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Gemeinsames Essen stärkt die Famlie

Mehr Zusammenhalt.

Home » Family » Gemeinsames Essen stärkt die Famlie - 10.2017

Essen und Trinken halten nicht nur Leib und Seele zusammen, sondern auch die Familie. Deshalb sind gemeinsame Mahlzeiten besonders wichtig.

Viele Kinder kennen das Szenario nur aus Filmen: Die ganze Familie ist abends um einen schön gedeckten Tisch versammelt, auf dem in großen Töpfen das Essen dampft. Begonnen wird mit der Suppe, dann folgt die Hauptspeise mit verschiedenen Beilagen, und am Schluss gibt es zur großen Freude der Kinder noch Pudding oder Kuchen. Natürlich braucht es seine Zeit, bis all die Leckereien verspeist sind, und das ist gut so: Schließlich kommt man ja sonst den ganzen Tag nicht dazu, ausführlich miteinander zu plaudern und sich all die Dinge zu erzählen, die man so erlebt hat.

Die Realität sieht leider oft anders aus. Der Vater isst auswärts beim Abendtermin mit Kunden, der ältere Sohn holt sich nach dem Nachmittagsturnen schnell noch einen Burger, während sich seine große Schwester wieder einmal von veganem Eis ernährt. Der kleine Bruder überredet die Mutter, eine Pizza liefern zu lassen, die er mit Ketchup verziert, bevor sie ihn daran hindern kann. Er vertilgt das Kunstwerk in seinem Zimmer vor dem Computer, während die Mutter in der Küche alleine einen Rohkostteller verspeist.

Jesper Juul

„Das Essen, das auf den Tisch der Familie kommt, hat neben dem Geschmacks- und Nährwert auch noch eine andere Bedeutung. Es wird als Symbol für das Engagement, die Liebe und Fürsorge der Eltern erlebt.“

Nicht nur Nährwert, auch Mehrwert

In modernen Familien wird immer seltener gemeinsam gegessen. Experten sehen diese Entwicklung mit zunehmender Besorgnis. Für den bekannten dänischen Familientherapeuten, Buchautor und Kolumnisten Jesper Juul geht ohne die gemeinsame Mahlzeit sogar der Zusammenhalt in der Familie verloren. In seinem neuen Buch „Essen kommen. Familientisch – Familienglück“ (soeben im Verlag Beltz erschienen) schreibt er: „Das Essen, das auf den Tisch der Familie kommt, hat neben dem Geschmacks- und Nährwert auch noch eine andere Bedeutung. Es wird als Symbol für das Engagement, die Liebe und Fürsorge der Eltern erlebt.“ Für Juul ist der Familientisch eine Art Lebensschule – und eine gesunde Ess- und Trinkkultur die ebenso einfache wie effektive Lösung für viele Familienprobleme.

Auch die Vorarlberger Familienberaterin Christine Bischof betont die Wichtigkeit familiärer Mahlzeiten: „Auch wenn Kinder und Jugendliche durch die neuen Medien anders kommunizieren als ihre Eltern früher, so haben sie doch genau die gleichen Bedürfnisse nach Kontakt und Austausch“, erklärt sie auf ihrer Homepage. „Gemeinsames Essen kann Verbindung schaffen, vorausgesetzt, Eltern verwenden diese gemeinsame Zeit nicht zum Erziehen.“

Beim Thema Erziehung am Esstisch warnt Jesper Juul: „Jeder Erwachsene weiß, wie unangenehm es ist, wenn man beim Essen angestarrt, zurechtgewiesen und be­obachtet wird. Ein solches Verhalten ist kränkend und verletzt Grenzen. Uns vergeht der Appetit, der Genuss und die Lust, mit einem Menschen zusammen zu sein, der sich so verhält.“

Erziehen durch gutes Vorbild

Anstatt die Kinder ständig zu besseren Tischmanieren zu ermahnen, sollte man bedenken, dass sie zu 90 Prozent durch das erwachsene Verhalten erzogen werden. Wer mit gutem Vorbild vorangehen möchte, wäscht sich vor dem Essen die Hände, schaltet Fernseher, Handy sowie Laptop aus und lässt sich selbst nicht vom Tisch weglocken, anstatt den Kids das frühzeitige Aufstehen zu verbieten. Und auch sonst können Eltern viel zu einem liebevollen Familienessen beitragen. Auf der folgenden Seite finden Sie einige Tipps, wie aus der Mahlzeit ein gemeinsamer Genuss für Leib und Seele wird.

