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Citizen Science

Jeder ist ein Forscher.

Home » Leben » Citizen Science - 07.2018

Citizen Science heißt: der Wissenschaft helfen. Das kann jeder Einzelne tun. Gemeinsam werden Fakten gesammelt, um die Natur zu schützen.

Jedes Kind kennt Charles Darwin und seine Evolutionstheorie. Der Brite reiste ab 1831 fünf Jahre lang auf einem Forschungsschiff um die Welt. 20 Jahre später entstand sein Werk „Über die Entstehung der Arten“. Seine Theorie ist heute Grundlage für das Wissen darüber, wie Tier- und Pflanzenarten entstehen.

Dabei war Darwin gar kein Naturwissenschaftler. Er hatte Theologie studiert und verfügte über ein umfassendes biologisches Wissen – trotzdem war er ein Laie. Die wissenschaftliche Forschung wurde zu Beginn stets von Amateuren betrieben. Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts akademisierte man sie in Universitäten.

Zurück zu den Wurzeln

Heute ist die professionelle Wissenschaft weit fortgeschritten. Oft wirkt es, als sei sie mit ihrer unverständlichen Sprache abgekoppelt vom Rest der Gesellschaft. „Citizen Science“ steht für die Rückkehr der Wissenschaft zu ihren Wurzeln. Amateure dürfen wieder am Prozess teilnehmen. Wissenschaft und Gesellschaft können zusammenarbeiten, einander ergänzen und besser verstehen. Immer mehr Bürger unterstützen professionell Forschende beim Messen, Beobachten, Kartografieren und Analysieren. Sie arbeiten ehrenamtlich und bereichern die Wissenschaft mit neuen Sichtweisen. Natürlich braucht es dafür Qualitätsstandards.

Wissenschaft braucht Geduld

Die wachsende Bürgerbeteiligung bringt viele Vorteile– auf beiden Seiten. So profitiert die Wissenschaft von großflächig gesammelten Daten sowie vom Wissen und den persönlichen Perspektiven der Bürger. Auch diese haben viel davon: „Durch die Beteiligung an Citizen-Science-Projekten ist es möglich, den wissenschaftlichen Prozess selbst zu erleben“, erklären Daniel Dörler und Florian Heigl von der Plattform Österreich forscht. „Damit wird er verständlicher und die Menschen lernen, dass Wissenschaft oft auch ein langwieriger Prozess ist, der viel Geduld braucht. Sie erfahren aber auch, dass Wissenschaft Spaß machen kann, und entdecken sie als Bereicherung für ihren persönlichen Alltag.“ Mittlerweile werden auf der Plattform etwa 50 Projekte vorgestellt, an denen insgesamt rund 100.000 Menschen mitwirken. „Österreich spielt in der Spitzenliga ganz vorne mit“, sagen die Koordinatoren.

Tipp: Mehr zum Thema finden Sie unter citizen-science.at (Plattform Österreich forscht) und zentrumfuercitizenscience.at (Zentrum für Citizen Science)

Wildtiere in der Stadt beobachten

Es gibt unzählige Möglichkeiten, auf Darwins Spuren zu wandeln. Das Ziel des Projekts „StadtWildTiere“ der Vetmeduni Wien ist es, die Stadt als lebenswerten Ort für Mensch und Tier zu begreifen und ein gutes Zusammenleben zu schaffen. Um einen umfassenderen Überblick über die Verbreitung und Lebensweisen der Wildtiere im urbanen Raum zu bekommen, sind die Bürger gefragt. Stadtbewohner können sich aktiv beteiligen, indem sie Tiersichtungen melden.

Ein Fuchs vor dem Theater? Ein Eichhörnchen oder Rotkehlchen im Garten? Ein Dachs auf dem nächtlichen Heimweg? Ein Mauersegler unter einem Dachvorsprung? Gleichzeitig erhalten sie auf der Website Informationen über die Tiere und darüber, wie man in Konfliktfällen handelt oder mit verletzten Tieren umgeht. Rund 9.500 Tiersichtungen wurden in den vergangenen drei Jahren gemeldet. „Insgesamt liegen uns Beobachtungen von mehr als 200 Arten vor, darunter 18 Fledermausarten und 120 Vogelarten“, erzählt der Projektverantwortliche Richard Zink.

