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Weniger ist Meer

Fischkonsum mit Verantwortung.

Home » Leben » Weniger ist Meer - 05.2018

Wir essen immer mehr Fisch, doch das schadet den Beständen. Wer nachhaltig konsumieren will, muss umdenken.

Fisch ist reich an hochwertigen Fetten wie Omega-3-Fettsäuren und gilt als gesundes Lebensmittel. Aktuell werden in Österreich pro Kopf und Jahr rund acht Kilogramm Fisch verspeist, der jedoch hauptsächlich aus dem Meer stammt.

Deshalb sollte man beim Fischkonsum nicht nur an die eigene Gesundheit denken, sondern auch an die Umwelt. Denn der Verzehr von Meeresfisch belastet die Weltmeere auf Dauer zu sehr. Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen sind 89 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände in den Meeren bereits ausgereizt, überfischt oder zusammengebrochen. Die Situation habe sich in den vergangenen 20 Jahren massiv verschlechtert, weil Fischkonsum weitaus verbreiteter geworden sei, sagt Nunu Kaller, Konsumentensprecherin von Greenpeace Österreich. Sie nennt ein Beispiel: „Sushi ist vom Luxusprodukt zum Fast Food geworden, das hat massive Auswirkungen auf unsere Meere.“

Damit sich die Fischbestände im Meer wieder erholen können, fordert Greenpeace eine Ausweitung der Meeresschutzgebiete, eine Reduktion des Fischfangs sowie den vermehrten Einsatz alternativer, nachhaltiger Fangmethoden.

Aquakulturen sind keine Lösung

Eine Alternative zu Wildfang aus dem Meer scheint auf den ersten Blick in Aquakulturen gezüchteter Salzwasserfisch zu sein. Das stimmt jedoch nur bedingt. Auch Fisch aus Unterwasserfarmen kann nicht bedenkenlos konsumiert werden. Oft handle es sich um „Massentierhaltung unter Wasser„, kritisiert der WWF Österreich.

Fisch aus Aquakulturen sei häufig nicht nachhaltig produziert und schädige die Umwelt durch Antibiotika und Pestizide. Außerdem seien viele der Zuchtfische beim Futter auf Fischmehl angewiesen, das aus wild gefangenem Fisch hergestellt wird. Und: Um Raum für Aquakulturen zu gewinnen, seien in vielen Teilen der Erde wertvolle Lebensräume wie Mangrovenwälder verloren gegangen. Aquakultur sei nur dann eine Alternative, wenn sie umweltfreundlich betrieben werde, so der WWF.

Heimischer Fisch statt Meeresfisch

Was also tun? Wie verhält man sich als bewusster Verbraucher richtig? Wie auch beim Fleisch gilt: Die Konsumenten haben die Macht, die Nachfrage bestimmt das Angebot. Der wichtigste Schritt ist, den eigenen Fischkonsum zu überdenken. „Fisch sollte als Delikatesse betrachtet werden, für die man sich selten und bewusst entscheidet“, rät Nunu Kaller. Wer nicht darauf verzichten möchte, sollte mehr heimischen Fisch essen, am besten in Bio-Qualität. „Als Konsument möchte man wahrscheinlich etwas anderes hören“, ist sich Kaller bewusst, „aber gerade im Fischbereich kommen wir an einer Reduktion von Meeresfisch nicht vorbei.“

Auch hier liegt der Vergleich zum Fleischkonsum nahe: weniger, dafür bessere Qualität zum fairen Preis konsumieren. Dazu muss man sich nicht nur ausreichend informieren, sondern sein Wissen auch richtig einordnen, wenn man vor dem Regal steht. Keine einfache Angelegenheit. Es gibt zwar Gütesiegel wie etwa das MSC-Logo, diese werden aber kritisiert, weil sie nicht aussagekräftig genug sind.

Deshalb ist der Fischratgeber von WWF ein guter Anhaltspunkt. Er zeigt auf, welcher Fisch aus welchen Fanggebieten ohne schlechtes Gewissen konsumiert werden kann, und informiert über die Fangmethode.

Wildfang aus Österreich

Auch bei heimischem Fisch können sich Konsumenten zwischen Wildfang und Zuchtfisch entscheiden. Zu den beliebten heimischen Speisefischen zählen vor allem Reinanke, Saibling, Seeforelle, Karpfen, Hecht, Zander, Barsch und Schleie. Klar ist: Fisch aus Wildfang ist limitiert erhältlich und vergleichsweise teuer, da die Ressourcen naturgemäß beschränkt sind.

Ein großer Teil der heimischen Seenfische geht an die Gastronomie, doch Endkunden können meist auf Vorbestellung auch direkt bei den Fischern einkaufen. Die Direktvermarktung hat einen Grund: „Unser Weg ist, dass die Wertschätzung des Wildfangs in der Region bleiben soll“, erklärt Nikolaus Höplinger, Obmann des Verbands der Seenfischer Österreichs und Berufsfischer am Wolfgangsee.

Auf Bio-Qualität achten

Heimischer Zuchtfisch, vor allem Forelle und Karpfen, hat es auf dem Markt nicht leicht – obwohl die Nachfrage größer ist als das Angebot. Oft handelt es sich um Familienbetriebe, die dem Druck durch billigere Fische aus anderen Ländern schwer standhalten können. Dabei unterliegt heimischer Fisch in der Regel viel höheren Standards und Aufwachsbedingungen. Trotzdem: Auch bei heimischen Fischzuchten zahlt es sich aus, genauer auf die Produktionsbedingungen zu achten.

Zuchtforellen werden in der Regel mit Fischmehl aus Wildfang gefüttert. Nachhaltiger ist der Konsum von unter Bio-Richtlinien gezüchtetem Fisch. Diese garantieren unter anderem den Verzicht auf Pestizide und vorbeugende Antibiotika, den Einsatz von Biofutter sowie Fisch-mehrung ohne Hormoneinsatz. Bio-Forellen benötigen zwar ebenfalls Fischmehl als Nahrung, dieses stammt aber aus den Resten der Fischfiletierung.

Der nachhaltigste Speisefisch

Die traditionelle Karpfenteichwirtschaft wird vor allem in Niederösterreich und der Südoststeiermark betrieben und gilt als eine der nachhaltigsten Formen der Fischzucht. „Das liegt daran, dass in Karpfenteichen sehr viel Fläche, Wärme und natürliche Nährstoffe vorhanden sind“, erklärt Marc Mößmer, Gründer der ARGE Biofisch und Bio-Fischzüchter im Waldviertel. Zusätzlich wird im Bio-Bereich Getreide statt Fischmehl zugefüttert.

Übrigens: Auch die fettärmeren heimischen Fische haben einen gesunden Fettgehalt – vor allem, wenn sie mit Naturnahrung ernährt werden.

Hier gibt es Bio-Fisch:

Wien

Kärnten

Oberösterreich

Niederösterreich

Salzburg

Steiermark

Nachhaltiger Fischkonsum – so geht’s:

  • Den Konsum von Meeresfisch stark einschränken.
  • Bevorzugt österreichischen Fisch essen.
  • Beim Kauf auf Bio-Qualität achten. Bio-Karpfen gelten als am nachhaltigsten.
  • Den Fischratgeber vom WWF verwenden.
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