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Richtig nachhaltig einkaufen

Anleitung für einen bewussten Konsum.

Home » Leben » Richtig nachhaltig einkaufen - 03.2017

Die Umwelt schonen. Anderen helfen. Sich selbst etwas Gutes tun. Und das alles gleichzeitig. Tag für Tag. Das nennt man Nachhaltigkeit. Mit ein paar kleinen Schritten kann man Großes dazu beitragen.

Wir tun es alle. Manche von uns jeden Tag. Aber wir tun es auf verschiedene Arten. Einige kaufen verschwenderisch ein. Ein paar machen sich kaum Gedanken. Und andere überlegen wiederum, wie sie dabei möglichst nachhaltig handeln können. Und das ist gar nicht so schwer. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Aber vielleicht die eigene Komfortzone verlassen. Und sich Tag für Tag aufs Neue fragen: Brauche ich das wirklich? Oder: Kann man davon auch eine umweltfreundliche Version kaufen? Schon kleine Schritte und Rituale können den täglichen Einkauf weniger energie­intensiv gestalten. Dass das nötig ist und es auf jeden Einzelnen ankommt, zeigen die Zahlen. Durchschnittlich 587 Kilogramm Abfall verursacht jeder Österreicher pro Jahr. Rund ein Drittel davon wird recycelt, circa 15 Prozent werden kompostiert. Der Rest landet auf Deponien oder wird verbrannt. Aber was wäre, wenn jeder von uns dazu beitragen würde, diesen unfassbar großen Müllberg zu verkleinern?

Ein paar Kilo Abfall pro Kopf und Jahr weniger zu produzieren würde für den Anfang schon genügen. Der Rest kommt von alleine. Denn nachhaltiges Einkaufen verselbstständigt sich, hat man erst einmal damit begonnen. Und man muss Müll auch gar nicht komplett vermeiden, sondern nur bewusst reduzieren. Obwohl: Fast gänzlich ohne Verpackungen, Plastik und Co auszukommen, das geht.

Bewiesen hat das eine Österreicherin. Nachdem sie eine aufrüttelnde Filmdokumentation gesehen hatte, wollte sie nicht mehr Teil der Wegwerfgesellschaft sein. Innerhalb eines Jahres schaffte es Annemarie Miesbauer, nicht mehr Müll zu verursachen, als in ein 1,5-Liter-Einmachglas passt. Vom 1. Jänner bis zum 31. Dezember 2016. In einer Großstadt wie Wien. Aus Überzeugung und mit Willenskraft.
Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem Blog niedergeschrieben, in dem sie nach wie vor Tipps für ein nachhaltiges Leben gibt. Aber was ist am Ende des Projekts im Müllglas gelandet? „Die Hälfte sind bestimmt Medikamente, ich war leider oft krank und viele sind in Plastik verpackt“, antwortet die 27-Jährige. Und der Rest? „Kleinteile wie Rechnungen aus Thermopapier, Kofferanhänger oder andere Plastikfolien und Verpackungsteile, die aus Unachtsamkeit mit eingekauft wurden.“

Mit dieser Checkliste klappt der Frühjahrsputz: meindm.at/fruehjahrsputz

Glas statt Plastik

Natürlich kann oder will nicht jeder ein beinahe müllfreies Leben führen. Dazu hat uns der Alltag viel zu fest im Griff. Gewohnheiten und Bequemlichkeit wird man nur schwer los. Das Projekt „Ein Jahr im Glas“ zeigt aber, dass es klappen kann. Und dass es unzählige Möglichkeiten gibt, beim Einkaufen auf Nachhaltigkeit zu achten.
Annemarie Miesbauer rät dazu, es langsam anzugehen. „Sonst ist man schnell überwältigt von all den Sachen, die in Müll verpackt sind, und lässt sich rasch wieder entmutigen.“ Langsam angehen, das heißt zum Beispiel: Beim nächsten Gang in den Supermarkt sein eigenes Mehrwegsackerl mitnehmen. Sich überlegen: Welche Produkte verwende ich oft? Und gibt es dafür müllfreie Alternativen? Sich genügend Zeit nehmen, einen Blick auf die Verpackungen werfen und sich fragen: Welche sind zumindest recycelbar?

