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So reisen Sie umweltschonend

Fair unterwegs.

Home » Inspiration » So reisen Sie umweltschonend - 10.2017

Unterwegssein hinterlässt immer Spuren. Je ressourcenschonender die Reise gestaltet werden kann, umso dankbarer sind Natur und Umwelt.

Uns steht die ganze Welt offen. Für immer weniger Geld haben wir immer mehr Möglichkeiten zu verreisen. Wir wollen intakte Natur, unverbaute Landschaften und authentische Alltagskultur genießen. Dabei vergessen wir oft, dass schon allein unser Unterwegssein jeden Ort, den wir besuchen, auch ein bisschen verändert. Manchmal ist es deshalb sinnvoll, die Perspektive zu wechseln und sich vielmehr zu fragen: Wohin sollen wir reisen? Was dürfen wir erleben? Wie können wir die Welt durch unsere Reise positiv beeinflussen – oder zumindest so belassen, wie sie ist?

Informieren

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2017 zum „Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ ernannt. Wer nachhaltig reist, gibt dem besuchten Land die Möglichkeit, sich nicht verbiegen zu müssen. Und die Umwelt bekommt die Chance, möglichst intakt zu bleiben. Das beginnt schon lange vor der Reise. Gerade bei exotischen, weniger bekannten Reisezielen sollte man sich vorab informieren, was der Tourismus den Einheimischen überhaupt bringt. Und ob er nicht mehr Schaden anrichtet, als er Nutzen stiftet.

Auch welchen Stellenwert die Erhaltung der Umwelt im Reiseland hat, steht im Idealfall auf der Checkliste. Unkontrollierter Bauboom oder verunreinigtes Meer sind schlechte Zeichen. Wer die Reise nicht selbst, sondern über einen Veranstalter bucht, kann vorab genau nachfragen – auch, um Bewusstsein zu schaffen: Gibt es Auskunft über Umweltschutzmaßnahmen? Besteht die Möglichkeit, sich mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen? Wird größtenteils mit lokalen Anbietern zusammengearbeitet? Trägt der Ver­anstalter ein Öko-Gütesiegel?

Ankommen

Die Überlegungen gehen weiter, wenn es um die Art des Transports geht. Wie weit weg wollen wir uns begeben? Muss es ein Transatlantikflug sein oder reicht die Fahrt mit dem Zug ins Nachbarland? Je näher das Urlaubsziel ist, desto geringer fällt der Energieverbrauch aus. Und: Die Reise mit Bus oder Bahn stößt verhältnismäßig weniger Schadstoffe aus als eine Autofahrt oder ein Flug. Laut WWF (World Wide Fund for Nature) Österreich machen Fernreisen mit dem Flugzeug zwar nur rund 6 Prozent aller Reisen aus; sie sind aber für 20 Prozent der Treibhausgasemission der Tourismusbranche verantwortlich. Deshalb gilt: Ist die Entfernung sehr hoch und beinahe nur mit dem Flugzeug überbrückbar, sollte die Urlaubsdauer in einem vernünftigen Verhältnis zur Entfernung stehen.

Der WWF empfiehlt: Flüge unter 700 Kilometern am besten vermeiden. Ab 700 Kilometern sollte die Reisedauer mindestens acht Tage betragen, ab 2.000 Kilometern mindestens zwei Wochen. Mittlerweile kann man die bei Flugreisen entstandenen CO2-Emissionen kompensieren. Das bedeutet, dass man freiwillig einen von der Entfernung abhängigen Beitrag zahlt, der in Klimaschutzprojekte investiert wird.

Lese-Tipp: Für eine entspannte Reise – So schalten Sie im Urlaub richtig ab.

Übernachten & Essen

Auch am Urlaubsort selbst kann man darauf achten, einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Manche Hotels und Gästehäuser tragen ein Umweltgütesiegel. Andere legen auch ohne diese Kennzeichnung Wert auf Materialien aus der Region, trocknen Bettwäsche in der Sonne, verwenden Regenwasser für die Toilettenspülungen oder verzichten auf das tägliche Wechseln der Handtücher. Nachhaltig zu übernachten kann auch heißen, in lokalen Gästehäusern zu schlafen, somit Land und Leute besser kennenzulernen und damit die Menschen vor Ort zu unterstützen.

Der Verzicht auf eine Klimaanlage im Zimmer hilft ebenso wie der bewusste Umgang mit Wasser. Ein Pool ist nicht notwendig, wenn am Strand geurlaubt wird. Authentische Küche genießt man am besten in lokalen Restaurants oder Straßenlokalen. Gleichzeitig kommt man der landestypischen Esskultur näher und nimmt jene Lebensmittel zu sich, die in der Region naturgemäß vorkommen und traditionell verwendet werden.

Erkunden & mitnehmen

Wer nachhaltig unterwegs sein will, entdeckt die Natur – aber er zerstört sie nicht. Geführte Wanderungen oder Tierbeobachtungen im Nationalpark: ja. Ausflüge mit dem Rad querfeldein oder Bootsfahrten durch Wasserschutzgebiete: nein. Dasselbe gilt für Sport und Action. Wenn die Angebote zu viel Wasser oder Energie verbrauchen, sollte man sich zweimal überlegen, ob man sie in Anspruch nimmt. Bestes Beispiel dafür sind Golfplätze in trockenen Gebieten. Der schön gepflegte Rasen verbraucht viel Wasser, das meistens an anderer, wichtigerer Stelle fehlt.

