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Laufen mit Hindernissen

Über Stock und Stein.

Home » Genuss » Laufen mit Hindernissen - 06.2018

Wem simples Joggen zu eintönig wird, der kann sich Hindernisse in den Weg legen lassen.

Wer mit dem Laufen beginnt, hat mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen. Als Erstes taucht der innere Schweinehund auf und hindert einen daran, überhaupt in die Sneakers zu steigen. Stattdessen versucht er, einen aufs Sofa oder in den nächsten Liegestuhl zu zerren. Dann die Schuhe selbst: Sind sie noch neu, drücken oder fühlen sich ungewohnt an, werden sie schnell zu einer Hürde, die man direkt an den Füßen trägt. Und hat man es dann endlich nach draußen geschafft, legt einem die Natur alles Mögliche in den Weg, von schier unüberwindbaren Ästen und Baumstämmen, Randsteinkanten oder anderen Stufen bis zu Regenlacken oder Schlaglöchern.

Mit anderen Worten: Das Letzte, wovon man als Anfänger träumt, ist ein echtes Hindernisrennen.

Nach einigen Jahren Übung sieht die Sache schon anders aus. Der innere Schweinehund ist gezähmt und läuft selbst ohne Leine brav neben einem her, die Schuhe sind weich wie Butter, die Steine auf dem Weg fühlen sich wie eine angenehme Fußmassage an und über andere Hürden hüpft man hinweg wie ein junges Reh. Bald ertappt man sich dabei, dass man immer häufiger die gewohnten Pfade verlässt, um durch neues Terrain zu laufen.

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Laufen tut dem Körper gut 

Zum Glück gibt es immer mehr Angebote für ambitionierte Freizeitsportler, die beim Laufsport gerne Hürden nehmen. Als Basis dient meistens ein Parcours, auf dem verschiedene, oft unkonventionelle Geschicklichkeitsübungen bewältigt werden müssen. Mal muss eine seichte Schlammgrube überwunden werden, dann wieder eine Kletterwand oder eine Reifenbarrikade. Bei Extrem-Hindernisläufen wird auch über brennende Strohballen gesprungen oder in eiskaltem Wasser getaucht. Diese Veranstaltungen sind auch bei Zuschauern beliebt, wachsen häufig zu kleinen Festivals heran und bieten einiges an Rahmenprogramm für das Publikum.

Nach und nach wählt man immer unwegsameres Gelände aus – um schließlich festzustellen:
Ein Hindernisrennen wäre ein Traum!

Schluss mit adrett

Und auch für die Teilnehmer steht mehr das Miteinander im Vordergrund als die Zeit, die man braucht, um die Strecke zurückzulegen: Teamgeist und Gemeinschaftserfahrungen sind wichtiger als der Sieg, es geht um das Dabeisein – und das Teilen des Erlebnisses, gerne auch auf Social Media, wo die Fotos der schlammbedeckten Parcours-Läuferin, die gerade ein Seil hochklettert, klarerweiser mehr Eindruck schinden als das zigste Bild im adretten Trainingsanzug und mit frisch gewaschenem Pferdeschwanz auf der brettlebenen Joggingmeile.

Dabei kann dieser Sport mehr als nur die Fotosammlung bereichern. Durch die unterschiedlichen – und zum Teil sehr ungewohnten – Bewegungsabläufe werden sämtliche Muskelgruppen trainiert. Je nach Parcours kann das Tragen von Ketten, Reifen oder anderen schweren Gegenständen Teil der Aufgabe sein, beliebt ist auch das Schwingen von Seilen oder Stangen beziehungsweise das Zielwerfen mit dem Speer – das macht gleich ganz andere Oberarme als reines Lauftraining. Dazu kommt ein hoher Anspruch an das Durchhaltevermögen, und auch das Gleichgewicht wird immer wieder gefordert: etwa beim Balancieren auf Baumstämmen oder Slacklines.

Als Vater des modernen Hindernisrennens gilt der seit 1986 stattfindende Tough Guy Race im englischen Perton, einer der beliebtesten, bekanntesten und ältesten Extrem-Hindernisläufe der Welt, bei dem selbst geübte Parcours-Läufer an ihre Grenzen geraten. Obwohl der Name übersetzt „Harter-Kerl-Rennen“ heißt, legen auch viele weibliche Teilnehmerinnen die Distanz von 18 Kilometern zurück und überwinden dabei 21 schwierige Hindernisse.

Hier wird unter 50 Zentimeter hohem Stacheldraht durch Matsch gerobbt, durch Tunnel von einem Meter Umfang gekrochen, durch eiskalte Tümpel getaucht, auf zehn Meter Höhe geklettert und durch Feuer gelaufen. Mit der Teilnahmegebühr von 100 Pfund unterstützt man wohltätige Verbände wie die britische Krebshilfe oder die Tierschutzorganisation Mouse Farm.

Unters Gitter, übers Wasser

Aber auch auf dem europäischen Festland findet man über das ganze Jahr verteilt zahlreiche Herausforderungen für Läufer, die schwieriges Gelände schätzen. Ganze 42 Kilometer und zahlreiche spektakuläre Hindernisse legten tausende Adrenalin-Fans im April beim Mud Masters im niederländischen Haarlemmermeer zurück. So mussten sie etwa den Pyramidenberg Toetanchamon Steps erklimmen, sich unter einem Claustrophobia-Gitter den Weg durch den Schlamm bahnen oder sich auf Monkey-Bars übers Wasser hanteln.

