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Für alle Felle: Sportlich mit Hund

Sport mit Hunden macht nicht nur fit, sondern macht auch mehr Spaß als alleine.

Home » Genuss » Für alle Felle: Sportlich mit Hund - 03.2017

Laufen läuft am besten, wenn jemand mitläuft. Wobei niemand sagt, dass der Jemand immer zwei Beine haben muss. Mit Sicherheit gibt es niemanden, der den Schweinehund so nachhaltig wegknurrt wie ein echter Hund.

Ein erster vorsichtiger Stupser von rechts. Ich reagiere nicht. Ein zweiter Stupser, schon ein bisschen heftiger. Ich seufze und muss innerlich lachen.

Tot stellen kann ich mich nun nicht mehr, meine Hündin Bonnie hat schon erkannt, dass ich weiß, was sie will. Hinaus. Und recht hat sie, ich will das nämlich eigentlich auch. Denn es entspricht so gar nicht meiner Natur, ewig und drei Tage auf dem Sessel zu kleben. Also nichts wie weg. Bonnie hat verstanden, dass ich verstanden habe. Die Arbeit muss warten, es gibt Wichtigeres, viel Wichtigeres. Vor allem, wenn es nach meinem Hund geht: rennen, jagen, blödeln, spielen, Denksportaufgaben lösen. Kurz gesagt: Hundesport.

Mariella Blümel, Hundetrainerin

„Eigentlich ist es egal, welchen Sport du mit deinem Hund betreibst, Hauptsache, es macht beiden Spaß.“

Zu zweit macht Sport einfach mehr Spaß

Man kann sich austoben, seiner Natur freien Lauf lassen, eine gute Bindung zu seinem Vierbeiner aufbauen und ganz nebenbei die eigene Kondition stärken.

„Eigentlich ist es egal, welchen Sport du mit deinem Hund betreibst, Hauptsache, es macht beiden Spaß“, sagt die Hundetrainerin Mariella Blümel. „Das Wichtigste ist, dass die Hunde nicht angereizt werden, sondern dass man mit ruhigem Fokus und Spaß bei der Sache ist.“ Ich halte kurz die Nase in den Wind und überlege, ob ich eine Radtour durch den Wald machen oder zu Fuß über Stock und Stein gehen will.

Ich entscheide mich fürs Quer-durch-den Wald-Gehen, denn für Bonnie ist mein Mountainbike ein kleines Ungeheuer, das merkwürdigerweise schneller ist als sie. Wie meinem Hund tut auch mir das Gehen und langsame Laufen abseits von Wegen gut. Meine Beine müssen das Auf und Ab des Untergrunds ausbalancieren, ich kann üben, mein Gleichgewicht zu halten, Muskelgruppen werden gestärkt, die sonst nicht so oft zum Zug kommen. Je tiefer es in den Wald abseits der Routen geht, desto aktiver wird mein Reptiliengehirn. Adrenalin kommt mit ins Spiel. Das spürt meine Hündin, sie wird wachsamer. Ich nutze die Energie, jage sie über Baumstümpfe, laufe Slalom zwischen Bäumen, balanciere mit ihr auf Baumstämmen, krieche durch Gestrüpp, durchquere unwegsames Gelände. Mein eigener Hindernisparcours, von Wind und Wetter und der Natur geprägt. Übungen aus dem Hundesport Agility – salopp übersetzt mit Hindernislauf – kann ich auch im Wald einbauen. Hindernisse gibt es hier genügend, sie liegen einem quasi zu Füßen.

5 Tipps, um mit Hundesport zu beginnen finden Sie hier.

Ich leite Bonnie mit der Hand an, über alles zu springen, was uns in die Quere kommt. Ein flottes Hopp dazu, und sie weiß, was ich will. Wenige Worte genügen, die Kommunikation erfolgt über die Körpersprache. Wozu Turnhallen, wenn es Wälder gibt?