Bald wird das Projekt auf weitere Städte ausgeweitet. Denn selbst erfahrenen Experten gelingt es oft nicht, scheue Wildtiere gezielt zu beobachten. „Diese Tiere werden überwiegend zufällig gesichtet“, sagt Zink. „Deshalb ist die Anzahl der Beobachter für den Erfolg des Projekts entscheidend.“

Charles Darwin, Naturforscher

»Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.«

Aktiv werden

Bäume in der Stadt (Vorarlberg und Tirol)
Städtische Bäume erfüllen viele wichtige Funktionen wie etwa die Verbesserung der Luft oder Lärmschutz. In der Stadt sind sie aber vielen negativen Faktoren ausgesetzt. Mit dem Wissen über Stadtbäume können zukünftige Entwicklungen, etwa Klimaveränderungen betreffend, besser vorhergesagt werden. Zeitaufwand fürs Mitforschen: fünf Minuten – scannen, lesen, senden. Laufzeit: noch bis 30.09.2018.

Der Lebensraum des Waldrapps (Oberösterreich)
Der Waldrapp ist eine der am meisten bedrohten Vogelarten der Welt. Laien können beim Beobachten und Fotografieren seines Lebensraums wichtige Daten sammeln. Dafür wurde eigens eine App namens „WaldrAPP“ entwickelt. Ziel ist es, die ökologischen Aspekte der Habitatswahl zu erforschen und Bewusstsein zu schaffen. Zeitaufwand fürs Mitforschen: beliebig oft jeweils ca. 15 Minuten. Laufzeit: noch bis 31.08.2019.

Schmetterlings-Monitoring (Tirol)
Von Zitronenfalter bis Tagpfauenauge: In Tirol flattern rund 170 Tagfalterarten durch die Luft. Über deren Verbreitung und Bestandsentwicklung weiß man aber wenig. Das soll sich ändern. Auch weil Schmetterlinge ein wichtiger Indikator für Umweltveränderungen sind. Zeitaufwand fürs Mitforschen: ein Tag Einschulung, mindestens fünf Freiland-Beobachtungen à 15 Minuten. Laufzeit: noch bis 31.12.2019.

Österreichweite Mitmach-Projekte

Naturkalender
Mittels App können Laien Pflanzen und Tiere beobachten. So wird etwa herausgefunden, wann die Knospen aufbrechen oder wann Pflanzen Früchte tragen. Die Daten werden bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gebündelt. Sie sind unter anderem für die Klimaforschung oder für die Pollenvorhersage von Bedeutung.

Naturbeobachtung
Der Naturschutzbund betreibt eine eigene Plattform, auf der Naturbeobachtungen von Pflanzen und Tieren gemeldet werden können.

Tierrettung
Hier wird erhoben, welche Tiere auf den heimischen Straßen zu Tode kommen und welche Gründe es dafür geben könnte. Gefährliche Stellen werden ausgemacht und wenn möglich entschärft.

Vogelschutz
Meldungen, Fotos und Tonaufnahmen werden mittels App hochgeladen. Das langjährige Projekt des Vereins BirdLife Österreich dient dem Schutz der heimischen Vogelwelt.

Pollentagebuch
Betroffene dokumentieren eigene allergische Beschwerden plus Medikamenteneinnahme. Danach können sie diese mit der tatsächlichen Pollenbelastung vergleichen. Einen Arztbesuch ersetzen die Website und die zugehörige Pollen-App freilich nicht.

Pilzdatenbank
Ziel ist es, das Vorkommen und die Verbreitung der Pilze in Österreich zu dokumentieren. Die bisher rund 440.000 Fundmeldungen stammen von 13.000 Fundorten im ganzen Land.

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