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Wir gegen den Rest der Welt

Alles über kindliche Freundschaften.

Home » Family » Wir gegen den Rest der Welt - 10.2016

Beziehungen unter Kindern können so einfach sein. Und doch so kompliziert. Jedenfalls für die Eltern.

„Die Mama hat gemeint, dass ein guter Freund das Beste ist, was es gibt. Super, ich hab nämlich immer wieder neue gute Freunde.“

Simon will nicht mehr sein Freund sein. Moritz tobt. Und Mama sucht verzweifelt nach einer Lösung. Aber während sie noch grübelt, hat sich das Blatt auch schon wieder gewendet. Felix ist jetzt der beste Kumpel. Und es dauert nicht lange, dann ist auch Simon wieder des Filius‘ Freund. Kinder und ihre Freundschaftsbeziehungen stellen Erwachsene oft vor ein Rätsel. Weil sie – gerade in jungem Alter – oft sprunghaft sind. Und manchmal nicht ganz nachvollziehbar. So ganz anders als erwachsene Beziehungen. Und dabei so wichtig. Wer mit mir spielt, ist mein Freund, lautet das Konzept der Kleinsten. Für Eltern ist das oft unverständlich, haben sie doch ganz andere Richtlinien für das Prinzip Freundschaft. Für den Nachwuchs vor und im Kindergarten ist aber schon alleine das Spielen, und sei es nur nebeneinander, eine riesige Herausforderung, stellt Nora Imlau im Buch „Freundschaft“ fest: „Die Gefühle anderer wahrnehmen und spiegeln zu können, ist die Grundvoraussetzung jeder Freundschaft, auch im Erwachsenenalter.“ Um später enge Bindungen eingehen zu können, ist es wichtig, sich in andere hineinversetzen zu können und auch zu lernen, wie man die Bedürfnisse der anderen mit seinen eigenen in Einklang bringt. Uneinigkeiten darüber, wer die gelbe Schaufel benutzen darf, sind also viel mehr als ein Sandkistenstreit. Sie sind ein Lernprozess, in dem Kinder die Fähigkeit entwickeln, einfache Regeln aufzustellen und Konflikte zu lösen. Regeln, die wichtig sind für soziale Kontakte.

Miteinander spielen

Richtig rund geht es dann im Kindergarten. „Drei- bis Sechsjährige sind dazu in der Lage, sich ohne die Hilfe von Erwachsenen auszutauschen“, -erklärt Imlau, Fachautorin für Familienthemen, „das macht es erheblich einfacher, miteinander zu spielen.“ Rund um den dritten Geburtstag erwerben Kinder die Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer zu sehen und Rücksicht zu nehmen. Rollenspiele ersetzen das Imitieren und das Nebeneinanderspielen, die Kommunikation wird wichtiger, das moralische Empfinden gewinnt an Bedeutung. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass Kinder spätestens ab dem dritten Geburtstag vermehrt auf andere treffen, sei es im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder bei Freunden. Ob diese anderen nun gleichaltrig sind oder dasselbe Geschlecht haben, ist dabei völlig nebensächlich. Letzteres spielt erst ab dem fünften Lebensjahr eine Rolle, wenn Kinder beginnen, sich mit ihrer eigenen Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen. Dann kann es wichtig werden, Mädels und Burschen genug Raum für Austausch außerhalb der Schule zu schaffen, wo sie nicht als Liebespaar gehänselt werden.