Abseits vom Weg, und das ohne Leine – ein Förster darf mich jetzt nicht erwischen. Aber zu meinem Glück bleibt Bonnie in meiner Nähe oder kommt auf Pfiff gleich wieder zurück. Hat sie sich zu weit entfernt, verstecke ich mich hinter einem Baum und warte ab, ob sie mich findet. Sie hat leichtes Spiel, denn seit einem Jahr machen wir Mantrailing, ihre Nase arbeitet auf Hochtouren. Im Prinzip machen wir die Ausbildung wie professionelle Rettungshunde, die vermisste Personen aufspüren müssen.

Bei uns ist der Spaß das Ziel

Und die gute Teamarbeit. Das Ganze funktioniert so: Eine Person versteckt sich nach Anweisungen des Trainers. Dann darf der Hund an einem Stück Stoff schnüffeln, das nach der Person riecht, die wir suchen. Und los geht es. Der Hund nimmt die Spur auf, der Hundehalter führt seinen Hund an einer zehn Meter langen Leine und folgt ihm in ruhigem Tempo über Stock und Stein.

Während der Hund zwischen den tausenden Gerüchen, die ihm unterkommen, den einen herausfiltert, um den es geht, ist es meine Aufgabe, die Körpersprache des Hundes richtig zu interpretieren. Und zu erkennen, ob wir auf der richtigen Spur sind. So geht man konzentriert durch den Wald, über Wiesen, über Asphalt und Parkplätze.

„Hundesport sollte immer auch Denksport sein. Bewegung und Kopfarbeit ist die beste Auslastung für den Hund“, sagt Mariella Blümel, die selbst Mantrailing-Kurse hält und von dem Sport begeistert ist, weil es kaum etwas Artgerechteres für Hunde gibt. Auch ich komme meiner Art wieder näher, denn ich krieche durchs Unterholz, lege einige Kilometer in meist unberührter Natur zurück. Und kann – und das ist das Beste daran – mich nur mit einer einzigen Sache beschäftigen: der gemeinsamen Suche.

Da bleibt keine Zeit für andere Gedanken. Abgabetermine, Aufräumen, Anrufe oder sonstige Dinge, die den Kopf füllen, sind plötzlich weg. Was für ein seltenes Glücksgefühl. „Gelöst, entspannt, glücklich – so kommen die Menschen aus dem Wald zurück. Sind stolz auf ihre Hunde, lernen, sie besser zu verstehen, erarbeiten etwas gemeinsam. Das alles festigt und vertieft die Beziehung“, sagt Blümel. Und macht Spaß, vor allem, wenn man die versteckte Person durch gemeinsame Geschicklichkeit gefunden hat.

Mariella Blümel, Hundetrainerin

„Wichtig beim Zughundesport ist es, die Hunde nicht einfach losrennen zu lassen, sondern sie auf eine bestimmte Geschwindigkeit einzugrooven.“

Hunde-Sport

Carina, eine Trainerin von rettungshunde.at, erzählt mir vom Zughundesport. Den Sport kann man in unseren Breiten auch ohne Schlitten und ohne ein Rudel Huskys betreiben. Die erforderliche Ausrüstung ist minimal: ein dafür vor­gesehenes Zuggeschirr, eine Leine mit Rückdämpfer und, wenn möglich, ein spezieller Roller. Für den Anfang eignet sich auch das eigene Rad. Sofort bin ich Feuer und Flamme. Bonnie ist eine gute Läuferin, schnell und ausdauernd.

„Wichtig bei diesem Sport ist es, die Hunde nicht einfach losrennen zu lassen, sondern sie auf eine bestimmte Geschwindigkeit einzugrooven. Man kontrolliert das Tempo, achtet darauf, dass sich die Hunde in Trance traben. Durch dieses lange Traben über weite Strecken kommt der Hund in einen richtig feinen Flow. Und zwar egal, ob am Zuggeschirr oder neben dem Rad her“, erklärt Blümel. Eine beliebte Variante beim Zughundesport ist Skijöring. Dafür braucht es Schnee, Langlauferfahrung und einen Hund, der einen gerne durch verschneite Landschaften zieht.

