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Können Sie sich freuen?

Ein Porträt der Freude.

Home » Leben » Können Sie sich freuen? - 11.2016

Eine Person. Ein Haustier. Ein Geschenk. Ein Erlebnis. Eine Erinnerung. Ein Stück Schokolade. Freude hat viele Formen und Gestalten. Aber nur ein Gesicht. Ein lachendes.

Das Lächeln drängt sich in die Mundwinkel. Es zieht an ihnen, stemmt sie nach oben. Einen Moment lang sind die Lippen überrascht, dann helfen sie mit. Sie formen den gewünschten Halbkreis, öffnen sich ein bisschen. Die Zähne haben freie Sicht. Es tut sich was im Gesicht. Die Muskeln sind neugierig. Die Wangen gehen nach oben, berühren fast die Augen. Sie legen die Haut in lustige Falten. Kleine Krähenfüße hinterlassen ihre Fußstapfen an den Augenwinkeln. Und dann heben sich noch die Augenbrauen. Sie sind das Dach der Freude. Der echten Freude. Der ehrlichen. Die wir nicht steuern können. Bei der im Inneren die Glückshormone aufspringen. Dopamin und Serotonin geben sich die Hand und tanzen Polka durch die Nervenbahnen. Wäre sie nur gespielt, die Freude, würden sie sich nicht die Mühe machen. Da ginge im Gemüt kein Licht an. Aber so fühlt sich der Körper ganz leicht. Die Sorgen wiegen nichts mehr. Die Zeit steht still. Was für eine Kraft die Freude doch hat!

Das lachende Wir

junge Frau mit roter Haube und roter Bluse die lachtDie Freude macht den Menschen zu einem sozialen Wesen. Macht es als Bindungsemotion möglich, mit Gruppen sozial zu interagieren. Sie schafft Vertrauen. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Das war essentiell für die Evolution. Deshalb ist die Freude auch angeboren. Nicht erlernbar. Babys freuen sich ganz von allein. Unbewusst. Sie können gar nicht anders. Lächelt die Mutter ihr Kind an, lächelt es zurück. Automatisch. Die Reaktion ist von der Natur programmiert und hält sich, für gewöhnlich, bis ins Erwachsenenalter. Da lernt man dann die Bedeutung und die Auslöser der Freude dazu, und kann es bewusst steuern. Die Pädagogik hat auf dem Gebiet einen wichtigen Auftrag: Kindern beizubringen, sich zu freuen. Die Freude wächst mit uns mit. Ein Baby wendet sich freundlichen Personen zu, einem lächelnden Gesicht bleibt es länger zugewandt. „Das Lächeln der Freude auf einem menschlichen Gesicht ist der wirkungsvollste Stimulus, den es gibt“, schreibt Michael Trimmer, Professor für Klinische Psychologie & Gesundheitspsychologie. Die Freude zeigt sich in der Mimik, Gestik und im Verhalten. Sie ist für jeden Menschen eindeutig zu erkennen, egal, aus welcher Kultur oder welchem Land er stammt.

Grund zur Freude

Manchmal ist es, als bräuchte man keinen Anlass zur Freude. Sie steht strahlend vor dem Bett und sagt einfach hallo, schönen Tag auch. Manchmal zeigt sie sich ungern. Man muss sie locken, was gar nicht so schwierig ist. Schon die grundlegenden menschlichen Tätigkeiten gefallen ihr: Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung und Regeneration durch Schlaf oder Erholung. Diese Grundlagen können wir für sie ausschmücken, dann nistet sie sich im Leben ein. Das Geheimnis: bewusstes Leben. Auf sich zu achten und zu hören, was Körper und Geist benötigen. Das hat sie gern, die Freude, und sie hilft mit.

Fröhlichkeit. Freude und Zeit gehen gern Hand in Hand. Hat man für nichts Zeit, bleibt auch die Freude auf der Strecke.

Fröhlichkeit. Freude und Zeit gehen gern Hand in Hand. Hat man für nichts Zeit, bleibt auch die Freude auf der Strecke.

Tage der Freude

Mit ihr zusammenzuarbeiten ist eine einzige Freude. Sie hat eine unaufdringliche Art, uns mitzuteilen, was sie mag, und das zeigt sie schon beim Frühstück. Sie hat einen einfachen Geschmack, immer Gusto auf Gutes und Gesundes. Dazu hört sie am liebsten das, was wir am liebsten hören, Mädchen in blauer Jacke isst einen Cupcake und lachtmanchmal eins der Lieblingsalben von unserer Lieblingsband. Ist dazu keine Zeit, hören wir uns die Musik miteinander im Auto an. Sie ist ein hervorragender Styleberater und zeigt uns immer das Outfit, in dem wir uns heute am wohlsten fühlen werden. Wenn wir ins Büro gehen, grüßt sie mit einem Lächeln. Untertags lacht sie, so oft es geht. Und sie steckt andere damit an. Das freundlichste Virus der Welt. Es verbreitet sich blitzartig und flächendeckend. Den langen Arbeitstag kann sie zwar nicht verkürzen, aber am Heimweg stubst sie uns auf einen kleinen Umweg durch den Park. Das ist ihr Territorium, dort hat sie ihre natürlichen Quellen. Sie dirigiert das Vogelgezwitscher, sie setzt die Blütenpracht in Szene. Sie hält uns in Bewegung. Wenn das Wetter nicht zur Parkrunde passt, tänzelt sie vor uns zum Laufband. Sie weiß, dass wir einen Ausgleich zum stressigen Alltag brauchen, und schafft ihn. Den Abend überlässt sie der Zweisamkeit. Oder der Familie. Liebe, Massagen und Kinderlachen, auch das gehört zu den natürlichen Quellen der Freude.

