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Nachhaltige Nächstenliebe

Teilen. Leihen. Schenken. Das ist sinnvoll, nachhaltig, sozial. Und macht Spaß.

Home » Leben » Nachhaltigkeit » NachhaltigeNächstenliebe - 10.2015

Teil 1: Teilen statt kaufen – Angebot und Nachfrage

Früher hat man Dinge, die man nicht mehr brauchte, verkauft. Heute verschenkt man sie. Man hilft sich gegenseitig und knüpft ganz nebenbei neue Kontakte. Mit oder ohne Netz.

Sharing is Caring

Das Partykostüm ist fast perfekt. Nur ein Accessoire fehlt: Hosenträger. Wie ärgerlich. Aber Nicolás weiß sich zu helfen. In der Facebook-Gruppe von Shareandcare fragt er, ob jemand welche zu Hause hat und sie ihm leihen kann. Es meldet sich Jasmin, Studentin, ebenfalls aus Wien. Wie praktisch. Sie hat Hosenträger, braucht sie nicht mehr und leiht sie Nicolás nicht nur, sie schenkt sie ihm einfach. Und dazu noch sechs Weingläser. Wie nett.

Teilen und Kümmern

Plattformen wie Shareandcare sind keine Verkaufs- oder Tauschbörsen. Es geht nicht darum, zu enge Kleidung oder alte Wohnzimmerschränke gegen Geld loszuwerden. Ziel ist es auch nicht, Dinge gegen Leistungen zu tauschen. Oder umgekehrt. Das Prinzip lautet Nächstenliebe. Man spendet Besitz, Information oder Zeit, ohne etwas dafür zu erwarten. Wie andere soziale Plattformen spielt sich Shareandcare aktuell hauptsächlich auf Facebook ab. In den meisten großen Städten gibt es eine eigene Gruppe, in der Mitglieder Angebote abgeben und Gesuche stellen. Kann mir jemand von euch Krücken borgen? Suche Möbel für eine Freundin, die gerade hergezogen ist.

Leo Tolstoi, russischer Schriftsteller

„Das Gute, das du anderen tust, tust du immer auch dir selbst.“

Braucht jemand einen Außenstall für Kaninchen? Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Wer hier stöbert, bekommt das Gefühl, dass die Welt währenddessen ein bisschen heiler wird. Aber nicht immer. „Ich habe auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, zum Beispiel wenn Leute einfach nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen sind“, erzählt Mitglied Jasmin. Manchmal würden sich Nutzer regelrecht um beliebte Gegenstände streiten. „Andere hamstern so viel Zeug wie möglich, um es selbst weiterzuverkaufen.”

Teilen: Gruppe steht zusammen und teilt Essen und trinken

Zusammen arbeiten. Die Früchte schmecken besser, wenn man zusammengearbeitet hat, um sie zu bekommen.

Nachbarschaft 2.0

Soziale Gruppen wie Shareandcare haben vor allem dann einen Sinn, wenn sie auf eine Stadt oder ein Bundesland begrenzt sind. Alleine die Gruppe in Wien hat rund 38.000 Mitglieder. Es geht aber noch lokaler: Man fängt wieder an, mit den Nachbarn in Kontakt zu treten. Die Wiener Onlineplattform FragNebenan unterstützt das. Denn was am Dorf noch ganz gut funktionieren mag – wie jemanden zu finden, der die Blumen gießt, wenn man im Urlaub ist –, hat sich in der Stadt nie richtig etabliert. Angeblich kennt in Österreich nur jeder Zweite seine Nachbarn. Das Prinzip von FragNebenan ist einfach: Man trägt seine Adresse auf der Webseite ein und sieht, welche Menschen in der näheren Umgebung die Plattform noch verwenden.

Wer nebenan wohnt, erfährt man jetzt über das Internet

Dann borgt man Dinge her, tauscht Informationen aus oder trifft sich zum Sport. „Ich fand es seltsam, dass ich meine Nachbarn im Stiegenhaus zwar grüße, viele von ihnen draußen auf der Straße aber gar nicht als solche erkennen würde“, erzählt Stefan Theißbacher, einer der vier Gründer von FragNebenan. „Ich wollte das ändern und eine Möglichkeit schaffen, sich kennen­zulernen, Nachbarschaftshilfe zu organisieren und so irgendwann zu einer Gemeinschaft zu werden, in der man sich mehr zu sagen hat als Hallo.“

Teilen: Frauen lächeln sich an

Miteinander lachen.Tauschbörsen sind eine Bereicherung. Auch für den eigenen Freundeskreis.

Alles ist möglich

Zwei Drittel der Nutzer von FragNebenan sind Frauen, am öftesten werden Werkzeug, Küchengeräte oder Babybekleidung ausgeborgt oder getauscht. Empfehlungen – zum Beispiel für Ärzte, Handwerker oder Yogalehrer – sind ebenfalls beliebt. „Es werden auch oft Möbel verschenkt und viele Leute nutzen unsere Plattform, um in Gehweite nette Leute für den Sport oder gemeinsame Unternehmungen kennenzulernen“, sagt Theißbacher. Der Online-Service ist aktuell nur in Wien verfügbar, wo es schon 13.500 Mitglieder gibt (Stand: August 2015; pro Monat kommen bis zu 2.000 dazu). Künftig soll die Serviceplattform auf ganz Österreich ausgeweitet werden. „Wir wollen Anfang 2016 in den nächsten Städten starten, müssen aber zuerst die notwendige Finanzierung aufstellen. Man kann sich jetzt schon vormerken lassen und so dazu beitragen, dass die eigene Stadt bald eröffnet wird“, erklärt Theißbacher.

Nachbarn teilen eine Suppe, nachhaltig

Fair-Schenken Die Plattform FragNebenan fördert vor allem das gegenseitige Helfen in der direkten Umgebung.

Fair-Teiler

Seit einiger Zeit gibt es sogenannte Fair-Teiler. Das sind Kühlschränke, die an öffentlichen Orten stehen und 24 Stunden am Tag zugänglich sind. Jeder, der Lebensmittel übrig hat, zu viel gekocht hat oder vor dem Urlaub noch den eigenen Kühlschrank leeren muss, kann Joghurt, Gemüse und Co. hier abgeben. Das Internet macht die Sache leichter: Auf der Plattform von Foodsharing Österreich veröffentlichen Nutzer, wann und in welchem Fair-Teiler-Kühlschrank die Lebensmittel kostenlos abzuholen sind. Auch diese Idee fördert das Miteinander: Immer wieder treffen sich Bekannte und Unbekannte zum gemeinsamen Kochen. Sinnvolle Resteverwertung mit sozialem Aspekt.

Hier kann man tauschen, sich kennenlernen und Gutes tun

Share & Care

FragNebenan

Pumpipumpe

foodsharing

Noch mehr nachhaltige Nächstenliebe? Lesen Sie mehr zu dem Thema:

Teil 1: Teilen statt Kaufen – Angebot und Nachfrage
Teil 2: Nachhaltige Nächstenliebe ohne Internet

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