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Sprechstunde: Heißhungerattacken

5 Fragen. Und 5 Antworten von Dr. Ivana Molnár.

Home » Leben » Sprechstunde:Heißhungerattacken - 02.2016

Ernährungsmedizinerin Dr. Ivana Molnár beantwortet Fragen zum Thema Heißhunger.

Was steckt eigentlich hinter Heißhungeranfällen?

Bei niedrigem Blutzuckerspiegel und ersten Hungergefühlen haben wir instinktiv Appetit auf kohlenhydratreiche Lebensmittel. Die kann der Körper schnell verwerten, was für einen raschen Energieschub sorgt. Aber nach kurzer Zeit hat man wieder Hunger, weil der Blutzucker durch die Ausschüttung von Insulin rasch absinkt. Der Kreislauf beginnt von vorne. Ähnliches passiert, wenn man längere Zeit zu wenig Kalorien zu sich nimmt. Der Körper beschwert sich mit einer Heißhungerattacke. Der Organismus ist zudem auf Überleben programmiert: Gab es früher energiereiche, fette oder süße Nahrung, wurde davon viel gegessen. Solche Esserlebnisse werden nach wie vor als positiv abgespeichert.

Gibt es auch andere mögliche Ursachen?

Heißhunger kann auch ein Hinweis auf körperliche oder psychische Erkrankungen sein. Wenn Heißhunger und Essattacken regelmäßig auftreten, können Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes mellitus oder eine Störung der Schilddrüsenfunktion dahinterstecken. Mögliche Auslöser sind auch Essstörungen mit Fressattacken wie bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder bei der Binge-Eating-Störung. Dahinter verbergen sich Essattacken ohne weitere Maßnahmen zur Gewichtsreduktion. Zusätzlich können Faktoren wie Stress, Schlafmangel, Diäten, starke Emotionen, das prämenstruelle Syndrom (PMS), bestimmte Medikamente, Wurmbefall oder auch Migräne Heißhungerattacken auslösen. Wichtig ist, dass die wahre Ursache medizinisch abgeklärt und entsprechend behandelt wird.

Welche Lebensmittel fördern den Heißhunger?

Muffins Cupcakes Heißhunger

Falsche Freunde. Süßstoffe, Light-Produkte oder Limonaden treiben den Insulinspiegel schnell in die Höhe und fördern neue Heißhungerattacken.

Vor allem Zucker und Produkte, die Süßstoffe enthalten, treiben den Insulinspiegel schnell in die Höhe. Light-Produkte, Limonaden und zuckerhaltige Lebensmittel wie Ketchup, Fruchtjoghurts oder Fertiggerichte sollten eher die Ausnahme sein. Auch schnell verdauliche Kohlenhydrate wie Weißbrot, Frühstücksflocken und Nudeln liefern dem Körper Energie, führen aber schnell zu erneutem Hungergefühl. Länger satt machen Vollkornprodukte, selbst gemixte Desserts aus Früchten und fettarmem Joghurt, kleine Portionen Nüsse und eiweißreiche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Fleisch und Fisch.

Welche Tricks gibt es gegen Heißhunger?

Das Wichtigste ist eine regelmäßige und ausgewogene Ernährung. Man sollte zu hochwertigen Lebensmitteln greifen, die die Energiedepots des Körpers über einen längeren Zeitraum füllen. Hierzu zählen Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, usw.) und Fisch. Nach dem Schlaf braucht der Organismus zwar viel Energie, ein Frühstück besteht aber optimalerweise aus einem großen Anteil Eiweiß wie Eier, magerem Topfenaufstrich oder Schinken mit Vollkornbrot.

Weitere Tipps gegen Heißhunger: Genügend Zeit fürs Essen nehmen. Weiters sollte man so gut es geht Schlafmangel, Stress, aber auch Langeweile verhindern.

Am besten gewöhnt man sich süße oder salzige Belohnungen zwischen den Mahlzeiten oder beim Arbeiten und Fernsehen gar nicht erst an. Wer nicht auf Naschereien verzichten will, sollte die bevorzugt direkt nach der Hauptmahlzeit essen. Auch ein probates Mittel: regelmäßig und vor allem vor dem Essen langsam ein Glas Wasser trinken.

Gibt es gesunde Alternativen zum Naschen?

Gut geeignet als Notreserve für Heißhunger sind zum Beispiel ungesalzene Reis- und Maiswaffeln. Auch eine Hand voll Nüsse und Obst sind gesunde Snacks. Weiters gibt es zahlreiche Rezepte für Süßes ohne Zucker beziehungsweise mit vollwertigen Zutaten, die sich als gesunde Nascherei eignen.

BUCH TIPP Süßes ohne Zucker – Kuchen, Kekse, Torten und Desserts mit den besten Zuckeralternativen von Tanja Braune

Die Ernährungsexpertin und Publizistin Tanja Braune stellt die besten Zuckeralternativen in kurzen Porträts vor und zeigt, wie vielseitig – und unkompliziert – sie sich einsetzen lassen. Feine Rezepte für hundert verschiedene Desserts, Kekse, Kuchen und Weihnachtsbäckereien machen Lust auf eine gesunde süße Küche – auch wenn’s einmal wirklich schnell gehen muss.

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Antworten von

Dr. Ivana Molnár
Ärztin für Allgemeinmedizin und Ernährungsmedizinerin in Klosterneuburg

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