deren Gene möglichst unterschiedlich zu den eigenen sind. „Wir können sozusagen die Gene des anderen riechen“, sagt Duftforscher Hatt. Das hilft, einen Partner zu finden, mit dem man starken Nachwuchs zeugen kann. Beeinflussbar sei dieser Geruch nicht, denn „die Nase lässt sich nicht belügen“.

Stabiler Körperduft

Der Körperduft bleibt von der Pubertät bis zur Menopause recht stabil. Daraus könnte man schließen, dass ein Paar, das sich riechen kann, für immer zusammenbleibt. Leider ist das ein Trugschluss: „Partner, die sich aneinander binden, müssen sich riechen können, das ist klar“, sagt Hatt. „Allerdings spielen während der Beziehung noch mehr Faktoren eine Rolle. Läuft etwa auf emotionaler Ebene etwas schief, kann sich auch die Duftbewertung verändern. So kann es passieren, dass wir jemanden zuerst sehr gut, dann jedoch gar nicht mehr riechen können.“

Dasselbe funktioniert aber auch in die andere Richtung. Wer von jemandem enttäuscht wird, der ein gewisses Parfum trägt, wird zuerst auch andere Menschen mit demselben Geruch abwerten. Hier hilft es, ein bisschen mehr Zeit mit der Person zu verbringen. Das kann die Wahrnehmung durch neue, positivere Erfahrungen von den negativen Empfindungen abkoppeln und umpolen.

BUCH TIPP Dufte Büchertipps

Niemand riecht so gut wie du (Pieper). Das kleine Buch vom Riechen und Schmecken (Knaus). Beide von Hanns Hatt und Regine Dee.

Parfum als Multiplikator

Parfums können den eigenen Körperduft übrigens weder manipulieren noch ganz überdecken. Man kann ihn jedoch mit den passenden Duftnoten unterstreichen und betonen. Dies machen wir intuitiv. Hatt: „Wir wählen ganz automatisch jenes Parfum aus, das zu uns passt.“

Ein Appell, den der Duftexperte zum Schluss äußert: Wir sollten unseren Duftsinn schärfen, um die eigene Umgebung besser wahrnehmen und verstehen zu können. Wer sich konzentriert und bewusst riecht, kann beispielsweise besser nachvollziehen, warum er oder sie sich in einem bestimmten Raum nicht wohlfühlt, warum die Beziehung zu einem anderen Menschen unangenehm oder erfüllend ist oder warum ein Gegenstand so verlockend wirkt. Das akkurate Riechen wieder zu erlernen geht laut Hatt recht unkompliziert: Üben, üben, üben. Einfach bewusst an verschiedenen Dingen schnuppern, die uns in unserem Alltag be­gegnen. So lernen wir, diese wieder zu benennen und unseren Gefühlen zuzuordnen.

Welcher Duft steht wofür?

Mit Düften stimulieren wir unsere Sinne, können unsere Gemüter beruhigen oder anregen. Ein paar Duftnoten und wie sie wirken.

Beruhigend: So wirken etwa Lavendel, Melisse und Kamille.
Aufheiternd: Wer die Stimmung erhellen will, greift zu Orange, Mandarine, Zitronengras oder Minze.
Stimulierend: Als aphrodisierend gelten unter anderem Jasmin, Patschuli, Sandelholz, Moschus oder Rose.
Fokussierend: Um die Konzentration zu steigern, greift man gerne zu Zitrone, Eukalyptus, Zeder, Rosmarin oder Zitronengras.
Befreiend: Für freie Atemwege sorgen Kiefernnadel, Latschenkiefer, Pfefferminze, Thymian.
Stärkend: Geranium, Bergamotte und Lavendel stärken das Immunsystem.

Neugierig geworden? Mehr über Duftstoffe und ihre Wirkung finden Sie hier!

 

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