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So bleibt die Sommerlaune

Durchgehend heiter.

Home » Leben » So bleibt die Sommerlaune - 07.2018

Im Sommer sieht man vieles positiver und kann Frust leichter über Bord werfen. Mit Achtsamkeit und ein paar Tricks gelingt es, diese Leichtigkeit das ganze Jahr über zu bewahren.

Wenn im August und September die Sonnenstrahlen an Intensität verlieren und am Abend ein frischer Wind um die Hausecken zieht, mischt sich zum Sommerfeeling ein bisschen Wehmut. „Der Sommer, der vergeht, ist wie ein Freund, der uns Lebewohl sagt“, beschrieb der französische Schriftsteller Victor Hugo diese Melancholie. Die vielen Sonnenstunden haben zu einer gesunden Portion Optimismus und Lebensfreude verholfen, die man auch im Verlauf des restlichen Jahres ziemlich gut gebrauchen könnte.

Die gute Nachricht: Wer weiß, wie das Gedächtnis funktioniert, und sich das zunutze macht, kann sich trotzdem ein Stück des Sommers im Herzen bewahren. Wie das geht? Ganz einfach: Genießen! „Lebenskünstler ist, wer seinen Sommer so erlebt, dass er ihm noch den Winter wärmt“, sagte schon der österreichische Schriftsteller Alfred Polgar.

Ein Sommer wie damals

In der persönlichen Wahrnehmung ist das Bild der Jahreszeiten oft von nostalgisch verklärten Kindheits- oder Jugenderinnerungen geprägt. Meist berühren sie mehrere Sinne gleichzeitig: Bilder, Gerüche, Geräusche oder Szenen, die wie im Film ablaufen, und dazu ein eigener Mix an Gefühlen, die man mit der Situation verbindet. All das lässt sich – gefühlt – in HD-Bildqualität abrufen.

Tatsächlich kann jedoch kaum ein Mensch in der Erinnerung reale Sachverhalte und Imagination sicher unterscheiden. Essenziell ist jedoch, dass das Lebensgefühl im Gedächtnis haften bleibt. Im Verlauf des Erwachsenenlebens tendiert man allerdings immer öfter dazu, Daten und Fakten statt Gefühlseindrücke abzuspeichern.

Warum ist das so? Während Ereignisse, an denen man selbst beteiligt war oder von denen man sich direkt betroffen fühlt, im sogenannten episodischen Gedächtnis in komprimierter Form abgespeichert werden, ist das semantische Gedächtnis für die Speicherung von Wissen zuständig. „Das episodische Gedächtnis sind Informationen, an die wir uns erinnern“, erklärt der kanadische Psychologe Endel Tulving, „das semantische Gedächtnis speichert Informationen, die wir wissen.“

Während Kinder und Jugendliche regelrecht hungrig nach Erlebnissen und Erfahrungen sind, ist es für den Erwachsenen meist profitabler, Dinge zu wissen. Im Job konzentriert man sich oft auf Faktenwissen, da verlernt man schnell, schöne Momente zu verinnerlichen.

Wie schmeckt der Sommer?

Um Inhalte aus dem episodischen Gedächtnis, also Erfahrungen und Erinnerungen, abrufen zu können, müssen sie aufbereitet werden. Spontan gelingt das besonders gut durch Assoziationen, also Sinneseindrücke, die man mit bestimmten Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen in Verbindung bringt. Neben der Möglichkeit, vorhandene Assoziationen aus dem episodischen Gedächtnis zu nutzen, um frühere Erlebnisse wachzurufen, kann man bewusst neue programmieren. Dazu ist jetzt im Spätsommer noch genügend Zeit.

Wichtig dabei ist, jeden Augenblick bewusst mit allen Sinnen und in all seinen Facetten wahrzunehmen. Gerüche, Geschmäcker, Bilder und Geräusche werden so zu Momentaufnahmen verknüpft. Um neue Assoziationen anzulegen, muss man alle Sinne schärfen und ganz im Moment leben: Wie schmeckt der Sommer? Wie riecht er, hört er sich an, fühlt er sich an? Wie das Eis, das es damals im Schwimmbad gab? Wie der Duft von frischem Heu, das auf der Wiese langsam trocknet? Wie das Zirpen der Grillen? Wie ein Tag am Strand, ein warmer Regen, ein schwingender Rock um die Knie oder eine abendliche Grillparty mit Freunden? Oder wie die Sternschnuppennacht damals im Schlafsack auf der Wiese vorm Haus der besten Freundin?

Wer sich häufig in dieser Disziplin übt, verfügt bald über ein großes Repertoire an Sommererinnerungen. Jeder einzelne Reiz innerhalb dieser Momente kann nun als Trigger für sommerliche Stimmung genutzt werden. Selbst dann, wenn vor der Haustüre tiefster Winter herrscht.

Was besonders war, bleibt länger haften

Ereignisse, die in ähnlicher Form öfter erlebt werden, verschmelzen im Gedächtnis mit der Zeit zu einem einheitlichen Schema. Dann sind sie nicht mehr einzeln abrufbar und werden mit geringerer Intensität erinnert. Ungewöhnliche Erlebnisse aber, die sich sehr von bereits Bekanntem unterscheiden, prägen sich wesentlich stärker ein. Außerdem teilt man Erlebnisse außerhalb der gewohnten Routinen viel häufiger anderen mit. So werden sie öfter abgerufen und bleiben lebendig.

