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Multitalent Mutter

So kombiniert man Muttersein und Karriere.

Home » Leben » MultitalentMutter - 04.2016

Was Mütter leisten, ist mehr, als man für irgendeinen Job braucht. Und doch finden sie schwer von der Babypause zurück in die Karriere. Ein paar Tipps für den steinigen Weg.

Da war doch noch was. Da ist doch noch was. Da wird doch noch was sein. Ich bin doch emanzipiert. Ich hab doch studiert. Jetzt frage ich mich, wozu. Macht ein Job sexy? Oder eher Falten? Ich bin gern Mutter. Aber. Was kann ich sonst noch? Und vor allem: Wie bringe ich das alles unter einen Hut? Die innere Stimme beginnt leise, aber irgendwann ruft sie: Raus aus dem Windelkosmos! An die Arbeit, zurück zur Karriere!

Ausgeglichen. Eine Work-Life-Balance schaffen, für ein ausgeglichenes und erfülltes Leben.

Ausgeglichen. Eine Work-Life-Balance schaffen, für ein ausgeglichenes und erfülltes Leben.

Doch aus der Komfortzone auszustei­gen ist gar nicht so einfach. Der Weg aus der geschützten Werkstätte zwischen Wiege und Wickeltisch hinaus in die raue Welt zwischen Kindergarten und Schreibtisch ist nicht leicht. Und voll mit Stolperstei­nen aller Art. Zum Beispiel ändert sich das eigene Weltbild. Potenziale brechen auf, Horizonte verschieben, Werte verändern sich. Mit Kind denkt man anders als ohne. Möglicherweise auch über den alten Job. Die Frage nach dem Sinn steht im Raum. Und nach dem Können. Das Selbstvertrauen ist ein flüchtiger Geselle und macht sich in der Babypause oft aus dem Staub. „Dabei können Frauen viel mehr als Innendeko­ration und Milch schäumen“, sagt Katrin Wilkens, Mutter dreier Töchter und erfolg­ reiche Journalistin.

BUCH TIPP Blick ins Netz

Der Wiedereinstieg in das Berufsleben ist nicht einfach. Tipps, Tricks und Infos gibt das Netz her:
Das Frauenwirtschaftswunder Sonja Zant gibt Wieder-, Neu- und Quereinsteigern hilfreiche Tipps.
Das Bundesministerium für Familien und Jugend zeichnet familienfreundliche Unternehmen aus. Wie zum Beispiel dm drogerie markt.

„Es geht in erster Linie gar nicht darum, wie man Familie und Beruf unter einen Hut bringt, sondern darum, welcher Hut einem am besten steht, also welcher Beruf einem am meis­ten liegt.“ Dabei spielt das Wörtchen „und“ eine wichtige Rolle: Welcher Job macht Spaß, vereint Talente und hat auch noch Chancen auf dem Markt? Fragen wie diese kennt auch Sonja Zant, in deren Coach­-Praxis sich auffällig viele Mütter mit Sehnsucht nach Karriere tum­meln. „Der Blickwinkel beim Wiederein­stieg ist wichtig“, sagt sie. „Nicht zuerst auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schauen, sondern zuerst auf das, was man gerne machen möchte.“ Um das herauszu­finden, gibt es unterschiedliche Methoden.

Jobidee in einem Tag

Katrin Wilkens hat zusammen mit Miriam Collée das Unternehmen „I.do“ gegründet. Das Konzept ist spannend, das Versprechen groß: „Wir finden den maß­geschneiderten Job an einem Tag.“  Wilkens und Collée gehen dabei nach keinerlei Raster vor, sie nähern sich den Frauen interessiert, nehmen die Biografien unter die Lupe, fragen Löcher in den Bauch. Und lassen nicht locker, bis die Jobidee klar auf dem Tisch liegt. „Das ist anstrengend in dem Sinne, dass man einen ganzen Tag lang über sich redet und den Blick auf sich lenkt. Ohne Pause, ohne Abschweifungen“, sagt Wilkens. Die beiden machen das sehr geschickt, lösen Widerstände auf konstruk­tive Art, hinterfragen kritisch, aber immer in einer Melodie der Wertschätzung.

Im Japanischen steht I­do für Veränderung und Reise.

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Versprochen. Den maßgeschneiderten Job innerhalb eines Tages suchen und finden. Das ist das Versprechen von I.do.