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Gemeinsam gegeneinander

Du gehörst nicht zu uns, ruft Tim. Nicht dass er Maja nicht leiden könnte, aber Mitglied der Bande kann nur sein, wer auch im Fußballclub aktiv dabei ist. „Teil einer Gruppe zu sein ist für Kinder ein wichtiger Teil ihrer Identität“, sagt Imlau, besonders im Schulalter. Das bedeutet aber auch, dass es Kinder geben muss, die nicht dazugehören, denn nur so ist die Clique eine besondere. Erwachsene haben mit dieser Abgrenzung oft ein Problem, schließlich wollen sie nicht, dass ein Kind – schon gar nicht ihr eigenes – ausgeschlossen wird. Doch Gruppenzusammenhalt hält den Rücken frei und verbindet. Dabei sind Kinder sehr kreativ: Gemeinsam entwickelte Rituale, Spitznamen und Geheim(ab)sprachen stärken die Bande. Während Burschen oft dazu neigen, mehrere enge Freunde zu haben, sehnen sich viele Mädchen nach einer besten Freundin, mit der sie vor allem gut reden können. „Nun müssen Freunde nämlich nicht mehr nur nett sein und gut spielen, sondern auch ein Geheimnis bewahren können“, erklärt Imlau. Für Eltern ist es wichtig, diese zu respektieren – das gilt für die beste Freundin ebenso wie für Gruppenzusammenschlüsse. Konflikte gehören hierbei mit dazu, sie bieten wertvolle Entwicklungschancen. Denn nur so lernt der Nachwuchs, selbst friedliche Lösungen für Probleme zu finden. Es gibt aber eine Ausnahme. Und zwar, wenn Kinder beim Zusammensein mit anderen leiden und auf den Schutz von Erwachsenen angewiesen sind – dann ist ein Eingreifen seitens der Eltern selbstverständlich unumgänglich.

Füreinander da sein 

Lebenslange Freundschaften – das wünschen sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern für ihren Nachwuchs. Die beste Chance auf Freundschaften, die lange halten, haben Kinder, wenn sich die Eltern ebenfalls gut verstehen und dementsprechend häufig sehen. Ist das nicht der Fall, können Erwachsene aber darauf achten, dass die Kids einander immer wieder auch außerhalb der Schule oder des Kindergartens treffen können. In diesem geschützten Rahmen können sie nicht nur ihre Freundschaft festigen, sondern haben auch die Chance auf freies Spielen. Das fördert die Kreativität und bietet die Möglichkeit, aktiv mit anderen in Kontakt zutreten und neue Freunde zu finden. Und es gibt den Kindern zudem Zeit und Raum, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen.

Zueinander finden

Während Max eine ganze Gruppe Gleichgesinnter um sich scharrt, steht Lilli verlegen in der Ecke. Nicht jedes Kind traut sich, auf andere zuzugehen. „So verschieden Kinder sind, so unterschiedlich sind auch ihre Bedürfnisse in Sachen Freundschaft“, erklärt Imlau. Findet ein Kind keine Freunde, dann versucht man zuerst einmal herauszufinden, welche Vorstellungen und Wünsche es diesbezüglich hat. Um es dann entsprechend zu unterstützen. Indem man Freunde einlädt, ohne den Nachwuchs zu überfordern. Auf Spielplätze geht. Mit dem Kind spricht. Und seinen Lieben von klein auf klarmacht: Du bist gut so, wie du bist. Und du bist es wert, Freunde zu haben und geliebt zu werden.

Buchtipps für Kinder

BUCH TIPP Buchtipp: „Die schönsten Freundschaftsgeschichten zum ersten Selberlesen“, Loewe

Speziell für Erstleser sind die Geschichten rund um das Thema Freundschaft, Streit und Versöhnung. Die Erzählungen sind sehr hübsch bebildert und der Text ist in großer Fibelschrift.

BUCH TIPP Buchtipp: „Nur wir alle“ von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer, minimax (Beltz & Gelberg)

Hirsch, Maus und Fisch hätten gut alleine bleiben können. Doch dabei hätten sie allerhand Aufregendes versäumt. Ein entzückendes Buch darüber, warum es sich lohnt, sich auf andere einzulassen.

BUCH TIPP Buchtipp: „Freundschaft“ von Nora Imlau, Beltz 

Dass Freunde wichtig sind für Kinder, bezweifelt niemand. Wie Freundschaften entstehen, was sie für die Entwicklung des Nachwuchses bedeuten und wie Eltern sie fördern können, verrät dieser Ratgeber. Zudem widmet er sich auch den Themen „Freunde finden“ in allen Facetten und „Mobbing“.

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