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Ich bin schön

Entspannter durch Beauty-Positivity.

Home » Leben » Ich bin schön - 09.2018

Schönheit ist vor allem eines: subjektiv. Beauty-Positivity hilft dabei, genau das zu erkennen und sich nicht mehr um vermeintliche Makel zu kümmern.

„Nur noch fünf Kilo weniger, dann werde ich endlich glücklich sein.“

„Wenn der Höcker auf meiner Nase weg ist, wird mein Selbstbewusstsein wachsen und ich werde mehr erreichen können.“

„Noch drei Monate brav ins Fitnessstudio und dann lerne ich sicher wieder jemanden kennen.“

Sätze wie diese machen nicht glücklich, ganz im Gegenteil!

Es spricht ja nichts dagegen, sich etwas für die Zukunft vorzunehmen, sich vielleicht damit ein bisschen selbst zu motivieren. Doch oft genug haben solche „Wenn, dann“-Vorsätze nur einen Effekt: Sie bremsen. Anstatt zu genießen, was man hat, lebt man mit seinem zukünftigen Ich.

Nunu Kaller, Autorin des Buches „Fuck Beauty!“, sagt sich selbst immer wieder: „Nunu, du hast nur dieses Leben. Diesen Tag, jetzt. Willst du dir den ernsthaft damit versauen, dass du dich selbst nicht magst?“ Denn das Leben findet genau jetzt, in diesem Moment, statt. Also sollte man auch genau jetzt das Beste daraus machen. Und nicht erst, wenn man das vermeintliche Wunschgewicht erreicht hat, wenn die Nase irgendwelchen fernen Idealen entspricht oder man endlich fit ist. „Man nimmt sich einfach so viel Lebensqualität“, sagt Nunu Kaller, „so viele Sinneseindrücke, wenn man darauf fokussiert ist, den Bauch einzuziehen und sich ,vorteilhaft‘ zu bewegen.“

Denn das Leben passiert jetzt gerade. Und anstatt seinen Körper zu ändern, ändert man einfach seine Einstellung dazu. Geht viel schneller und macht viel mehr Spaß!

Die goldene Regel

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Dieser Satz ist als die goldene Regel bekannt und vermutlich ist den meisten klar, warum. Wie sieht es aber aus, wenn man das Ganze etwas abändert? „Behandle dich selbst so, wie du behandelt werden möchtest.“ Wie oft passiert es, dass man viel zu streng zu sich ist und sich selbst nicht gut behandelt? Viel zu oft.

Auch Nunu Kaller kennt dieses Gefühl. „Es kam sehr oft vor, dass ich mich selbst für gefühlte Makel kritisierte, doch dann war da einmal der Gedanke: Moment mal, würde ich so mit meiner besten Freundin reden? Nein! Also warum rede ich mit mir selbst so?“

Der äußere Schein

Bei vielen poppen immer wieder dieselben Zweifel im Kopf auf, doch warum ist das so? „Wir alle sind permanent Einflüssen von außen ausgesetzt, die uns vorgeben, was gut und erstrebenswert ist“, sagt die Psychotherapeutin Johanna Zierl.

„In unserer Zeit lautet das Ziel, perfekt zu sein. Das betrifft nicht nur den Job und das Aussehen, sondern auch unseren Lebensstil, Beziehungen, wie wir wohnen, uns ernähren und entspannen sollen.“ Laut Zierl sind diese Anforderungen aber für kaum jemanden zu schaffen, und die Konsequenz ist ein latent bis permanent vorhandenes Gefühl der Unzulänglichkeit.

Von innen heraus strahlen

„Schön ist alles, was man mit Liebe betrachtet“, ist ein bekanntes Zitat von Christian Morgenstern. Warum also nicht damit beginnen, auch sich selbst mit Liebe zu betrachten, die Wichtigkeit von Äußerlichkeiten zu reduzieren und seine innere Schönheit zu entdecken? Wenn man überlegt, wie viel Zeit, Energie und Gefühle man in sein Äußeres investiert, kommt einiges zusammen. Kaum auszudenken, was passiert, wenn man all diese Kraft stattdessen nutzt, um sich selbst einfach so zu akzeptieren, wie man ist!

Natürlich klappt das nicht immer zu 100 Prozent, das weiß auch Nunu Kaller. „Immer von innen heraus zu strahlen ist schlicht nicht möglich“, sagt sie. „Manchmal schmeißt dir das Leben einfach gewaltige Brocken in den Weg.“ Ihre Erkenntnis: Es ist sinnlos, sich selbst wegen seiner Optik fertigzumachen.

„Ich habe genau wie jede andere Frau auf dieser Welt, egal wie alt, woher, wie großkleindickdünn, das Recht, mich selbst schön zu finden. Ich muss nicht, aber ich darf!“ Dieses Recht werde allerdings oft nicht gelebt, weil viele glauben, die – häufig unerreichbaren – Anforderungen der Gesellschaft erfüllen zu müssen.

