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Extremsport für Frauen

No risk, no fun?

Home » Genuss » Extremsport für Frauen - 06.2017

Inhaltsverzeichnis

Ob an der Kletterwand, im Wildwasser, in der Höhle oder in der Luft – Extremsport wird auch bei Frauen immer beliebter. Allerdings gibt es bei Cave Diving, Vulcano Boarding oder Coasteering ein paar Dinge zu beachten, damit das Risiko nicht zu hoch wird.

Es gibt Menschen, die sind absolut glücklich, wenn sie mit einer Gondelbahn auf einen Gipfel fahren, dort in einer Hütte mit Aussichtsterrasse einen Kaffee trinken und anschließend in der Gondel wieder ins Tal zurückkehren. Es gibt auch Menschen, für die das Glück größer ist, wenn sie zuerst den Berg hinaufwandern, bevor sie sich mit einem Cappuccino und dem Fernblick für ihre Leistung belohnen.

Und dann gibt es Menschen, die erst happy sind, wenn sie den Berg von der anderen Seite über die Steilwand erklommen haben. Sie brauchen anschließend weder Koffein noch eine Terrasse. Das Adrenalin putscht sie ohnehin schon seit Stunden auf und das Panorama haben sie längst in sich aufgesaugt.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen vor allem die Gastgärten am Berg und die Wanderwege gut besucht waren, kommt es heute auch an den Steilwänden zu immer mehr Gedränge – ebenso wie im Wildwasser reißender Bäche, in schwer zugänglichen Höhlen, auf steilen Skitourrouten oder an Surfstränden mit meterhohen Wellen.

Während 1952 lediglich Edmund Hillary und Tenzing Norgay, die beiden Erstbesteiger, auf dem schmalen Gipfel des Mount Everest standen, treten heute dort manchmal weit über hundert Personen einander auf die Bergschuhe. Der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner bezeichnete den einst majestätischen Achttausender sogar schon als „Rummelplatz für Touristen“.

Aber auch in weniger steilen Gefilden macht sich der immer stärker werdende Hang zum Extrem-Erlebnis bemerkbar: Gingen beispielsweise beim ersten Ironman-Triathlon in Klagenfurt 1998 bescheidene 124 Teilnehmer an den Start, um 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer Rad zu fahren und 42 Kilometer zu laufen, so sind es mittlerweile rund 3.000.

Extremsportarten boomen

Abenteuerverliebte schieben sich beim aus Südwales stammenden Coasteering – was so viel bedeutet wie „Klippenquerklettern“ – bäuchlings langsam über zerklüftete Klippen, um sich schließlich von dort in die Tiefe der Brandung zu stürzen. Oder sie rutschen auf Brettern mit bis zu 80 Stunden­kilometern die Hänge eines Vulkans hinab – etwa des Cerro Negro in Nicaragua, des Vulcano-Boarding-Hotspots schlechthin.

Oder sie überqueren auf Slacklines in schwindelerregender Höhe Schluchten zwischen Bergen oder Wolkenkratzern. Oder sie absolvieren bei trendigen Obstacle Races einen 20 Kilometer langen Kurs, der mit Schlamm, Eiswasser, Stacheldraht und Stromschlägen gespickt ist. Oder sie riskieren beim derzeit so beliebten, aber extrem gefährlichen Cave Diving in finsteren Höhlen Auftauchschwierigkeiten und Panikattacken, vor denen selbst erfahrene Höhlentaucher nicht gefeit sind. Oder sie holen sich ihren Kick beim Basejumping, indem sie mit einem Fallschirm von Gebäuden, Bergen oder Brücken aus oft weniger als 100 Meter Höhe abspringen, ohne sich von den tödlichen Unfällen abschrecken zu lassen, die bei diesem Sport regelmäßig vorkommen.

Angebote für Adrenalin-Lover gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Aber was treibt immer mehr Menschen dazu, spaßhalber von Hochhäusern zu springen, in unsicheren Gewässern zu tauchen, sich bis zur Totalerschöpfung zu verausgaben und für ein sportliches Erlebnis ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben zu riskieren?

Woher der Boom kommt

Gründe für die neue Lust am sportlichen Risiko scheint es viele zu geben. Da ist zum einen der moderne Alltag mit seinen zahlreichen Vorschriften und Verboten, der viele dazu anspornt, einfach einmal auszubrechen und etwas zu wagen, das aus dem Rahmen fällt – etwas, bei dem man Grenzen überschreitet, vor allem seine eigenen.

Dazu kommt das Image, das Extremsportler beispielsweise in den sozialen Medien haben. Schon das Training für einen gefährlichen Wettkampf sorgt für jene Bewun­derung und Anerkennung, die man im Job vielleicht vermisst. Wobei die Anforderungen steigen: Hat früher schon die Teilnahme an einem Marathon gereicht, so muss es heute schon ein berüchtigtes Hindernisrennen mit allen Schikanen sein, um Freunden und Bekannten neben den üblichen Likes auch das begehrte „Wow“ zu entlocken.

Und last but not least ist der Extremsport-Boom vermutlich auch ein typisches Produkt unserer Wohlstandsgesellschaft. Sportpsychologe Andreas Marlovits meinte schon vor einigen Jahren zur Tageszeitung „Die Presse“: „Integrierten Mitgliedern westlicher Gesellschaften geht es einfach zu gut.“ Im Gegensatz zu Bewohnern der südamerikanischen Favelas, denen der tägliche Kampf ums Überleben Abenteuer genug sei, würden Menschen, aus deren Alltag die wirklich existenzbedrohenden Risiken weitgehend eliminiert wurden, die von Natur aus benötigte Herausforderung in Form von sportlichen Grenzerfahrungen suchen.

