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Männerurlaub

Wenn Vater und Sohn verreisen.

Home » Inspiration » Männerurlaub - 05.2018

Wenn Vater und Sohn verreisen, geht es nicht um die Bespaßung des Nachwuchses, sondern um vertrauliche Gespräche in cooler Umgebung. Ein Männerurlaub im Kleinformat.

Mein Sohn heißt Nicolas. Er ist blond, er ist liebenswert, er weiß, wie man sich in Szene setzt. Ich liebe diesen kleinen Löwen mehr als alles andere auf der Welt. Na ja, so klein ist er eigentlich gar nicht mehr, dieser Löwe. Er ist schon fast so groß wie ich. Und er liebt die kurzen „Männerurlaube“, die wir je nach Schulferien und Budget ein paarmal im Jahr genießen. Wir nehmen eine Auszeit vom Alltag und sind dann jeden Tag nahezu rund um die Uhr ein Team. Fast verschwörerisch stecken wir die Köpfe zusammen und sprechen über seine Berufswünsche, seine aufkeimenden Verliebtheiten, seine liebsten Fernsehserien und die spannendsten Computerspiele.

Ich sehe ihn zwar so gut wie jeden Tag beim Abendessen, aber unsere Vater-Sohn-Beziehung muss im Alltag Defizite hinnehmen. Während eines „Männerurlaubs“ zählt nur das Gemeinsame.

Wir haben schon früh einen Deal gemacht: Ich suche das Ziel aus und er lässt sich, ohne zu murren, darauf ein. Außerdem drehen wir beide tagsüber die Smartphones ab und saugen die Welt mit all unseren Sinnen analog in uns hinein.

Die Destinationen, die ich auswähle, sind verhältnismäßig einfach mit Auto, Eisenbahn oder Bus zu erreichen. Und während wir früher jedes Mal ans Meer gefahren sind, treiben wir uns heute lieber in den Bergen herum. Der Fortpflanz des 21. Jahrhunderts kennt die Sandstrände der Adria, die Küsten Tunesiens oder Marokkos, die Buchten von Mallorca oder Ibiza – und manchmal kommen die Kids sogar bis in die Karibik, auf die Malediven oder nach Bali. Mit den Kindern ans Meer zu fahren ist ein Klassiker. In die Berge zu fahren ist ein Abenteuer.

Unsere Reisen im Kleinformat

Für eine Modelleisenbahnanlage ist Nicolas eigentlich schon zu alt. Er ist im „Walking Dead“-Fanclub und schaut sich im Kino Actionfilme und Teenagerkomödien an, die ab 16 Jahren freigegeben sind. Doch sein Freund hat eine Modellbahnanlage. Und deshalb möchte er jetzt auch eine. Er will die neun Millimeter Spurbreite. Nichts anderes, nichts Größeres. Beruhigend friedlich.

Aber wie soll sie ausschauen, diese Modelleisenbahnanlage? Was ist das Vorbild? Durch welche Landschaften kann man diese kleinen Züge schicken? Zum Glück will er keine Fabriken und Autobahnen, keine modernen Großstädte. Er möchte einen Berg, einen See, kleine Dörfer – und er möchte, natürlich, das Meer. Sie soll so sein wie die Landschaften, in denen wir unsere „Männerurlaube“ machen.

Lange denke ich nach. Und schließlich fällt mir der Triglav ein. Was für ein Berg! Was für eine Aussicht! Weißer Kalkstein. Steile Gipfel. Tiefe Täler. Ganz oben war ich mit Nicolas‘ Mutter, nachdem wir Marburg und Laibach erforscht, uns in der alten Bibliothek des Priesterseminars der Hauptstadt vor alten Buchrücken innig geküsst und im romanischen Säulengang des Regionalmuseums von Maribor ewige Treue geschworen hatten. Ganz oben auf dem Gipfel, nach einem achtstündigen Aufstieg, wurde aus der Sehnsucht ein Sohn. Die Triglav-Connection.

