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Familientagebuch: Der Baby-Besuch

Mamas Freundin besucht zum ersten Mal das Baby – fünf Beteiligte erzählen.

Home » Family » Familientagebuch: Der Baby-Besuch - 04.2017

Ein Haufen guter Ratschläge, ein Härtetest für die Nerven – oder doch einfach nur Langeweile? Es kommt immer ganz auf die Perspektive an. Und darum lassen wir hier alle Beteiligten des ersten Babybesuches zu Wort kommen.

Karen, 36 Jahre – Nenas Freundin

Nena, du musst dem Baby den Kopf halten, soll ich es dir zeigen? … nein? … na ja, ich dachte nur, weil ich doch schon … ich meine … ich bin halt schon länger Mutter als du … und ich wäre froh gewesen, wenn mir damals jemand … wo doch der Lorenz so ein sensibles Kind … du weißt doch noch … die vielen schlaflosen Nächte … so was kennst du gar nicht? … wird schon noch kommen, verlass dich drauf … nach drei Monaten weiß man noch gar nichts … ja, sicher muss es nicht bei allen gleich sein … aber frag, wen du willst, so entspannt bleibt das nicht … was heißt wieso? … weil das Leben mit einem Baby nicht so einfach ist, wie es gerade ausschaut mit Lillit … ständig muss man dahinter sein, aufpassen, eingreifen … warum? … damit sie was lernen … ja, damit muss man jetzt beginnen … nein, das geht nicht von allein … du stellt dir das alles ein bisschen einfach vor … wenn du willst, erzähl ich dir einmal … na, dann nicht, muss ja nicht sein … war nur ein Angebot … manche glauben halt, sie können alles besser …

Nena, 33 Jahre – Lillits Mama

Meine Freundin Karen. Die ist aber in Fahrt heute. Wenn sie mir jetzt noch erklärt, wie ich stillen soll, frag ich sie, ob sie es mir nicht vorzeigen will. Womöglich ist das überhaupt die Lösung: Mich einfach ganz blöd anstellen. Dann fühlt sie sich vielleicht besser. Offenbar hat sich all die Mühe, die sie mit dem Lorenz gehabt hat, aufgestaut. War ja auch wirklich ein anstrengendes Kerlchen. Entweder er hatte Hunger oder Bauchweh oder eine volle Windel oder Schlafstörungen oder einfach schlechte Laune. Meistens war ihm fad. So wie jetzt. Nicht leicht für eine Mutter, und die Karen ist eh schon eine Nervöse, das hat der Lorenz natürlich auch gespürt. Mir hat sie leid getan, die Karen, aber sie hat immer abgewunken, wenn man helfen wollte. Alles super, hat sie gesagt, ich bin gut drauf. Dabei hat ihr die Müdigkeit aus den Augen geschaut und gereizt war sie! So wie jetzt. Mir kann’s ja egal sein, aber der Gerhard weiß schon nicht mehr, wo er hinschauen soll, so peinlich ist ihm das alles.

Gerhard, 37 Jahre – Karens Mann

Meine Güte, Karen, was ist denn in dich gefahren? Seit einer halben Stunde redet nur noch sie. Was heißt reden? Sie hält einen Vortrag. An Nenas Stelle wäre ich jetzt langsam richtig sauer. Wenn Karen sich nur irgendwas abschauen würde von ihr. Wie friedlich es zugehen kann mit einem Kind. Sieht sie nicht, wie das auch auf das Baby übergeht? Die beiden sitzen da, als wär das alles ein Spaß. Als wären sie in einem Theaterstück über eine überforderte Mutter, die ihre Freundin besucht. Leider ist das Theater die Wirklichkeit. Dreimal hab ich schon versucht, Karen mit einem Kaffee abzulenken, wenn sie noch einen trinkt, hält sie mir den Vortrag noch einmal, und zwar die ganze Nacht durch.

