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Richtig abschalten im Urlaub

Freiraum unter Palmen.

Home » Leben » Richtig abschalten im Urlaub - 06.2017

Wer sich auf den Urlaub richtig vorbereitet, kann entspannen und den stressigen Alltag hinter sich lassen. Doch dazu bedarf es einiger Techniken, die man zuvor üben sollte. Hier verraten wir wie’s geht.

Unser Alltag ist meist prall gefüllt: Nach der Arbeit noch schnell etwas erledigen, dann zum Sporteln, und zu Hause ruft schon das Bett. Dem Partner geht es ähnlich. Für wahre Gespräche bleibt oft wenig Zeit – laut Statistik reden Paare gerade einmal zehn Minuten pro Tag miteinander, also ein paar Worte beim Frühstück und ein paar beim Abendessen.

Im Alltagstrott fällt das kaum mehr auf oder wird akzeptiert. Wenn im Urlaub aber endlich einmal mehr Zeit für Familie und Zweisamkeit da ist, wünschen wir uns tiefgründigen Gedankenaustausch und vertraute Nähe. Diese plötzlichen hohen Erwartungen sind verheerend, weiß die Innsbrucker Psychologin und Paartherapeutin Mag. Carmen Rella: „Wir erhoffen uns häufig zu viel von etwas, an dem wir bisher nicht gearbeitet haben. Eine Beziehung aufzubauen und zu erhalten ist ein anspruchsvoller Prozess.“

Für alle, die es eilig haben: Eine Zusammenfassung

  • Probleme schon vor dem Urlaub ansprechen: Konflikte frühzeitig – schon im Alltag – thematisieren und so eine Streitkultur entwickeln, die kleinen Auseinandersetzungen im Urlaub gewachsen ist.
  • Genug Zeit für sich allein einplanen: Wer sich selbst immer hinten anstellt, wird unzufrieden. Das gilt im Urlaub genauso wie im Alltag.
  • Im Job alles in Ruhe abschließen: Die letzten Arbeitsstunden vor dem Urlaub dafür reservieren, offene Punkte zu erledigen. So kann man im Urlaub in Ruhe, am besten ohne Smartphone, entspannen.
  • Sich Zeit lassen: Um abzuschalten und in Ruhe zum Urlaubsrhytmus zu finden – das muss nicht gleich am ersten Tag passieren.
  • Sich mit den individuelle Bedürfnissen auseinandersetzen: Vor dem Urlaub alle Mitreisenden zu Wort kommen lassen und den Urlaub danach ausrichten.
  • Finanzen vorher abklären: Das Urlaubsziel an die Finanzen anpassen, sodass vor Ort noch Spielraum ist, um schöne Dinge zu erleben.
  • Flexibel bleiben: Im Urlaub muss nicht alles nach Plan laufen. Die dritte Kugel Eis ist genauso erlaubt wie Ausschlafen.

Versöhnungskultur aufbauen

Um in den Ferien zu entspannen, sollten wir schon vorab aktiv werden. „Wir müssen unsere Sorgen und Probleme nicht bis zum Urlaub hinunterschlucken, um sie dann, wenn einmal Zeit dafür ist, eskalieren zu lassen“, sagt Rella. „Sie sollten immer wieder einzeln besprochen werden.“

Dadurch entstehe allmählich eine Streit- und Versöhnungskultur, die auch vor kleinen Konflikten im Urlaub nicht zurückscheut, sondern diese gut bewältigen kann. „Viele, die zu mir in die Paartherapie kommen, haben das verabsäumt und sind überrascht, wenn sie erfahren, welche Gefühle im anderen schlummern“, sagt die Psychologin.

Sie empfiehlt, öfter zu zweit etwas zu unternehmen und die Gesprächskultur zu verfeinern, Ich-Botschaften zu formulieren, anstatt den Zeigefinger auf den Partner zu richten. Stellen Sie sich vor, jemand beklagt, er fühle sich vernachlässigt und allein gelassen. Das ruft doch mehr Empathie hervor als der harsche Vorwurf: „Du gehst ja ständig aus und bist nie zu Hause!“

Lernen durch Kommunikation

Wer beginnt, ehrlich mit seinem Partner zu kommunizieren, wird obendrein überrascht sein, wie viel er über die eigenen Bedürfnisse lernt – und sollte nicht warten, diese zu befriedigen. „Sich selbst immer hintanzustellen macht unzufrieden“, warnt Carmen Rella. „Außerdem fällt es dann schwerer, dem Partner etwas zu gönnen, zum Beispiel ein Bier mit den neuen Urlaubsbekanntschaften, während man selbst die Kinder ins Bett bringt. Schnell entsteht ein Teufelskreis aus Eifersucht.“

Ihr Tipp: Im Alltag wie in den Ferien ausreichend Zeit für sich selbst schöpfen. Oft hilft es schon, sich bewusst eine kinderfreie Lesestunde oder eine Massage zu gönnen. Das schafft Harmonie, stärkt die Beziehung und legt die Basis für einen konfliktfreien Urlaub. Aber: Ohne Streit auszukommen bedeutet (leider) nicht zwangsläufig, zu entspannen.

Und immer lauert das Smartphone

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Es schlummert noch etwas in fast jedem Reisekoffer: das Smartphone und damit die Verbindung zu Arbeit und Verpflichtungen. Dieses abzuschalten ist für ein Viertel der Österreicher unmöglich. Ebenso viele geben übrigens an, sich im Urlaub nicht erholen zu können. Vielleicht hilft es ja, zumindest phasenweise auf das kleine lästige Ding zu verzichten.