Also werde ich den Triglav bauen. Aus Styropor. Diesen magischen Berg der Julischen Alpen, der über die Traumwelt herrscht, wie die Slowenen glauben, und der mit seiner Macht den Himmel, die Erde und die Unterwelt in Balance hält. Ich werde mir Österreich, Slowenien und die Slowakei als Vorbild nehmen.

Kleine Länder, aber aufregend vielseitig. Und unglaublich schön. Dass sich in Zeiten globaler Zerstörungen – vor allem abseits der Hauptstraßen – noch solche romantischen Oasen finden lassen, gibt mir Hoffnung. Slowenien zum Beispiel hat kaum mehr Einwohner als Wien, aber es gibt dort schneebedeckte Berge, eine strahlende Mittelmeerküste, sie haben Tropfsteinhöhlen und Thermalquellen, träge dahinfließende Gewässer in den Ebenen und reißende Flüsse in engen Schluchten (da kann man eine Brücke drüberbauen, über die ein Zug fährt!), man kann uralte Dörfer und mittelalterliche Städte besuchen, in Urwäldern und Weingärten spazieren gehen, Kirchen und Galerien meiden – oder auch die Spielcasinos.

Berge, Höhlen, Meeresküste

Der Anfang ist gemacht. Ein Berg ist immer passend auf einer Modelleisenbahnanlage. Und die geheimnisvolle Burg des alten Raubritters Erasmus, die bei Predjama in eine Felswand hineingebaut worden ist, macht sich im Maßstab 1:160 sicherlich ebenfalls gut. Aber wer hat schon eine Meeresküste auf seiner begrünten Pressspanplatte? An der Küste gibt es Lipica mit seinen weißen Pferden, auf denen man durch die Eichenwälder reiten kann, oder die berühmte Höhle von Postojna (über die der Bildhauer Henry Moore meinte, sie sei die größte Kunstausstellung von Mutter Natur). Sie ist ganz nebenbei eine von 6.500 Höhlen in Slowenien, die zum Teil bis zu 1.300 Meter ins Erdinnere reichen und daher zum Nachbau auf einer Modelleisenbahnanlage eher ungeeignet sind. Aber Segelboote und Surfer auf dem Meer sind in Ordnung. Zypressen, Rosmarin und Lorbeer am Ufer. Hafenromantik, wie in Piran.

Im hinteren Teil des Geländes werde ich Zell am See errichten. Dort können die winzigen Figuren, die zur Spurbreite N passen, auf Kitzsteinhorn, Schmittenhöhe oder Maiskogel feine Wander- und Biketouren unternehmen, sich beim Wassersport auf dem glasklaren Zeller See austoben oder unvergessliche Momente beim Paragleiten oder Drachenfliegen mit Blick auf die 3.000er der Hohen Tauern erleben. Oder sie können im Porsche-Museum „fahr(T)raum“ mit einem Oldtimer übers Land cruisen.

Fledermäuse und unterirdische Wasserfälle

Zu meiner perfekten Modelleisenbahnanlage gehören aber auch Regionen der Slowakei. Auch dort finden sich Wasserparks, Thermenhotels und viele Höhlen – wie etwa die Tropfsteinhöhle Harmanecká jaskynˇa, in der ich mit Nicolas Ausschau nach frechen Fledermäusen gehalten habe. In der Demänovská jaskynˇa slobody, der Demänováer Freiheitshöhle, haben wir unterirdische Wasserfälle, mächtige Stalaktiten und sogar Wasserlilien bestaunen können. Die Hohe Tatra ist das einzige Hochgebirge in Europa, in dem man die bewirtschafteten Hütten auf den Wander-Trails nicht mit Seilbahnen oder Geländefahrzeugen versorgt. Die Wege sind zu schmal und zu steinig. Ein Besuch der Hohen Tatra ist wie eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Der perfekte Retro-Urlaub.

