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Leben mit Freundinnen

Liebeserklärung an eine besondere Beziehung.

Home » Leben » Leben mit Freundinnen - 10.2018

Mit der besten Freundin geht man einen Bund fürs Leben ein. Doch auch der erfordert Arbeit und manchmal die Fähigkeit, Freiräume zu gewähren.

Wir lachen, bis der Bauch schmerzt, tratschen stundenlang und stolpern von einer amüsanten Geschichte in die nächste“, erzählt Lena. „Wir verstehen einander ohne Worte und teilen gemeinsame Momente. Doch im Urlaub war plötzlich alles anders: Sie ließ mir keinen Freiraum mehr. Sie beschwerte sich, wenn ich zu spät aufstand und es nicht rechtzeitig zum Frühstück schaffte. Und sie war eifersüchtig auf die nette Yoga-Partnerin, mit der ich mich gut unterhielt. Einmal kritisierte sie sogar mein Outfit, bis ich es wechselte.“ Was so klingt, als würde sich Lena hier über ihre Partnerschaft, die im letzten Yoga-Urlaub erste Risse bekam, beklagen, betrifft in Wirklichkeit eine ganz andere Beziehung: Lena war mit Petra unterwegs, ihrer besten Freundin.

Die beiden kennen einander seit ihrer Kindheit, trotzdem müssen auch sie ihre Freundschaft stetig pflegen. Denn Frauenfreundschaften sind wie romantische Beziehungen: so berührend, so bereichernd, so schmerzhaft, so schön – und manchmal auch so arbeitsintensiv.

Für Lena und Petra fühlte sich der Urlaub wie eine schreckliche Beziehungskrise an, beide waren emotional am Boden. Als sie im Anschluss die Probleme besprachen, erkannten sie, dass sich ihre Freundschaft im Laufe der Jahre verändert hatte. Mittlerweile genießen sie wieder ihren gemeinsamen Kaffeetratsch und haben Vertrauen aufgebaut – diesmal mit dem nötigen Freiraum.

Jede Freundschaft ist einzigartig

Mit ihrem Buch „The F Word“ hat die britische Autorin und Bloggerin Lily Pebbles ein Plädoyer für Frauenfreundschaften formuliert: „Ich möchte den Frauen den Wert ihrer Beziehungen zueinander verdeutlichen.“ Für sie ist jede Freundschaft einzigartig und funktioniert nach ihren eigenen Regeln. Schon Aristoteles hat erkannt, dass Freunde entweder einander gleichen oder völlig unterschiedlich sein können. Beides kann die Basis für eine gute Freundschaft bilden.

Von der ersten besten Freundin im Kindergarten bis zur Kaffeegefährtin aus der Seniorengruppe haben wir stets Begleiterinnen. Doch vor allem im Alter verändert sich die Art der Beziehung. Kleine Mädchen sehnen sich nach Spielgefährtinnen, mit denen sie Spaß haben, das Brot aus der Jausenbox teilen und sich gemeinsam entwickeln können. „Mit der Schule kommt jedoch ein völlig neues soziales Regelwerk auf uns zu, und neue Freundschaften zu schließen kann auch Angst einflößen“, erklärt Lily Pebbles.

Freundschaften entstehen dann nicht mehr auf natürliche, unvoreingenommene Weise, sondern werden stärker reflektiert. Man überlegt, mit wem man Zeit verbringen und wem man seine Gefühle mitteilen möchte. Mit diesen ausgewählten Freunden wird Freude und Verzweiflung gemeinsam erlebt, man entwickelt das sichere und beruhigende Gefühl des bedingungslosen Miteinanders. Die vielen „ersten Male“ vom ersten Kuss über den ersten Job bis zum ersten Herzschmerz werden mit den Freundinnen geteilt.

Diese Bindungen und die Zuversicht in die gemeinschaftlichen Beziehungen sind, sagt Pebbles, für das Selbstvertrauen im späteren Leben wichtig.

Erste Liebe, erste Konflikte

In der Pubertät verändern sich diese Freundschaften vor allem, weil man nun eine eigene Persönlichkeit entwickelt und eine Beziehung zum Selbst aufbaut. Jetzt zeigt sich, wer das amüsante Plappermaul, wer die kontrollierende Chefin und wer die Zurückhaltende ist. Dadurch entstehen jedoch auch erste Konflikte. Man „wetteifert und fühlt sich unsicher, vor allem, wenn es um Jungs geht“, weiß Pebbles. Eifersucht entsteht, wenn die eigene Freundin auch andere soziale Kontakte pflegt oder vom heimlichen Schwarm zum Schulball ausgeführt wird.

In einer Gruppe variieren die Beziehungen untereinander ständig. Dass sie jemals völlig ausgeglichen sind, ist unwahrscheinlich, aber gerade das führt zu Neid bei den weniger beachteten Mitgliedern. „Eifersucht kann jedoch die Realität verblenden“, sagt Pebbles. „Es ist, als hätte man einen kleinen Teufel auf der Schulter sitzen, der einem Lügen einflößt. Wenn ein Junge eine Freundin lieber mochte als mich, dachte ich nicht über sie und ihre Gefühle nach, sondern nur über meinen Verlust und was ich denn verbrochen hatte, um diese Ablehnung zu verdienen.“ Diese Reaktion hat jedoch selten etwas mit der Freundschaft zu tun, sondern eher mit eigenen Ängsten oder Unsicherheiten.

