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Für ein gesundes Herz

Fakten zum pumpenden Wunderwerk.

Home » Leben » Für ein gesundes Herz - 09.2018

Der Muskel in unserer Brust leistet Tag für Tag Unglaubliches. Deshalb sollte man alles tun, damit das wichtigste Organ gesund und schlagkräftig bleibt.

Das Herz ist das beste Beispiel für Präzision und Kraft: Pro Minute pumpt es rund 5 Liter, pro Tag 7.200 Liter und pro Jahr rund 2,6 Millionen Liter Blut durch unseren Körper und somit durch mehrere tausend Kilometer an Arterien, Venen und Kapillaren. So transportiert es Sauerstoff, Nähr- und Botenstoffe in alle Körperzellen. Auch für die Immunabwehr, die Heilung von Wunden und die Regulation der Körpertemperatur muss Blut durch den Körper zirkulieren. „Zusätzlich ist das Herz ein Leben lang ständig Einflüssen ausgesetzt, an die es sich anpassen muss. Es braucht daher genauso wie ein Hochleistungsmotor eine regelmäßige Wartung in Form von konsequenter Vorsorge“, erklärt die Wiener Kardiologin Primaria Andrea Podczeck-Schweighofer.

Vom Herzinfarkt sind nicht nur Männer bedroht. Auch bei Frauen steigt das Risiko zwischen 40 und 55 Jahren stark an.

Herzschwäche ist auch weiblich

Der Herzinfarkt ist noch vor den Krebserkrankungen Todesursache Nummer eins in Österreich: 47 Prozent aller Sterbefälle bei Frauen sind darauf zurückzuführen. „Ein Faktum, das nach wie vor unterschätzt wird“, sagt die Herzspezialistin. „Der Mythos hält sich hartnäckig, dass sowieso nur gestresste männliche Manager über 40 einen Infarkt bekommen.“

Die Wahrheit ist: Das Risiko steigt für Frauen zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr merklich an. „Diese Entwicklung ist eine Folge steigender Raucherquoten bei Frauen“, analysiert Podczeck-Schweighofer. „Die Hauptrisikofaktoren sind ganz klar definiert: Übergewicht, Stress, Rauchen und Bluthochdruck.“ Eine gewisse Rolle spielt auch die Genetik: „Sind in der Familie Herzinfarkte und Schlaganfälle aufgetreten, sollten Frauen dieses Risiko auf keinen Fall ignorieren und regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.“

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Im Grunde haben Frauen gegenüber Männern einen großen Vorteil: Bis zu den Wechseljahren sind sie weitgehend durch die weiblichen Hormone, die Östrogene, vor Herzerkrankungen geschützt. Das ist der Grund, warum der weibliche Altersgipfel bei Herzinfarkten um etwa zehn Jahre später als bei Männern liegt, die bei gewissen Risikofaktoren schon ab 30 mit diesem Ereignis rechnen müssen.

Aber auch die weiblichen Hormone sind keine unbesiegbare Leibgarde. Raucherinnen sind bereits in jungen Jahren betroffen. „Sobald eine Frau raucht, fällt der Schutz für die Blutgefäße zunehmend weg“, warnt die Kardiologin. Die Einnahme der Pille kombiniert mit Rauchen sowie erhöhte Cholesterinwerte im Blut steigern das Risiko zusätzlich. Da bei Frauen auch Diabetes als Folge von Übergewicht immer häufiger wird, macht sich auch das in der Statistik bemerkbar. „Wir wissen, dass Diabetikerinnen eine achtfach höhere Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Bei Männern liegt diese Gefahr um einiges niedriger.“

Weibliche Alarmsignale

Hinzu kommt, dass sich der Herzinfarkt bei Frauen viel unscheinbarer äußern kann. Männer berichten oft über starke Schmerzen in den Armen und im Brustbereich, Schweißausbrüche und Todesangst. Doch nur ein geringer Prozentsatz der Frauen zeigt diese klassischen Anzeichen, warnt Podczeck-Schweighofer. „Häufiger entstehen bei ihnen Druck und Engegefühl im Brustbereich, Schmerzen in Oberbauch, Wirbelsäule und Unterkieferbereich. Warnsignale sind auch Kurzatmigkeit, sinkende Leistungsfähigkeit, Schlaf- und Verdauungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit.“

Dabei gilt die sogenannte NAN-Regel: NAN steht dabei für Nase–Arm–Nabel. Treten in den Bereichen zwischen diesen drei Punkten Schmerzen auf, die länger als 15 Minuten andauern, sollte man auf jeden Fall ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. „Es ist immer besser, eventuell falschen Alarm auszulösen, als zu spät zu sein.“

Wie ein Herzinfarkt entsteht

 

Zu einem Infarkt kommt es, wenn ein Blutgefäß des Herzmuskels verstopft und dieser nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Der betroffene Teil des Muskels stirbt ab. In der Folge reicht die Pumpkraft des Herzes nicht mehr aus, um weitere wichtige Organe im Körper zu versorgen. Ein medizinischer Notfall, bei dem wirklich jede Minute zählt. Und der in vielen Fällen verhindert werden könnte.

