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Erwarten Sie zu viel?

Wie Erwartungen unser Leben beeinflussen. Und wie wir sie beeinflussen können.

Home » Leben » Erwarten Siezu viel? - 06.2016

Erwartungen sind mehr als fromme Wünsche. Sie können sich erfüllen. Seltsamerweise erwartet man eher, dass sich das Negative bewahrheitet. Wie schön, dass das nicht stimmt.

Das Hotelzimmer, ein Traum. Sauber, gemütlich, mit wundervollem Meerblick. Das Wetter, ein Traum. Sonne, keine Wolken, ab und zu eine kühle Brise. Die Menschen, ein Traum. Nett, zuvorkommend, gastfreundlich. Der Partner, ein Traum. Harmonie, Romantik, Liebe. Die Kinder, ein Traum. Brav, folgsam, sanftmütig. Der ganze Urlaub, ein Traum. Zumindest im Kopf. Wenn man ihn vor sich hat. Die Erwartungen sind hoch. Die Wirklichkeit ist mitunter tief enttäuschend. Das Hotelzimmer winzig. Der Blick eine Baustelle. Die Aussicht Regen. Die Stimmung fad. Die Familie im Streit. Wenn sich unsere Erwartungen nicht erfüllen, haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können enttäuscht sein und uns ärgern. Oder wir nehmen es gelassen und versuchen, aus sauersten Zitronen Limonade zu machen.

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Verträumte Vorstellungen

Erwartungen sind tückisch. Denn wir wagen einen Blick in die Zukunft, sehen die Welt aber nicht, wie sie ist, sondern wie wir sie gerne hätten. Zumindest, wenn es um etwas geht, auf das wir uns freuen. Den Urlaub zum Beispiel. Den Sommer generell. Da erwarten wir uns Wetter wie in Kenia, Tage wie an einem Bergsee, Abende wie mit Freunden, die durch die Bank Kabarettisten sind. Die Realität entspricht nicht unbedingt der Fantasie. Und je höher die unerfüllte Erwartung, desto größer die darauf folgende Enttäuschung. Pessimisten haben es da leichter. Für sie ist das Leben halt nun mal kein Wunschkonzert, kein Ponyhof, kein Zuckerschlecken, je nach Vorliebe. Vielleicht haben sie damit sogar recht.

Trotzdem ist alles eine Frage der Einstellung. Und ständig das Schlimmste zu erwarten, löst keines der Probleme. Ganz im Gegenteil.

Erwartungen sind voller Hoffnungen und Wünsche. Sie zeigen uns, was wir wirklich wollen. Und das ist logischerweise etwas Gutes. Man muss es ja nicht übertreiben und sich statt eines schönen Hotels einen goldenen Palast vorstellen. Und es sollte einem bewusst sein, dass es auch anders kommen kann. Je geringer die Erwartungen sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man enttäuscht wird. Logisch. Es ist sogar zu vermuten, dass man positiv überrascht wird. Aber: „Die Vorstellung, dass uns geringe Erwartungen vor Enttäuschungen bewahren, nennt man defensiven Pessimismus. Allerdings machen geringe Erwartungen ein Versagen nicht weniger schmerzlich“, schreibt Tali Sharot in „Das optimistische Gehirn – warum wir nicht anders können, als positiv zu denken“. Demnach würden negative Erwartungen nicht nur zu schlechteren Ergebnissen führen, „sie schützen uns außerdem nicht vor negativen Emotionen, wenn sich unerwünschte Ergebnisse einstellen“.

Shrî Ramakrishna, Indischer Philosoph

»So wie du denkst, fällt deine Ernte aus.«

Wechselseitige Beeinflussung

Den Pessimisten geht’s also auch nicht besser. Und keine Erwartungen zu haben ist so gut wie unmöglich. Wenn man zum Beispiel den Urlaub plant, sucht man ein Reiseziel und ein Hotel aus. Informiert sich und schaut Fotos an. Sieht sich am Strand liegen und im Meer tauchen. Schon sind sie da, die Erwartungen. Beeinflussen unser Verhalten. Was wiederum beeinflusst, wie andere Menschen auf uns reagieren. Und so tragen wir selbst – oft unbewusst – dazu bei, dass unsere Erwartungen nicht nur Hirngespinste bleiben. Dass sie tatsächlich wahr werden.

Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das Phänomen. Seltsamerweise verwendet man den Begriff viel öfter für die Erfüllung des Negativen. Aber man kann ihn auch für das Positive nutzen.