Die Lösung, auch wenn sie manchmal schwerfällt: an sich selbst arbeiten und lernen, sich für jemand anderen zu freuen, anstatt ihr oder ihm etwas vorzuwerfen. Wer mit sich selbst im Reinen ist, merkt sofort, dass man einer Freundin nur das Beste wünscht. Heute, sagt Pebbles, geht sie mit ihrer Eifersucht ganz anders um: „Ich spreche sie auf eine humorvolle Weise an und zerstöre sie damit, bevor sie überhaupt real wird. Oder ich finde ihre Wurzel und erkenne sie als mein eigenes Problem, das es zu lösen gilt.“

Mut zur Veränderung

Wer erst einmal erwachsen ist, so meint man, ist mit sich im Reinen. Das ist natürlich Unsinn. Dennoch sind sich reife Frauen eher bewusst, wie wichtig es ist, an Freundschaften zu arbeiten – und damit langjährige Beziehungen aufzubauen, deren Wert unbezahlbar ist. Einer langjährigen Freundin kann man uneingeschränkt vertrauen, Loyalität muss nicht mehr ständig hinterfragt, sondern kann schlicht vorausgesetzt werden. Eine Freundin steht auch mitfühlend zur Seite, hilft zuverlässig bei Entscheidungen und ist, falls es einmal brennt, einfach da.

Damit die Freundschaft jedoch hält anstatt an kleinen Streitereien zu zerbrechen, muss man akzeptieren, dass sie sich mit der Zeit verändern kann: Phasenweise ist sie vielleicht distanzierter oder auch einmal besonders eng. Neue Bekanntschaften erweitern die eingespielte Freundesgruppe, andere fallen hinaus. Während man mit seinen Schulfreundinnen noch jeden Tag gemeinsam verbracht hat, kommen Mütter zwischen Kindergeschrei und Büro meist viel seltener zum Kaffeetratsch. Das soll jedoch den Wert der Freundschaft nicht mindern. Wer das erkennt und die Veränderungen annimmt, kann besonders schöne Beziehungen entwickeln.

Von der engen Freundin bis zur Mädelsrunde

Aristoteles hat in der Antike bereits drei Arten von Freundschaften erkannt: jene des Nutzens, die vor allem bei älteren Menschen an Bedeutung gewinnt, jene der Lust, also des ungezwungenen Beisammenseins vor allem unter jungen Menschen, und die vollkommene Freundschaft. Die ersten beiden verebben schnell, wenn der Anreiz wegfällt. Erst in der dritten lernt man, die Persönlichkeit der Freundin zu schätzen, sich selbstlos mit ihr zu freuen und ihr das Beste zu wünschen.

Dennoch darf man keine der drei Beziehungsformen abwerten. Freundschaften – von individuellen Freundinnen für tiefgründige Kaffeehausgespräche bis zu größeren Mädelsrunden – müssen nicht hierarchisch geordnet werden. Jede ist für sich einzigartig. Um solche speziellen Verbindungen aufzubauen, bedarf es laut Pebbles keiner naturgegebenen Fähigkeiten: „Das ist nicht Teil deiner Persönlichkeit. Du kannst aktiv daran arbeiten, eine gute Freundin zu werden.“ Jeder und jede hat dieses Potenzial.

Drei Frauen über Freundschaft

Meine beste Freundin ist mir wichtig, weil ...

… wir viele Sachen miteinander teilen. (Jawaher, Jemen)

… wir alle Wege miteinander gehen können. (Elisa, Italien)

… sie gleichzeitig Ablenkung und Konfrontation für die drängendsten Fragen im Leben sein kann und dabei stets der solide Boden unter meinen Füßen ist. (Tilly, Deutschland)

Freundschaft heißt für mich ...

… Fürsorglichkeit, Vertrauen, Liebe und Unterstützung. (Jawaher, Jemen)

… bedingungslose Liebe. (Elisa, Italien)

… dem anderen immer wieder seinen Wert aufzuzeigen und sich für einander einzusetzen, ohne jedes Mal eine Gegenleistung zu erwarten. (Tilly, Deutschland)

Damit eine Freundschaft für immer hält ...

… sind Respekt und Ehrlichkeit wichtig. (Jawaher, Jemen)

… lege ich auf Ehrlichkeit und Loyalität Wert. (Elisa, Italien)

… muss man bereit sein, sich immer wieder aufeinander zuzubewegen, auch wenn der Weg nicht immer geradeaus und eben ist. (Tilly, Deutschland)

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Und so geht’s: Einfach downloaden, ausdrucken und entlang der Linien ausschneiden. Auf der freien Rückseite ist Platz für eine persönliche Botschaft.

Playlist: Girly Friendship Songs

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