Menü öffnen

Wandelbares Belgrad

Alles im Fluss.

Home » Inspiration » Wandelbares Belgrad - 10.2018

Die serbische Hauptstadt ist in Bewegung. Aufbruchstimmung liegt in der Luft, ganze Viertel verändern sich und hinter abbröckelnden Mauern überraschen trendige Lokale.

Wenn in einer Stadt gewerkelt und gehämmert wird, wirkt das auf den ersten Blick nicht unbedingt einladend. Auch Staus und Verkehrschaos tragen nicht zum Urlaubsgefühl bei. Sozialistische Bauten und graue, abbröckelnde Wände ebenso wenig. Wer Belgrad besucht, darf sich davon jedoch nicht beirren lassen. Denn: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wie in Belgrad gerade gehobelt wird! Die serbische Hauptstadt ist im Umbruch. Aufbruchstimmung liegt in der Luft. Die beste Zeit, die Stadt mit ihren knapp 1,8 Millionen Einwohnern zu erkunden, ist jetzt. Denn schon in ein paar Jahren könnte sie kaum mehr wiederzuerkennen sein.

Wandelbare Stadt

Belgrad war schon immer eine Metropole im Wandel. Seit die Stadt von den Kelten gegründet und von den Römern, Osmanen und Habsburgern beherrscht wurde, verändert sie sich ständig. Transformation ist hier beinahe schon Alltag. Mehr als 40-mal wurde die serbische Hauptstadt in ihrer Geschichte zerstört und neu aufgebaut.

Für manch einen ist Belgrad von außen betrachtet eine graue, nicht gerade glanzvolle Stadt. Der erste Eindruck täuscht jedoch. Wer tiefer in das Stadtleben eindringt, der merkt: Überall ist Potenzial, hinter jeder Tür könnte etwas Unvermutetes für Überraschung sorgen. Neben halb zerfallenen Gebäuden stehen wunderschön restaurierte Jahrhundertwendehäuser, gleich daneben ragen auf Hochglanz geputzte Glasfassaden in den Himmel.

Belgrad ist eine Stadt, die sich in konstantem Wandel befindet. Davon noch unberührt geblieben ist die Altstadt.

Die schönen Seiten Belgrads lassen sich zum Beispiel beim Flanieren durch die Fußgängerzone Knez Mihailova ulica mit ihren stilvollen Altstadthäusern, Geschäften und Cafés genießen. Oder bei einem traditionellen serbischen Essen im mit Pflastersteinen ausgelegten Künstlerviertel Skadarlija. Das prunkvolle Belgrader Parlament oder der Dom des Heiligen Sava, eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt, sind ebenfalls eine Besichtigung wert.

Hotspot für Nachteulen

Viel stärker zeigt sich der wandelbare Geist der Stadt aber im Alltagsgeschehen, abseits der herausgeputzten Orte oder beim Gespräch mit Einheimischen. Diese wissen, wo gerade ein Concept-Store, eine trendige Eisdiele oder ein Hipster-Café eröffnet hat. Und im Untergrund war Belgrad sowieso schon immer lebendig.

Rucksackreisende und Abenteurer wissen das berüchtigte Belgrader Nachtleben schon lange zu schätzen. Die angesagtesten Lokale sind von außen oft nicht als solche auszumachen – schon gar nicht für Fremde. Durch Zufall oder Tipps von Einheimischen gelangt man in Clubs wie „Strogi Centar“. Die Bar ist in einem tristen, heruntergekommenen Stadthaus untergebracht. Mitten in einer verschachtelten Altbauwohnung steht ein moderner, bestens ausgerüsteter Tresen, lange rote Vorhänge und lokale Kunst zieren die Wände, eine Live-Band spielt Jazz vom Feinsten.

Kulinarische Revolution

Genauso überraschend wie das Nachtleben kann ein Restaurantbesuch sein. Man betritt ein unscheinbares, in die Jahre gekommenes Gebäude, in dem man eher ein Abrisshaus als ein Restaurant vermuten würde. Innen aber ist es elegant eingerichtet und mit Kerzen in sanftes Licht getaucht. Wie das „Radost House“, in dem vegetarische Burger, Tortillas, Salate und Aufstriche in Wohnzimmeratmosphäre serviert werden.