Beim Spartan Race, das in mehreren Städten – darunter auch Wien – stattfindet, kann zwischen verschiedenen Schwierigkeitsstufen gewählt werden. Der Spartan Spring bietet mit mindestens fünf Kilometern und mehr als 15 Hindernissen, Obstacles genannt, einen guten Einstieg für Anfänger, wird aber auch von Elite-Startern als Teststrecke genutzt. Der Spartan Super gleicht laut Veranstalter „mit seiner Distanz von 13+ Kilometern und 20+ Hindernissen einem Schlachtfeld“. Er soll die Teilnehmer „dank Willenskraft über die Finish Line bringen“. Der Spartan Beast schließlich wird als „grausames Rennen über zermürbende 20+ Kilometer mit über 25 Obstacles“ gepriesen und will die Läufer über ihre eigenen Grenzen bringen.

Wem all das noch zu wenig ist, der kann sich für eines der SpartanEndurance-Events anmelden, zum Beispiel das Ultra Beast mit mehr als 40 Kilometern und 60+ Hindernissen oder die Hurricane Heat 12 Hours, ein schweißtreibendes physisches und mentales Teambuilding mit individuellen Aufgaben.

Laufen für den guten Zweck

Auch beim Celtic Warrior Dirt-Run im burgenländischen Zillingtal werden unterschiedlich lange Strecken und Hindernis-Levels geboten. Neulinge starten auf sieben, Geübte wagen sich an 50 Kilometer. Dabei werden sie durch bis zu 360 künstliche und natürliche Obstacles gebremst – darunter auch ein See.

Bei vielen Hindernisläufen geht es neben Spaß und Sport auch um einen guten Zweck. Der Celtic Warrior ist da ebenso wenig eine Ausnahme wie der Muddy Angel, Europas erster Schlammlauf nur für Frauen, der bereits seit einigen Jahren in mehreren deutschen Städten, in Zürich und in Wien stattfindet. Das Motto des Events, bei dem ein Teil der Einnahmen an Organisationen geht, die sich gegen Brustkrebs engagieren, und bei dem Brustkrebspatientinnen kostenlose Startplätze angeboten werden, lautet: „Krebs kämpft dreckig – das können wir auch.“

Antreten können Teilnehmerinnen aller Fitnesslevels. Ob jung oder alt, laufend oder gehend – der rund fünf Kilometer lange Parcours, der mit spaßigen und schlammigen Team-Hindernissen gespickt ist, kann der persönlichen Kondition entsprechend überwunden werden. Angehenden Schlammengeln wird von den Veranstaltern geraten, ihre Schwestern, Mütter, Töchter, Freundinnen, Nachbarinnen und Kolleginnen mitzubringen – schließlich ist in der Gruppe der Fun-Faktor noch höher.

Alles viel zu extrem?

Wer es ein wenig gemächlicher angehen möchte, erst einmal für ein Rennen trainieren oder einfach nicht in Schlamm baden will, muss noch lange nicht auf Hindernisse bei der Laufrunde verzichten. Nach dem Vorbild des guten alten Trimm-dich-Pfades entstehen heute vielerorts wieder Fitness-Parcours in Wäldern, aber auch in städtischen Parkanlagen. Darüber hinaus gibt es immer häufiger sogenannte Motorik-Parks – etwa in Wien 10 und Wien 22 – sowie diverse Calisthenics-Parcours, beispielsweise im Runtastic Fitness Park Linz oder in der Street Workout Arena Graz Volksgarten.

Und selbst wenn weit und breit keine spezielle Trainingsanlage zu finden ist, steht einem Hindernislauf nichts im Weg. Schließlich sind urbane ebenso wie ländliche Welten mit Hürden nur so gespickt – von Unterholz über Kletterbäume, Tümpel und Bäche im Wald bis zu Parkbänken, Treppen und Mauern in der Stadt. Mit ein wenig Kreativität kann man sich allerorts seine ganz persönliche Obstacle-Strecke zusammenstellen. Was man dann noch braucht, sind ein paar bewegungsfreudige Menschen, mit denen man die Hindernisse gemeinsam überwindet.

Und wenn keiner Zeit hat? Bleibt immer noch der innere Schweinehund, der ja von Runde zu Runde ein immer zahmerer Begleiter wird.

Link-Tipps: Hier wird’s rau

Hindernisläufe

Hier finden Sie eine Übersicht über viele Läufe in Deutschland, Österreich der Schweiz und weltweit.

Motorik- und Adventure-Parks

Calisthenics-Parcours

Die ultimative Hindernislauf-Motivations-Playlist

Profi-Aufwärm-Übungen

Kniebeugen. Kräftigen die Oberschenkel und den Po. Bitte darauf achten, dass die Knie nicht über die Zehenspitzen hinaus ragen. Gewicht also nach hinten verlagern.
Schattenboxen. Kräftigt die Arme sowie die seitlichen Bauchmuskeln in der Drehung und schult die Geschwindigkeit.
Mountain Climbers. Kräftigen die Arme, die Bauchmuskeln und die Beine. Darauf achten, dass das Becken soweit es geht stabil bleibt.
Seitstütz. Kräftigt die Arme und die seitlichen Bauchmuskeln. Außerdem wird die Balance geschult.
Batman Liegestütz. Kräftigen die Arme sowie die Seitenstränge des Bauches und die Beine.
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