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Familientagebuch: Raus ins Leben

Der Weg in den Kindergarten aus fünf Perspektiven erzählt.

Home » Family » Familientagebuch: Raus ins Leben - 10.2016

Krabbelstube. Kindergarten. Der erste Schritt in den Ernst des Lebens. Aber das müssen die Kinder ja noch nicht wissen.

Marie, 5 Jahre – Tochter

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Das gibt’s doch nicht, Nico brüllt und brüllt und brüllt. Die Mama kommt doch eh bald wieder. Falls er jemals ihren Fuß loslässt. Also wirklich, so ein Baby, ich kann gar nicht hinschauen. Ich hab kein solches Theater gemacht, die Krabbelstube war super, von Anfang an. Ich habe das gleich durchschaut: Wer brav ist, bekommt eine Belohnung. Bei der Jause gibt es mehr von der Nachspeise und zu Hause Lob von der Mama. Kann mir nicht vorstellen, dass Nico was kriegt. Die anderen Kinder schauen schon. So peinlich. Und das soll mein Bruder sein. Zum Glück ist in einem Jahr alles vorbei. Dann komme ich endlich in die Volksschule und gehöre zu den Großen. Eigentlich weiß ich jetzt schon nicht mehr, was ich im Kindergarten soll. Ich kann die Zahlen bis 20, die sind babyisch. Meinen Namen kann ich schreiben, ohne Linienspiegel und ohne Fehler. Das wird der Nico nie hinkriegen, wenn er nur schreit. Bitte krieg dich ein, meine Freundin wartet schon in der Sonnen-Gruppe.

Nico, 2 Jahre – Sohn

k-familientagebuch-4-family-ab_2016-08MAMIIIIII! Mag nicht dableiben! Mag mit dir mit. Wenn ich ihren Fuß nicht loslasse, kann sie nicht gehen. Ich mag wieder nach Hause. Hab mir das alles ganz anders vorgestellt. Eine große Schwester daheim reicht mir, mit der ich teilen muss, dabei spielt die Marie nicht einmal mehr mit meinem Spielzeug. In der Krabbelgruppe spielt jeder mit meinem Spielzeug, schauen mich eh alle schon komisch an. Die Mama hat mir versprochen, dass es hier viel mehr Spielzeug gibt, als ich hab. Dass damit auch alle anderen spielen wollen, hat sie nicht gesagt. Marie sagt, wenn ich nicht gleich ruhig bin, krieg ich keine Nachspeise. Ganz toll, spielen kann ich hier nicht, weinen darf ich hier nicht. Blöder Ort. Und jetzt habe ich Hunger. Hmm, Jause, die schaut aber gut aus. Vielleicht schau ich mir das doch einen Tag an.

 

Renate, 32 Jahre – Mutter

k-familientagebuch-5-family-ab_2016-08Endlich. Endlich beruhigt er sich, mein Nico. Mein Kleiner. Aber was soll ich denn tun? Ich habe niemanden, der sich um ihn kümmert, wenn ich arbeite. Ein Jahr war ich jetzt daheim beim Nico, drei hätten es werden sollen. Zum Glück hab ich einen Mann, der mich unterstützt, wo er kann. Er ist wirklich ein guter Vater. Tut alles für die Familie. Und jetzt dieses Jobangebot. Das, was ich immer machen wollte. Wer kriegt schon so was nach der Karenz? Familie und Karriere, dass das so schwierig sein würde, hab ich mir nicht gedacht. Wenn ich die Marie nicht hätte! So lieb, wie sie versucht, Nico zu trösten. Ihr hat es ja von Anfang an hier gefallen. Und die Krabbelstube hat immer noch diese wunderbaren Betreuerinnen, Nico wird schon noch draufkommen, dass er es hier gut hat. Ah, endlich, er lässt los. Die erste Hürde ins Leben ist geschafft. Jetzt aber hopp, hopp, ich bin schon spät dran.

 

Birgit, 63 Jahre – Oma

k-familientagebuch-7-family-ab_2016-08Diese arme Mutter! Der Bub brüllt, als müsst er allein in die Wüste. Meine Güte, wenn ich zurückdenke. Wir waren fünf Geschwister und haben vorm Haus gespielt, kaum dass wir krabbeln konnten. Die Mutti war immer da. Hat gekocht, geputzt und uns vorgelesen. Die Älteren durften mit Vati die Kühe füttern und Traktor fahren. War eine schöne Kindheit. Meine Tochter will ja unbedingt arbeiten und ihren Max in fremde Hände geben. Als hätte ich keine. Ich hab schon genug getan für meinen Enkel, sagt sie. Blödsinn. Na ja, ein Jahr habe ich herausgeschlagen für mich und Max. Sonst hätte sie ihn schon mit zwei in die Krabbelstube gesteckt. Zum Glück gefällt’s ihm. Sonst hätte ich ihn gleich wieder mitgenommen.

 

Max, 3 Jahre – Enkel

k-familientagebuch-3-family-ab_2016-08Omi, mach dir keine Sorgen. Schau! Kinder! Spielzeug! Und die Kindergärtnerin ist auch lieb. Weiß gar nicht, was der kleine Brüller dort hat. Die Omi, wie sie schaut, als käm ich nie mehr nach Hause. Naja, so verwöhnt wie von ihr werde ich sicher nirgends. Hach, und ihr Apfelstrudel! Keiner macht ihn besser als sie. Wenn ich am Nachmittag heimkomme, krieg ich ein großes Stück, hat die Omi gesagt. Mit gaaaanz viel Vanillesoße. Als Belohnung, wenn ich heute brav bin. Ist ja nicht schwer, das Bravsein hier. Noch schöner wär’s, wenn die Omi auch dableiben würde. Aber die paar Stunden halte ich so auch aus. Werde mir die Ritterburg anschauen. Vielleicht nehme ich den Nico mit.

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