Wenn man, wo und wann auch immer es geht, zu Glas statt zu Plastik greift, macht man schon viel richtig. Getränke, Aufstriche, Joghurt und Ketchup – viele Produkte gibt es in Glasbehältern. Anstelle von abgepacktem Obst, Gemüse, Käse und Fleisch kauft man die Lebensmittel frisch und transportiert sie in mitgebrachten Körben, Einkaufstaschen und Boxen.
Das hat den positiven Nebeneffekt, dass man automatisch regionaler einkauft. Offene Produkte gibt es vor allem auf Märkten, aber auch in verpackungsfreien Läden. Man bekommt wieder eine Beziehung zu den Lebensmitteln, weil man weiß, woher sie stammen. Man lebt mit den Jahreszeiten, kocht frisch und ohne zu viele Zusatzstoffe. Das kann Annemarie Miesbauer nur bestätigen: „Bei mir hat sich die Einstellung zur eigenen Gesundheit total verändert. Wenn ich nicht im Dezember die Erdbeeren aus Spanien kaufe, tue ich sowohl der Umwelt als auch meinem Körper etwas Gutes.“

Auf Fairtrade achten

Im Drogeriemarkt ist ein nachhaltiger Konsum machbar, zumindest teilweise. Da gibt es Hautcremes und Deos in Glastiegeln und Kämme und Bürsten aus Holz und Naturhaar. Bei Rasierern verzichtet man auf Einwegprodukte und man kauft Taschentücher im Kartonspender und Toilettenpapier aus Recyclingmaterial. Flüssigseifen kann man nachfüllen. Man kann biologisch abbaubare und kompostierbare Produkte wie etwa Bio-Wattestäbchen und herkömmliche Seifen ohne Plastikverpackung verwenden. Nachhaltigkeit umfasst aber nicht nur die Natur. Nachhaltig einkaufen heißt auch, Produkte zu kaufen, die den produzierenden Menschen ein gutes Leben ermöglichen.

Faire Produktionsbedingungen, faire Löhne, fairer Handel. Zu den Fairtrade-Standards gehören etwa geregelte Arbeitsbedingungen oder das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit. Herstellungskosten werden vorfinanziert und es gibt Mindestpreise und Prämien, die eingehalten werden. Die Bauernfamilien beziehungsweise Plantagen-Beschäftigten entscheiden demokratisch darüber, in welche sozialen, ökologischen oder wirtschaftlichen Projekte diese fließen.
Am Ende kann man, wie so oft im Leben, die Dinge nicht voneinander trennen. Geht es der Umwelt gut, geht es den Menschen gut. Geht es den Konsumenten gut, sind sie bereit, faire Preise zu bezahlen. Geht es den Produzenten gut, landen hochwertige und nachhaltige Produkte in den Regalen. Sind die Produkte ressourcenschonend hergestellt, profitiert die Umwelt. Und so weiter.
Dabei kristallisiert sich heraus: Wer nachhaltig einkauft, lebt bewusster. Man fragt sich, wie man mit dem eigenen Konsumverhalten die Welt und die Umwelt beeinflusst. „Heute reflektiere ich beim Einkaufen und überlege mir: Was brauche ich wirklich?“, erzählt Annemarie Miesbauer. „Ich bin automatisch ein Stück weit eingeschränkt, aber auf eine angenehme Art und Weise.“

Colin Beavan, Buchautor „Alles Öko“

»Ist die Verschwendung von Rohstoffen ein Zeichen für die Verschwendung von Leben?«

Die Routine macht’s

Wer es Schritt für Schritt angeht, bekommt schon bald die nötige Routine. Vieles ist naheliegend, einiges einfach zu bewältigen, manches eine He­rausforderung. Sicher ist aber: Wer nachhaltig einkaufen will, muss den Einkauf gut planen. Muss stets genügend Behältnisse mitnehmen. Muss wissen, was er wo bekommt. Und muss auch verzichten können. Aber das macht einem eigentlich gar nichts aus, wie Annemarie Miesbauer weiß: „Ja, man verzichtet auf gewisse Dinge. Aber es fühlt sich nicht so an. Auf lange Sicht hat mein Handeln positive Auswirkungen, die viel wichtiger sind als der kurzfristige Genuss.“

Zusammenfassung: 5 Tipps für nachhaltigeres Einkaufen

  1. Eine eigene Tasche zum Einkaufen mitnehmen.
  2. Nur das kaufen, was man wirklich braucht.
  3. Frische statt abgepackte Lebensmittel kaufen.
  4. Wo sich Verpackungen nicht vermeiden lassen: Zu recycelbaren Alternativen greifen (Glas statt Plastik).
  5. Umweltfreundliche Versionen bevorzugen.
Weiterführende Links & Literaturtipps

 

Lesestoff

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Bea Johnson, ihr Mann und ihre zwei Söhne haben ihr Müllaufkommen drastisch reduziert. Jetzt haben sie mehr Zeit, mehr Geld und sind gesünder denn je. Mehr über das Zero Waste Home.

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Vom Einkaufen fair hergestellter, nachhaltiger Lebensmittel bis zum müllreduzierten Urlaub: Autorin Susanne Wolf schreibt in „Nachhaltig leben“ über ethischen Konsum im Alltag.

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Anneliese Bunk und Nadine Schubert geben Einsteigern alltagstaugliche Tipps, um Plastikmüll zu vermeiden.

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