Auch die Psychotherapeutin Johanna Zierl erlebt regelmäßig, dass Frauen primär nach ihrem Äußeren und vor allem ihrer Figur beurteilt werden, besonders in sozialen Netzwerken. „Viele Bloggerinnen suggerieren, dass man von früh bis spät fantastisch aussehen kann, daneben noch einen Spitzenjob hat, zwei bis drei wunderschöne Kinder großzieht und einen Traummann an seiner Seite hat. Das macht großen Druck auf viele Frauen und mittlerweile auch auf Männer.“

Doch was kann man tun, wenn man wieder einmal mit Selbstzweifeln kämpft? „Mein erster Ratschlag ist, immer alles, was wir da sehen, auf seinen Realitätsgehalt zu überprüfen“, sagt Zierl. „Der zweite, etwas langwierigere Ratschlag ist, dass man beginnen sollte, zu verstehen, dass nicht – nur – der Körper, sondern auch das Mindset für das persönliche Glück verantwortlich ist.“

Spa für die Seele

Sich selbst zu lieben heißt vor allem auch, sich selbst Gutes zu tun und auf seine Bedürfnisse einzugehen, etwa mit bestimmten Beauty-Ritualen, einem entspannten Essen oder Sport. Doch Vorsicht beim Thema Sport, warnt Nunu Kaller: „Bitte bekommt dieses Mantra, dass Sport zum Abnehmen da sei, endlich aus dem Kopf!“, fleht sie. „Sport macht glücklich, der Körper bedankt sich für die Bewegung und er trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei – völlig egal, in welcher Kleidergröße.“

Doch ausgeglichener und zufriedener wird man nicht nur, indem man sich selbst etwas Gutes tut. Wer sich auch um seine Mitmenschen kümmert, kreiert damit automatisch eine schönere Welt um sich herum. Und das führt über kurz oder lang auch zu einem glücklicheren Selbst.

Der Austausch mit anderen kann auch noch auf andere Weise hilfreich sein: indem man seine Probleme teilt. „Viele Menschen schämen sich, über die eigenen Unzulänglichkeiten zu sprechen“, sagt Johanna Zierl.

„Im Gespräch kann sich zeigen, dass das Gegenüber das ganz anders wahrnimmt – oder auch, dass die anderen ähnliche Zweifel und Ängste haben und wir eigentlich alle mit ähnlichen Dingen hadern.“ So kann man gleichzeitig nicht nur anderen, sondern auch sich selbst helfen und gemeinsam stärker und selbstbewusster werden.

Ein positives Mindset

Nicht jeder kann immer positiv gestimmt sein. Das muss man aber auch gar nicht. Um mit negativen Gedanken und Selbstzweifeln besser klarzukommen, ist allerdings ein positives Mindset durchaus sinnvoll. Damit schafft man es auch in Momenten, in denen wieder einmal nichts im Leben zu funktionieren scheint, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Stattdessen konzentriert man sich auf all jene Dinge, die man an sich mag.

Die gute Nachricht: Ein positives Mindset kann trainiert werden wie ein Muskel. „Man kann üben, sich oder andere nicht ständig zu bewerten“, sagt Psychotherapeutin Zierl. „Ich muss mich nicht immer lieben und auch nicht jeden Zentimeter meines Körpers ganz toll finden. Aber so etwas wie Vertrauen, Zuneigung und Sicherheit zu empfinden für mich, meinen Körper, meine Liebenswürdigkeit, meine Fähigkeit zu lieben, meine Leistungen und alles, was noch zu mir gehört, das ist etwas sehr Schönes.“

Zur Not hilft es, sich einfach vor Augen zu führen, dass man in zehn Jahren wahrscheinlich anders aussehen wird als jetzt und dass sich die äußere Hülle kontinuierlich verändert. Was allerdings gleich bleibt, wenn man sich rechtzeitig darum kümmert, ist die innere Schönheit. Ab sofort werden die Vorzeichen also einfach umgedreht: Statt in negative Selbstzweifel wird jetzt alle Kraft in positive Selbstliebe investiert.

Beauty Positivity auf Instagram

Zusammenfassung

  • Statt unseren Körper, will Beauty Positivity unsere Einstellung dazu ändern, denn schön ist alles, was man mit Liebe betrachtet.
  • Ändert man die goldene Regel „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ zu „Behandle dich selbst so, wie du behandelt werden möchtest.“ relativiert da vieles.
  • Viele fühlen sich unzulänglich, vergleichen sich mit unerreichbaren Idealen, nicht nur in Bezug auf den Körper, auch auf den Job, den Lebensstil, die Beziehungen etc.
  • Bei Zweifeln hilft: Vorstellungen und Vorbilder auf ihren Realitätsgehalt prüfen und sich klar machen, dass nicht nur der Körper, sondern auch das Mindset für das persönliche Glück verantwortlich ist.
  • Sich selbst zu lieben, heißt sich selbst Gutes zu tun, zum Beispiel mit Beauty-Ritualen, Essen oder Sport.
  • Doch auch anderen Gutes zu tun, trägt zur inneren Zufriedenheit bei. Dabei kann man sich austauschen und erkennen, dass alle mit ähnlichen Sorgen zu kämpfen haben.
  • Zuletzt hilft es auch, sich vor Augen zu führen, dass die äußere Schönheit einem stetigen Wandel unterzogen ist, den man nicht immer in der Hand hat. An der inneren Schönheit aber kann man kontinuierlich arbeiten, indem man seine Kraft in Selbstliebe investiert.
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