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Ansteckende Nächstenliebe

Das Phänomen Altruismus: Warum man anderen hilft, obwohl man selbst nichts davon hat.

Home » Leben » Ratgeber » AnsteckendeNächstenliebe - 11.2015

Teil 1: Ein Virus namens Altruismus

Viele spenden Geld. Einige investieren Zeit. Manche riskieren ihr Leben, um andere zu retten. Auch wenn sie scheinbar nichts davon haben. Gut sein ist ansteckend. Eine Erklärung.

Motivierende Alltagshelden

Ein junger Mann rettet eine schwangere Frau und ihren Lebensgefährten aus einer brennenden Wohnung. Drei Kinder ziehen einen Sechsjährigen aus dem Eiswasser eines Sees. Ein Familienvater zerrt vor den Augen seiner Töchter einen Herrn mit epileptischem Anfall zwischen die Gleise und wirft sich auf ihn, die U-Bahn rollt über die beiden hinweg, sie bleiben unverletzt. Eine Familie sieht im Fernsehen, wie Freiwillige Flüchtlingen helfen, und macht sich auf den Weg zur Grenze. Was wiederum andere motiviert. Was wiederum andere motiviert. Was wiederum …

Selbstlose Nächstenliebe

Grundsätzlich ist jeder gut, sagen optimistische Menschenfreunde. Eigentlich denkt jeder nur an sich, meinen pessimistische Misanthropen. Und Forscher gaben ihnen lange Zeit auch recht. Sie behaupteten: Selbst die, die anderen helfen, würden das nur tun, weil sie sich davon etwas für sich selbst erhofften. Ein gutes Gefühl. Oder ein ruhiges Gewissen. Oder dass andere ihnen auch unter die Arme greifen, wenn sie einmal am Boden liegen. Ganz nach dem Motto: Wie ich dir, so du mir. Man glaubte nicht, dass man es als Altruist, der sich mehr um andere als um sich selbst kümmert, weit bringen könne. Besonders gescheit sei diese Selbstlosigkeit jedenfalls nicht. Und so zeichneten die Wissenschaftler ein düsteres Bild der Spezies Mensch. Aber jetzt kommt Farbe ins Spiel.

Junge Menschen im Kreis

Gemeinsam. Helfen stärkt die Gemeinschaft und das eigene Selbstvertrauen.

Unlogische Logik

Es gibt Menschen, die sich aufopfern, um anderen zu helfen. Die Schmerzen ertragen, damit es anderen besser geht. Die ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückstellen, um die anderer zu erfüllen. Die ihr Leben riskieren, um ein anderes zu retten. Und zwar ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das ist eigentlich unerklärlich. Das ist nicht logisch. Das ist mit dem Selbsterhaltungstrieb nicht vereinbar und so gesehen auch nicht vernünftig. Aber es ist menschlich. Paradoxerweise. Denn der, der sich vor allem für andere einsetzt, kann sich gegen einen Egoisten normalerweise nicht durchsetzen. Die Starken triumphieren über die Schwachen, Selbstsucht gewinnt gegen Nächstenliebe. So will es die Evolution.

Robert Musil, Schriftsteller

„Die Willensfähigkeit ist die Fähigkeit des Menschen, freiwillig zu tun, was er unfreiwillig will.“

Charles Darwin hatte an dieser Logik allerdings selbst seine Zweifel, den Altruismus konnte er nicht erklären. Wie so viele Wissenschaftler nach ihm. Und doch werden an jedem Tag neue Helden geboren. Man sieht sie in den Nachrichten. Man hört ihre Geschichten im Radio. Man liest von ihnen in den Zeitungen. Sie können nicht fliegen, sich unsichtbar machen oder gut singen. Sie brauchen kein Vermögen, keine Masken, keine Superkräfte. Um ein Held zu sein, muss man nur aufstehen, sich engagieren und mit einem Lächeln auf andere zugehen. Genau das machen immer mehr Menschen. Doch die Frage bleibt: Warum?

Lesen Sie mehr zum Thema:

Teil 1: Ein Virus namens Altruismus
Teil 2: Selbstlosigkeit in der Tierwelt
Teil 3: Der Altruismus in uns

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