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Wo die Farben wohnen

Welche Farben haben welche Wirkung an den Wänden?

Home » Inspiration » Wo die Farbenwohnen - 09.2016

Kennt man sich aus mit der Psychologie der Farben, fühlt man sich überall daheim. Derzeit ist alles bunt.

Man stelle sich einmal eine graue Welt vor. Mit grauen Wiesen, grauen Wäldern und einem grauen Himmel. Mit grauen Stränden an einem grauen Meer. Mit grauen Blumen, grauen Vögeln und einem grauen Regenbogen. Mit grau gekleideten Kindern, die mit grauem Spielzeug spielen. Mit grauen Seifenblasen, grauem Essen, grauer Kleidung. Und mit grauen Wohnungen, in denen der Alltag nur eine Farbe hat: Grau. Jetzt springen wir aus dem Schwarz-Weiß-Fernseher zurück in die Realität. In der die Welt bunt ist. Und in der jeder auch in den eigenen vier Wänden die Möglichkeit hat, leuchtendes Rot und strahlendes Gelb, sanftes Grün und sattes Orange in sein Leben zu bringen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass man beim Einrichten zumeist die Farben in sein Zuhause trägt, die man auch draußen wahrnimmt. Und die schon allein deshalb gewisse Stimmungen erzeugen: Sonnengelb macht gute Laune, weil es uns an schöne Sommertage erinnert. Rot weckt Assoziationen mit Feuer und signalisiert in der Natur oft Gefahr – dadurch wird der Adrenalinspiegel in die Höhe gepusht.

Tipp: Verschiedene Farben haben unterschiedliche Wirkung auf die Psyche. Grün beruhigt sie zum Beispiel.

Blau kennt man als die Farbe des Wassers. Großflächig in Zimmern eingesetzt sorgt es für einen kühlen Kopf – aber auch für das Gefühl, sich in einem ebenso kühlen Raum aufzuhalten. Die Frucht- und Blütenfarbe Orange hingegen schafft Wärme, wirkt motivierend und regt den Appetit an. Deshalb sollten Menschen mit Gewichtsproblemen diese Farbe in der Küche eher sparsam verwenden. Ideal ist hingegen eine orangefarbene Wand im Homeoffice: Sie macht Mut und erhöht die Leistungsfähigkeit.
Generell gilt: Wer Farben im Wohn- und Arbeitsbereich optimal nutzen möchte, setzt sie planvoll ein. Denn fast jeder Farbton kann eine positive Wirkung entfalten, aber kaum einer ist für jede Zone geeignet.

Raum-Lehre

Nicht nur auf unsere Psyche wirken sich Farben im Raum aus, auch die Raumwirkung beeinflussen sie.

Schmale Räume: Eine dunkle Stirnwand in Kombination mit hellen, kühlen Seitenwänden verleiht schmalen Räumen zusätzliche Breite.
Lange Räume: In langen, schmalen Räumen wählt man für die Seitenwände am besten einen warmen, dunklen Farbton. Streicht man dann noch die Stirnwände hell gleicht das den Raum zusätzlich aus.
Niedrige Räume: Bei niedrigen Räumen sollte man auch helle Deckenfarben zurückgreifen (z.B. ein fröhliches Hellgelb). Die Wirkung lässt sich steigern indem man die Seitenwände in der gleiche Farbe streicht allerdings eine Nuance dunkler wählt.
Niedrige Räume: Mutige greifen zu Längsstreifen. Die Streifen strecken den Raum optisch.
Hohe Räume: Ist ein Räum zu hoch greift man am besten zu dunklen Farben für die Decke. Bei extremer Höhe lohnt es sich auch die Deckenfarbe ein paar Centimeter auf die Wände herunterzuziehen.
Hohe Räume: Ein andere Weg ist es die Wandfarbe nicht ganz bis zur Decke zu ziehen, sondern einen breiten Streifen der Wände freizulassen. In diesem Fall sollte die Decke aber in einem hellen Farbton gestaltet werden.
Kleine Räume: Tapeten mit kleinen Mustern sorgen dafür, dass ein Raum größer wirkt.
Große Räume: Große Räume werden durch warme Erdtöne gemütlicher.

