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Liebe ist ...

Das Phänomen Liebe. Und was dahinter steckt.

Home » Leben » Ratgeber » Liebeist ... - 11.2015

Teil 1: Wie die Biologie Liebe erklärt

Der Liebe auf der Spur. Was hinter dem stärksten Gefühl der Verbundenheit steckt.

So viele Paare, wie es auf dieser Welt gibt, so viele verschiedene Arten der Liebe existieren. Was oder wen man liebt, hängt von der einzelnen Person ab. Daher gibt es nicht die eine Liebesformel. Aber man kann sich ihr auf vielen Wegen annähern.

Die Natur der Liebe

Man ähnelt einem lächelnden Schaf, das einen Meter über dem Boden schwebt, die Welt rosa sieht und im Übrigen blind ist. Man hat Herzerl in den Augen, Schmetterlinge im Bauch und Hormone überall. Die Knie sinken einem ein, das Herz geht einem über, dafür setzt der Verstand aus. Das ist es, was die Liebe aus einem Menschen macht. Da fragt man sich, wozu man sie so unbedingt braucht.

Es existieren viele verschiedene Arten von Liebe. Daher gibt es nicht die eine Liebesformel.

Schmetterlinge im Bauch. Es existieren viele verschiedene Arten von Liebe. Daher gibt es nicht die eine Liebesformel.

Ob man eine Antwort darauf weiß, ist eigentlich vollkommen egal, man kommt ihr ohnehin nicht aus. Werfen wir einen Blick auf die Anfänge des Phänomens Liebe, so landen wir in der Savanne vor vier Millionen Jahren. Die urzeitlichen Geschöpfe, von denen der Mensch abstammt, sind gerade vom Baum herunter auf die Steppenwiese gestiegen. Weil sie im hohen Gras nichts sehen können, stellen sie sich auf die Hinterbeine und schreiten fortan im aufrechten Gang. Für die Frau heißt das Überforderung. Kind tragen, Beeren sammeln, Feuerholz schleppen. Allein geht das nicht. Also beschließen Männchen und Weibchen, sich zusammenzutun. Und aus Helfen, Zweisamkeit und Vertrauen entwickelt sich die Chemie der Liebe. So die eine Theorie.

Doch es gibt noch eine urtümlichere Liebe: die zwischen Mutter und Kind. Die stärkste und älteste Art der Verbundenheit. Sie existiert auch in der Tierwelt. Aus ihr hat sich im Lauf der Evolution die geschlechtliche Liebe entwickelt.

Die Biologie

So außergewöhnlich wir uns fühlen, wenn wir lieben, so gewöhnlich erklärt es die Biologie. Hormone, Botenstoffe oder Neurotransmitter werden im Gehirn gebildet, der singuläre Cortex ist für die nötige Aufmerksamkeit zuständig, das mesolimbische System für die Belohnung und dazwischen schwirren die Botenstoffe umher. Der Wichtigste ist das Dopamin, das sogenannte Glückshormon. Es steigert die Lust und stimuliert das Östrogen bei der Frau und das Testosteron beim Mann. Das Adrenalin sorgt dafür, dass wir die Müdigkeit vergessen und auf dem Weg zum Mond sind.

Glückshormon. Der wichtigste Botenstoff der Liebe ist das Dopamin, das sogenannte Glückshormon.

Die Verbundenheit zwischen den Liebenden ist die Domäne von Oxytocin und Vasopressin. Präriewühlmäuse machen diese beiden Hormone zu Vorzeigepärchen der Natur. Sie finden sich, gründen eine Familie und bleiben sich ein Leben lang treu. Die verwandten Bergwühlmäuse haben weniger aus dem Topf der Treue-Hormone geschöpft und leben mehr wie Don Juan. Erhöht man die Dosis im Labor, können auch die Mäuse aus den Bergen zu treuen Liebhabern werden. Aus diesem Ergebnis haben Forscher abgeleitet, dass Oxytocin für die Treue beim Menschen verantwortlich ist, das Kuschelhormon wird nur in einer ganz anderen Region produziert. Ob man dem Partner treu ist oder nicht, ist trotzdem nicht nur von einem Hormon abhängig.

Die Monogamie

Dass man sich in einer Partnerschaft treu bleibt, ist biologisch gesehen unlogisch. In der Natur geht es um Fortpflanzung, darum, das Überleben der eigenen Gene zu sichern. Der Wissenschaftler William Hamilton hat das als wirtschaftswissenschaftliches Denken beschrieben, eine Eigenschaft der egoistischen Gene. Dem Gedanken sind auch unsere Vorfahren gefolgt. Man war nur so lange zusammen, wie man brauchte, das Kind aufzuziehen – in steinzeitlicher Zeitrechnung waren das vier Jahre. Danach suchte man sich einen neuen Partner.

Treueschwur. Selbst die als treue Seelen bekannten Pinguine und Schwäne sind dem Grün in Nachbars-Garten nicht abgeneigt.

Ökonomisch gesehen verständlich. Es ist der ewige Kampf zwischen Liebe und Lust. Nicht einmal die Vorzeigepärchen in Sachen Treue unter den Tieren sind dem prachtvollen Nachbar-Schwan abgeneigt. Oder dem Nachbar-Pinguin, Menschenaffen oder Mäuserich. Zoologe Raoul Mulder spricht mehr von einer soziologischen Monogamie. Die Tiere finden sich zwar zusammen, um sich gemeinsame Brutplätze zu bauen und ihre Kinder aufzuziehen, doch das heißt nicht, dass sie sexuell monogam bleiben.

Charles Darwin unterschied daher zwischen der natürlichen und der geschlechtlichen Zuchtwahl: Die natürliche unterliegt den egoistischen Genen und ist im Tierreich zu finden; die geschlechtliche Wahl ist Eigenart des Menschen, er ist das einzige Lebewesen mit einem Moralverständnis und der Fähigkeit zu lieben.

Konfuzius, Philosoph

„Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“

Lesen Sie mehr zum Thema:

Teil 1: Wie die Biologie Liebe erklärt
Teil 2: Liebe als das höchste der Gefühle
Teil 3: Die Liebe am Smartphone

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