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Unvollkommen schön leben

Von Makeln profitieren.

Home » Inspiration » Unvollkommen schön leben - 03.2018

In Japan steht Wabi-Sabi für die Schönheit im Unvollkommenen. Wer sich daran orientiert, kann lernen, sein eigenes Leben so anzunehmen, wie es ist.

Schönheit wird in unserem Kulturkreis oft mit Perfektion gleichgesetzt. Etwas wird nur dann als schön angenommen, wenn es makellos und vollkommen ist: eine perfekte Figur, eine konfliktfreie Beziehung, ein glänzendes Auto, eine einladende Wohnung – ein durch und durch geglücktes Leben. Wer Bilder wie diese in sich trägt, setzt sich gleichzeitig einem immensen Druck aus. Dabei liegt Schönheit bekanntlich immer im Auge des Betrachters. In Japan gibt es sogar ein eigenes Wort für Dinge, die gerade deshalb schön sind, weil sie nicht perfekt sind: Wabi-Sabi. Unvollkommenheit ist diesem ästhetischen Konzept zufolge nichts Störendes, sondern macht das Leben lebenswert.

Verborgene Schönheit

Der Begriff Wabi-Sabi lässt sich schwer übersetzen. Das Wort „Wabi“ bedeutete ursprünglich, sich einsam und verloren zu fühlen, wurde aber zur Freude an der stillen Einsamkeit. „Sabi“ steht für Altern, Reife-Haben. In Verbindung miteinander eröffnen die Wörter neue Horizonte: Nicht das, was offenkundig schön erscheint, ist das Höchste, sondern die verborgene Schönheit. Als Symbole für diese Art, Schönheit wahrzunehmen, gelten etwa mit Moos überwachsene Felsen oder ein leicht mit Rost überzogener Teekessel. „Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbart“, sagte der verstorbene deutsche Ostasienwissenschaftler Wilhelm Gundert.

Das Authentische schätzen

Wabi-Sabi ins eigene Leben einzuladen bedeutet, die Gegebenheiten anzunehmen. „Die japanische Philosophie des Wabi-Sabi regt an, Frieden mit den Dingen zu schließen, die holprig oder unregelmäßig sind, oder mit denjenigen, die nicht immer so laufen, wie wir es gerne hätten“, schreibt die amerikanische Autorin Polly Campbell in ihrem Ratgeber „Lebe lieber unperfekt“ (Verlag Knaur). „Wenn wir uns eingestehen, dass alles im Leben unbeständig, unvollkommen und unfertig ist – auch wir selbst –, werden wir Frieden finden.“ Das heißt: Man soll lernen, das Authentische zu schätzen, auch wenn es fehlerhaft ist.

Im Grunde strebt der Autorin zufolge jeder Mensch nach Ganzheit und Harmonie, nach dem Gefühl, „komplett“ zu sein. Man wünscht sich, dass Seele, Körper und Geist eine Einheit bilden. Doch sie warnt: „Wenn wir unsere Zeit mit dem Versuch vertun, ganze Charaktereigenschaften von uns selbst zu verändern, zu leugnen und zu verstecken, entfernen wir uns von dieser Einheit.“

Nobody is perfect

Der richtige Weg zu mehr innerer Zufriedenheit ist demnach, die eigenen Defizite mit Respekt, Ehrfurcht und Hochachtung zu betrachten. Dazu muss man seine Mängel nicht nur genau unter die Lupe nehmen, sondern sie sogar liebevoll, humorvoll, geduldig und freundlich hereinbitten. Das kann unangenehm, aber auch befreiend sein. Man sollte dabei nicht versuchen, etwas zu ändern oder in Ordnung zu bringen. Vielmehr geht es darum, das Nichtperfekte anzuerkennen und mit dem, was man ist, intensiv zu leben. Das schafft die Freiheit, unterschiedliche Wege für sich selber auszuloten. Und endet nicht – wie vielleicht befürchtet – in Mittelmäßigkeit, sondern in Bewegung.

Ein unperfektes Leben zu führen, macht es leichter …

… um Hilfe zu bitten. Denn Rückschläge bedeuten nicht, zu versagen. Hilfe zu holen lässt uns nach Niederlagen wieder hochkommen.
… kreative Risiken einzugehen. Denn Fehler und Misserfolge gehören zu Innovationen dazu.
… uneingeschränkt zu lieben. Denn wer seine eigenen Mankos nicht als unangenehm empfindet, kann eher Liebe schenken und annehmen.
… kraftvoll zu leben. Denn wer Frieden mit seinen Schwachstellen schließt, hat mehr Energie für die eigenen Talente und Ziele.
… gesunde Entscheidungen zu treffen. Denn Aspekte des wahren Selbst zu verstecken verursacht Stress. Wer ehrlich zu sich selbst ist, verspürt Erleichterung und Wohlbefinden.

BUCH TIPP Quelle

Lebe lieber unperfekt“, Polly Campbell (Knaur). Zum Blog von Polly Campbell geht’s hier.

Die fünf Grundsätze des Wabi-Sabi

Wabi-Sabi ist nicht primär ein Einrichtungstrend, vielmehr eine Philosophie, die sich auch im Wohnbereich anwenden lässt.

Diese Grundsätze sind:

  • Die Besinnung auf das Wesentliche.
  • Das Sichhinwenden zur Natur und damit die Abkehr vom unbedachten Konsum.
  • Die Verwendung einfacher, lokaler Produkte und Naturmaterialien.
  • Das Wertschätzen und Pflegen altgedienter Gegenstände.
  • Und das Genießen der optischen Leere – also auch eine Tendenz zum Minimalismus.

Lese-Tipp: Lesen Sie hier mehr zum Minimalismus.

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