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Heizen & Kühlen

Lebensmittel für Sommer und Winter.

Home » Genuss » Ernährung » Heizen & Kühlen - 10.2016

Mit bestimmten Lebensmitteln kann man dem Organismus einheizen. Mit anderen schaltet man die körpereigene Klimaanlage ein. Ein appetitlicher Leitfaden.

Wenn es um Ernährung geht, sollte man auf seinen Bauch hören, heißt es. Dabei muss man manchmal gar nicht so genau hinhören. Denn sobald die kalte Jahreszeit beginnt, schreit er geradezu nach warmer Nahrung. Der Appetit auf knackige Salate und erfrischende Wassermelonen ist ihm vergangen. Jetzt hat der Körper einen Gusto auf heiße Maroni und dampfende Suppen. Aber nicht nur erhitzte Speisen sind im Winter beliebter als Rohkost, auch bestimmte Zutaten haben Hochsaison. Statt sommerlicher Fruchtsalate mit Ananas, Kiwis und Minze genießt man lieber ein Frucht-kompott mit Zimt und Kardamom oder Bratäpfel, die mit Rosinen und Walnüssen gewürzt sind. Zum Vanilleeis werden immer öfter heiße Früchte serviert. Und im Nikolosackerl finden sich neben vitaminreichen Mandarinen, die eine erfrischende Wirkung auf den Körper haben, auch jede Menge Nüsse, die von innen wärmen. Schon in alten fernöstlichen Lehren wie der traditionellen chinesischen Medizin und dem Ayurveda, aber auch in der europäischen Volksheilkunde werden Lebensmitteln thermische Effekte auf den Körper nachgesagt.

So soll rotes Fleisch – insbesondere vom Wild – von innen her mehr wärmen als beispielsweise Huhn.

Auch Kürbis, Lauch und Zwiebeln sollen gegen das Frieren helfen, ebenso wie Nüsse und Maroni. Und scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer oder Ingwer gelten ohnehin als Heißmacher. Ihnen werden außerdem auch aphrodisierende Eigenschaften zugeschrieben. Isst man diese Lebensmittel, so reizen sie jedenfalls die Mundschleimhaut – insbesondere am hinteren oberen Rachendach. Dadurch wird die Durchblutung angeregt. Die Gefäße erweitern sich, der Herzschlag wird beschleunigt, die Körpertemperatur steigt an – und es wird vermehrt Schweiß gebildet, um den Organismus vor Überhitzung zu schützen. Deshalb ist scharfes Essen in heißen Klimazonen so beliebt. Es erleichtert die Hitzeabgabe durch starkes Schwitzen. In kalten Regionen wiederum kann es gegen Erkältungen sowie kalte Finger und Füße schützen.

Hot.Sich selber einzuheizen ist eine Frage der Dosierung. Ein Schäuferl zu viel und alles brennt.

Hot. Sich selber einzuheizen ist eine Frage der Dosierung. Ein Schäuferl zu viel und alles brennt.

Warm

In der asiatischen Fünf-Elemente-Lehre wird jedes Lebensmittel in eine von fünf Gruppen eingestuft: kalt, kühlend, neutral, wärmend oder erhitzend. Weil die Ernährungslehre nach der TCM die goldene Mitte anstrebt, wird zumeist geraten, hauptsächlich Zutaten aus den Bereichen warm bis neutral und neutral bis kühl zu verwenden. Heiße und kalte Zutaten kommen nur bei Ungleichgewicht im Körper – das etwa durch extreme Temperaturen verursacht wird – zum Einsatz, wobei auch die Zubereitungsart eine Rolle spielt. Zu den erhitzenden Speisen gehören Currys, Chilis, Ingwer, Pfeffer, Schimmelkäse, Zimtrinde sowie Lamm-, Reh- und Hirschfleisch und auch alle Grillfleischarten. Getreide wie Reis, Hirse oder Dinkel, das an sich neutral ist, kann durch Anrösten und Kochen eine erwärmende Wirkung erhalten. Als wärmend gelten Obstsorten wie Zwetschke, Pfirsich, Marille und Granatapfel, Gemüse wie Fenchel, Süßkartoffel, Hokkaidokürbis sowie Rosinen, Kakao, Baumnüsse, Schaf- und Ziegenkäse, Parmesan, Kürbiskernöl, Essig, gebratene Zwiebeln und Maroni. Dazu kommen Salami, Huhn, Aal, Garnelen, Hummer, Kabeljau, Lachs, Thunfisch, Sardellen, Scholle sowie alle Arten von Räucherfisch. Und zahlreiche Gewürze, darunter Petersilie, Basilikum, Oregano, Thymian, Wacholder und Zimt. Letzterer ist also gerade zur Weihnachtszeit keinesfalls grundlos so beliebt.

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Heilend. Suppe tut immer gut. Besonders die bekannte Hühnerbrühe hat wissenschaftlich belegte, heilende Wirkungen.

