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Raus mit der Sprache

Wie man mit Kindern spricht, damit sie sich einem öffnen.

Home » Family » Raus mitder Sprache - 11.2015

Schweigen, Ruhe & Verständnis – Kinder reden anders

Gedacht ist nicht gleich gesagt. Gesagt ist nicht gleich gehört. Gehört ist nicht gleich verstanden. Wie man Kinder zum Reden bringt.

Hallo, mein Schatz, wie geht’s dir? Hattest du einen schönen Tag? Mhm. Alles okay bei dir? Mhm. Bist du hungrig? Nö. Ich mach dir Spaghetti. Okeee. Wollen wir nachher zum Spielplatz? Äh. Oder lieber zur Oma? Puh. Na ja, wir können sie ja auch nächste Woche besuchen. Okeee. Uns wird schon was einfallen, was uns beiden Spaß macht. Mhm. Ist wirklich alles okay? Äh. Bedrückt dich was? Nö. Sicher? Mhm. War irgendwas in der Schule? Nö. Sehr gesprächig bist du nicht. Puh.

Dialoge. Hallo, mein Schatz, wie geht’s dir? Hattest du einen schönen Tag?
Mhm.
Alles okay bei dir?
Mhm.
Bist du hungrig?
Nö.
Ich mach dir Spaghetti.
Okeee.
Wollen wir nachher zum Spielplatz?
Okeee.
Ist wirklich alles okay?
Mhm.
War irgendwas in der Schule?
Nö.
Sehr gesprächig bist du nicht.
Puh.

Einsilbig bis wortkarg

Manchmal sind sie so still, dass sie einen direkt aus der Ruhe bringen. Mitunter scheint es, als hätten sie ihren Wortschatz im Vorgarten vergraben und übrig sind nur noch Fragmente. Ja. Nein. Weiß nicht. Vielleicht. Gut. Keine Ahnung. Hin und wieder machen sie sich nicht einmal diese Mühe und begnügen sich mit Buchstaben. Mhm. Pf. Puh. Tz. Das ist anstrengend, besorgniserregend ist es nicht. Bisweilen sind Kinder verschlossen. Zeigen nicht, was sie fühlen. Erzählen nicht, was ihnen durch den Kopf geht. Als Elternteil will man natürlich mehr wissen. Um sicher zu sein, dass es ihnen gut geht, dass es ihnen an nichts fehlt, dass sie keine Probleme haben, will man das auch von ihnen hören. Also versucht man, Informationen aus ihnen herauszukitzeln. Ihnen Details aus der Nase zu ziehen. Es geht aber auch einfacher.

Kinder nennen Dinge bei Namen, die die Erwachsenen schon längst vergessen haben.

Ruhe gegen Stille

Hände hoch, das ist ein Überfall! Los, raus mit der Sprache, wie geht es dir? Wie war dein Tag? Antworte, aber flott! Es mögen nicht diese Worte sein, mit denen Kinder daheim empfangen werden, aber der Klang ist ihnen nicht unbekannt. Der ereignisreiche Tag spukt ihnen im Kopf herum, und kaum ist die Haustür hinter ihnen ins Schloss gefallen, beginnt das Verhör. So hört es sich an für Kinder. Da sind sie gar nicht so anders als ihre Eltern, die nach einem schweren Tag auch erst einmal ankommen wollen. Sich zurücklehnen. Ein paar Minuten den Stress ausschnaufen. Und den Tag für sich auf die Reihe kriegen, bevor sie anderen davon erzählen. Sind die Gedanken dann geordnet, müssen sich Worte dafür finden.

 Kommunikation. Gespräche mit Kindern können mitunter viel Energie benötigen.

Kommunikation. Gespräche mit Kindern können mitunter viel Energie benötigen.

Rede und Antwort

Schon Erwachsene haben nicht immer die richtigen Worte parat. Kinder sind noch weniger darin geübt, ihre Gefühle auszudrücken. Oft glauben sie, dass man sie nicht versteht. Nicht selten genieren sie sich sogar. Helfen kann man ihnen, indem man selber erzählt und ganz offen mit ihnen redet. Zum Beispiel darüber, wie andere Kinder einen früher geärgert haben. Welche Probleme man in der Schule hatte. Warum man manchmal traurig ist. Und was einen beschäftigt. So erkennt das Kind, dass Papa nicht unverwundbar ist, nur weil er schon Schuhgröße 45 hat. Dass es ihm vertrauen kann. Dass es verstanden wird. Und dass die Eltern auch so ihre kleinen Probleme hatten.

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