Sepp, 69 Jahre – Lillits Opa

Drei Stunden sind sie jetzt da. Wie kann man denn so unsensibel sein? Bringen den ganzen Tagesablauf durcheinander. Und dabei redet die junge Dame ständig davon, wie man alles besser macht. So jedenfalls nicht. Wenn meine Lillit nicht so ein verständnisvolles Persönchen wäre … die nimmt das Leben, wie es kommt. Sogar so einen Besuch. Diese Karen ist ja richtiggehend eifersüchtig, weil bei uns alles so gut funktioniert. Da freut man sich doch für eine Freundin! Eine Viertelstunde gebe ich ihr noch, dann ist es genug, da muss mein Mäuschen essen und gewickelt werden. Außerdem wollten wir heute gemeinsam baden … meine Güte, schon so spät … alles durcheinander … alles.

Lorenz, 6 Jahre – Karens und Gerhards Sohn

Mensch, ist mir fad. Reden, reden, reden. Wie die Erwachsenen das aushalten? Bla bla blablabla bla blablabla. Sitzen und reden. Noch dazu über Kinder … na ja … Babys. Kann ja noch nicht einmal eine Spielkonsole halten. Ist auch keine da. Hab mich umgeschaut, vorhin, wie ich auf­stehen hab dürfen, weil ich gesagt hab, ich muss aufs Klo. Kein Fernseher, keine gescheiten Spiele, nix. Im Kinderzimmer liegen lauter Stofftiere herum, Babykram halt. Und wie entsetzt die Nena war, dass ich an ihren Computer wollte! Ist kein Kinderspielzeug, hat sie gesagt. Lebt die auf dem Mond? Ein Puzzle darf ich haben. Na danke. Da hol ich mir lieber eine Rassel aus dem Babyzimmer.

Lillit, 3 Monate – Baby

Ich bin so froh, dass ich meine Mama hab und keine andere. Eigentlich schaut sie ja ganz nett aus, die andere, aber ihre Stimme mag ich nicht. Wenn die Mama redet, ist das wie ein Lied. Manchmal muss ich lachen dabei, manchmal fallen mir die Augen zu. Bei der anderen muss ich immer blinzeln. Hoffentlich darf ich bald ins Bad. Der Opa hat’s versprochen.

 

 

5 Ratschläge, die frisch gebackenen Mamas wirklich helfen

 

Hilfreiche Tipps 

1. Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Das gilt auch in puncto Babies. Egal, wie der Tagesplan aussieht, wenn ein Baby schläft, sollte man es auch schlafen lassen. Einfach zurücklehnen und die Zeit für sich nutzen (oder mitschlafen). Übrigens: Dabei hilft es auch, Handy und Türglocke von Vornherein leiser zu stellen.

2. Jeder Tag ist anders. Wenn etwas einmal nicht klappt, heißt das nicht, dass es beim nächsten Mal auch nicht klappt. Nicht den Mut verlieren und noch einmal probieren.

3. Zuerst die Mutter, dann das Kind. Zumindest, wenn es um das Thema „Fertigmachen“ geht. Ist das Kleine einmal wach, bleibt kaum mehr Zeit, sich selbst die Schuhe zu binden oder eine Frisur zu machen.

4. Zwiebel-Look für die Kleinen. Als Faustregel für das Outfit des Kindes gilt: Immer eine Schicht mehr, als ein Erwachsener tragen würde.

5. Auf das Bauchgefühl hören. Gute Ratschläge sind schön und gut, aber letzten Endes kennt niemand ein Baby so gut, wie die eigene Mutter. Im Zweifelsfall also das tun, was sich richtig anfühlt.

Außerdem hilfreich:

  • Immer gesunde Snacks bereit haben, in manchen Situationen kommt man einfach nicht zum Kochen.
  • Ein Headset zum Telefonieren besorgen, so hat man die Hände frei.
  • Föhn- und Staubsauger-Geräusche „auflegen“, die beruhigen Babies. Tipp: Auf Youtube gibt es dazu eigene Sound-Videos.
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