Leichter fällt das auf alle Fälle jenen, die vor der Abreise beruflich alles abgeklärt und sich mit der Vertretung abgesprochen haben. Am besten die letzten Arbeitsstunden vor dem Urlaubsantritt dafür reservieren, um alles in Ruhe abzuschließen.

Schweifen die Gedanken beim Sonnenbaden am italienischen Strand oder im Propellerflieger im australischen Outback trotz allem zur Arbeit ab, sollten wir aber nicht zu streng mit uns sein. Denn das ruft erst recht Stress hervor. Dass es anfangs schwerfällt, aus dem gewohnten Alltag auszubrechen und loszulassen, ist ganz natürlich. Genauso wie sich Familien erst auf die neue Urlaubsumgebung einlassen müssen.

Vielleicht möchte Papa, der sonst morgens zur Arbeit geht, diesmal Frühstück machen? Geduld ist gefragt, bis der neue Rhythmus gefunden ist. „Das kann schon ein paar Tage dauern. Man darf dabei auch mal streiten und sich dann zusammensetzen, um Lösungen zu finden“, rät Rella. „Wichtig ist jedoch, nicht sehnsüchtig die anderen Paare oder Familien zu beobachten, die so liebevoll miteinander umgehen. Es geht nämlich allen gleich. Jeder hat Probleme, die von außen nicht immer sichtbar sind. Deshalb sollten wir uns um die eigenen Bedürfnisse kümmern.“

Vorab besprechen und planen

Besprochen werden die individuellen Wünsche am besten vorab mit allen Mitreisenden. Kein Handyempfang am norwegischen See mag für die Eltern zwar idyllisch klingen, für die jugendliche Tochter ist das jedoch ein Horrorszenario. Eine Woche in Neu-Delhi verspricht Abenteuer, mit zwei Kindergartenknirpsen muss man vermutlich mit Quängelei rechnen.

„Ein Interesse an den einzelnen Bedürfnissen ist ganz wichtig“, weiß Expertin Rella. „Außerdem sollte das Programm nicht zu dicht sein. Wir sind in unserer Leistungsgesellschaft gewohnt, möglichst viel einzuplanen und zu erreichen. Aber seien wir ehrlich: Muss wirklich jeder Winkel der Insel erkundet und abfotografiert werden? Vielleicht ist ein scheinbar unproduktiver Nachmittag am Strand doch viel entspannender.“

Auch die finanzielle Planung sollte nicht zu kurz kommen: Je mehr Geld ausgegeben wird, desto höher sind die Erwartungen. Wer sich nicht ans Limit drängen lässt, kann sich spontane Tagesausflüge oder ein Essen im köstlichen Fischrestaurant leisten.

Wenn bei der Planung alle ehrlich sind, wird auch schnell klar, dass ständige Nähe bedrängen kann. Ob in der Stadt, am Strand oder beim Campen, es sollten Freiräume geschaffen werden – zum Beispiel in Form einer größeren Ferienwohnung mit Eltern- und Kinderschlafzimmer. „Das macht sich bezahlt“, sagt Carmen Rella. „Darüber hinaus muss klar sein, wie viel Nähe zwischen den Partnern erwünscht ist. Will einer alleine joggen gehen? Oder der andere beim Romanlesen partout nicht gestört werden? Diese Freiheiten darf man sich gönnen, anstatt dafür verurteilt zu werden.“

Genauso wie ein paar Ausnahmen. „Vielleicht darf es im Urlaub auch mal eine dritte Kugel Eis sein“, schlägt Rella vor. „Man sollte flexibel sein, Änderungen zulassen und lernen, loszulassen.“ Dann steht dem entspannten Urlaub nichts mehr im Wege.

Checkliste: Entspannt in den Urlaub

 

Urlaubs-Tipps

  • Vorab planen. Die ganze Familie versammeln und los geht’s: Wünsche und Kompromisse ehrlich besprechen.
  • Freiraum für jeden. Romantischer Paarurlaub ist wichtig, aber bitte nicht übertreiben – so viel Nähe sind viele von uns ja gar nicht gewohnt! Jeder Partner sollte zwischendurch Platz für sich haben.
  • Erwartungen runterschrauben. Niemand ist perfekt und wird es auch im Urlaub nicht sein. Wer seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzt, wird positiv überrascht werden.
  • Verpflichtungen abschließen. Weder zu erledigende Aufträge noch die Hausaufgaben der Kinder in den Urlaub mitnehmen. All das lässt die Gedanken abschweifen.
  • Nicht bis zur letzten Minute arbeiten. Besser schon den Nachmittag vor der Abreise freinehmen und für Vorbereitungen einplanen.
  • Technik ade. Notebook und iPad zu Hause lassen. So können Sie voll und ganz am Urlaubsort ankommen. Auf das Smartphone zumindest tagsüber oder während der gemeinsamen Mahlzeiten verzichten.
  • Streit erlauben. Auch im Urlaub darf gestritten werden. Wer vorab schon eine Streitkultur aufgebaut hat, kann damit gut umgehen.
  • Vergleiche stoppen. Anstatt sich mit anderen zu matchen, sollte der Fokus auf den eigenen Bedürfnissen liegen.
  • Geld einteilen. Je teurer, desto höher sind die Erwartungen. Deshalb nicht zu eng kalkulieren, sodass auch spontane Tagesausflüge leistbar bleiben.
  • Ausnahmen machen. Loslassen und sich auch mal etwas gönnen.
  • Heute leben, morgen urlauben. Die Sorgen und Probleme im Alltag besprechen, anstatt sie für den Urlaub aufzuheben. Dann steht dem sorgenfreien, entspannten Urlaub nichts mehr im Wege!

Weitere Tipps zum Abschalten im Urlaub gibt’s im dm online Shop.

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