BUCH TIPP Buchtipp: „Essen kommen. Familientisch – Familienglück“ von J. Juul

Jesper Juul, geboren 1948 in Däne­mark, ist Lehrer, Gruppen- und Familientherapeut, Konfliktberater und Begründer des Family Lab. In seinem neuen Buch untersucht er auch die Wurzeln problematischen Essverhaltens vom Baby bis zum Teenager: Essen kommen. Familientisch – Familienglück, Beltz Verlag.

Die besten Tipps für ein gelungenes Familienessen mit Kindern

Angenehmes Ambiente.
Niemand mag Plastiktischtücher, auch Kinder nicht. Verwenden Sie auch im Alltag ein schönes Tischtuch, Servietten, vielleicht sogar Kerzen. Sorgen Sie für ein gutes Raumklima und schalten Sie störende Lärmquellen aus. So gewöhnt sich der Nachwuchs früh daran, dass Essen ein Erlebnis für alle Sinne ist.

Reden Sie bei Tisch.
Äußern Sie von sich aus Ihre Meinung zum Essen. Junge Menschen lernen durch Vorbildwirkung, nicht durch Befragung. Bei Geschichten über den Kindergarten oder die Schule ist es besser, erst nachzuhaken, wenn die Kids von sich aus anfangen zu erzählen. Schwierige Themen wie schlechte Schul­noten bespricht man besser nach dem Essen – sie ruinieren sonst garantiert die Stimmung.

Lassen Sie die Kinder mithelfen.
Geben Sie den Kids die Möglichkeit, sich am Einkaufen, Kochen oder Servieren zu beteiligen, auch wenn es Zeit kostet. „So wie Erwachsene wollen auch Kinder sich wertvoll fühlen, und das geht am besten, wenn sie Eltern auch etwas geben können und nicht nur von ihnen bekommen“, erklärt ­Christine Bischof. Als Dank gibt es eine Umarmung.

Lese-Tipp: Hier finden Sie gehaltvolle Snacks für Kinder.

Laden Sie zum Essen ein.
Niemand isst gerne auf Kommando. Und Kinder ­wissen oft noch nicht genau, wann sie Hunger haben. Teilen Sie ihnen mit, dass die Mahlzeit fertig ist, und beginnen Sie selbst zu essen. Wenn die Älteren sich um den Tisch versammeln, werden es die Jüngeren ihnen bald gleichtun.

Machen Sie aus dem Essen kein Gesundheitsprojekt.
Kinder brauchen Vitamine, aber wer sie ihnen auf­zwingt, erntet meist nur Widerstand. Katharina ­Sparring hat zu Jesper Juuls Buch Rezepte bei­- ge­steuert, die sie in einer Kindertagesstätte und an ihren drei Söhnen ausprobieren konnte. Sie appelliert an die Geduld der Eltern: „Ich teste ein neues Gericht immer mehrmals, bevor ich aufgebe, denn die Geschmacksknospen der Kinder müssen sich erst an neue Geschmacksrichtungen gewöhnen.“

Lese-Tipp: So macht Kochen mit Kindern Spaß.

Sorgen Sie für eine natürliche Atmosphäre.
Auch wenn gute Stimmung wichtig ist, kann man sie nicht ständig aufrechterhalten. Herrscht einmal ­Disharmonie, dann ist auch diese Erfahrung Teil des Familienlebens. Kinder kommen mit echten Gefühlen besser klar als mit einer gekünstelten Atmosphäre, die sie zumeist als unheimlich empfinden.

Kochen Sie nicht à la Carte.
Wenn Kinder etwas partout nicht essen wollen, sollte man sie nicht dazu zwingen, sondern etwas Käse oder Aufstrich bereithalten. Auf keinen Fall sollte man ein anderes Hauptgericht zubereiten. „Der tiefere Sinn besteht nicht darin, dass alle Familien mit Kindern ein À-la-carte-Restaurant eröffnen“, meint Familientherapeut Juul, „sondern darin, dass sich alle Mitglieder in der Familie am Tisch gleichermaßen willkommen und wertgeschätzt fühlen.“

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