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Mach dich doch lächerlich!

Emotional und echt.

Home » Leben » Mach dich doch lächerlich! - 04.2018

Wer sich traut, Emotionen zu zeigen, baut eine echte Verbindung zu seinen Mitmenschen auf. Clowns machen vor, wie’s geht.

Im Alltag denkt man oft nicht darüber nach, wer man ist oder wer man sein will. Man ist froh, wenn sich das Leben eingependelt hat und einigermaßen übersichtlich erscheint. Da sind Familie, Beruf, das sichere Zuhause – und da ist die eigene Rolle in all dem. Doch was davon ist man wirklich selbst und was nur Maskerade?

Gute Frage. Denn jeder von uns hat von Kindheit an in einem gewissen Maße gelernt, Konventionen und Machtverhältnisse zu akzeptieren und Erwartungen zu erfüllen. Das schreibt der Autor, professionelle Clown und Vortragende Klaus Werner-Lobo in seinem Buch „Lebe frei und gefährlich“ (Verlag Benevento). Man wolle sich nicht lächerlich machen, habe Angst davor, sich vor anderen bloßzustellen. Mit fast schauspielerischen Fähigkeiten weiß man in vielen Situationen tagtäglich zu verhindern, dass das Gegenüber die wahren Emotionen erkennt. Denn wenn man zeigt, wie man fühlt, glaubt man, sich verwundbar zu machen. Diese Schutzmauer, die viele Menschen mit den Jahren aufbauen, hindert manchmal auch daran, sich selbst zu erkennen.

Der Blick ins Innere

Herauszufinden, wie es im eigenen Inneren wirklich aussieht, welche Bedürfnisse man tatsächlich hat, das ist schwierig. Viel schwieriger jedenfalls, als die eigene Macht abzugeben und den Ansprüchen anderer gerecht zu werden. Es erfordert Mut, in sich hineinzublicken, seine Unzulänglichkeiten und Fehler zu akzeptieren. Und es verlangt viel, Selbstzweifel und Sehnsüchte nicht wegzustoßen, sondern sie als Teil des eigenen Ichs zu akzeptieren, sich zu erlauben, sich selbst gegenüber empathisch zu sein. Aber auch die eigenen Fehler und Schwächen sind Teil der Persönlichkeit.

Seinen Emotionen folgen

Wer es erstens schafft, sich selbst anzunehmen, und zweitens die Angst vor der eigenen Lächerlichkeit verliert, ist Werner-Lobo überzeugt, wird vieles gewinnen. Vor allem ein großes Maß an Freiheit. Die Freiheit, sich weder verstellen noch verrenken zu müssen. Damit gibt man dem anderen automatisch zu spüren: Nimm mich so, wie ich bin, mit all meinen guten und schlechten Seiten, oder lass es bleiben.

Die Scheu davor zu verlieren, die eigene Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit zu zeigen, wirkt befreiend. Der Schlüssel dabei ist laut Werner-Lobo, nicht nach Anerkennung zu haschen, sondern seinen Emotionen zu folgen. Sich ungeschminkt zu präsentieren, das Ich-selber-Sein zuzulassen, bedeutet außerdem, sich für andere Menschen sichtbar, greifbar zu machen. Sie werden reagieren, als stünden sie vor einem Spiegelbild. Die Menschlichkeit wird reflektiert und echte Verbundenheit entsteht. Man wächst über sich hinaus und ermöglicht gleichzeitig anderen, dasselbe zu tun. Dabei ist es egal, woher man kommt, was man macht oder wie lange man einander schon kennt. Es geht ganz einfach darum, sich zu zeigen, auch wenn man fällt, scheitert und wieder aufsteht. Man wird ebenso menschliche Reaktionen zurückbekommen.

Man macht sich quasi zum Clown, verliert all seine Ängste vor Lächerlichkeit. „Ein Clown, das ist einer, der eine der größten Ängste verloren hat, die ein Mensch haben kann: die Angst davor, sich lächerlich zu machen, zu scheitern, zu verlieren, nicht geliebt, nicht anerkannt zu werden“, schreibt Werner-Lobo.

Die verdrängte Verbindung sichtbar machen

Als Erwachsener habe man gelernt, ernst zu sein und um Akzeptanz zu kämpfen. Clowns würden beim Wiederentdecken der kindlichen Freiheit helfen. Man müsse erkennen, dass alle Menschen miteinander verbunden sind. Dann gebe es nicht mehr den „anderen“, sondern der „andere“ sei man immer auch selber: Freunde, Feinde, Mitlebewesen, das Universum, Gott, Göttin. Wer die Angst vor der eigenen Lächerlichkeit ablege, trage dazu bei, diese verdrängte Verbindung zueinander wieder sichtbar zu machen.

BUCH TIPP Buchtipp: „Lebe frei und gefährlich“

Der Österreicher Klaus Werner-Lobo lebt als Autor, Clown und Aktivist in Wien. In seinem Buch „Lebe frei und gefährlich“ (Verlag Benevento) spricht er aus eigener Erfahrung: Während einer Lebenskrise zog es ihn vor vielen Jahren nach Brasilien. Dort besuchte er eine Schauspielschule und lernte bei international erfolgreichen Clowns. Die Clownerei half ihm dabei, sich seiner eigenen Lächerlichkeit zu stellen und letztendlich zu sich selbst zu finden.

6 Wege, sein inneres Kind wiederzufinden

Das innere Kind ist immer in uns, wir müssen „nur“ lernen, es auch wieder leben und spielen zu lassen!

Paulo Coelho

„Wir sollten auf das Kind hören, das wir einst waren und das noch in unserem Inneren wohnt. Dieses Kind versteht die Magie des Augenblicks.“

  • Erinnern Sie sich an ihre Kindheit zurück – was haben Sie gern getan, wer waren Sie? Durch die Erinnerung an ihre Kindheit bekommt auch Ihr inneres Kind mehr Platz und Raum.
  • Erfreuen Sie sich an den kleinen Dingen des Alltags: An dem Regenbogen, dem Lob Ihrer Arbeitskollegen, dem Lächeln ihres Partners usw.
  • Sie sind als Kind gern im Hopserlauf gelaufen? Dann tun Sie es auch als Erwachsener! Bauen Sie Vorlieben, die Sie als Kind hatten, in ihren Alltag ein.
    Das macht Spaß und bringt Ihr inneres Kind zum Strahlen!
  • Erinnern Sie sich daran, welches Lob oder welche Worte Sie als Kind gern gehört hätten und sagen Sie es laut zu sich selbst!
  • Trampolinspringen, auf einem Baumstamm balancieren oder einem Schmetterling nachlaufen – alles, was Spaß macht und man „als Erwachsener normalerweise nicht macht“, freut das innere Kind!
  • Achten Sie auf sich, hören Sie auf Ihre Wünsche und Sehnsüchte und lieben Sie sich.
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