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Solidarität, Schwestern!

Frauennetzwerke für gleiche Chancen.

Home » Leben » Solidarität, Schwestern! - 02.2018

Gemeinsam für gleiche Chancen: Immer mehr Frauen unterstützen einander auch in Österreich in analogen und digitalen Netzwerken. Ein Überblick.

Einleitung

„Vielleicht könnten wir einfach warten, bis in den Führungspositionen großer Unternehmen oder im öffentlichen Dienst Männer und Frauen gleich gut an Jobs kommen und Frauen gleich viel verdienen. Es dauert dann nur eben noch so lange, bis wir alle schon tot sind.“ Was Margarete Stokowski in ihrem klugen Buch „Untenrum frei“ schreibt, stimmt leider: Der Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums prognostizierte 2016, dass es noch 170 Jahre dauern wird, bis Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichgestellt sind. Österreich befindet sich im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen: Beim Thema Lohngerechtigkeit rangieren wir auf Platz 100. Nur 3,6 Prozent der CEOs sind weiblich.

Anstrengung allein reicht nicht

Für diese ungerechte Verteilung gibt es viele Gründe. Einer davon ist, dass bei der Jobvergabe in den oberen Etagen häufig die richtigen Kontakte eine Rolle spielen. Die Autorin Christiane Funken attestiert in ihrem Buch „Sheconomy“, dass Qualifikation, Leistung und Durchhaltevermögen allein schon lange nicht mehr für den beruflichen Erfolg ausreichen – „um aus der Masse der Beschäftigten herauszutreten, ist die Nutzung von Netzwerken unerlässlich.“

Gerade Frauen scheuen aber oft davor zurück, Kontakte strategisch zu knüpfen, und finden es unmoralisch, Freundschaften für das eigene berufliche Fortkommen zu nutzen. Die deutsche Networking-Expertin und Business-Coach Monika Scheddin sieht hier viel Nachholbedarf: „Eigentlich können Frauen viel besser netzwerken als Männer – aber sie tun es wenig für sich und oft für andere!“

Gemeinsam stärker sein

Dass die Lust zur Kooperation da ist, zeigen die tollen Frauen-Netzwerke, die es bereits gibt – im Internet genauso wie im realen Leben (siehe nächste Seite). Im Rahmen von Netzwerktreffen können nicht nur wichtige Kontakte geknüpft werden, sondern es gibt auch einen regen Austausch von Erfahrungen. Neben der gefühlten Solidarität bringt das manchmal auch eine neue Sicht auf die eigenen Probleme oder konkrete Tipps.

Weil Reden allein nicht reicht, bieten viele Netzwerke auch Fortbildungen, Vorträge und Diskussionsrunden an. Im Rahmen von Mentoringprogrammen nehmen erfahrenere Businessfrauen den Nachwuchs an die Hand.

Nicht plaudern, sondern arbeiten

Den Wert von Netzwerkveranstaltungen sollte man also nicht unterschätzen. Ein Fehler, der – so Expertin Monika Scheddin – leider noch oft gemacht wird: „Aufgrund der hohen Belastung gehen Frauen eher auf den letzten Drücker zu Events und sind dann früh wieder weg, weil sie am nächsten Tag die Kinder wecken müssen“, erzählt sie. „Aber so können keine Gespräche entstehen. Netzwerken ist nicht nice-to-have, sondern sollte zu den Prioritäten gehören.“

Hauptsache, man tut was

Frauen, denen es schwerfällt, auf andere zuzugehen, rät die Netzwerk-Expertin, im Hinterkopf zu behalten, dass sich viele Menschen selbst als schüchtern bezeichnen. „Sie sind also nicht alleine damit“, so Scheddin. „Da hilft nur eins: Erst tun, dann fürchten. Menschen achten auch eher darauf, wie wir etwas sagen – als darauf, was wir genau sagen.“

