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Freiwilligenarbeit stärkt

Auch die Helfer profitieren von Freiwilligenarbeit.

Home » Leben » Ratgeber » Freiwilligenarbeitstärkt - 11.2015

Teil 2: Die Vorteile von Freiwilligenarbeit

Freiwilliges Engagement ist auch Ausdruck der Zivilgesellschaft. Und die Helfer profitieren persönlich von den Erfahrungen.

Viele Vorteile

Freiwilligenarbeit ist eine wichtige Stütze für die heimische Gesellschaft, weil sie die soziale Qualität und damit die Lebensqualität steigert. Die Rahmenbedingungen dafür sind seit 2012 im Freiwilligengesetz geregelt. „Freiwilliges Engagement schafft vor allem auch Begegnungsmöglichkeiten, zum Beispiel zwischen den Generationen oder zwischen Einheimischen und Flüchtlingen oder Migranten“, sagt Freiwilligenvermittlerin Ingrid Ebner. Ein wichtiger Bestandteil der Freiwilligenarbeit im Sozialbereich sei die Unterstützung von sozialen Randgruppen wie Bettlern oder Wohnungslosen. Vielfach sei freiwilliges Engagement auch Ausdruck der Zivilgesellschaft: „Menschen wollen sich für eine bessere, humanere Gesellschaft einsetzen und sind bereit, dafür Zeit und Energie aufzuwenden.“

Wer seine Arbeitskraft unentgeltlich für gute Zwecke einsetzt, profitiert nicht nur persönlich, sondern auch karrieretechnisch davon: Viele Fähigkeiten, die in der Freiwilligenarbeit trainiert werden, sind auch in der Berufswelt immer gefragter. Dazu zählen etwas soziale Kompetenz, die Entwicklung eigener Stärken oder das bewusste Übernehmen von Verantwortung. Andererseits kann freiwilliges Engagement als Ausgleich zum Beruf dienen und im Alter dabei helfen, aktiv zu bleiben.

Charakterstärke. Wer anderen hilft, profitiert auch selber.

Zeit spenden

Menschen engagieren sich freiwillig, weil sie anderen helfen und zum Gemeinwohl beitragen wollen. Andererseits stehen auch selbstbezogene Motive dahinter, zum Beispiel Freude an der Sache, Kontakte zu anderen knüpfen oder aktiv bleiben. „Viele Menschen möchten nicht nur Geld spenden, sondern auch Zeit“, sagt Ebner. In der aktuellen Flüchtlingskrise hilft man vor allem aus Betroffenheit. „Die Leute melden sich spontan und möchten aktiv etwas beitragen, in einer Notsituation konkret helfen.“ Gerade Bürger, die bisher nicht freiwillig tätig waren und beruflich sehr eingespannt sind, hätten in den vergangenen Monaten verstärkt bei ihr angerufen.

Für die freiwillige Sanitäterin Julia Mühlbacher ist klar: „Es ist das beste Gefühl überhaupt, wenn man jemandem helfen kann.“ Genauso wichtig sei aber das Bewusstsein, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Kollegen würden mit der Zeit automatisch zu engen Freunden. Auch im Berufsleben kann sie das Gelernte gut verwenden. Zum Beispiel, was den Umgang mit unterschiedlichen Menschen und Situationen betrifft.

Klare Grenzen

Am meisten vom persönlichen unbezahlten Einsatz profitiert, wer die am besten zu Person und Charakter passende Tätigkeit findet. Die Arbeit soll Freude bereiten und im Idealfall mit Weiterbildung verbunden sein. Die Grenzen zu bezahlter Arbeit müssen klar gezogen sein. Vertrauenswürdige Organisationen erkennt man hauptsächlich daran, dass eine professionelle Struktur gegeben ist. „Erstens muss es vor Ort jemanden geben, der für die Freiwilligen zuständig ist. Zweitens muss diese Person genügend Zeit für die Einführung und die Begleitung freiwilliger Mitarbeiter haben“, sagt Ebner. Wichtig sei auch, dass die Freiwilligenkoordinatoren ein Gespür für die Kompetenzen der Helfer hätten. „Wenn sie genügend Zeit mit ihnen verbringen, lernen sie die Freiwilligen besser kennen, dann ergibt sich vieles von selbst. Vielleicht kann ja ein Freiwilliger gut Klavier spielen und hat Zeit, einen Musiknachmittag zu organisieren?“ Zusatzangebote wie diese seien wichtig und würden die Qualität steigern, weil Hauptamtliche so etwas meist nicht leisten könnten.

Gemeinschaft. Das Wohl der Gemeinschaft steht bei Freiwilligenarbeit im Mittelpunkt.

Wer sozial handelt und sich freiwillig engagiert, wirkt also nicht nur auf andere, sondern auch auf sich selbst sinnstiftend. Wie viel Zeit jemand mitbringen kann, ist zweitrangig. „Hier ist eigentlich alles möglich“, so Freiwilligenvermittlerin Ebner. „Oft brauchen wir Menschen, die uns ihre Zeit vorübergehend für punktuelle Aktionen zur Verfügung stellen.“ Wichtig dabei ist: Eine zwanghafte moralische Verpflichtung, ausgelöst vom Fehlen öffentlicher Angebote, darf daraus nicht werden. Das wäre nicht Sinn der Sache, das würde den schönen Gedanken des Zusammenhaltens, des „füreinander da sein“ ersticken. Um sinnstiftend zu sein, muss Freiwilligenarbeit weiterhin das bleiben, was sie ist: freiwillig.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Teil 1: Österreich – das Land der Freiwilligen
Teil 2: Die Vorteile von Freiwilligenarbeit
Teil 3: Fragen & Antworten zur Freiwilligenarbeit

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