Auf dem Triglav war ich später auch mit Nicolas. Danach sind wir ans Meer gefahren. Ich zeigte ihm die Salzgärten an der Adriaküste, wo noch heute durch die Kraft der Sonne würziges Salz gewonnen wird. Und in einem kleinen Restaurant in Portorož habe ich ihn mit so viel Appetit so viel essen gesehen wie noch nie zuvor. Es gab weder Pizza noch Hamburger, keine Pommes und kein Ketchup. Man servierte Prsut (den in den Böen der stürmischen Bora getrockneten Schinken, der nach Wacholder duftet), und Panceta (geräucherten Speck). Außerdem gab es Radicchio und Paradeiser, die tatsächlich wie Paradeiser und nicht nach holländischem Wasser schmeckten und mit gewürztem Olivenöl verfeinert waren. Dazu tranken wir klares kaltes Wasser aus dem Brunnen und sahen der Sonne beim Untergehen zu. Als Nachtisch servierte man uns Kirschen und Pfirsiche, Käse und Wildspargel. Und mir einen herzhaften Weinbrand.

Die grössten Forellen Europas

Gestärkt ließen wir das Meer hinter uns und fuhren auf der Smaragdstraße Richtung Norden ins Socˇa-Tal, wo man an manchen Tagen die freundlichen mediterranen Winde fühlt, die nach Salz schmecken. Hier, am Schnittpunkt von drei Nationen – Österreich, Italien und Slowenien –, zeigen sich die märchenhaften Gesichter der Socˇa, in der die größten Forellen Europas leben, die das seit der Urzeit. An den Rändern der Wege findet man immer wieder die Zeichen jener Zeit, in der 17 Nationen 29 Monate lang an der Isonzo-Front gekämpft haben. Das Soca-Tal wurde im Ersten Weltkrieg zum Grab für unzählige junge Soldaten.

Vater und Sohn steckten ihre nackten Zehen in das kalte smaragdgrüne Wasser der Soca, die für mich der schönste Wildfluss in ganz Europa ist. Wir aßen in Bled die berühmten Cremeschnitten, die schon dem alten Marschall Tito (der hier eine Villa hatte) so gut geschmeckt haben, und dann fragte ich ihn, ob er sich seine Modelleisenbahnanlage ungefähr so vorgestellt hat. Große Welt auf kleinen Schienen. Neun Millimeter. Ein verdichteter Männerurlaub in Österreich, Slowenien und der Slowakei. Er legte den Kopf schief, sah mich lange an und schwieg.

Ach was! Ich muss ehrlich sein: Schließlich baut ein Vater eine Modelleisenbahnanlage ja in erster Linie für sich selbst. Und ich werde sie genauso bauen, wie ich sie mag. Egal, was der Herr Sohn dazu sagt.

Checkliste für den Vater-Sohn-Trip

Wir haben hier für Sie eine Checkliste zusammengestellt, was auf dem Vater-Sohn-Trip auf gar keinen Fall fehlen darf. Einfach downloaden und ausdrucken!

Urlaubsziele (nicht nur) für Männer

Sommer-Rodeln
In den Bergen bei Zell am See wird das ganze Jahr gerodelt: ob am Maiskogel, auf der Sommerrodelbahn oder der am längsten beleuchteten Winterrodelbahn der Welt am Wildkogel.

Porsche-Museum
Die Porsche-Erlebniswelt „fahr(T)raum“ in Mattsee ist ein Museum für historische Autos. Neben den Oldtimern und Traktoren findet man hier die größte Carrera-Rennbahn des Landes sowie Rennsimulatoren.

Männer-Camp
Der Nationalpark Kalkalpen veranstaltet für Väter mit Söhnen Streifzüge durch die Wildnis mit alten Ritualen.

Berg-Welten
In der Slowakei bieten Hohe und Niedere Tatra spektakuläre Wasserfälle, Höhlen und Wasserparks. Angeln, Mountainbiken, Raften, Paragleiten und Reiten sind die Highlights. TUI hat günstige Hotels.

Rad-Touren
Viele Väter und Söhne radeln durch den Triglav-Nationalpark und bewundern tosende Wasserfälle, enge Kalksteinschluchten und urige Bergdörfer. Manche Wege sind nur im Sommer schneefrei.

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