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Töpfern mit Leib und Seele

Der gute Ton.

Home » Inspiration » Töpfern mit Leib und Seele - 11.2018

Beim Töpfern wird man zur Langsamkeit gezwungen. Dabei erlernt man nicht nur ein Handwerk, man erfährt auch viel über sich selbst.

Wenn die Gedanken wieder einmal rasen, hilft manchmal nur eine Reduktion auf das Wesentliche: den Kopf ausschalten und die Hände machen lassen. Beim Töpfern lernt man genau das. Denn statt der Gedanken dreht sich hier höchstens die Töpferscheibe im Kreis – und deren Geschwindigkeit kann man selbst bestimmen.

Auf das Wesentliche fokussieren

Während man an der Töpferscheibe sitzt, ist man zu 100 Prozent bei der Sache. Genau dieses Fokussieren hilft dabei, die anderen Gedanken erst einmal zur Seite zu schieben. Alle Alltagssorgen, Belastungen und Unstimmigkeiten sind ausgeblendet. Endlich herrschen angenehme Klarheit und Ruhe im Kopf. Statt der To-do-Liste ist es plötzlich am wichtigsten, den Ton auf der Töpferscheibe zu behalten. Auch Barbara Wihann, Keramikerin in ihrem eigenen Atelier „Die Kunstwerkerei“, ist überzeugt, dass Töpfern deshalb eine so entspannende Wirkung haben kann. „Beim Arbeiten mit Ton liegt die Konzentration auf dem Material. Man widmet sich ganz seinen Vorstellungen, was daraus entstehen soll. Das Arbeiten mit den Fingern kann eine durchaus meditative Wirkung auf uns haben.“

Wer Lust hat, mit dem Töpfern zu beginnen, besucht am besten einen Kurs. Hier lernt man die grundlegenden Handgriffe und bekommt ein Gespür für das Material. Danach kann jeder entscheiden, ob er auf eigene Faust weitermacht oder bei Kursen noch tiefer in das Handwerk vordringen will.

Die Keramikerin Marianne Seiz bietet in der Kikera Kinder Keramikwerkstatt auch Kurse für kleine Töpfer an. Bei ihnen können sich die Erwachsenen auch einiges abschauen, zum Beispiel entspanntes Arbeiten, bei dem Fehler nicht weiter schlimm sind. „In den Kursen gibt es diejenigen, die das Töpfern durch das Spüren lernen, und diejenigen, die alles verstehen wollen. Die Spürer haben das Ganze meistens schneller heraußen“, sagt Seiz.

Töpfern ist Schaffenskraft im Einklang mit der Natur – Erfolgsgefühl inbegriffen.

Ton als Lehrmeister

Ton ist ein Material, das sich geradezu ideal für eine kleine Flucht aus dem Alltag eignet. Gerade am Anfang können einem immer wieder Fehler passieren. Die gehören dazu. Doch anders als bei vielen anderen Ausrutschern kann man bei Ton immer wieder neu beginnen. Solange er nicht gebrannt wurde, kann er mit ein bisschen Wasser zurück in seine Ursprungsform gebracht werden, selbst wenn er schon getrocknet war.

Auch mit dem um sich greifenden Perfektionismus lernt man beim Töpfern besser umzugehen. Wer mit Materialien wie Holz oder Metall arbeitet, kann das Endresultat exakt bestimmen. Ton jedoch verändert sich beim Brennen. Er kann sich verziehen, Glasuren können auf andere Stücke abdampfen und die Farben verändern, und er schrumpft sogar ein wenig. „Man muss sich darauf einlassen können, die Grenzen des Materials anzuerkennen und das anzunehmen, was einem der Ofen schenkt“, sagt Barbara Wihann. Wie auch im Leben geht es also darum, Ergebnisse zu akzeptieren, selbst wenn sie nicht exakt den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Sich in Geduld üben

Auch Achtsamkeit lernt man beim Töpfern. Man beschäftigt sich mit dem Material und was es kann, welche Möglichkeiten man damit hat und wie man es am besten handhabt. Dadurch geht man nicht nur mit dem Material achtsamer um, sondern auch mit sich selbst.

Beim Prozess des Töpferns treten auf diese Weise Charakterzüge zutage, die man von sich in ganz anderen Situationen kennt. Menschen, die in ihrem Alltag ungeduldig sind, merken, dass sie auch beim Töpfern eine kurze Zündschnur haben. Durch das sorgfältige Arbeiten mit dem Material Ton sind sie jedoch gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und mit diesem Fehler besser umzugehen. Denn erst, wenn sie ihre Ungeduld in den Griff bekommen haben, kann auf der Töpferscheibe etwas Schönes entstehen. Und dieser Lernerfolg lässt sich dann – hoffentlich – auch auf den Alltag übertragen.

Wer töpfern können will, muss lernen, zur Ruhe zu kommen und sich vom Material leiten zu lassen.

Pflegende Handmaske mit Avocado

Sind die Hände nach dem Töpfern spröde und rau, freuen sie sich über eine pflegende Handmaske. Diese lässt sich ohne viel Aufwand zuhause zubereiten und alles was man dafür braucht ist eine halbe Avocado, Olivenöl, Honig und Naturjoghurt.

Zubereitung:

Dazu die Avocado mit der Gabel zerdrücken und je einen Esslöffel Öl und Honig hinzugeben. Gegebenenfalls mit etwas Naturjoghurt aufrühren, damit die Handmaske geschmeidiger wird und anschließend die Hände damit einschmieren. Mindestens 15 Minuten einziehen lassen und anschließend mit lauwarmem Wasser wieder abnehmen. Wickelt man die Hände zusätzlich in Frischhaltefolie, wird die pflegende Wirkung der Maske noch verstärkt.

Tipp: Mit einer kleinen Menge Haferflocken wird aus der Maske ein Handpeeling.

Zu den Personen

BUCH TIPP Barbara Wihann

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Barbara Wihann mit dem Material Ton und den Möglichkeiten, daraus einzigartige Gefäße herzustellen. Nachdem sie technische Chemie studiert hatte, entschied sie sich, das Keramikhandwerk zu ihrem Beruf zu machen. Die „Kunstwerkerei“ umfasst heute nicht nur ihre Werkstatt, sondern auch einen Verkaufs- und Ausstellungsraum. Zu finden sind ihre Arbeiten auf keramik-wihann.at und kunstwerkerei.at.

BUCH TIPP Marianne Seiz

Marianne Seiz hält in ihrem Wiener Atelier wöchentlich Keramikkurse ab, in denen sie mit ihrem umfangreichen Wissen dabei hilft, die Vorstellungen der Kursteilnehmer in Ton umzusetzen. Besonderen Wert legt sie auf qualitativ hochwertige Keramik, die sich zum Gebrauch eignet. Alle Informationen zu ihren Arbeiten und den Kursen finden Sie auf seiz-keramik.at.

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