Zwischen-Ziele

Sonja Zant hat sich da­rauf spezialisiert, mit einem spielerischen Zugang den nächsten Karriereschritt auf­zuspüren. Matroschkas ist das Zauberwort. In einer Matroschka stecken neun weitere, jede steht für eine Eigenschaft, ein Talent, eine Rolle. Sie werden bewusst, greifbar, sichtbar. „Es geht auch darum, den Wieder­ einstieg nicht nur rational zu betrachten, auch wenn das ebenso notwendig ist. Wir sprechen Szenarien durch, probieren das neue Leben spielerisch aus. Das ist lustig und wirkt enorm.“

Soja Zant, Coach

„Man muss nicht für eine Idee brennen. Man hantelt sich am Interesse und der Marktanlage entlang.“

Die Erkenntnis, dass es auf diesem Weg auch Zwischenziele geben muss, ist ungeheuer wichtig und nimmt den Druck. Denn sie kickt einen der Stolpersteine an den Rand, den sich Frauen eigenhändig und geradezu liebevoll in den Weg legen: von sich selbst immer mehr zu verlangen als nötig, und das auch noch schneller. „Ein Zwischenziel kann sein, sich entwi­ckeln zu dürfen, Gefühle anzupassen“, sagt Zant. Es sei zielführender, sich bei der Job­frage an seinen Interessen und der Markt­lage entlangzuhanteln, als für eine Idee zu brennen. Für etwas Feuer und Flamme zu sein, kommt später. Außerdem: Brennen birgt die Gefahr des Ver-­Brennens. Da legt Wilkens jedem Familien-­Organisations­-Muffinback-­Kindergarten-­und­-Schnupfen­-Tier die Frage nahe: „Passt es in meine derzeitige Lebenssituation, dass ich für etwas beruflich verbrenne?“

Pannen-Hilfe

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Verspielt. Die beste Art, sich dem nächsten Karriereschritt zu nähern, ist die spielerische.

Seinen Weg Schritt für Schritt zu gehen, unbeirrt weiterzumachen und sich weder von kleinen noch von gemeinen Pannen abhalten zu lassen – das schafft man nicht ganz allein. Dafür braucht man Unterstützung. Von allen Seiten. Ein wasserdichtes Betreuungsnetz­werk, damit man sich freispielen kann, hat dabei Priorität. Das muss gut geknüpft und sicher sein. Erkrankt ein Kind und die Oma, Nachbarin, Freundin fällt aus oder ist überfordert, wird es brenzlig. Alleinerzie­hend, selbstständig und zufrieden, das ist in Mamas Welt nicht selbstverständlich.

Ein Geheimnis gibt es nicht, aber zwei aus­schlaggebende Faktoren: ein solides Netzwerk aus Familie und Freunden und bewusst gesetzte Prioritäten.

Bei Susanne Singer klappt es. „Man sollte auch einmal mit dem zufrieden sein, was man hat“, sagt die Rechtsanwältin mit eigener Kanzlei. Konkret heißt das: Sie arbeitet zwar Vollzeit, aber nicht darüber hinaus, wie in der Branche durchaus üblich. Lieber verbringt sie Zeit mit ihrem Sohn, gerade jetzt, wo er zur Schule geht. Für die Oberösterreicherin ist es wichtig, selbst über ihr Leben entscheiden zu können. „Solange ich diese Ent­scheidungsfreiheit habe, geht es mir gut.“ Innere Zerrissen­heit oder Perfektionismus lässt sie gar nicht aufkommen.

Susanne Singer, Rechtsanwältin

„Ich nehme in Kauf, keinen perfekten Haushalt zu haben.“

Marketing­-Mitarbeiterin Elisabeth Radner ist heute wieder fünf Stunden pro Woche in ihrem alten Job tätig. Sohn Elias geht in den Kindergarten, Tochter Livia ist noch bis Oktober daheim. „Meistens arbeite ich vom Büro aus, räumliche Trennung ist gut, wichtige Dinge erledige ich abends von daheim“, erzählt die 36­-Jährige. Sie rät, wo es möglich ist, zu Homeoffice und dazu, sich genügend Zeit für die Wahl der Krabbelgruppe zu nehmen, weil das Gefühl zu hundert Prozent passen müsse. „Nur wenn Sympathie und Chemie stimmen, ist man bereit, sein Kind dort abzu­geben und mit einem guten Gefühl zur Arbeit zu gehen.“

