Menü öffnen

Irren ist männlich

Gesundheitsmythen bei Männern.

Home » Leben » Irren istmännlich - 05.2016

Handystrahlung und Radfahren schaden angeblich ihrer Fruchtbarkeit. Testosteron führt bei ihnen zu mehr Aggression und weniger Haaren. Männer haben schon unter seltsamen Phänomenen zu leiden.

Zehn Mythen über die männliche Gesundheit. Was stimmt und worüber man sich keine Sorgen machen muss.

Einerseits glauben sie bei der kleinsten Kleinigkeit, sie erleben den nächsten Tag nicht mehr. Andererseits würden sie lieber jeden Monat eine Steuererklärung abgeben als zum Arzt zu gehen. Männer und ihre Widersprüche. Männer und ihre Ängste. Die einen haben einen Sinn, andere sind reine Hirngespinste. Wovor sich das Geschlecht mit dem Bart wirklich fürchten sollte. Und welcher Aberglaube rund um den männlichen Körper sich hartnäckig hält.

1. Handystrahlung beeinträchtigt die Spermienproduktion

Stimmt. Aktuelle Studien zeigen einen Zusammenhang. An der medizinischen Fakultät des Technion in Haifa, Israel, hat man 106 Männer über ein Jahr lang begleitet. Die Forscher haben sie zu ihrer Handynutzung befragt und parallel dazu ihre Spermienqualität untersucht. Ausgangspunkt der Studie waren Aufzeichnungen über den Rückgang der Spermienqualität im 20. Jahrhundert; eine Erklärung dafür sollte die elektromagnetische Strahlung von Handys sein. Diese Theorie ist mit den Ergebnissen untermauert worden.

Bei Männern, die mindestens eine Stunde am Tag telefonierten, war die Konzentration der Spermien ungewöhnlich niedrig.

Selbst wenn sie nur beim Aufladen des Handys in der Nähe waren, ging der Wert um fast 30 Prozent zurück. Für Männer, die ihr Smartphone gerne in der Hosentasche tragen, gibt es ebenfalls unerfreuliche Ergebnisse. Wer das Handy in Reichweite von 50 Zentimetern zur Leiste trägt, darf mit einem Rückgang der Spermien von mehr als 40 Prozent rechnen. Das heißt: nicht neben dem Handy schlafen, das Telefon nicht um den Lendenbereich tragen und sich bei Gesprächen kurz halten. Was Männern nicht schwerfallen sollte. Für genauere Ergebnisse benötigen die Forscher allerdings noch größer gefasste Studien.

2. Männer bekommen keinen Brustkrebs

Stimmt nicht. Männer können genauso an Brustkrebs erkranken wie Frauen. Obwohl es weitaus weniger Fälle gibt, steigt die Zahl der Erkrankungen dennoch an. Das hat man an der University of Texas erforscht. Das Problem ist, dass der Krebs oft sehr spät entdeckt wird und die Heilungschancen dadurch gering ausfallen. Daher gilt auch für Männer: regelmäßiges Abtasten der Brust. Erste Anzeichen sind Verhärtungen rund um die Brustwarzen. Weil sie nicht schmerzen, kommt man der Krankheit umso weniger auf die Schliche. Bei Auffälligkeiten gleich einen Termin beim Arzt ausmachen.

3. Rasieren lässt Haare dicker wachsen

Stimmt nicht. Es scheint nur so, weil das Haar an der Haarwurzel dicker ist und Richtung Spitze immer dünner wird. Wer sich also oft rasiert, sieht nur die kurzen, robusten Härchen. Mit guter Pflege kann die Rasur trotzdem reibungslos verlaufen. Über geschmeidige Haut gleitet der Rasierapparat sanfter als über trockene und unebene. Mehr Bart bekommt man vom vielen Rasieren übrigens auch nicht. Denn die Zahl der Haare ist bereits durch die Haarfollikel festgelegt. Und auch die Schnelligkeit des Nachwuchses wird nicht vom Rasierer, sondern von den Genen bestimmt.

leben-gesundheit-1-ab_2016-04

Frieren. Männern wird tatsächlich weniger oft kalt, als Frauen.