Eine Haltung wirkt eigentlich immer ansteckend: Begeisterung! „Frauen, die so zielstrebig wie Männer agieren, gelten leicht als karriereorientiert und zickig“, weiß der Netzwerk-Profi. „Aber wenn man leidenschaftlich und strahlend davon erzählt, was man tut, dann kommt das an.“

Hört man im Gespräch doch einmal ein „Nein“ vom Gegenüber, dann sollte man es nicht überbewerten: „Frauen haben davor oft wahnsinnige Angst. Hier können wir noch von den Männern lernen“, rät Monika Scheddin. „Sie nehmen es weniger persönlich, sondern verstehen eher: ,Jetzt nicht!‘ Manchmal muss man einfach noch etwas dranbleiben, bis das Okay zu einem Projekt oder Job kommt.“

Es gibt also wenig zu verlieren und viel zu gewinnen. Legen wir los.

Nachgefragt: Netzwerkerinnen erzählen

Wir haben inspirierende Frauen und erfahrene Networkerinnen befragt, wie sich Frauen gegenseitig unterstützen sollten.

Erza Aruqaj, Ökonomin, Stv. Obfrau The Sorority

Erza Aruqaj»Wir sind der beste Beweis, dass das Klischee der ›Stutenbissigkeit‹ Bullshit ist: Die gegenseitige Unterstützung hat uns in den letzten Jahren groß gemacht. Konkurrenzdenken lässt sich nicht auf ein Geschlecht reduzieren. Wir haben weder die Zeit noch die Nerven, Menschen unsere Aufmerksamkeit zu schenken, die nur auf eigene Vorteile bedacht sind. Wir konzentrieren uns lieber auf das Verbindende. In diesem Sinne: Solidarity, Sister!«

Martina Kaps, Onlinemarketing & PR, Mitglied der Salzburger Medienfrauen

Martina Kaps»Im Mentoringprogramm des Netzwerks habe ich mich weiterentwickelt – auf fachlicher, aber auch persönlicher Ebene. Ich konnte meine Außenwirkung verbessern und mir gelingt es heute, meine Gesprächspartner besser einzuschätzen. Außerdem konnte ich viele neue Kontakte in der Branche knüpfen.«

Monika Scheddin, Netzwerk-Expertin, Business-Coach & Speakerin

Monika Scheddin»Wir Frauen setzen oft zu sehr auf Kompetenzen – aber die alleine bringen uns nicht weiter. Erst einmal brauchen wir jemanden, der uns die Tür aufhält. Wir bekommen Jobs durch Networking. Und dann behalten wir sie, weil wir kompetent sind. In guten Frauennetzwerken erhält man viel Solidarität, Unterstützung und Erfahrungsaustausch. Ich empfehle aber auch, die gemischten Netzwerke nicht völlig außer Acht zu lassen.«

Carina Herrmann, Bloggerin, Autorin, Gründerin des Online Co-Workingspace Femininjas

Carina Herrmann»Wir Frauen sollten uns gegenseitig unterstützen, weil wir von gesellschaftlichen Normen schon genug in Rollen gepresst werden. Frauen sollen ihr Leben so gestalten können, wie sie es sich wünschen – nicht, wie sie glauben, es tun zu müssen. Weil sie in einem Netzwerk von starken Frauen den Rücken freigehalten und Unterstützung bekommen, trauen sie sich trotz Gegenwind vielleicht eher, ihren eigenen Weg zu gehen.«

Anne Wizorek, Beraterin für digitale Medien, Autorin und feministische Aktivistin

Anne Wizorek»Solidarität ist die stärkste Waffe, die wir haben. Das fängt schon bei vermeintlich kleinen Dingen an. Wenn sich Frauen in einem Meeting aufeinander beziehen, statt auf die männlichen Kollegen, schafft das eine andere Kultur der Anerkennung für die Arbeit der Frauen. Das Wichtigste ist vermutlich, zu verstehen, dass der Erfolg einer anderen Frau nicht bedeutet, dass ich selbst mich deswegen klein fühlen muss.«

Netzwerk-Plattformen für Frauen

Österreichische Netzwerke

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