Unternehmen Familie

Flexibilität steht hoch im Kurs. Nicht nur bei den Frauen. Auch Firmen sind da wichtige Partner. Als Unternehmen mit 97 Prozent Frauenanteil achtet dm drogerie markt auf immer noch bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Für Mütter und Väter, vor allem Karenzrückkehrer, bieten wir den Workshop ,Eltern im Job‘ an. Hier geht es um Themen wie: schlechtes Gewissen ablegen, auf meine Gesundheit achten, Zeit für mich finden, Zeit für den Partner, Haushaltsmanagement und so weiter. Dabei macht man Atem­ und Entspannungsübungen, lernt Abgrenzungs­strategien und mit Herausforderungen gut umzugehen“, erklärt dm Geschäftsführerin Petra Mathi­-Kogelnik die familienfreundliche Strategie des Unternehmens. „Die flexible Wahl der Arbeitszeit und eine große Anzahl an Teilzeit­-Arbeitsmöglichkeiten sind schon seit vielen Jahren Teil unserer Kultur.“

Vernetzt.Ein großes Netzwerk für die Kinderbetreuung zu haben, macht den Schritt Richtung Job leichter.

Vernetzt. Ein großes Netzwerk für die Kinderbetreuung zu haben, macht den Schritt Richtung Job leichter.

Herausforderungen meistern

Sich ständig Neuem zu stellen ist für Angelika Lörincz zum Alltag geworden. Die zweifache Mama aus Salzburg arbeitet zwölf Stunden pro Woche in der Personalabteilung eines Unternehmens und näht nebenberuflich auf Auftrag Accessoires für Mama und Kind. Das Nähen ist Hobby und Ausgleich zu­ gleich. Sie rät jeder Frau dazu, sich Lieblingshobby oder Lieblingssport zu bewahren und Zeit für sich einzuplanen.

Sonja Zant, Coach

„Das Motto für den Wiedereinstieg: Ich mit anderen, nicht ich für andere.“

Zeit ist auch für Elisabeth Radner mehr als ein Wort. Um in Balance zu bleiben und die Psyche stabil zu halten, sind ihr bewusste Auszeiten immens wichtig. Und seien sie noch so klein. Eine Viertelstunde einen Kaffee trinken, Zeitung lesen, abends Freundinnen treffen, ein Bad neh­men.

Mehr Tipps zum erfolgreichen Wiedereinstieg:Weiterlesen

Tipps und Hilfreiches für den erfolgreichen Wiedereinstieg

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Vorgesorgt. Man kann nicht früh genug anfangen, sich um später zu kümmern.

  • Arbeits-Heft: Mit diesem Arbeitsheft vom AMS gelingt der Wiedereinstieg.
  • Qualifikations-Barometer: Mit dem AMS Qualifikations-Barometer bekommen Sie einen raschen Überblick über Trends, Zukunftschancen und offene Stellen in jedem Berufsbereich.
  • Gute Tipps: Die Arbeiterkammer liefert wertvolle Tipps zum Wiedereinstieg.
BUCH TIPP „Mir reicht’s! – So befreist du dich aus Perfektionismus und Burnout“ von E. Gummesson

Befreiend: Viele Übungen und Denkanstöße um eine neue Balance zwischen Beruf und Familie bzw. Privatleben zu finden. Erschienen im Beltz Verlag.

  • Unterstützung: „Wiedereinstieg mit Zukunft“ heißt das Kursangebot von updatetraining in Zusammenarbeit mit dem AMS. Das Kursangebot gibt es speziell für Frauen. Es unterstützt beim Einstieg in das Berufsleben, unter anderem durch Selbstlernphasen und Einzel-Coaching-Elemente. „Bis zu 3000 Frauen haben den Kurs schon belegt, haben sich begleiten lassen. Der bis zu 12-wöchige Kurs ist wie eine Generalprobe. Hier können Frauen erkennen, ob sie schon „jobready“ sind, ob ihr Kinderbetreuungsnetzwerk das hält was sie sich davon versprechen. Und sie lernen auch, was alles dahinter steckt, wenn man wieder arbeiten geht“, sagt Yvonne Hanus, Projektleiterin von „Wiedereinstieg mit Zukunft“ und Fachbereichsleiterin Frauenprojekte bei update-training. Ihr liegt vor allem daran, dass die Frauen motiviert werden, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Aufwärts. Die beste Richtung im Leben führt nach oben. Und Mütter sind da keine Ausnahme.

Aufgestiegen. Die beste Richtung im Leben führt nach oben. Und Mütter sind da keine Ausnahme.

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