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Die Clownfrau aus dem Libanon

Bitte lachen!

Home » Inspiration » Die Clownfrau aus dem Libanon - 11.2018

Eine kleine bunte Truppe rund um Clownfrau Sabine Choucair arbeitet im Libanon an einer spaßigeren Version der Welt. Weil das Leben sonst zu ernst ist.

Wenn Sabine Choucair zur Clownin wird, gibt es meist zwei Reaktionen: schrilles Lachen oder fassungslose Blicke. Nach ein paar Minuten kichern aber auch die größten Zweifler, sagt Sabine, denn: Lachen ist ansteckend.

Der lebensverändernde Moment

Der 36-Jährigen mit dem wuscheligen Lockenkopf sieht man die positive Energie an, die sie versprüht. Dabei hatte sie keinen leichten Start ins Leben. Aufgewachsen ist Sabine in den 1980er-Jahren im Libanon, während des Bürgerkriegs. Ganze dreizehn Mal musste sie ihr Zuhause wechseln, fühlte sich verloren und entwurzelt. Dann begann sie, Theater zu spielen. Während einer Schauspielausbildung in London hatte sie das erste Mal clownischen Nahkontakt. „Ich wusste gar nichts über Clowns!“, sagt sie. „Clowns mit roten Nasen, die gab es im Libanon nicht.“ Für Sabine war es der Moment, in dem sich ihr Leben komplett veränderte. Sie beschloss mit Herz und Hirn, nur noch Clown zu sein. „Es war augenblicklich klar: Ich hatte meine Bestimmung im Leben gefunden.“

Unterwegs auf den Straßen

Seither arbeitet sie als Clownin. Gemeinsam mit einer mexikanischen Freundin gründete sie die Gruppe Clown Me In und organisierte Workshops und Performances in Mexiko, Brasilien, Indien, Syrien und im Libanon. Aus anfänglich vier wurden bald 30 Clowns. „Wir sind auf den Straßen unterwegs und immer irgendwo anders.“

Auch in Österreich gibt es Clowns im humanitären Einsatz. Die Rote Nasen Clowns engagieren sich nicht nur in Krankenhäusern und bei Kindern, sondern auch in Altenheimen und Flüchtlingslagern. Mehr darüber auf: rotenasen.at

Genau dort ist das Publikum von Sabine und ihren Clown-Kollegen zu finden: auf der Straße, in kleinen Dörfern, in Flüchtlingslagern und in palästinensischen Siedlungen. „Wir arbeiten mit benachteiligten sozialen Gruppen, Menschen, die in irgendeiner Form eine Krise durchleben.“ Diese Menschen haben unterschiedlichste kulturelle Hintergründe, vom Baby bis zur Oma sind alle dabei. Sabine nimmt sich für sie Zeit, hört zu und gibt Workshops als Clown und im Geschichtenerzählen.

Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung werden persönliche Erlebnisse erzählt, aufgeschrieben und dann in eine Performance umgewandelt. Mit dem Caravan, einem alten Bus, tingeln die Clowns durch den Libanon. Alles kommt von der Straße und bleibt auf der Straße. „Das Erlebte in einer lustigen Art erzählen zu können und nicht dafür verurteilt zu werden, egal, was man auf dem Herzen hat, das gibt den Menschen ein Gefühl von Sicherheit“, meint Sabine.

Die Menschen rund um Sabine Choucair sind nicht nur sozial engagiert. „Wir betreiben Aktivismus durch Clown-Performances, wir gehen zu Demonstrationen und machen uns für soziale Rechte stark. Als Clowns!“, erzählt sie stolz.

Fenster des Vergessens

Neben ihrem Engagement für Clown Me In ist Sabine auch bei den Clowns Without Borders aktiv. Zuletzt war sie am Balkan unterwegs, an der Grenze zwischen Serbien und Kroatien und dem Kosovo. Hier verstecken sich Flüchtlinge in den Wäldern. Viele von ihnen leben seit Monaten hier, illegal und in Angst, entdeckt zu werden. Sie haben den Krieg gesehen, Schreckliches erlebt und nichts mehr zu verlieren. Die meisten versuchen zu entkommen, anstatt in ihrer Heimat zu sterben, erzählt Sabine von ihren Begegnungen.

Eine schwierige Aufgabe für die Clowns, einen magischen Moment zu schaffen, ein kleines Fenster des Vergessens zu ermöglichen. „Schlussendlich bereitet es Freude und wir verlassen die Situation oder den Ort mit einem ganz anderen Gefühl als bei der Ankunft“, erzählt sie. Berührungsängste mit traumatisierten Menschen hat Sabine keine. „Ich habe den Krieg erlebt. Und ich hätte mir einen Clown gewünscht, der kommt und Unsinn macht! Diese Menschen sind Opfer, aber ich bin nicht dazu da, ihnen dieses Gefühl noch mehr zu vermitteln. Ich bin hier, um sie als ganz normale Menschen zu behandeln.“

Jeder möchte lachen

Zufriedene Menschen haben es leichter. „Sie sind offener, leben mehr im Jetzt. Aber wir alle können das“, sagt Sabine Choucair mit euphorischem Blick. Oft schränkt nur das gesellschaftliche Korsett ein. Das macht sich vor allem bei Workshops für Firmen und Wirtschaftsmeetings bemerkbar. Sogar beim World Economic Forum in Davos war Sabine eingeladen. „Es ist egal, ob die Leute reich oder arm sind. Jeder möchte lachen! Man muss es nur zulassen!“ Und dann, meint sie, könne jeder ein Clown werden.

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