Wobei man nicht vergessen sollte, dass das Bedürfnis nach solchen Herausforderungen von Mensch zu Mensch unterschiedlich groß ist. Schuld daran sind die Hormone. Beim Extremsport steht der Körper unter starkem Stress und schüttet Katecholamine aus, zu denen etwa Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin gehören. Adrenalin bringt Menschen in Alarmbereitschaft: Die Atemfrequenz nimmt zu, der Puls wird schneller, der Körper mobilisiert all seine Energien. Dopamin hingegen löst vor allem Glücksgefühle aus – und kann auf unterschiedlichste Arten aktiviert werden.

Dem einen reicht dazu ein Stück Schokolade, der andere braucht ein gutes Buch, der dritte eine Stunde Funsport und der vierte einen Fallschirmsprung. Zusätzlich variiert die Menge. „Ob und wie viel Adrenalin, Nor­adrenalin oder Dopamin ausgeschüttet werden, das ist völlig unterschiedlich“, erklärte der Sportmediziner Leonard Fraunberger von der Universität Erlangen kürzlich dem Westdeutschen Rundfunk. Und sein walisischer Kollege Tim Woodman von der Bangor University meinte: „Manche Menschen haben ein natürlich hohes Maß an Dopamin, sodass sie keinen zusätzlichen Nervenkitzel benötigen.“ Bei jenen mit chronisch niedrigen Dopamin-Werten könne die Sehnsucht nach einem Adrenalin-Kick dann entsprechend höher ausfallen.

Wobei aus der Sehnsucht eine regelrechte Sucht werden kann – von der man lange annahm, dass Männer ihr leichter erliegen als Frauen. Heute geht man hingegen davon aus, dass weibliche Adrenalin-Junkies bislang ihren Bedarf an Katecholamin-pushenden Stresszuständen traditionsgemäß in Dramenbeziehungen gesucht haben, jetzt aber ebenfalls langsam zum Extremsport wechseln. Immer mehr Frauen schätzen den Nervenkitzel sportlicher Abenteuer und gehen dabei an ihre körperlichen Limits. Ob an der Bergwand oder im Wildwasser, im Mud Race oder auf dem Surfboard – der Anteil weiblicher „No Risk, No Fun“-Sportlerinnen wird immer größer.

Frauen im Extremsport

Ein Grund ist sicher, dass heute generell mehr Frauen Sport betreiben. Die Zeiten, in denen weibliche Teilnehmerinnen von Wettbewerben aus angeblicher Sorge um ihre Fortpflanzungsorgane – oder deren Produkte – ferngehalten wurden, nähern sich langsam, aber sicher dem Ende. Noch im 19. Jahrhundert wurde pubertierenden Mädchen geraten, sich von nun an ihre Energie für die Aufgaben als Ehefrau und Mutter zu bewahren, anstatt sich körperlich auszupowern.

Und selbst in den Neunzigerjahren meinte der Präsident des Internationalen Skiverbandes noch allen Ernstes, Skispringerinnen würde es bei der Landung „doch die Gebärmutter zerreißen“. Doch 2011 hat die Medizinische Kommission des Internationalen Olympischen Komitees ein für allemal klargestellt: „Eine Übersicht der Verletzungsdaten hat keine Beweise eines gesteigerten Risikos für akute oder chronische Schäden an den weiblichen Fortpflanzungsorganen ergeben.“

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Heute sind knapp die Hälfte aller olympischen Athleten Frauen – im Gegensatz zu den Fünfzigerjahren, als noch rund 90 Prozent der Teilnehmer männlich waren. Vorbildwirkung haben auch die Siege, die Frauen mittlerweile in nicht olympischen Wettbewerben erringen. Beim Swiss Iron Trail, dem längsten und anspruchsvollsten Ultramarathon in den Alpen, gewann vor drei Jahren die 39-jährige Denise Zimmermann. Sie kam sogar fast 40 Minuten schneller ins Ziel als der schnellste Mann. Und beim Dragon’s Back, einem irrwitzig anstrengenden Fünf-Tages-Etappenrennen durch Wales, schaffte es die Schottin Jasmin Paris 2015 auf den zweiten Platz – und lief sogar ihrem eigenen Lebensgefährten um zwei Stunden davon.

Für weibliche und männliche Extremsportler gelten heute aber nicht nur häufig die gleichen Wettkampfregeln, sondern es gibt auch eine wichtige gemeinsame Grundregel: Safety matters! Bei aller Freude am Risiko sollte sich dieses zumindest in vernünftigen Grenzen halten. Mit anderen Worten: Wer extrem sporteln will, sollte extrem fit sein – und extrem gut informiert. Ein rechtzeitig begonnenes Aufbautraining für eine gute Kondition sowie sportärztliche Checks sind ebenso ein Muss wie die richtige Ausrüstung und das nötige Know-how. Echte Extremsportler, die nicht nur extrem, sondern eben auch Sportler sind, halten sich an solche Regeln, um weder sich selbst noch andere in unnötige Gefahr zu bringen.

Und alle ängstlicheren Menschen? Aktivieren ihr Adrenalin vielleicht doch lieber auf einer Hochschaubahn oder mit einem Horrorfilm, suchen sich einen coolen, aber ungefährlichen Funsport und gönnen sich anschließend ein Stückchen sehr dunkle Schokolade. Die schmeckt übrigens besonders gut auf der Aussichtsterrasse einer Berghütte mit atemberaubendem Panorama.

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Linktipps

Hier finden Sie Informationen zu einigen Extremsportarten.

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Bergmarathon

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