Auch beim Baden im Meer heißt es Rücksicht nehmen. Meeresschildkröten kommen zum Eierlegen immer an dieselben Plätze. Zu viel Lärm und Lichtverschmutzung stören ihr natürliches Habitat. Beim Kauf von Souvenirs ist ebenfalls Rücksichtnahme angebracht. Geschützte Muscheln, exotische Pflanzen, Schmuck aus schwarzen Korallen, Mitbringsel aus Elfenbein oder Walzähnen sowie Schnitzereien aus geschütztem Tropenholz gehören auf keinen Fall ins Gepäck.

Lebensqualität steigern, Fußabdruck verkleinern

Wie und wo wir uns bewegen, wirkt sich nicht nur auf unser eigenes Leben aus, sondern auch auf das jener Menschen, auf die wir in nahen und fernen Ländern treffen. Das erfordere laut WWF ein Umdenken auf allen Ebenen. „Die Natur ist längst nicht mehr unendliche Wildnis, die es zu erobern gilt, sondern steht uns in begrenztem Ausmaß zur Verfügung“, sagt Claudia Mohl, Pressesprecherin von WWF Österreich. Die Organisation plädiert für einen sorgsamen und fairen Umgang mit allem, was wir konsumieren. Denn: „Lebensqualität steigern und Fußabdruck senken ist kein Widerspruch.“ Und das gelte auch beim Reisen.

Nachhaltige Reiseziele

BUCH TIPP Valdidentro, Italien

Raue Berge, weiße Gletscher und alpine Fauna und Flora: Die italienische Gemeinde Valdidentro liegt im Nationalpark Stilfser Joch. Hier verbringt man seinen Urlaub auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Einige der Seitentäler sind sogar im Sommer für den Verkehr gesperrt, Wanderer kommen aber leicht mit einem Shuttlebus dorthin.


BUCH TIPP Naturpark Weissensee, Österreich

Er ist der höchstgelegene Badesee Österreichs und sein Wasser ist so sauber, dass man es trinken könnte: Am Kärntner Weissensee pflegen die Einheimischen seit jeher einen sanften Tourismus. Viele besitzen eine Pension, ein Gästehaus oder leben anderweitig vom Fremdenverkehr. Trotzdem versucht man, so gut wie möglich im Einklang mit der Natur zu wirtschaften. Deshalb entschied man sich schon vor Jahrzehnten gegen eine durchgehende Uferstraße, Motorboote sind auf dem See verboten, die Feuchtwiesen werden nicht gedüngt und Wildbaden ist ebenfalls nicht erlaubt. So gut wie alle Gästehäuser und Hotels haben aber ohnehin einen eigenen Seezugang. Wer mit dem Zug anreist, kann den Shuttle-Service nutzen.


BUCH TIPP Nationalpark Triglav & Bohinjer Tal, Slowenien

Das Bohinjer Tal besteht aus mehr als 20 Dörfern und liegt im Herzen der Julischen Alpen. Der Großteil davon gehört zum Nationalpark Triglav, Sloweniens einzigem Nationalpark. Unberührte Wälder, landschaftlich reizvolle Hochebenen, schroffe Gipfel und der glasklare Bohinj-See prägen das Bild. Die heimischen Touristiker wissen um die Zerbrechlichkeit dieses Naturwunders. Sie möchten die Gegend so unberührt wie möglich lassen und ihre Gäste für dieses hohe Gut sensibilisieren. Deshalb werden Veranstaltungen wie Wildtierbeobachtung oder Sterneschauen angeboten. Jeden Mai findet das Inter­nationale Wildblumenfestival statt.

Weitere Tipps

Fair fliegen

Biotreibstoff fürs Flugzeug ? Schön wär’s. Deshalb setzt sich die Organisation Atmosfair für aktiven Klimaschutz ein. Flugpassagiere können einen ­Klimaschutzbeitrag zahlen, mit dem ­Projekte wie Solaranlagen in Äthiopien oder Biogasanlagen in Kenia oder Nepal finanziert werden.

Sanfte Mobilität

Von den Dolomiten bis zum Königssee: Unter dem Begriff Alpine Pearls haben sich 25 umweltfreundliche Urlaubsorte in den Alpen zusammen­getan, um gemeinsam ihre Umgebung zu schützen. Im Mittelpunkt steht die sanfte Mobilität, also das Reisen ohne Auto, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Zusammenfassung: So funktioniert fair reisen

Informieren: Dorthin reisen, wo Tourismus nicht schadet bzw. sogar etwas für die Einheimischen bringt.
Transport: Fernreisen vermeiden und Bus oder Bahn anstatt Auto oder Flugzeug nutzen.
Ökologischer Fußabdruck: Kann vor Ort klein gehalten werden, indem man ein Hotel mit Umweltgütesiegel oder ein lokales Gasthaus wählt.
Naturschutz: Die Natur und ihre Bewohner im Urlaubsland respektieren und keinesfalls verschmutzen oder ausbeuten.

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