Kalt

Kühl – und damit für kalte Wintertage weniger geeignet – sind Äpfel, Trauben, Orangen, Sirup, Artischocken, Oliven, Kopfsalat, Löwenzahn, Radieschen, Avocados, Auberginen, Brokkoli, Spargel, Spinat, Zucchini, Sauerkraut, Austern, Tintenfisch, Cashewnüsse, Oliven-, Sesam- und Sonnenblumenöl, Gerste und Weizen, Schlagobers, Tofu, Ente sowie Salbei und Brunnenkresse. Und zu den kalten Speisen zählen Paradeiser, Ananas, Kiwis, Zitronen, Joghurt, Gurken, Bananen, Mangos, Wassermelonen, weißer Zucker, Kaviar, Krabben und Krebse, Algen, Sojasauce und Salz. Besonders Speisen und Getränke, die schon von der Temperatur her kalt konsumiert werden und zudem auch noch eine kühlende thermische Wirkung haben – wie Orangensaft direkt aus dem Eiskasten –, sollten nach Ansicht mancher TCM-Experten mit Vorsicht genossen werden, weil sie unser Verdauungssystem besonders stark fordern. Aber sogar einige Heißgetränke wie grüner Tee oder diverse Kräutertees – etwa Pfefferminze, Lindenblüte, Kamille, Holunderblüte – sollen kühlend wirken. Das heißt natürlich nicht, dass man auf diese Lebensmittel im Winter verzichten muss. Es gilt nur, einen entsprechenden Ausgleich durch wärmende Nahrungsmittel zu schaffen. Wer von Spaghetti mit Tomatensoße gar nicht genug bekommt, kann dem kühlenden Klassiker mit genügend Parmesan einheizen. Wer das Vitamin C aus Zitronen in seinen Tee pressen möchte, trinkt idealerweise Apfel-Zimt- oder Ingwertee und eben nicht die erfrischende Pfefferminze. Wenn man dann noch statt roher Speisen eher Gekochtes, Gedünstetes, Geschmortes oder Gebackenes auf den Tisch bringt, wird die Heizung des Körpers zusätzlich angekurbelt.

Tipp: Auch wärmende Eintöpfe helfen ausgezeichnet gegen das Kältegefühl. Da geht sich dann als Beilage sogar noch ein erfrischender Salat aus, ohne dass man gleich fröstelt.

Der Klassiker

Das wohl bekannteste und beliebteste der wärmenden Gerichte ist die Suppe. Schon unsere Großmütter haben sie stundenlang vor sich hin köcheln lassen. Und bis heute wird in Erkältungszeiten gern eine Hühnersuppe zur Stärkung des Körpers und der Abwehrkräfte zubereitet. Die Empfehlung dafür lässt sich bis zu einem Rezept jüdischer Gelehrter aus dem zwölften Jahrhundert zurückverfolgen. Mittlerweile ist die legendäre Wirkung dieser klassischen Winterspeise auch wissenschaftlich belegt. Ein Forscherteam von der US-Universität in Nebraska fand heraus, dass die Zutaten einer frischen Hühnersuppe tatsächlich gegen Infekte der oberen Atemwege wirken können. Und zwar, indem sie die Aktivität der weißen Blutkörperchen, die an Erkältungsprozessen beteiligt sind, hemmen. Welche Inhaltsstoffe im Detail für die wohltuende Wirkung verantwortlich sind, konnten die Wissenschaftler noch nicht erklären. Fest steht aber, dass der heiße Dampf die Schleimhäute zusätzlich befeuchtet und dafür sorgt, dass Schleim aus der Nase besser abfließen kann. Und natürlich trägt die Suppe zur täglichen Flüssigkeitszufuhr bei, was ebenfalls gut für das Immunsystem ist. Wer ihre entzündungshemmende und wärmende Wirkung noch verstärken möchte, kocht ein Stück Ingwerwurzel mit. Oder einige Chilis. Oder Fenchel. Oder was auch immer einem der eigene Bauch bei der Zubereitung dieser Speise rät. Und nur keine Sorge: Er empfiehlt als weitere Zutat mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Kiwis. Oder Gurken. Der Bauch weiß schon, was dem Körper guttut.

 

Weiterlesen: Ein wärmendes Frühstück & eine Übersicht

Eine Morgenmahlzeit, mit der man gut von innen her gewärmt in den Tag startet, ist der Hafer-Birnen-Brei. Dafür schält man eine Birne und schneidet sie in kleine Würfel. Dann vermischt man eine Handvoll Haferflocken mit einer Prise Salz, mischt Gojibeeren darunter und gießt das Ganze mit kochendem Wasser auf. Anschließend werden die Birnenstücke, einige Rosinen, etwas Zimt und gemahlene Gewürznelken hinein gemischt und alles auf kleiner Flamme fünf Minuten lang gedünstet. Mit Honig und gehackten Walnüssen bestreuen und warm servieren.

Früchstück Brei mit Birne

Wärmend. Birne und Haferflocken ist die ideale Kombination fürs Frühstück.

Übersicht der heißen und kalten Lebensmittel

warme und kalte lebensmittel

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