4. Männer frieren weniger als Frauen

Stimmt. Die Geste, der Geliebten seine Jacke zu geben, ist nicht nur charmant, sie liegt auch in der Natur des Mannes: Ihm ist einfach nicht so schnell kalt wie ihr. Und das hat drei Ursachen. Erstens den Körperbau: In der Regel ist der weibliche Körper kleiner, aber länger. Über die Haut gibt der Körper Wärme ab. Im Verhältnis zu ihrem Volumen hat die Frau also eine größere Oberfläche, über die Wärme entweicht. Zweitens spielt die Beschaffenheit der Haut eine Rolle. Weibliche Haut ist um rund 15 Prozent dünner und dadurch empfindlicher für Kälte. Und drittens ist da die Muskelmasse. Männer haben 40 Prozent Muskelmasse, die Wärme erzeugt, Frauen nur 25 Prozent. In kalten Zeiten geht der Partner also bestens als Heizstrahler durch.

5. Radfahren macht impotent

Stimmt nicht. Männer auf Rädern dürfen aufatmen. Auch die Profis auf der Straße haben keine Probleme im Bett. Das Radfahren an sich verursacht keine Probleme. Wenn überhaupt, ist der falsch eingestellte Sattel der Übeltäter. Impotenz löst aber auch er nicht aus. Trotzdem ein Tipp: Der Sattel sollte exakt waagrecht ausgerichtet sein. Dann steht der nächsten Radtour nichts mehr im Wege.

6. Haarausfall ist erblich bedingt

Stimmt teilweise. Wenn die Haarpracht Volumen und Glanz verliert, glaubt auch der gestandenste Mann, mit einem Bein im Altersheim zu stehen. Dabei müssen nicht immer die Gene schuld sein. Auch Stress, Trauer, einseitige Ernährung und Erkrankungen können für schütteres Haar sorgen. Zu häufiges Waschen und Kämmen sind allerdings nicht unter den Ursachen. Dabei fallen keine gesunden, sondern nur geschädigte und abgestorbene Haare aus. Trotzdem sollte man die passende Pflege für Kopfhaut und Haartyp verwenden. Und: Wenige Haare auf dem Kopf bedeutet nicht mehr Action in der Hose. Nicht der Testosteronspiegel lässt Haare ausfallen, sondern DHT. Das ist zwar ein Folgeprodukt von Testosteron, hat aber mit der Menge des Männerhormons nichts zu tun.

6 weitere Männer-Mythen:Weiterlesen

7. Testosteron macht aggressiv

Stimmt nicht. Das Hormon, das den Mann ausmacht, soll für vieles verantwortlich sein. Und ist doch eigentlich so unschuldig. Es ist nicht einmal rein männlich; auch Frauen produzieren es in geringen Mengen in ihren Nebennieren. „Testosteron allein macht gar nichts mit dem Verhalten von Männern“, sagt Robin Haring, der seit acht Jahren das Hormon erforscht. Es ist nur Informationsträger, wie alle Hormone. Die Lebensumstände beeinflussen den Hormonspiegel, und der wiederum das Verhalten. Muss sich ein Mann zum Beispiel in einem Wettbewerb behaupten, steigt das Testosteron. Ein hoher Spiegel führt nicht zu anderem Verhalten. Die Situation ist ausschlaggebend.

8. Männerhaut braucht keine Pflege

Stimmt nicht. Die männliche Haut ist zwar dicker und öliger, weshalb sie später altert, aber ohne Zuwendung bleibt auch sie höchst ungern. Auch Männer sind nicht vor Sonne, Stress, Kälte oder Alter geschützt. Um die Haut zu stärken und ihren Schutz zu garantieren, darf auch der Herr zu Creme und Waschlotion greifen.

Aber bevor Männer jetzt den Kosmetikschrank ihrer Frauen plündern, sollten sie sich zuerst beraten lassen, was zum Hauttyp passt. Dazu kommen ausreichend Sport und eine gesunde Ernährung.

