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Wann ist der Mann ein Mann?

Der Mann ist auf der Suche nach sich selbst. Wir helfen.

Home » Leben » Wann ist derMann ein Mann? - 05.2016

Früher waren sie den Frauen ein Rätsel. Jetzt sind sie sich selber eins. Männer sind auf der Suche. Nach sich selbst. Und ein bisschen nach dem, was Frauen in ihnen sehen wollen.

Die ewige Frage

Männerbild

Er hat es leicht im Leben. Wenn man es von außen betrachtet. Er wird grundsätzlich bevorzugt. Macht schnell Karriere. Verdient viel Geld. Interessiert sich für Autos. Und für Technik. Er trinkt gern Bier. Hat seine Freunde, die mit ihm per Flachbildfernseher Fußballspiele schauen. Er redet nicht gern, aber mittlerweile mehr. Manchmal sogar über seine Gefühle. Er ist sensibler geworden. Nachdenklicher. Reflektierter. Femininer. Er pflegt sich. Und zwar so richtig. Benutzt Anti-Falten-Creme. Und Pflegespülung. Und Bodylotion. Er trägt gerne Bart. Und kennt sich mit Mode aus. Er kümmert sich um den Nachwuchs. Und um den Haushalt. Er hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Manche entsprechen der Wahrheit. Manche nicht. Manche nicht mehr. Manche noch nicht. Und manche sind womöglich morgen schon wieder von gestern. Das alles hat einen guten Grund: Der Mann ist wie das Leben, er verändert sich ständig.

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Suchend. Männer haben viele Gesichter. Wenn sie nur wüssten, welches davon ihres ist.

Geschlechterrollen

Wir sind noch nicht einmal auf der Welt, da werden wir schon in eine Schublade gesteckt. Bub oder Mädchen. Blau oder rosa. Aus biologischer Sicht ist das natürlich sinnvoll; aus psychologischer weniger. Denn die Einteilung hat Auswirkungen. Und zwar weitreichende. Die meisten Eltern erziehen einen Sohn, ob bewusst oder nicht, anders als eine Tochter. Schließlich ist ein Bub auch anders als ein Mädchen, denkt man. Er verhält sich anders. Er hat andere Interessen. Er hat andere Bedürfnisse. In seinen Bilderbüchern sind Bagger und Autos. Seine Hobbys sind Fußball und Tennis. Er darf mehr. Er weint weniger. Er isst anständig. Damit er einmal groß und stark wird. Viele Eltern fallen heutzutage ganz bewusst und immer wieder aus ihren Geschlechterrollen. Um vorzuleben, dass es keinen großen Unterschied zwischen Mama und Papa gibt. Und dem, was sie tun. Oder wie sie sich verhalten. Aber nicht nur sie vermitteln ihrem Sohn, was typisch männlich ist. Unzählige Eindrücke, Aussagen und Erfahrungen prägen seine Persönlichkeit und vervollständigen sein Bild eines Mannes. Ein Bild, das sich immer wieder verändert. Weil es immer wieder neue Eindrücke, Aussagen und Erfahrungen gibt. Deshalb hat er es dann doch gar nicht so leicht, der Mann.

Mann und Frau im Spiegelbild

Typisch? Verhalten sich Frauen anders als Männer? Ist das alles biologisch oder nur anerzogen?

Gattungen

Früher war er der Jäger, der für die Verpflegung sorgte. Und der Ernährer ist er sehr lange Zeit geblieben. Der, der sagte, wann was wie zu tun war. Der starke Mann, der sich um die schwache Frau kümmerte. Der über ihr stand. Der auch in der Gesellschaft deutlich mehr Ansehen und Respekt genoss. Der immer recht hatte. Und dem sowieso alles erlaubt war. Bis sich die Frau emanzipierte und ihre Rolle aufwertete. Gleichberechtigt ist sie noch immer nicht. Trotzdem: Die traditionellen Geschlechterrollen gibt es nicht mehr. Sie haben sich vermischt. Nichts ist mehr typisch männlich oder typisch weiblich.

Die Frau kümmert sich jetzt nicht mehr nur um den Haushalt und die Kinder, sondern vor allem um sich selbst. Sie macht Karriere. Und überhaupt was sie will. Sie hat sich gesucht, gefunden und neu definiert.

„Durch die Emanzipation hat sie sich mit sich selbst beschäftigt. Damit hat sie eine Richtung eingeschlagen, die auch für den Mann wünschenswert wäre“, sagt Robert Pap, der mit „Wake Up Man“ anderen Männern dabei hilft, wieder in Kontakt mit ihren männlichen Qualitäten zu kommen.