Farb-Tipps für jeden Raum:

Im Bad

Kolorierte Muntermacher

Weiß ist in Nassräumen sehr beliebt, steht es doch für Sauberkeit, Heilung und Neubeginn. Trotzdem ist ein reinweißes Badezimmer nicht unbedingt ideal, denn es kann auch kalt wirken und ein Gefühl der Leere erzeugen. Mehr Wellness-Feeling schaffen da schon Creme- und Holzfarben, ein wenig Gold stärkt das Selbstwertgefühl und Grüntöne – etwa durch feuchtigkeitsliebende Pflanzen – wirken sehr entspannend. Morgenmuffel brauchen allerdings auch ein paar belebendere Akzente – wie gelbe Handtücher oder einen roten Duschvorhang. Das bringt sie in der Früh schneller auf Touren. Und wer im Bad vor allem loslassen und die materielle Welt ausblenden möchte, verwendet Violett. Die in der Kunst und Mystik beliebte Farbe soll – ebenso wie tiefes Blau – innere Reinigungsprozesse in Gang setzen.

In der Küche

Appetitliche Farben

Grüner Salat, weißes Mehl, orange Karotten, roter und gelber Paprika – allein die Lebensmittel machen die Küche schon bunt. Trotzdem darf man auch bei der Einrichtung für ein bisschen Farbe sorgen – zumal man damit auch die eigenen Ernährungsgewohnheiten beeinflussen kann. Starke, warme Farbtöne wie Rot, Orange und Gelb verstärken die Lust auf lukullische Genüsse. Sanfte oder kühle Farben wie Blau, Türkis oder Pastellgrün hemmen sie. Wer Kindern gesundes Gemüse schmackhaft machen will, serviert es auf roten Tellern. Wer abnehmen möchte, verwendet hellblaues Kochgeschirr. Und silberfarbene Fronten schenken Energie, die man dazu verwenden kann, die Kalorien, die man zu sich genommen hat, beim Fitnesstraining wieder abzubauen.

Im Arbeitszimmer

Motivierende Farb-Palette

Nicht nur Orange ist eine hilfreiche Farbe im Homeoffice, auch Gelb ist eine sehr gute Wahl: Es bekämpft Lethargie, stimmt optimistisch und unterstützt Lernfreude und Arbeitslust. Darüber hinaus hilft es bei der Lösung von Problemen und beim Erkennen von Zusammenhängen. Für Kreative empfiehlt sich aber auch Türkis, vor allem, wenn sie schriftliche Aufgaben zu bewältigen haben. Diese Farbe unterstützt den klaren, sprachlichen Ausdruck und lässt Ideen fließen. Zusätzlich fördert sie die Konzentration. Grün eignet sich gut für Arbeitsbereiche, die vor allem Ruhe ausstrahlen sollen, leuchtendes Pink wirkt belebend und hält geistig frisch. Vorsicht ist hingegen bei Braun geboten: Zu viel davon kann die Kreativität hemmen.

Im Vorzimmer

Einladende Visitenkarte

Vorzimmer FarbpaletteDas Entree sollte edel und einladend wirken, auch wenn man sich in diesem Raum ohnehin nicht allzu lange aufhält. Purpur und Gold wirken repräsentativ und ehren den Ankommenden, violette Vorräume können wie eine Stressschleuse wirken, in der man die Einflüsse der Außenwelt beim Eintreten abschüttelt. Man kann hier aber auch mit starken Farben wie Rot, Blitzblau oder Knallorange für Blickfänge sorgen. Wichtig ist nur, dass man keinen falschen Eindruck erweckt: Das Vorzimmer ist die Visitenkarte eines Büros oder Zuhauses und sollte einen stilistischen Vorgeschmack auf die anderen Räume liefern.

Im Wohnzimmer

Harmonische Töne

WohnzimmerEntspannungsoase, Familien-Treffpunkt, Fernsehzimmer, Partyzone – an das Wohnzimmer werden meist viele verschiedene Ansprüche gestellt. Ebenso unterschiedlich sind die Stimmungen, die man in diesem Raum erzeugen möchte – und die Farben, die dabei helfen können. Rot erhöht, maßvoll eingesetzt, die Kontaktfreudigkeit und fördert die Kommunikation. Im Übermaß macht es allerdings unruhig und aggressiv. Vor allem temperamentvolle Menschen sollten sich deshalb lieber mit roten Zierpolstern oder Accessoires begnügen. Gelb und Orange fördern die Lebensfreude und das Miteinander. Sie sind also gut für Bereiche, in denen die Geselligkeit zelebriert wird. Grün wirkt zugleich entspannend und vitalisierend – und ist schon deshalb ideal für das Wohnzimmer. Es ist die Farbe der Hoffnung und der Zufriedenheit und somit förderlich für ein glückliches Familienleben. Besonders viel Geborgenheit vermittelt Grün als Wandfarbe – oder in Form einer sogenannten Living Wall aus Zimmerpflanzen. Darüber hinaus soll es beruhigend auf die Augen wirken – perfekt nach einem langen Arbeitstag vor dem Computer. Besonders schön lässt es sich mit – ebenfalls entspannenden – Erdtönen, aber auch mit Rot, Orange oder einem kühleren Blaugrün kombinieren. Ein Verwandter von Grün ist das gelbliche Lemon, das in den vergangenen Jahren verstärkt Einzug in die Wohnräume gefunden hat: Es fördert positive Emotionen, unterstützt das Verständnis für andere Menschen und löst Glücksgefühle aus. Außerdem soll es die Thymusdrüse anregen und dadurch das Immunsystem kräftigen.