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Ebenfalls ideal, um sich und seinen Hund körperlich und mental auszulasten, ist Canicross, also der Geländelauf mit Hund. Der Vierbeiner hat ein spezielles Zuggeschirr, ist mit dem Läufer hinter ihm per Leine verbunden und läuft mit ihm über Stock und Stein. Gute Kondition ist hier gefragt, denn Hunde sind schnelle Läufer. Der große Vorteil: Beim Canicross ist man flexibel, man kann immer und überall mit seinem Hund laufen, auch im Urlaub. Der Vierbeiner lernt auch hier, mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten. Eine starke Verbundenheit und viel Freude sind das Ergebnis.

Zurück am Schreibtisch geht nun alles viel leichter als vorher. Die Pause hat mir gutgetan. Die Konzentration ist wieder da, und die Freude am Arbeiten auch. Und Bonnie? Sie schläft eingerollt auf ihrem Hundekissen und beginnt zu träumen. Ihre Hinterbeine zucken, es sieht aus, als würde sie noch ein paar Runden laufen. Recht hat sie.

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Alle Informationen zum Sport mit Hunden im Überblick

Agility

Agility (englisch für Wendigkeit, Flinkheit) ist eine der beliebtesten Hundesportarten. Hier geht es um Schnelligkeit, Geschick und Kommunikation zwischen Hund und Herrchen bzw. Frauchen. Der Hindernisparcour hat es in sich: Tunnel, Slalom, Hürden, Reifen und einiges mehr müssen vom Hund-Mensch-Team gemeistert werden. Hier drei Videos zum Thema:

Agility – Championship Final | Crufts 2016

Agility: Fitness für Hunde

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Mantrailing

Immer der Nase nach heißt es bei dem Sport. Idealer Sport für Hunde, da er artgerecht ist und eine enge Beziehung zwischen Mensch und Hund ermöglicht.

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Canicross

Canicross ist ein Geländelauf, bei dem man mit seinem Hund über ein Geschirr und eine Zugleine verbunden bist. Wie das funktioniert – und was dabei zu beachten ist, erzählt der Canicrosser Markus Gerstl auf absoluthund.

Zughundesport

Ein guter Überblick über alle Möglichkeiten, die dieser Sport bietet, findet sich auf woofshack.

5 einfache Übungen für den Hundespaziergang

 

Fit für Mensch & Tier

  1. Neue Wege beschreiten: Das bringt nicht nur Abwechslung in den Spaziergang, sondern macht auch den Hund aktiver. Neue Spuren, Eindrücke und Gerüche fördern den Vierbeiner auf ganz natürliche Art und Weise.
  2. Leckerlis verstecken: In einem Laubhaufen oder auf einem unebenen Waldboden – verstecke Leckerlis fördern nicht nur den Spürsinn, sondern auch den Spaß.
  3. Balancieren oder kriechen: Baumstämme oder Parkbänke können für kleine Gleichgewichts- oder Beweglichkeitsübungen genutzt werden. Schafft es der Hund auf dem Baumstamm zu balancieren oder unter der Bank hindurchzukriechen, wird er natürlich mit einem Leckerli belohnt.
  4. Den Spürsinn fördern: Ein während des Spaziergangs aufgehobener Stein kann Minuten später zum gezielten Lerninstrument werden, indem der Hund ihn von anderen Steinen unterscheiden muss. Welcher „gehört“ dem Herrchen oder Frauchen?
  5. Such mich! Ein kleines Versteckspiel lässt sich in jeden Freilauf-Spaziergang einbauen. Einfach hinter einem Baum verschwinden und abwarten, ob der Vierbeiner die richtige Spur findet.
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