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Mann = Mann? Bei den vielen Männerbildern darf einem Mann schon der Kopf rauchen.

Gegensätze

„In der gesellschaftlichen Diskussion geht es viel um die Rolle und das Bild der Frau. Aber es geht nicht um die Männer“, sagt Jens Lönneker, Psychologe und Geschäftsführer des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Rheingold Salon. Dabei muss auch der moderne Mann vielen, teilweise gegensätzlichen Ansprüchen genügen. Aber statt sich zu fragen, was er eigentlich will, fragt er sich – schließlich will er begehrt sein –, was die Frau möchte. Anstatt sich selbst zu finden, jagt er einem sich ständig verändernden Idealbild nach.

Einmal ist er der Macho, dann wieder der Softie.

Einmal cool, dann wieder sensibel. Einmal typisch männlich, dann wieder eher feminin. Einmal hat er einen Waschbrettbauch, dann einen Dadbod. Also den Body eines Dads. Anders gesagt: ein Bäuchlein. Und eigentlich soll er alles gleichzeitig haben und sein. Eine Studie des Seitensprungportals Victoria Milan zeigt, welcher Mann momentan die Frauenherzen höherschlagen lässt. Metrosexuell war vorgestern. Auch lumbersexuell ist schon wieder vorbei. Der ideale Mann ist retrosexuell. Ein echter Kerl. Er färbt sich nicht die Haare. Er rasiert nicht die Brust. Er ist trotzdem adrett. Er macht keine Diät. Er achtet aber schon auf seine Figur. Er ist der perfekte Gentleman. Er öffnet der Dame die Tür. Er ist aber auch dominant im Bett. Er ist charmant. Und schick ist er auch. Er läuft nicht jedem Trend nach. Und braucht morgens im Bad nur ein paar Minuten. Er ist reif. Er weiß, was er will. Und nimmt es sich. Er kann mit Werkzeug umgehen. Er ist, ganz wichtig, fürsorglich. Ein liebender Vater. Und erfolgreich im Beruf. Der ideale Mann ist also ein typischer. Und ein untypischer. Ein Klischee. Und kein Klischee. Ehrlich. Natürlich. Geradeaus. Retro. Aber schon modern. Nicht aalglatt. Nicht schleimig. Nicht unsicher. Aber gepflegt. Und höflich. Und gescheit. Der ideale Mann ist ein Chamäleon, ein Meister der Verwandlung, ein Fähnchen im Wind.

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Verwirrt. Ist es das, was Frauen wollen?

Gemütszustand

Hin und her. Auf und ab. Mal so, dann wieder anders. Bei so vielen Richtungsänderungen wird dem Mann ganz schwindelig. Die unterschiedlichen Ansprüche verunsichern ihn. Er weiß nicht, ob er der Dame die Tür aufhalten soll oder ob er dann als rückständiger Macho gilt. Ob er über seine Gefühle reden soll oder ob er damit schon ein Weichei ist. Ob er Karriere machen und Geld verdienen oder sich um Haushalt und Nachwuchs kümmern soll. Ob er sich im Gesicht und nicht auf der Brust rasieren soll oder umgekehrt. Eins steht jedenfalls fest: Auch der Mann kann nicht alles sein, nicht alles haben, nicht alles können. Wie in so vielen anderen Dingen unterscheidet er sich auch hier nicht von der Frau. Die Mutter sein und Karriere machen will. Die schlank sein, aber auch einmal ein Schnitzel essen soll. Die hübsch, aber nicht eingebildet sein darf. Die ebenfalls verschiedene Ansprüche erfüllen muss. Aber sie hat sich emanzipiert. Sie weiß, wer sie ist. Und was sie will. Jetzt muss der Mann ihr folgen.

Mann in Boxershorts vorm Spiegel

Spiegelbild. Männer stellen oft ein Bild von sich dar. Wie sie wirklich sind, weiß keiner. Manchmal nicht einmal sie selbst.

Geradlinigkeit

Die unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüche und die vielen klischeebehafteten Erfahrungen und Eindrücke haben den Mann in eine Identitätskrise geführt. Aber jede Krise birgt auch Chancen. Die Frau hat es vorgemacht.

Der Mann, der nicht weiß, wer er ist, kann sein, wie er will.