Um das leichte Feeling möglichst lange frisch zu halten, lohnt es sich also, diesen Sommer noch viel Neues auszuprobieren. Zeit ist dafür noch genug. Wie wäre es mit einer Banana-Boat-Tour am See oder – für ganz Mutige – mit einem Bikini-Flashmob am Hauptplatz? Das Ungewöhnliche muss aber nicht immer etwas Ausgefallenes sein. Es reicht schon, das Frühstück mit der Familie unter den Baum im Garten zu verlegen, um später sagen zu können: „Weißt du noch, damals im Sommer, als wir …“

Achtsamkeit als Motor

Egal, wie voll ein Sommer an atemberaubenden Erlebnissen ist, egal, wie spannend er sich auf Facebook und Instagram präsentiert: Wer nur durch die Kamera seines Smartphones lebt, wird Fotos der eigenen Erlebnisse später so empfinden, als wären sie nur die Postkarten eines Freundes. Wer aber achtsam lebt, verinnerlicht alles Erlebte auf völlig andere Weise.

Achtsamkeit bedeutet, den Moment in seiner ganzen Dimension wahrzunehmen, die Aufmerksamkeit auszudehnen auf alles, was ist. Der buddhistische Mönch Chögyam Trungpa bezeichnete diesen Bewusstseinszustand in seinem Buch „Jenseits von Hoffnung und Furcht“ dementsprechend als Panorama-Bewusstheit. Die Kunst dabei ist, in jedem Moment völlig präsent zu sein, ohne gedanklich abzuschweifen oder an einzelnen Eindrücken haften zu bleiben.

Achtsamkeit ist eine nicht wertende Form der Aufmerksamkeit, die durch Neugier, Offenheit und Akzeptanz geprägt ist. Damit offenbart sich das Glück, wirklich im Moment zu leben. Jeder einzelne Augenblick wird so in seiner ganzen Intensität erlebbar, ganz egal, ob man gerade total happy ist und die Welt umarmen könnte oder von der Melancholie des Herbstes gedämpft wird.

Wer sich trotz allem schwer vom Sommer trennen kann, dem hilft es vielleicht, sich klarzumachen, dass gerade der Wechsel der Jahreszeiten ihren Reiz ausmacht. Dass wir also den Sommer deshalb so lieben, weil wir auch einen Winter kennen. Und dass, wenn der Sommer irgendwann vorbei ist, auch der Herbst seine sonnigen Tage hat.

Die Körperchemie im Sommer

  • Melatonin: Ein Plus an Sonnenstunden senkt die Konzentration des sogenannten „Schlafhormons“ im Blut – man fühlt sich wacher und fitter!
  • Serotonin: Das „Glückshormon“ wird bei stärkerer Lichteinstrahlung vermehrt ausge- schüttet. Es bewirkt Gelassenheit, innere Ruhe und Zufriedenheit und schwächt negative Emotionen ab.
  • Vitamin D3: Ist am Serotonin-Stoffwechsel maßgeblich beteiligt. Das Vitamin wird bei Sonnenbestrahlung in der Haut gebildet. Ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel kann zu depressiven Verstimmungen führen.

Gehmeditation als Achtsamkeitstraining

Bewusstes Gehen lässt den Moment wahrnehmen. Egal, wie hektisch Ihr Alltag ist, diese Übung lässt sich beinahe überall praktizieren. Laufen Sie, wenn möglich, barfuß. Richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf Ihren Körper und machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Atmen Sie in Ihre Mitte und versuchen Sie, einen wohltuenden Rhythmus von Gehen und Atmen zu finden. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie die Festigkeit und die Beständigkeit der Erde in sich aufnehmen.

Zusammenfassung

  • Achtsamkeit hilft: Erlebt man bewusst und mit allen Sinnen die schönen Momente des Sommers, dann kann man diese Gefühle auch in der kalten Jahreszeit abrufen und davon zehren.
  • Erwachsene speichern Daten und Fakten statt Gefühlseindrücke: Kindheitserinnerungen sind oft viel markanter als Erinnerungen aus dem Erwachsenenleben. Der Grund: Kinder speichern schöne Momente im episodischen Gedächtnis ab. Als Erwachsener speichert man Erlebtes in Daten und Fakten im semantischen Gedächtnis ab.
  • Sinne schärfen und im Moment leben: Um wieder Inhalte aus dem episodischen Gedächtnis abzurufen zu können, müssen Augenblicke bewusst mit allen Sinnen wahrgenommen werden.
  • Neues ausprobieren: Ungewöhnliche Erlebnisse bleiben besser in Erinnerung, da sie sich von bereits Bekanntem unterscheiden und so neu abgespeichert werden.
  • Achtsamkeit bedeutet, den Moment in seiner ganzen Dimension wahrzunehmen. Die Kunst dabei ist, völlig präsent zu sein, ohne abzuschweifen.

 Auf dieser Liste finden Sie unsere Must-Do’s für den Sommer zum Ausdrucken – Momente, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten!

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