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Die Wurzeln unserer Persönlichkeit

Wie wir werden wie wir sind.

Home » Family » Die Wurzeln unserer Persönlichkeit - 10.2017

Wir sind glücklich und zufrieden, wenn wir die richtige Balance im Leben finden. Eine starke Persönlichkeit hilft uns dabei. Aber was macht uns eigentlich zu dem, was wir sind?

Ein ganz normaler Tag im Kindergarten. Ein Kind wird gehänselt. Ein anderes bemüht sich darum, ihm ein guter Freund zu sein. Ein Kind baut stundenlang und in aller Seelenruhe einen Turm aus Holzklötzen. Und ein anderes kann nicht eine einzige Minute still sitzen. Schon im Kleinkindalter erkennt man oft gut, wie unterschiedlich die Persönlichkeiten bereits ausgeprägt sind. Wer solche Situationen beobachtet, fragt sich unweigerlich: Warum sind Kinder so verschieden? Und: Ist das Verhalten nur kindliches Benehmen oder schon ein richtungsweisendes Anzeichen für die spätere Persönlichkeit? Was macht uns eigentlich zu dem, wer, was und vor allem wie wir sind?

In welche Richtung das Temperament eines Menschen geht, steht schon sehr bald fest. Bereits Neugeborene zeigen durch ihr Verhalten, was in ihnen steckt. „Manche finden leicht einen Rhythmus, schlafen und essen regelmäßig und sind sehr positiv gestimmt“, erklärt die Kinderpsychologin Natalie Bayer-Chistè.

„Andere sind eher quengelig und unruhig oder lassen sich leicht ablenken.“ Die gute Nachricht: „Man kann alles, was ein Baby mit auf diese Welt bringt, verstärken beziehungsweise abschwächen“, sagt die Psychologin. Die Persönlichkeit wird also bereits ab der ersten Stunde von Mama und Papa mitgeprägt.

Zum Beispiel durch die Atmosphäre und Stimmung, die Eltern ihren Babys im Alltag und beim Zusammensein vermitteln. „Wie Eltern reagieren – ängstlich, in sich ruhend oder hektisch –, all das nimmt ein Baby auf“, sagt Bayer-Chistè. Der erste wichtige Grundstein für eine starke Persönlichkeit ist, dass das Neugeborene eine sichere Bindung aufbauen kann, dass man auf seine Signale eingeht, sie richtig interpretiert und die Bedürfnisse unmittelbar und liebevoll befriedigt. „Das Baby muss merken: Hier nimmt jemand meine Gefühle wahr und erkennt, was ich brauche.“

Johann Wolfgang von Goethe, Dichter

»Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.«

Die fünf Merkmale unserer Persönlichkeit

Die Persönlichkeitsforschung hat fünf Merkmale definiert, anhand derer sich menschliche Persönlichkeit beschreiben lässt:

  1. Neurotizismus – die Neigung zu emotionaler Labilität und Ängstlichkeit.
  2. Extra- beziehungsweise Introversion – Geselligkeit und Optimismus auf der einen, Zurückhaltung auf der anderen Seite.
  3. Offenheit, Wissbegierde und Interesse, neue Erfahrungen zu sammeln.
  4. Verträglichkeit – nachgeben können und kooperieren wollen.
  5. Gewissenhaftigkeit – Zuverlässigkeit, Disziplin und die Bereitschaft zur Leistung.

Schon im Kindesalter lassen sich viele dieser Eigenschaften erkennen und einordnen. „Das, was in den ersten Kindheitsjahren angelegt wurde, ist sehr stabil“, so Bayer-Chistè. „Alles Positive, das Eltern investieren, macht sich auf lange Sicht im Leben des Kindes bezahlt.“ Tatsache ist aber auch: Persönlichkeitsmerkmale können sich im Laufe des Lebens ändern. Etwa durch Erlebnisse oder besonders prägende Menschen.