Dazu sollte man wissen, dass die serbische Küche traditionell als sehr fleischlastig gilt, parallel dazu bestand aber immer schon die Fastenküche der Orthodoxen. Im Moment ist in Belgrad eine kleine kulinarische Revolution spürbar – Vordenker setzen auf eine fleischlosere, regionale, neu interpretierte serbische Küche. So wie der junge Koch Vanja Puškar. In seinem Szenelokal „Iris“, untergebracht in einer puristischen Altbauwohnung, hat er erfolgreich die „New Balkan Cuisine“ ins Leben gerufen. Das Menü wechselt jeden Monat, es gibt jeweils eine Fleisch- und eine vegetarische Variante.

Die Küche Belgrads ist jung und modern. Das preisgekrönte Restaurant „Homa“ kredenzt Köstlichkeiten und hat sogar schon Rezepte für dmBio entwickelt.

Projekt der Superlative

Aber nicht nur in den Belgrader Küchen entsteht gerade Neues. Ganze Stadtteile erhalten nach und nach ein vollkommen anderes Erscheinungsbild – nicht immer zur Freude der Einheimischen. Der alternative Stadtteil Savamala, bislang für Szenelokale und Graffiti bekannt, soll aufgewertet und durch eine Fußgängerbrücke mit der Altstadt verbunden werden.

Ein Projekt der Superlative, das im Vorfeld mitunter für Gegenwind gesorgt hat, ist die „Belgrade Waterfront“. Während der kommenden ein bis zwei Jahrzehnte bauen Investoren aus Abu Dhabi am rechten Save-Ufer Promenaden, Luxusappartements, Bürokomplexe und Einkaufszentren. Bei so viel Transformation kann man schnell den Überblick verlieren. Das lässt sich aber leicht ändern. Vom begrünten Festungsberg Kalemegdan aus blickt man auf das beständige Herzstück der Stadt, dem all der Wandel nichts anhaben kann: Jene Stelle, an der die beiden Flüsse Donau und Save zusammenfließen und vereint in Richtung Osten aufbrechen.

„Tanzen bis zum Sonnenaufgang“ – Insider Predrag Petrović im Gespräch

BUCH TIPP Predrag Petrović

Predrag Petrović, Ressortleiter Einkauf & Marketing, zuständig für Logistik sowie Prokurist bei dm Serbien und Mazedonien, lebt in Belgrad und verrät im Interview Insider-Tipps und persönliche Lieblingsorte.

Herr Petrović, was gefällt Ihnen am Leben in Belgrad?
Die Stadt lebt von der Energie ihrer jungen Bevölkerung, den trendigen Stadtvierteln und dem pulsierenden Nachtleben. Inspiration findet man zum Beispiel beim Flanieren durch die hippen Künstlerviertel oder beim Blick auf die Mündung des Flusses Save in die Donau.

Haben Sie Einkaufstipps?
Meine Lieblings-Designmarke ist DechkoTzar, vor allem wegen der urbanen T-Shirts. Versteckt im Stadtzentrum liegt der Belgrade Design District, wo man coole Klamotten oder filigrane Schmuckstücke findet. Teilweise sind die Verkäufer auch gleich die Designer. Bemerkenswert ist auch der Supermarket Concept Store mit über 100 serbischen und internationalen Marken. Ein Tipp für die Shoppingpause: Die Kafeterija Magazin 1907 war einst das erste Warenhaus der Stadt und ist jetzt das größte Kaffeehaus am Balkan mit Café, Concept-Store und Barber-Shop in einem historischen Gebäude.