Im Schlafzimmer

Entspannender FarbMix


Als die perfekte Farbe fürs Schlafzimmer wird immer wieder Rosa gepriesen. Männer hören das vermutlich nicht so gerne. Schließlich geben sie das Mittelding zwischen Rot und Weiß bei Umfragen gern als jene Farbe an, die ihnen am wenigsten gefällt. Daran ändert auch der gute Ruf von Rosa nichts. Es ist die Farbe der Zärtlichkeit, der Fürsorglichkeit und der Einfühlsamkeit. Rosa wirkt besänftigend und harmoniefördernd und soll auch dabei helfen, Gefühle auszudrücken. Jedoch: Die Farbe bremst auch unsere Leidenschaft. Förderlich ist hier vor allem Scharlachrot, das zwischen Rot und Magenta liegt und als wirkungsvolles Aphrodisiakum gilt. Ein komplett in dieser Farbe gehaltenes Schlafzimmer hat wiederum den Nachteil, dass man sich darin viel zu aufgestachelt fühlt, um ans Schlafen zu denken. Wer Rosa nicht mag, setzt daher bei der Hauptfarbe besser auf andere entspannende Töne, zum Beispiel Apricot, das – mithilfe von sanfter Beleuchtung – angenehm schläfrig macht und dennoch romantische Sonnenuntergangsstimmung erzeugt.

Im Kinderzimmer

Kunterbunter Anstrich

Schon Neugeborene können Farben wahrnehmen – am besten Rot. Das haben kanadische Forscher herausgefunden. Fast alle kleinen Teilnehmer konnten bei einem Test einem roten Fleck folgen, der auf grauem Grund hin- und herbewegt wurde. Die Farbe Grün hingegen erkannte nur jedes dritte Kind, Gelb jedes vierte und Blau nur jedes zehnte. Nach drei Monaten ist ein Kinderauge allerdings imstande, fast alle Farben wahrzunehmen – wenn auch nicht ihre feinen Nuancen. Den Unterschied zwischen Azur und Hellblau können zumeist erst Teenager erkennen. Deshalb bevorzugen Kinder auch kräftige Farben und starke Kontraste. Babys, das weiß man aus anderen Studien, bevorzugen Lila, Rot und Orange. Mit Rot sollte man es bei der Kinderzimmereinrichtung dennoch nicht übertreiben: Speziell aktive Kids sind in einem roten Raum nur schwer zu beruhigen. Orange bietet sich speziell bei ängstlichen, mutlosen Kindern an. Und Lilatöne sollen Gelassenheit schenken, die Fantasie anregen und das innere Gleichgewicht fördern.
Gemischt mit einem Schuss Gelb – für gute Laune – und ein wenig streitschlichtendem Hellblau ergibt sich dann ein kunterbunter Raum, in dem kein Platz für langweiliges Grau ist. Und das ist auch gut so. Denn diese Farbe mögen die meisten Kinder nicht so.

Im Fitnessraum

Farben als Energiespender

welche farben man am besten im Fitnessraum verwendetRot und Orange geben Power und sind daher ein guter „Motor“ beim Lauf- oder Krafttraining. Als Wand- oder Bodenfarbe peppen sie einen Raum mit Trainingsgeräten in Silbertönen auf, wobei letztere zusätzlich Energie spenden. Aber auch Gelb erhöht die Aktivität – und die Merkfähigkeit. Es ist deshalb ideal für alle Workouts, bei denen man strukturierte Abläufe im Gedächtnis behalten muss – etwa beim Tanzen zu Trainings-Videos mit kleinen Choreografien. Für Balletträume hingegen ist auch zartes Rosa geeignet: Es hilft dabei, Bewegungen zu harmonisieren. Für meditative Übungen wie Yoga oder QiGong sind wiederum erdige Braun- und natürliche Grüntöne ideal. Sie fördern die Entspannung und die Ausgeglichenheit. Und in nicht klimatisierten Räumen, in denen schweißtreibenden Aktivitäten durchgeführt werden, kann eine blau gestrichene Decke für ein angenehmes Kühle-Gefühl sorgen. Ebenfalls ein guter Trick: eisblaue Handtücher für die „kleine Erfrischung zwischendurch“.

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