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Auf Schlemmerreise im Friaul

Wein & Wonne.

Home » Inspiration » Auf Schlemmerreise im Friaul - 09.2017

Ob Radeln durchs Kanaltal, Wandern in den Weinbergen, Spaziergänge am Meer oder Erlebnistouren auf historischen Pfaden – im Friaul gibt es noch viel zu entdecken. Egal, welchen Weg man einschlägt, er wird immer zur Genussroute!

Wer das Friaul bereist, ist entweder bereits ein Genießer oder er wird es schnell. Dieser ebenso beschauliche wie eigenwillige Landstrich liegt nur ein paar Autostunden von Österreich entfernt und wird auf der Reise in den Süden gern links (oder rechts von der Autobahn) liegen gelassen. Doch die wahren Kenner fahren nach dem Kanaltal von der Autostrada ab und entdecken dabei eine der reizvollsten Gegenden Italiens.

Tipp: Ins Friaul kommt man auch umweltbewusst. Ab Wien, Linz, Salzburg, Leoben und Villach gibt es Direktzüge nach Udine, Pordenone und Conegliano.

Der Nordosten wirkt mancherorts ein bisschen verschlafen. Doch das stört nicht im Geringsten. Im Gegenteil, darin besteht der friulanische Charme. Slow Food und Entschleunigung stehen hier auf der Tagesordnung, inmitten einer Landschaft, die der Toskana ähnelt. Sanfte Weinhügel breiten sich wie Wellen in Richtung Adria aus. Obstbäume am Wegesrand verführen zum Naschen, während man durch die fruchtbaren Collio-Weinberge wandert oder die Landschaft auf dem Rad an sich vorüberziehen lässt. Mittelalterliche Städtchen und Castelli, sich wild schlängelnde Flüsse, malerische Kirchtürme und majestätische Villen, von Zypressen gesäumt – eine Augenweide!

Der Weinanbau dominiert das Landschaftsbild, vor allem im Collio, der weltweit für seine Weine berühmt ist. Im Norden beeindrucken die schroffen Bergrücken mit Alpenflair, Holzhütten und Wildbächen, während sich die Landschaft im Süden öffnet, vorbei an den weiten Feldern der Poebene oder über die eigenwilligen Felsformationen des Karsts in Richtung Meer.

Ein Ort zum Innehalten und Genießen

Kulinarisch ist das Friaul ein wahrer Glücksfall. Die Dichte an guten Trattorien, Osterien und Weinhandlungen ist verblüffend. Die friulanische Küche verrät den Einfluss der slawischen, mitteleuropäischen und venezianischen Kochkultur und ist grundsätzlich eher einfach und bodenständig. Die bekanntesten Gerichte sind Polenta con Salsicce, Jota (Bohneneintopf) oder Frico, eine Art Käsefladen, der in der Pfanne geröstet wird. Die typischen regionalen Produkte sind teilweise weltweit berühmt, wie der saftige San-Daniele-Schinken, der nordwestlich von Udine in dem gleichnamigen Ort erzeugt wird. Auch Sauris ist bekannt für seine Schweinefleischverarbeitung, besonders für den Pancetta, einen geräucherten und über viele Monate gereiften Bauchspeck.

Gut Ding braucht eben Weile, so auch der lang gereifte Montasiokäse, der im Friaul erzeugt wird. Bedächtiger Genuss ist auch der oberste Grundsatz der aus Italien stammenden Slow-Food-Bewegung, die auf regionale und biologische Produkte setzt. Hier im Friaul wird bedachtes, kunstvolles Essen besonders ernst genommen.

Der Collio bringt Spitzenweine hervor, die in der ganzen Welt geschätzt und getrunken werden. Ideale Begleiter für die teilweise üppigen Spezialitäten sind die autochtonen Rebsorten Refosco, Malvasia, Friulano und Ribolla Calla.

Die urbanen Perlen des Friaul

Als willkommene Abwechslung zu dem üppigen und nicht enden wollenden Grün der Collio-Hügel bietet sich ein Ausflug in die nahe gelegenen, malerischen Städtchen an. Das 7.000-Seelen-Dorf Cormons ist Zentrum der Collio-Winzer. Wer keine Zeit hat, sämtliche Winzer des Gegend abzuklappern, schaut einfach in der Enoteca Cormons vorbei. Hier gibt es die größte Weinauswahl des gesamten Collio. Dazu sollte man sich eine Antipasti-Platte gönnen, damit man möglichst viele Weine verkosten kann.