In die Zukunft fühlen

So eine selbsterfüllende Prophezeiung ist recht unkompliziert herbeizuführen. Man muss keine Fachliteratur lesen und keine Experten zu Rate ziehen. Man muss sich nur das Beste vorstellen und zumindest das Gute erwarten. Komisch, dass das für manche so schwierig ist. Sorgen, Probleme, schlechte Erfahrungen und Selbstzweifel verscheuchen die guten Gedanken wie nichts. Bitte, ein heruntergekommenes Hotelzimmer verwandelt sich nicht plötzlich in eine luxuriöse Suite, nur weil man sich das einbildet. Und Regenwolken verschwinden nicht, nur weil man sich das Badezeug anzieht. Aber Erwartungen entstehen aus Erfahrungen und Erinnerungen. Wir schauen zuerst in die Vergangenheit und malen uns dann die Zukunft aus. Und dementsprechend ist sie in unserer Vorstellung positiv oder negativ gefärbt. Hatte man zum Beispiel einmal einen schlimmen Sonnenbrand im Urlaub, kann man sich vermutlich am Strand nicht mehr ganz so gut entspannen. Unsere Gefühle und Erwartungen beeinflussen aber auch, wie wir die Welt sehen. Spaziert eine schwangere Frau durch die Stadt, werden ihr ungewöhnlich viele Mütter auffallen. Anders gedacht: Die Pessimisten übersehen oft das Gute. Und die Optimisten das Schlechte.

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Verklärt. Nicht immer ist alles genau so, wie wir uns das erwarten. Aber auch im Regen kann man tanzen!

Schöne Erfahrungen

Es klingt so einfach. Ziel aussuchen und Wunsch wählen. Positiv denken. Erwarten, dass alles so kommt, wie man sich das vorstellt. Und voilà, die Prophezeiung erfüllt sich. Weil man ganz automatisch daran arbeitet. Weil das Denken das Handeln beeinflusst. Wodurch neue Erfahrungen entstehen, die wiederum das Denken prägen. Eigentlich hängt also alles von den Erfahrungen ab. Sie sind der Schlüssel zum Optimismus. Das heißt: Hat man keine guten Erfahrungen gemacht, auf die man zurückgreifen kann, um den Optimismus zu bestärken, muss man neue Erfahrungen machen. Muss einmal etwas riskieren. Muss offen sein und sich etwas trauen. Muss träumen können, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Muss wissen, was man will. Und wie man das erreicht. Darf nicht aufgeben, wenn einmal etwas nicht klappt. Muss aus Fehlern lernen. Aufstehen. Weitermachen. Und das lohnt sich. Denn so bereichert man den Erfahrungsschatz mit schönen Erlebnissen. Die wiederum das Denken beeinflussen. Und so weiter.

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Alternativ-Programm. Man muss sich nur zu helfen wissen, wenn sich die Umstände ändern.

Lösungsorientierter Ansatz

Positive Erwartungen können aber auch dazu führen, dass man sich nicht anstrengt. Weil man denkt: Wird schon irgendwie werden. Die geistige Faulheit rächt sich. Und dann passiert genau das Gegenteil von dem, was man sich so schön ausgemalt hat. Man muss also schon etwas tun, damit sich Prophezeiungen erfüllen. Und selbst dann kann es sein, dass alles anders kommt. Für einen Optimisten ist allerdings nicht einmal das ein Grund zur Verzweiflung. Er analysiert das Problem. Nur nicht zu lange, weil das die Laune dämpft. Stattdessen beschäftigt er sich schnellstmöglich mit der Suche nach einer Lösung, was die Stimmung sofort verbessert. Ob das Hotelzimmer eine Katastrophe ist oder Gewitterwolken die Gartenparty verhindern, der Optimist nimmt’s gelassen. Und findet Alternativen. Er macht aus jeder Situation das Beste. Auch weil er weiß, dass schwierige Zeiten vorübergehen. Dass man Helfer in der Familie und unter den Freunden hat.

Außerdem freut sich der Optimist über das, was er hat. Zum Beispiel Urlaub.

So wird man zum Optimisten: Weiterlesen

Wie bringt man Optimismus ins Leben

Weitere Tipps für Pessimisten, die zu Optimisten werden wollen.

Erstens. An Problemen nicht verzweifeln. Und stattdessen Lösungen und Alternativen suchen.
Zweitens. Sich selbst verzeihen und daran denken, dass man nicht immer alles richtig machen kann. Ein Misserfolg lässt die Welt nicht untergehen.
Drittens. Sich auf die eigenen Stärken besinnen. Auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen. Und sich immer wieder bewusst machen: Ich kann alles schaffen.
Viertens. Neue Erfahrungen machen und auch einmal etwas riskieren.
Fünftens. Sich ausmalen, wie es wäre, wenn alles gut gehen würde, anstatt nur das Schlimmste zu erwarten.
Sechstens Pessimisten und Menschen, die einem nicht gut tun, meiden.
Siebtens. Konstruktive Kritik annehmen, negative Kritik nicht ernst nehmen. Jeder verdient einen respektvollen Umgang.
Achtens. Sich abends noch einmal die schönen Erlebnisse des Tages einprägen. Und überlegen, wofür man dankbar ist.

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