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Was wünschen Sie sich?

Manche Wünsche sind nicht die eigenen. Wie man draufkommt, was man wirklich will.

Home » Leben » Ratgeber » Was wünschenSie sich? - 12.2015

Teil 1: Villa oder Familie. Prinzessin oder Astronaut.

Es gibt Wünsche, die haben alle anderen auch. Und es gibt Wünsche, die gehören einem ganz allein. Es ist nicht leicht, Ich-Wünsche von Wir-Wünschen zu unterscheiden. Und noch schwieriger, sie zu erfüllen.

Die Autotür geht auf. Eine helfende Hand wird ausgestreckt. Die weiße Hausfassade ragt in den Himmel. Im Licht der untergehenden Sonne glitzern die Fenster. Hinter der aus Mahagoni gezimmerten Eingangstür erstrecken sich die Gänge der renovierten Villa in die Zeitlosigkeit. Der Garten fließt wie ein grüner Teppich dem Haus entgegen. Das Heft wird zugeschlagen. Die jüngere Tochter zupft ungeduldig am Rock. Sie wartet auf das Essen. Vor dem Fenster rast der Abendverkehr nach Hause. Der Regen prasselt stetig gegen das Glas. Zehn Minuten später versammelt sich die Familie um den runden Tisch.

Ausblick. Malt man sich aus, wie es wäre, wenn die Wünsche in Erfüllung gingen, kommt man drauf, ob es die eigenen sind.

Ausblick. Malt man sich aus, wie es wäre, wenn die Wünsche in Erfüllung gingen, kommt man drauf, ob es die eigenen sind.

Villa oder Familie

Karriere oder Kinder. Das ist eine der größten Fragen, wenn es um die Lebensplanung geht. Dem einen ist die Karriere wichtig, dem anderen die Gründung einer Familie. Das ist ganz normal und nur problematisch, wenn die Wünsche unter dem Druck der Gesellschaft entstehen. Wenn man sich gezwungen fühlt, etwas zu leisten, was man gar nicht will. Weil vielleicht die Freunde alle schon Kinder in die Welt gesetzt haben, während man selber noch das Singleleben genießt. Auf der Karriereleiter ist man dafür schon etwas weiter oben. Nun steht man auf seiner Sprosse und fragt sich, wofür man sich entscheiden soll.

Friedrich Nietzsche, Philosoph

»Wünsche will ich, nichts als Wünsche: und immer an Stelle der Erfüllung einen neuen Wunsch.«

Reizvoll ist beides. Die Idee einer Familie im Grünen, die Vorstellung eines Apartments in der Großstadt. Am reizvollsten wäre eine Familie in einem Apartment in einem grünen Viertel einer Großstadt. Na ja. Am besten macht man sich einmal eine Pro-und-Kontra-Liste. Um alles bis auf den Kern herunterzubrechen. Was man will und was nicht. Wobei der Mensch so gebaut ist, dass er eher sagen kann, was er nicht mag. Egal, auch das Ausschließungsverfahren lässt ein Ziel übrig.

Vererbung. Eine Theorie besagt, dass man unerfüllte Wünsche auf den Nachwuchs überträgt.

Vererbung. Eine Theorie besagt, dass man unerfüllte Wünsche auf den Nachwuchs überträgt.

Vielleicht kommt man drauf, dass man nur Geld verdienen will, weil das seit der Kindheit getrommelt wird. Oft sind es kleine Sätze, die große Auswirkungen haben, und schon ordnet man die eigenen Wünsche den Wünschen anderer unter. Womit wir bei der Theorie der vererbten Träume sind. Die besagt, dass unerfüllte Wünsche auf den Nachwuchs übertragen werden. Die Kinder sollen leben, was die Eltern versäumt haben, erreichen, was für sie nicht zu schaffen war. Und es ist nicht nur die Familie, die Wünsche vorgibt. Trends. Werbung. Medien. Freunde. Die Gesellschaft. Zu der man schließlich auch gehört. Um sich in dem Wirrwarr selber treu zu bleiben, braucht es Kraft und einen Blick auf das Kind, das man einmal war.

Prinzessin oder Astronaut

Die wahren Träume und Wünsche prägen sich, wenn wir noch in den Kinderschuhen herumtollen. In der Ungezwungenheit der jungen Jahre kann der Geist noch träumen. Ohne Vorgaben aus der Society. Eigentlich ist es auch Aufgabe der Eltern, ihre Kinder vor diesen Zwängen zu schützen. Aber das geht halt nicht so leicht, wenn man selbst unter denselben Zwängen leidet.

Gelingt es, die kindliche Fantasie und die Kreativität nicht einzuschränken, sind die Vorstellungen vielleicht etwas unrealistisch, aber umso wichtiger für die Entwicklung.

Sie geben Orientierung und Motivation. Das heißt: Wenn man als Mädchen Prinzessin und als Bub Astronaut werden wollte, bleibt die Richtung, entwickelt sich aber weiter. Man sucht sich inhaltlich verwandte Ziele. Aus der Prinzessin wird eine Modeschöpferin, aus dem Astronauten ein Pilot. Wir übersetzen also die Kindheitsträume ins Realistische. Dinge, die wirklich utopisch sind, bleiben „bittersüße Sehnsüchte“, wie sie Alexandra Freund, Professorin der Psychologie in Zürich, nennt. „Bitter, weil sie utopisch sind. Süß, weil sie mit schönen Gedanken verknüpft sind.“ Man wird ja noch träumen dürfen.

Kind malt Rakete an Wand

Träume.Kindheitsträume werden im Erwachsenenalter ins Realistische übersetzt.

Man sollte noch träumen wollen. Daher ist es nicht rührselige Nostalgie, nachts in den Himmel zu starren oder sich einen Film über Prinzessinnen anzusehen. Dabei entstehen positive Gefühle, die einen über das nicht ganz so perfekte Leben hinwegretten. Sehnsüchte sind keine blöden Spinnereien, sie sollten angenommen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Teil 1: Villa oder Familie. Prinzessin oder Astronaut.
Teil 2: Luftschloss oder Mansarde. Plus: Tipps

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