Das pittoreske Cividale, die ehemalige Langobarden-Hauptstadt, hat einiges an historischen Kunstschätzen zu bieten, allen voran die sagenumwobene Teufelsbrücke, die man überqueren muss, um auf den Hauptplatz zu gelangen. Die Stadt ist zwar klein und in kurzer Zeit auf schmalen Gässchen durchquert, aber ihr Charme zieht noch lange in seinen Bann.

Wer es quirliger und turbulenter mag, sollte Udine, der heimlichen Hauptstadt des Friaul, einen Besuch abstatten. Auf ihren großzügigen Plätzen wird in geselliger Runde Aperitif getrunken, gelacht und gestikuliert.

Die perfekte Kombination aus Entspannung und lebhaftem Treiben findet man allerdings in Grado. Die bezaubernde Altstadt wird stets von einer frischen Meeresbrise durchlüftet. Zugegeben, der Erholungsfaktor ist während der Hochsaison nicht ganz so groß, aber das Meeres­rauschen beruhigt dennoch.

Zu guter Letzt nach Triest. In dem ehemaligen Handelshafen der Donaumonarchie ist der Einfluss der österreichischen, kroatischen, ungarischen und slowenischen Küche spürbar. Die italienische Küche reicht hier von Apfelstrudel, Sauerkraut und Blutwurst über Sardellen und Fischgerichte bis hin zu Ricotta und Radicchio. Typisch für Triest sind die sogenannten Buffets, Imbissstuben, in denen man großzügig Hausmannskost serviert.

Auch kulturell hält die Hauptstadt einiges bereit, wie das Muggia Jazzfestival, das Trieste Filmfestival oder die berühmte Segelregatta Barcolana. Im Punta della Dogana, dem alten Zollhaus am Canal Grande, ist die moderne Kunstsammlung untergebracht, und die ehemalige Fischhalle direkt am Hafen wird seit Neuestem für künstlerische Projekte genützt.

Jetzt braucht man nur noch genug Zeit zum Genießen – und darf die richtige Abfahrt nicht verpassen!

BUCH TIPP Buchtipp: „Genießen in Friaul-Julisch Venetien“ von S. Trippolt-Maderbacher

Silvia Trippolt-Maderbacher hat für ihren Klassiker „Genießen in Friaul-Julisch Venetien“ wieder das Friaul erkundet. Auch die Neuauflage enthält Adressen für Osterien, Trattorien, Restaurants und Produzenten.

 

Ausflugstipps fürs Friaul

Spritztour ins Grüne
Mit einer knallgelben Vespa durch die grünen Hügel des Collio düsen. Den Roller gibt es bei über 30 Winzern zum Ausborgen.

Kunstvoll
In einem der bedeutendsten Baudenkmäler Friauls aus dem 17. Jahrhundert, der Villa Manin, ist heute eine international beachtete Kunstausstellung zu bestaunen. Hier finden auch Konzerte sowie das kulinarische Prachtfest „Sapori pro loco“ statt.

Lavendeldorf
Das liebliche Städtchen Venzone wurde bei dem großen Erdbeben 1976 komplett zerstört und Stein für Stein wieder aufgebaut. Hier findet man Boutiquen, die vor allem Seifen und Lavendelprodukte verkaufen.

Steinalt
Selbst für Banausen ist Aquileia ein beein­druckender Ort, der berühmt ist für den größten frühchristlichen Mosaik-Fußboden der Welt. Betreten verboten!

Gigantisch
Die Grotta Gigante ist die größte Schauhöhle der Welt. Perfekt bei 40 Grad im Schatten.

Erkunden
Eine Grazerin, die der Liebe wegen in Friaul-Julisch Venetien gelandet ist: Adelheid Posch. Sie verdient ihr Geld als Deutschlehrerin und Übersetzerin. Außerdem ist sie Sommeliere und hat sich auf natürliche und biodynamische Weine spezialisiert. Auf Anfrage bietet sie geführte Winzerbesuche in deutscher Sprache an.

 

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