Jesper Juul

»Es ist viel wertvoller, sich um Kinder und Jugendliche zu kümmern, anstatt sie zu erziehen.«

Der Einfluss der Eltern

Alle Eltern wünschen sich, dass ihr Kind eine starke, ausgeglichene Persönlichkeit wird. „Stark“ bedeutet in diesem Fall, mit dem eigenen Umfeld gut umzugehen, positiv auf Neues zu reagieren, beziehungs­fähig zu sein, mit anderen Menschen gut auszukommen und sich in ungewohnten oder stressbeladenen Momenten trotzdem zurechtzufinden.

Wenn ein junger Mensch lernt, eine Balance zwischen den Normen der Gesellschaft und der Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse zu halten, ist das eine gute Basis für Glück und Zufriedenheit. Aber: Wie können Mama und Papa darauf Einfluss nehmen?

Da ist die bereits erwähnte Bindung zu Beginn, wenn das Baby auf die Welt kommt. Diese schafft Grundvertrauen ins Leben und in die eigene Person. „Das stärkt den Selbstwert, und der ist Motor für ganz viele Dinge im Leben“, erklärt Bayer-Chistè.

Auch eine Lernumgebung, die anregend, aber nicht überfordernd ist, ermöglicht einen guten Start ins Leben, ebenso das Vermitteln von Werthaltungen wie Offenheit und Optimismus oder die Stärkung von Motivation, Ausdauer oder Konzentration. Eine wesentliche Rolle spielen auch kommunikative Fähigkeiten. „Das Kind soll dabei unterstützt werden, seine Gedanken und Wünsche wahrzunehmen und in Worte zu fassen“, erklärt die Psychologin. „Denn wer fit in der Sprache ist, findet sich in der Welt leichter zurecht.“

Nicht zuletzt sollte man dem eigenen Kind etwas zutrauen und ihm Autonomie lassen, sich selbst auszuprobieren. Zugleich ist es wichtig, Sicherheit zu vermitteln. Das ist für viele Eltern ein Grenzgang.

Fragt sich nur: Wie lassen sich all diese Dinge vermitteln? Zuerst muss man sich der großen Verantwortung bewusst werden, die man trägt. Und dann geht es um das aktive Vorleben. „Eltern sind Leitfiguren und in allem Vorbild“, sagt die Psychologin. Die eigenen Kinder nicht zu erziehen – das sei unmöglich. Denn alles, was man tut und sagt, beeinflusst die Erziehung und Entwicklung der Sprösslinge. „Kinder erwarten gar nicht, dass sie erzogen werden. Sie lernen vielmehr in allem, was da ist.“

Friedrich Fröbel

»Erziehung besteht aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe.«

Eltern sind der erste Kompass, der den Kleinen hilft, in die Welt hineinzuwachsen. Bei so viel Verantwortung kommt noch eine Frage auf: Was genau kann, was darf, was soll man beeinflussen?

Die Antwort: In der Regel reicht es, ein gutes Umfeld zu bieten sowie viel Sicherheit und Liebe zu geben. Alles andere entfaltet sich dann von selbst. Kinder wollen in die Gesellschaft hineinwachsen, anerkannt und geliebt werden, ihre Neugierde befriedigen und lernen. „Kinder bringen von Grund auf sehr viel positives Potenzial mit“, weiß Bayer-Chistè. „Man muss einfach nur sehr feinfühlig damit umgehen.“

Zusammenfassung: Was macht uns zu dem, was wir sind?

Schon Neugeborene zeigen unterschiedliches Temperament und Verhalten, aber Mama, Papa und das Umfeld prägen, verstärken oder schwächen diese Persönlichkeitsmerkmale.

Der erste Grundstein für eine starke Persönlichkeit ist eine sichere Bindung zwischen Neugeborenem und seinen Eltern. Dazu gehört es, seine Bedürfnisse richtig zu interpretieren und liebevoll zu befriedigen.

Fünf generelle Persönlichkeitsmerkmale lassen sich schon im Kindesalter erkennen und fördern: Emotionale Labilität und Ängstlichkeit, Geselligkeit und Optimismus bzw. Zurückhaltung, Offenheit und Wissbegierde, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit und Disziplin.

Eltern sind Leitfiguren und Vorbild. Das und eine sicheres und liebevolles Umfeld und eine anregende, nicht überfordernde Lernumgebung sind die Grundsteine für eine gesunde Kindesentwicklung.

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