Die Biologie der Freude

Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Freude das Leben verlängern kann. Sie ist eine biologisch verankerte Emotion und stärkt die Abwehrkraft des Körpers. Sie erhöht die Vitalität und das psychische Wohlbefinden. Ein hoher Dopamin- und Serotoninspiegel im Körper steigern die Lebenserwartung. Die Botenstoffe sind überlebensnotwendig und freudefür den Informationsaustausch im Gehirn zuständig. Sie sind die Regisseure unseres Lebens. Dopamin in Verbindung mit Noradrenalin führt zu Kreativität, freudiger Erwartung, Motivation, Antrieb, Aufmerksamkeit, Begeisterung, Interesse. Es treibt uns an. Es lässt uns nicht in einer Ecke versauern. Es hilft uns an Regentagen. Ohne genug Dopamin in unseren Synapsen übernimmt die Depression den Organismus. Dieser Mangel wird oft als Überlastung oder psychische Störung abgetan und mit Medikamenten bekämpft. Wichtiger wäre es, sich die Freude zurück ins Leben zu holen. Mit viel Bewegung. Und vielleicht auch mit der Ginsengwurzel, die als lachendes Glück gilt, weil sie die Produktion von Dopamin anregt. Serotonin hat ähnliche Wirkungen. Es steuert den Gemütszustand, die Körpertemperatur, den Schlafrhythmus, die Appetitkontrolle und die Drüsenfunktion. Und es ist ausschlaggebend für den Sexualtrieb des Menschen. Wer einen Mangel verspürt, kann der Depression entkommen, indem er ans Tageslicht geht und sich Serotonin aus Kohlenhydraten und Zucker in der Nahrung holt.

Die Geschwister der Freude

Die Freude hat eine große Familie. Um sich anzukündigen, schickt sie die Vorfreude voraus, die schönste von allen. Das schwarze Schaf der lebensfrohen Sippe ist die Schadenfreude. Sie ist ein ungemein lustiges Kerlchen, zutiefst menschlich, wenn auch oft nicht angemessen. Zum Leben gehört auch sie, und es liegt an uns, sie hervorzurufen und zu bändigen.
Die Freude über das Leid der anderen ist nicht angeboren. Sie entsteht erst im menschlichen Miteinander. Wenn die Frage nach Status und Positionierung auftaucht, in den Grundzügen also schon in der Volksschule. Schadenfreude entsteht im Belohnungszentrum des Gehirns. Und kommt auf, wenn einer Person, die man nicht mag, Unglück geschieht. Oder wenn ein Missgeschick passiert, besonders in einem Bereich, in dem man selber erfolgreich sein will. Wenn etwa der Arbeitskollege, der auf jeden Fehler lauert, selber einen macht. Die Schadenfreude hat aber auch positive Seiten. Sie ist ein Ventil. Sie gilt als psychisch entlastend, weil sie bei aller Häme eine Aufwertung des Selbst darstellt. In Bezug auf die Gesellschaft kann es Größenwahnsinnige wieder auf den Boden der Realität bringen. Deshalb finden der Hofnarr, das Kabarett oder der Fasching so viel Anklang. Der böse König, der zwischen den lustigen Zeilen vom Thron gestoßen wird. Der Politiker, dem man den Spiegel vor Augen hält. „Das Unglück der anderen kann genauso erfreuen wie ein Geschenk“, sagt der Psychologe Manfred Holodynski.

Karl Barth, Theologe

»Freude ist die einfachste Form der Dankbarkeit.«

„Habe ich Geschenk gehört?“, meldet sich die Vorfreude. Sie hat einen unglaublich langen Atem. Mit ihr überstehen wir alles Mögliche, weil sie uns nie vergessen lässt, dass am Ende etwas Großes wartet. Eine exotische Reise. Eine geliebte Person. Ein geplantes Treffen. Eine einzigartige Hochzeit. Weihnachten. Das künftige Ereignis löst positive Gefühle in uns aus. Der Endorphinspiegel steigt mit jedem Tag. Mit dem Eintreffen des Ereignisses übergibt einen die Vorfreude in die Arme der Freude. Voller Hoffnung, dass sich das Warten gelohnt hat. Und das Lächeln drängt sich in die Mundwinkel.

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