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Durch dick & dünn

Das Geheimnis der Freundschaft.

Home » Leben » Durch dick& dünn - 09.2016

Freunde sind die Familie des 21. Jahrhunderts. Sie sind da, wenn wir sie brauchen. Sie hören uns zu und verstehen, wie wir ticken. Aber sie sind leider selten, die echten Freunde.

Nette Fahrt. „Nette Astrid“ steht in meinem Notizbüchlein. Gerne blättere ich zu diesen Seiten zurück. Denn sie zeigen den Beginn einer langen Freundschaft. Ich war damals, 15 Jahre ist das her, auf dem Weg zu einem Seminar und suchte eine Mitfahrgelegenheit. Astrid und ich verstanden uns auf Anhieb, hatten es lustig miteinander und eine vergnügliche Fahrt von Wien nach Bad Aussee. Die ganzen vier Ausbildungsjahre über teilten wir uns ein Zimmer.

3 Freunde

Oft ist es der Zufall, der einen in die Hände eines anderen Menschen spielt. Die Weichen, ob sich daraus eine Freundschaft entwickelt oder nicht, werden danach gestellt. „In den frühen Stadien der Freundschaft ist entscheidend, dass die Selbstoffenbarung erwidert wird“, sagt die Sozialpsychologin Beverly Fehr. Die Chemie muss stimmen, ähnliche Wertvorstellungen und Sichtweisen verringern die natürliche Distanz, die zwischen Menschen besteht. Ein wichtiges Indiz ist auch, „ob man miteinander lachen kann“, sagt Freundschaftsberater Dr. Wolfgang Krüger. Gleich und gleich gesellt sich gern – das ist nur ein Aspekt der Freundschaft. Es kann auch zwischen Menschen funken, deren Persönlichkeiten sich nicht besonders ähnlich sind. Entscheidender ist die emotionale Nähe. „Man muss sich sehen, in die Augen schauen, umarmen – Freundschaft braucht Nähe“, ist Krüger überzeugt. Nur wenn sich beide aufeinander einlassen und etwas von sich offenbaren, kann eine intime Vertrauensbasis entstehen. Und das ist ein guter Nährboden für eine Freundschaft.

Tipp vom Experten: Intime Fragen und ehrliche Gespräche halten eine Freundschaft lebendig.

Zutat Zeit

Zeit, um etwas gemeinsam zu erleben, um für den anderen da zu sein, um auch mitten in der Nacht ein offenes Ohr zu haben. Für eine gute Freundschaft braucht es die Bereitschaft, aktiv etwas für die Beziehung zu tun. „Um einen Freund richtig zu verstehen, kann man sich schon intensiv mit ihm beschäftigen“, sagt Krüger. Dem Freundschaftsberater sind die eigenen innigen Beziehungen sehr wichtig. So hat er zum Beispiel einen Freund gebeten, ihm seine Fotoalben aus Kindheitstagen zu zeigen und seine Erinnerungen mit ihm zu teilen. Der Austausch zwischen den beiden vertiefte ihre Freundschaft. Mit einem anderen seiner Freunde reiste Krüger in dessen Heimatstadt Wien. Gemeinsam erkundeten sie die Plätze, an denen der Freund aufgewachsen ist. „Ich bin davon überzeugt, dass das ehrliche Interesse am anderen, an seinem Leben und seiner Entwicklung, die Grundlage jeder guten Freundschaft ist.junge Frau am Smartphone

Eine wirkliche Freundschaft lebt von der Offenheit und der Bewunderung füreinander.“ Krüger ist Psychiater und Psychotherapeut in Berlin. Zu ihm kommen Menschen mit starken psychosomatischen Störungen. Eine Frage, die im Gespräch mit seinen Klienten immer wieder auftaucht, ist die nach guten Freundschaften. „Vor allem bei Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Bluthochdruck und psychisch bedingten Hautproblemen fiel mir auf, dass die Patienten kaum Freunde hatten, mit denen sie offen über sich reden konnten“, erzählt Krüger. Zahlreiche Untersuchungen und Langzeitstudien belegen, dass Freunde einen glücklicher machen, die Lebenserwartung erhöhen, eine stabilisierende Auswirkung auf unser Leben haben, das Selbstwertgefühl stärken und uns das Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln. Mit vertrauten Menschen an der Seite sehen Probleme nicht mehr ganz so bedrohlich aus.