„Wer regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nimmt, sollte die eindeutigen Warnsignale wie Bluthochdruck und erhöhtes LDL-Cholesterin unbedingt ernst nehmen und gegensteuern“, appelliert Andrea Podczeck-Schweighofer. Das beste Mittel dagegen sollte so früh wie möglich aktiviert werden: „Bewegung und Sport sind ein erster, noch nicht medikamentöser Schritt, um zu hohen Blutdruck zu normalisieren sowie den Cholesterinspiegel zu senken“, sagt die Ärztin. „Moderates Ausdauer- und Krafttraining stärkt das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem und kräftigt Muskeln, Sehnen und Gelenke. Zudem lindert Bewegung auch Stress, der nicht unwesentlich an der Entstehung von Infarkten beteiligt ist.“

Am 29. September, dem Weltherztag, sollen Menschen weltweit über Herzgesundheit informiert werden.

Basiswissen rund ums Herz

Herzinfarkt

Durch ein verstopftes Blutgefäß wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Der betroffene Teil des Muskels stirbt ab, das Herz kann nicht mehr alle wichtigen Organe im Körper mit Sauerstoff versorgen.

LDL (low density lipoprotein)

Dieses „schlechte“ Cholesterin im Blut sammelt sich an den Gefäßwänden an und hemmt den Blutfluss. Insbesondere tierische Fette und stark verarbeitete Lebensmittel führen zu einem Anstieg der schlechten Cholesterinwerte. Ein optimaler Blutwert liegt unter 130 mg/dl.

Arteriosklerose

Kalk-, Bindegewebs- und Fettablagerungen in den Blutgefäßen schwächen und „verstopfen“ die Gefäßwände.

Blutdruck

Druck, mit dem das Blut durch den Körper gepumpt wird. Gemessen werden zwei Werte: Beim systolischen Wert wird der Druck während des Pumpens angegeben, beim diastolischen Wert der Druck während einer Entspannungsphase des Herzes.

Die fünf größten Gefahren für das Herz

Wie bei kaum einer anderen Erkrankung entscheidet der Lebensstil bei Herz-Kreislauf-Leiden maßgeblich über das Erkrankungsrisiko.

Bewegungsmangel schadet mehr als gedacht

Wer zu wenig körperlich aktiv ist, setzt seine Gesundheit langfristig aufs Spiel. Er gefährdet so auch sein Herz. Es verliert seine Funktionskraft und wird schwach. Das beste Gegenmittel: mindestens 30 Minuten lang Bewegung, und das am besten vier bis fünf Mal pro Woche. Leistungssport ist nicht notwendig, flottes Spazierengehen reicht bereits. Durch die Aktivierung des vegetativen Nervensystems sinkt der Blutdruck, das Herz arbeitet ökonomischer, die Blutgefäße werden fitter.

Nikotingifte treffen auch Nichtraucher

Raucher inhalieren bekannterweise eine ganze Reihe von Giftstoffen, die nicht nur Krebs auslösen können, sondern auch den Gefäßen und damit dem Herz schaden. Sogar Passivrauchen stellt ein hohes Risiko dar. Es gibt keinen unteren Grenzwert, ab dem man sagen könnte, dass Passivrauchen ungefährlich ist. Wie sehr Herzinfarkt und Rauchen zusammenhängen, beweist die Statistik: In Ländern mit strengen Rauchverboten sinkt die Zahl der Herzinfarkte merklich ab.

Bauchspeck ist mehr als ein Schönheitsfehler

Es sind insbesondere die Fettansammlungen im Bauchraum, die dem Herz gefährlich werden können, äußerlich meist gut sichtbar als Speckring um Taille und obere Hüfte. Die vielen Fettzellen im Bauchraum produzieren Hormone, die Entzündungen begünstigen. Von diesen weiß man, dass sie wiederum Gefäß- und Herzkrankheiten auslösen können.