Wo kann man in Belgrad richtig gut essen?
Die lokale Küche ist vor allem deftig und fleischlastig, deshalb sollte man Gerichte wie „Pljeskavica“ und „Cevapcici“ nicht verpassen. In der Fußgängerzone Skadarlija kann man typisch serbische Küche in traditionsreichen Restaurants genießen. Aber Belgrad hat darüber hinaus eine tolle Auswahl an Restaurants, die auch neue internationale Konzepte und Fusion-Küche umsetzen. Bemerkenswert ist das Restaurant Homa , das 2017 von der Huffington Post zu einem der sieben „foodiest“ Restaurants in Osteuropa erklärt wurde.

Wo verbringen Sie einen Tag in der Natur?
Eine Besonderheit sind die mehr als 100 Flöße entlang der Flüsse Save und Donau. Dort kann man lesen, Freunde treffen, essen und plaudern. Nachts finden dort Partys statt. Mitten in Belgrad ist es also möglich, einen lebendigen und vielfältigen Tag am Fluss zu verbringen! Der populärste Natur-Hotspot ist aber Ada Ciganlija, ein vier Kilometer langer künstlicher See mit Stränden, Cafés, Sportplätzen und Restaurants.

Das Belgrader Nachtleben ist berühmt. Welche Viertel, Clubs oder Orte empfehlen Sie?
Das frühere Industrieviertel Savamala ist der kreative Hotspot mit alten Art-nouveau-Fassaden, bunter Street-Art und hippen Bars. Außerdem gibt es Clubs, in denen bis zum Sonnenaufgang getanzt wird! Die Uferpromenade Beton Hala ist voll mit vorzüglichen Restaurants und Clubs. Spätabends zieht es viele Belgrader in die vielen Nachtclubs, entweder auf Flößen oder alten Schiffen. Mein Tipp: Von Freitag bis Sonntag unbedingt reservieren!

Zusammenfassung der Ausflugstipps

Sightseeing:

  • Die schönste Seite von Belgrad sieht man beim Flanieren durch die Fußgängerzone Knez Mihailova ulica. Stilvolle Altstadthäuser reihen sich an interessante Geschäfte und einladende Cafés.
  • Das Künstlerviertel Skadarlija ist nicht nur wegen seiner Pflastersteine sehenswert. Dort kann man auch hervorragend traditionell serbisch speisen.
  • Unbedingt ansehen: das prunkvolle Belgrader Parlament. Das imposante Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance errichtet.
  • Beeindruckend: Der Dom des Heiligen Sava ist eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt.

Cafés & Essen:

  • Ein absolutes Muss: Die „Kafeterija Magazin 1907“ war einst das erste Warenhaus der Stadt und glänzt jetzt als das größte Kaffeehaus am Balkan.
  • In der Fußgängerzone Skadarlija kann man traditionelle serbische Küche mit Gerichten wie „Pljeskavica“ und „Cevapcici“ genießen.
  • Im „Radost House“ werden vegetarische Burger, Tortillas, Salate und Aufstriche in Wohnzimmeratmosphäre serviert.
  • Im Szenelokal „Iris“ serviert der junge Koch Vanja Puskar die „New Balkan Cuisine“. Die Menüs wechseln monatlich.
  • Das preisgekrönte Restaurant „Homa“ kredenzt Köstlichkeiten, die seufzerlösend sind.

Einkaufen:

  • Versteckt im Stadtzentrum liegt der „Belgrade Design District“. Oft sind die Verkäufer gleichzeitig die Designer. Es gibt coole Klamotten und filigrane Schmuckstücke.
  • Der „Supermarket Concept Store“ beeindruckt mit über 100 serbischen und internationalen Marken.

Ausgehen:

  • Die Bar „Strogi Centar“ ist zur Zeit eine der angesagtesten Bars im Belgrader Nachtleben. Lokale Kunst ziert die Wände und eine Live-Band sorgt mit Jazz vom Feinsten für Stimmung.
  • Das ehemalige Industrieviertel Savamala ist einen Besuch wert: Alte Art-nouveau-Fassaden, bunte Street-Art und hippe Bars reihen sich aneinander.
  • An der Uferpromenade Beton Hala finden Nachtschwärmer jede Menge Clubs zum Tanzen.
Nach Oben
OKMehr Information