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Gute Konflikte

Dann plötzlich tauchte ein Konflikt auf, der einen tiefen Graben zwischen Astrid und mir zog. Astrid war nicht mehr die, die ich schon so lange kannte. In meinen Augen war aus der taffen, jungen Frau eine vorsichtige, ängstliche geworden. Was ich übersehen hatte, war, dass Astrid dabei war, Mutter zu werden. Dass sie in sich ein Kind trug, dass es zu beschützen galt. Ich hatte die Veränderung nicht wahrgenommen oder wollte sie nicht wahrnehmen. Ändert sich ein Freund so grundlegend, ändert sich oft auch die Freundschaft. „Liebe schlägt die Freundschaft“, sagt Krüger.  Und die Liebe zu einem Kind erst recht. Ich glaube, das war mir gar nicht bewusst. Ich sah nur, dass es meine Astrid, so wie ich sie kannte, plötzlich nicht mehr gab. Wir machten es wie viele Freunde: Wir schluckten das Befangensein hinunter. Rückzug auf ihrer Seite. Funkstille auf meiner. Das ging einen Monat so. Dann schrieb Astrid mir eine Karte, die mich daran erinnerte, was uns verband. Wir haben uns getroffen und geredet. Uns zugehört und alles darangesetzt, den anderen zu verstehen. Und weil wir in diesen Dingen immer schon geübt waren, fiel uns das nicht schwer. Das Schöne an dem Konflikt: Er hat unsere Freundschaft vertieft, hat sie um eine Dimension bereichert. Zu wissen, dass man sich auf den anderen verlassen kann, dass der andere da ist und zu einem hält, auch wenn man sich einmal danebenbenimmt, macht eine Freundschaft zu etwas Besonderem. „Die Qualität einer Freundschaft zeigt sich in ihren Konflikten“, sagt Krüger und erklärt, dass die Streitpunkte, die in der Freundschaft auftauchen, oft mit uns selbst zu tun haben.

Durch Freundschaften stößt man auf die grundsätzlichen Lebensfragen, die einen beschäftigen. Was uns glücklich machen kann, kann uns auch verletzen. Dieser Gefahr muss man sich stellen. Einer tiefen Freundschaft zuliebe.

Die Kunst der Freundschaft

„Es ist eine Lebensaufgabe, sich um gute Freundschaften zu bemühen“, meint Krüger. Um aus einer Freundschaft eine Herzensbeziehung zu machen, muss man sie aktiv gestalten. Sie braucht Nahrung, gegenseitiges Interesse, Leidenschaft und Lebendigkeit. „Ich stelle meinen Freunden gerne intime Fragen. Das rüttelt unsere Beziehung auf, hält sie wach und lebendig.“ So will Krüger wissen, ob seine Freunde wirklich glücklich sind, wie ihre Lebensträume aussehen, ob sie mit der Erotik in ihrer Liebesbeziehung zufrieden sind. Und er fragt sie auch, was er beitragen kann, damit sie ihre Träume verwirklichen, ihre Ziele erreichen. „Doch das Pflegen von Beziehungen ist vielen Menschen zu kompliziert geworden“, schreibt die US-Soziologin Sherry Turkle in ihrem Buch „Verloren unter 100 Freunden“.

BUCH TIPP Buchtipp: „Freundschaft: beginnen, verbessern, gestalten“ von Dr. W. Krüger

Wolfgang Krüger ist ein erfahrener Freundschaftsberater und beschreibt sehr anschaulich und konkret, wie wir unsere Freundschaften verbessern können. Ein sehr lebensnaher Ratgeber über die Kunst der Freundschaft.

Trotz zahlreicher Facebook-Freunde seien viele Menschen einsam, sagt Turkle. „Technologien wie Facebook geben uns die Illusion von Gesellschaft – ohne die Anforderungen von Freundschaften.“ Aber Facebook hat Vorteile: Durch die technischen Möglichkeiten kann man seinen Freundeskreis stabil halten, erweitern, jederzeit ansprechen. Man kann leichter Kontakte knüpfen, sich zu Gruppen dazugesellen. Social Media erleichtert es uns, Freunde kennenzulernen und auch über weite Distanzen mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Das ist aber kein Ersatz für ein echtes Miteinander, für den Austausch intimer Geheimnisse. Denn die nötige Vertrautheit kann man nicht mit einer großen Anzahl von Freunden teilen. Gestern traf ich mich mit Astrid und Silvana. Sie ist die Dritte im Bunde, wir drei kennen uns seit der Ausbildung vor 15 Jahren. Wir haben eine Qualität in unserer Freundschaft erreicht, die selten zu finden ist. Wir sind uns wichtig. Wir können an einem Abend miteinander lachen, weinen, Blödsinn treiben, über ernste Dinge sprechen. Und uns auch streiten. So wie es gestern der Fall war. Und dann sind wir froh, wenn wir aus dem Streit mit heiler Haut herauskommen, den anderen in die Arme nehmen können und durch das, was wir uns gerade an den Kopf geworfen haben, ein neues Verständnis füreinander finden. Freunde sind eben etwas Besonderes.

Die wichtigsten Zutaten für eine gute Freundschaft

Erstens. In schlechten Zeiten füreinander da sein, aktiv Hilfe anbieten.
Zweitens. Kontakt halten und sich füreinander Zeit nehmen.
Drittens. Persönliche Gefühle und Gedanken anvertrauen.
Viertens. Anvertrautes für sich behalten.
Fünftens. Den anderen in seiner sozialen Zugehörigkeit bestätigen.
Sechstens. Gut zuhören.

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Siebtens. Seelische Unterstützung geben.
Achtens. Vor Kritik anderer in Schutz nehmen.
Neuntens. Freunde um Rat bitten, ihre Meinung wertschätzen.
Zehntens. Gemeinsam etwas unternehmen.
Elftens. Miteinander scherzen und Spaß haben.
Zwölftens. Freiräume und andere Freunde sowie den Partner respektieren

Kleine Geschenke für die besten Freunde

Weil kleine Geschenke die Freundschaft erhalten und weil man seiner besten Freundin / dem besten Freund hin und wieder was Nettes sagen soll …

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