Negativer Stress macht herzkrank

Man weiß, dass Stress den Blutdruck erhöht und damit langfristig das Herz gefährdet. Allerdings wird nicht jeder krank, der psychischem Druck ausgesetzt ist. „Es hängt davon ab, wie man sich unter Belastung verhält“, sagt Herzspezialistin Primaria Andrea Podczeck-Schweighofer. Wer sich sehr leicht und oft ärgert und keine Möglichkeit findet, zwischendurch abzuschalten, hat ein besonders hohes Risiko. Wer sich hingegen regelmäßig Zeit für Freunde und Familie nimmt, stärkt neben dem Herz auch seine Psyche.

Blutzucker belastet das Kreislaufsystem

Lange Zeit war nicht bekannt, wie gefährlich Diabetes mellitus Typ 2, der fälschlich auch Altersdiabetes genannt wird, für Gefäße und damit auch für das Herz ist. Aufgrund intensiver Forschungen weiß man, dass bereits die Vorstufe, das sogenannte metabolische Syndrom, Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Das metabolische Syndrom beschreibt die Kombination von Übergewicht, hohem Cholesterinspiegel, Stoffwechselstörungen und Bluthochdruck. In Österreich sind davon 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Herzschmerz auf medizinisch: Broken-Heart-Syndrom

Stress und Kummer können sich spürbar aufs Herz schlagen: Es krampft sich zusammen, die Brust schmerzt. Ursache ist aber keine verstopfte Arterie wie beim Herzinfarkt, sondern eine stressbedingte Verengung der Herzkranzgefäße. Das sogenannte Broken-Heart-Syndrom kommt mit ähnlichen Symptomen daher wie ein Herzinfarkt.

„Die Stress-Kardiomyopathie, wie sie in der Fachsprache heißt, kann bei schweren Verlusten, Trennungen und psychischer Belastung auftreten“, sagt der deutsche Kardiologe Dr. Jürgen Pache. Zunächst wurde das Gebrochene-Herz-Syndrom vor allem bei älteren Frauen festgestellt, die ihren Mann verloren hatten. Mediziner in Japan beschrieben das Phänomen als erste, inzwischen wurden in einem internationalen Register 1.700 Fälle gesammelt, um das eher seltene Phänomen besser zu verstehen.

Das Broken-Heart-Syndrom kann auch nach körperlicher Belastung oder im Zusammenhang mit sehr starken körperlichen Schmerzen auftreten. Mit etwa 2 bis 3 Prozent ist die Sterblichkeit beim Broken-Heart-Syndrom sehr gering. Dennoch handelt es sich dabei um einen Notfall: Bei Symptomen wie Enge in der Brust, Atemnot und Herzrasen immer sofort die Rettung verständigen!

Fakten zum Herz

Das Herz …

… ist nur ungefähr 300 Gramm schwer und faustgroß. Es sitzt ziemlich mittig in der Brust, leicht schräg hin zur linken Seite – weshalb wir glauben, dass es links schlägt.

… pumpt in nur einer Minute rund 5 Liter Blut durch das rund 100.000 Kilometer lange Blutgefäßsystem. Seine tägliche Pumpleistung entspricht damit der Flüssigkeitsmenge in einem Tankwagen.

… transportiert in der Schwangerschaft 1,5 Liter mehr Blut und schlägt bei Sportlern schneller. In beiden Fällen wächst das Herz – und weil dadurch auch die Herzarterien größer werden, verstopfen sie seltener.
… hat bei Frauen bis zu den Wechseljahren durch Östrogeneinfluss ein geringeres Risiko für einen Infarkt. Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko allerdings wieder – auch in jungen Jahren.

Zusammenfassung

  • Der Herzinfarkt ist Todesursache Nummer eins in Österreich und betrifft 47 Prozent aller Sterbefälle bei Frauen.
  • Ist ein Blutgefäß des Herzmuskels verstopft, wird dieser nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Dadurch reicht die Pumpkraft des Herzens nicht mehr aus, um weitere wichtige Organe zu versorgen.
  • Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr steigt das Risiko für Frauen, davor sind sie durch das weibliche Hormon Östrogen weitgehend geschützt.
  • Hauptrisikofaktoren: Übergewicht, Stress, Rauchen und Bluthochdruck, aber auch die Genetik.
  • Ein Herzinfarkt äußert sich bei Frauen anders als bei Männern. Die NAN-Regel, Nase-Arm-Nabel-Regel, hilft dabei, schnell zu handeln. Treten länger als 15 Minuten Schmerzen zwischen diesen drei Punkten auf, sollte ärztliche Hilfe geholt werden. Symptome können Druck- und Engegefühl in der Brust, Schmerzen im Oberbauch, der Wirbelsäule oder im Unterkieferbereich, Kurzatmigkeit, Übelkeit, Kreislaufzusammenbruch etc. sein.
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Bewegung und Sport sind die wichtigsten Schritte, um sich zu schützen.
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