Es gibt keine Vorgaben, keine Einschränkungen, keine Grenzen. Er muss nur alles ausblenden. Alle Stimmen, alle Eindrücke, alle Klischees. Er muss sich zurückziehen. Sich auf die Suche nach der eigenen Identität machen. Ehrlich zu sich selbst sein. Der Mann muss sich emanzipieren. Und er hat schon damit begonnen. Aber auch damit hat er es nicht so leicht. Der Psychologe Jens Lönneker hat in einer Studie aus 50 Herren herausgekitzelt, was sie eigentlich wollen. Dabei hat sich gezeigt, dass viele Männer große Sehnsucht danach haben, das wiederzuentdecken, was sie als männlich empfinden. Dazu gehört: Rivalität ausleben, ein Risiko eingehen, etwas Neues ausprobieren, ein Abenteuer erleben. Aber wenn die Frauen nicht wollen, dass sie sich mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug stürzen oder eine Motorradtour mit Freunden machen, scheuen sie die Diskussion und lassen es lieber bleiben. „Sie verkneifen sich das, weil sie gute Männer sein und die Anerkennung der Frau wollen“, erklärt Lönneker. Aber darum geht es nicht. Der Mann muss nicht irgendwelchen Klischees oder Idealbildern entsprechen. Er muss sich nicht für andere verbiegen. Er muss nicht sein, wie er nicht sein will. Letztlich geht es nur um eins: Authentizität. Darum, in sich hineinzuhören. Sich zu suchen. Sich zu finden. Und so zu sein, wie man ist. Egal, ob man ein Mann ist. Oder eine Frau.

Junger Mann der sein Gesicht versteckt.

Wünschenswert. Der Mann von heute kann sein, wer er will. Doch was will er sein?

Wake Up Man: Von Männern, für Männer

Wake Up Man ist eine Bewegung, in der es darum geht, Männer wieder in Kontakt zu bringen – mit ihren männlichen Qualitäten, mit ihren Frauen, vor allem aber mit sich selbst. Die Gründer Robert Pap und Jürgen Waellnitz und ihr Team bieten Männer-Events, Outdoor-Workshops und Männer-Coachings an. Die reichen von der Beratung bis zum Training. Alles hilft dem Mann dabei, sich selbst zu finden. Und davon profitiert jede Beziehung. Alle Informationen zu Wake Up Man und einige Tipps gibt’s auf der Homepage.

Robert Pap, Initiator der Plattform Wake Up Man

»Durch die Emanzipation hat die Frau sich mit sich selbst beschäftigt. Und damit eine Richtung eingeschlagen, die auch für den Mann wünschenswert wäre.«

3 Mythen über Männer:Weiterlesen

Mythen und Ihre Wahrheiten

Mythos Nummer 1: Schönheit ist Männern bei Frauen wichtiger als Intelligenz.

Falsch. Marcel Zentner vom Institut für Psychologie an der Universität Innsbruck und seine Kollegin Alice Eagly von der Northwestern University in den USA haben Hunderte Studien analysiert. Das Ergebnis: Mit der Gleichstellung der Frau haben sich auch die Präferenzen des Mannes geändert. „Wie Vertreterinnen und Vertreter soziokultureller Ansätze schon lange vermutet haben, werden Partnerinnen und Partner vor allem danach ausgewählt, wie sehr sie in einen bestimmten Lebensentwurf hineinpassen. Und Lebensentwürfe werden durch die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter maßgeblich geprägt”, sagt die Psychologin. Und weiter: „In der heutigen Umwelt, in der oft beide Eltern für ein befriedigendes Auskommen arbeiten müssen, suchen Männer gebildete Frauen mit guten Gehaltsaussichten.” Und auch der Geschmack von Frauen hat sich verändert. „Umgekehrt müssen Männer sich nicht zwingend der Vermögensvermehrung widmen. Ihre Erfolgschancen steigen bei Frauen, wenn sie ihr Aussehen pflegen und auch im Haushalt eine gute Figur abgeben”, erklärt Eagly.

Mythos Nummer 2: Männer sind risikofreudiger.

Nicht wirklich. Das trifft nämlich nur auf ein Zehntel der Männer zu. Das heißt, 90 Prozent der Herren sind im Durchschnitt genauso risikofreudig wie Frauen.

Mythos Nummer 3: Bei Männern tickt keine biologische Uhr.

Falsch. Wie Studien zeigen, steigt das Gesundheitsrisiko für den Nachwuchs auch mit zunehmendem Alter des Vaters. Der ideale Zeitraum für einen Mann, um Kinder zu zeugen, ist zwischen dem 21. und 35. Lebensjahr.

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