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Sprechstunde: Harninkontinenz beim Mann

Der Urologe Dr. Shahrokh F. Shariat erklärt.

Home » Leben » Sprechstunde: Harninkontinenz beim Mann - 05.2018

Urologe Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat über Harninkontinenz beim Mann, deren Ursachen und empfehlenswerte Therapien.

Welche Hauptursachen hat Inkontinenz beim Mann?
Harninkontinenz bei Männern entsteht, wenn die Signalsteuerung des Gehirns an die Blase nicht richtig funktioniert, die Schließmuskel der Blase nicht stark genug sind oder beides. Schäden an den Muskeln selbst oder an den Nerven, die sie steuern, können zu einer schlechten Schließmuskelfunktion führen. Die Ursachen können von einfach bis ziemlich komplex reichen. Harninkontinenz ist jedoch keine Krankheit für sich. Stattdessen ist sie das Symptom einer Erkrankung. Ein Arztbesuch ist dringend, falls der Harnverlust andauert oder wenn zusätzliche Beschwerden auftreten, wie Taubheit in der Gesäßregion, an den Beinen und Füßen, Fieber oder Schüttelfrost, Bauchschmerzen, Blut im Urin oder Brennen beim Wasserlassen.

Wie häufig tritt das Problem bei Männern auf?
Obwohl Harninkontinenz keine Frage des Alters ist, erhöht sich das Risiko eines Mannes mit den Lebensjahren, da sie häufig in Zusammenhang mit Prostataproblemen steht. Harninkontinenz tritt bei 11 bis 34 Prozent der Männer ab 65 Jahren auf. 2 bis 11 Prozent dieser Männer berichten, dass sie täglich Urin verlieren. Ein Gespräch mit einem Arzt ist der erste Schritt, um dieses behandelbare Problem zu beheben. Wobei sich viele Männer nach wie vor scheuen, solche Beschwerden konkret anzusprechen, oder eher lange warten, bis sie sich einem Arzt anvertrauen. Je früher man medizinische Hilfe in Anspruch nimmt, desto besser ist die Prognose. Inkontinenz kann in vielen Fällen geheilt oder zumindest spürbar gebessert werden.

Welche Therapiemöglichkeiten werden angeboten?
Die Behandlung hängt von der Art der Harninkontinenz ab. Als erste Option für die Dranginkontinenz gelten Verhaltens- und Lebensstiländerungen, Blasentraining, Beckenbodenübungen und Unterdrückung des Harndrangs. Zu den Lebensstiländerungen zählt beispielsweise, Blasenreizmittel wie koffeinhaltige und alkoholische Getränke zu reduzieren. Regelmäßige körperliche Betätigung sowie das Achten auf Normalgewicht können die Problematik ebenso verbessern. Sind diese Methoden nicht erfolgreich, können auch andere Wege vorgeschlagen werden. Dazu gehören eine medikamentöse Behandlung, elektrische Nervenstimulation sowie chirurgische Maßnahmen. Eine Operation kann eine Option für Männer sein, die eine anhaltende (chronische) Inkontinenz haben und unter schweren Symptomen leiden.

BUCH TIPP Antworten von

Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat
Leiter der Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Wien.

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