9. Männerschnupfen ist schlimmer

Stimmt. Die Frauen müssen jetzt stark sein: Es ist wissenschaftlich belegt, dass Schnupfen beim Mann schlimmer ist als bei der Frau. Bei Erkältungen ist das weibliche Immunsystem stärker, das haben Forscher in den USA herausgefunden, indem sie die Reaktion auf Grippeimpfungen untersuchten. Frauen produzierten mehr Zytokine und Antikörper als ihre männlichen Probanden. Der Körper konnte sich also besser gegen die Viren wehren. Eine andere Untersuchung zeigte, dass Frauen zwar öfter an Schnupfen erkranken, jedoch nicht so heftig. Ein Grund für das schwächere Immunsystem des Mannes dürfte Testosteron sein. Das Hormon beeinflusst Gene, die für die Immunität verantwortlich sind. Je mehr Testosteron, desto schwächer die Immunantwort. Wenn Ihr Partner also das nächste Mal wegen einer rinnenden Nase im Bett bleiben will, lassen Sie ihn dort. Er soll sich ruhig auskurieren.

Collage Männerhygiene

Wechseljahre. Chronische Müdigkeit, Leistungsabfall, Hitzewallungen oder Lustlosigkeit: Auch der Mann kommt in die Wechseljahre.

10. Männer kommen nicht in die Wechseljahre

Stimmt nicht. Das Alter geht auch am Mann nicht spurlos vorüber. Nur verhält sich die Andropause anders als die Menopause. Frauen verlieren ihre Fruchtbarkeit, Männer nicht. Dafür leidet ihre Potenz. Und der Prozess geht schleichender vor sich. Wenn die Hormonproduktion zurückgeht, kann es zu allerlei Symptomen kommen. Zum Beispiel chronische Müdigkeit, Leistungsabfall, nachlassende Gedächtnisfunktion, Hitzewallungen, Lustlosigkeit oder Impotenz. Bei dem einen gibt es mehr Beschwerden, beim anderen weniger. Das hängt von der individuellen genetischen Disposition und der hormonellen Ausstattung ab. Auch die Midlife-Crisis könnte eine Folge sein, das ist aber noch nicht bewiesen.„Älterwerden ist keine Schwäche“, tröstet Dr. Harry Tschebiner aus München. Es ist ganz natürlich und gehört zum Leben dazu.

11. Soja verringert den Testosteronspiegel

Stimmt nicht. Bei Sportlern kursiert der Glaube, dass Sojaprodukte zu weniger Testosteron führen. Denn das Eiweiß der Bohne enthält Phytoöstrogene (unter anderem Insoflavone) und die sollen den Hormonhaushalt irritieren. Die Östrogene steigen, das wichtige Testosteron für die Muskeln sinkt. So die Theorie. Aber es gibt keine signifikanten Ergebnisse dafür. Also keinen Zusammenhang zwischen Sojamenge und Hormonspiegel.

Das heißt für Männer, die tierisches Eiweiß nicht vertragen, ist Soja ein guter Ersatz beim Training. Und es hat auch gesundheitsfördernde Wirkungen.

12. Der Sixpack ist nur eine Frage des Trainings

Stimmt nicht. Der Sommer steht vor der Tür. Mann wie Frau träumen vom perfekt geformten Bauch. Doch sporteln alleine ist dafür nicht ausreichend. Ob die Packs am Bauch erscheinen, hängt vom Körperbau ab. Von der Anzahl der Sehnen, genauer gesagt. Die verlaufen horizontal über den geraden Bauchmuskel. Manche haben sie, manche haben sie nicht. Je nachdem, ob keine, zwei oder vier Sehnen vorhanden sind, kann man Packs aufbauen. Ohne Sehnen kein Sixpack. Zusätzliche Voraussetzung ist ein Körperfettanteil von 12 Prozent. Im Durchschnitt haben Frauen einen Anteil von 25 und Männer einen von 15 Prozent. Das heißt, es braucht hartes Training und die richtige Anatomie, um einen Waschbrettbauch zu erlangen.

Nach Oben
Zur optimalen Darstellung der Website verwenden wir Cookies. In Ihren Browsereinstellungen können Sie die Verwendung von Cookies deaktivieren.OK